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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Urge­schich­te

 

Zusam­men­fas­sung der Sit­zung am 14.11.2017 – von Anna­le­na Sopp

Um einen Ein­stieg in die Sit­zung zu bekom­men, grif­fen wir gleich zu Beginn eine offen geblie­be­ne Fra­ge aus der Sit­zung vom 07.11.2017 auf. Wir beschäf­tig­ten uns mit der Fra­ge: „Was ist das für eine Atmo­sphä­re, die uns Gott geschaf­fen hat?“ Zu Beginn des Schöp­fungs­be­rich­tes war alles wüst, leer und düs­ter. Danach erschuf Gott Tag für Tag, all die schö­nen Din­ge, die wir auch heu­te noch ken­nen. Uns kam der Gedan­ke, dass die­se lebens­freund­li­che, man könn­te sogar sagen per­fek­te Atmo­sphä­re, die Lie­be Got­tes für uns Men­schen ver­deut­licht. Bio­lo­gisch gese­hen könn­te der Mensch auch mit viel weni­ger über­le­ben, Gott möch­te jedoch, dass es uns gut geht und wir alles haben, was wir für ein schö­nes und erfüll­tes Leben benö­ti­gen.

Aus­ge­hend von die­sem Gedan­ken beschäf­tig­ten wir uns damit, war­um Gott uns eine sol­che Lie­be ent­ge­gen­bringt. In Gene­sis 1,27 heißt es: „Und Gott schuf den Men­schen nach sei­nem Bil­de“. Wir inter­pre­tier­ten die­sen Bibel­vers so, dass in jedem von uns Men­schen etwas Gött­li­ches steckt und wir mit all unse­ren ver­schie­de­nen Facet­ten, Got­tes Viel­fäl­tig­keit wider­spie­geln. Män­ner und Frau­en sind somit nicht nur phy­sisch Gott ähn­lich, son­dern wei­sen auch eine see­li­sche Ähn­lich­keit zu Gott auf. Davon aus­ge­hend stell­ten wir die Ver­mu­tung an, Gott könn­te andro­gyn sein, also männ­lich und weib­lich zugleich. Wir konn­ten zumin­dest ein bestimm­tes Geschlecht aus­schlie­ßen, da dies nir­gend­wo in der Bibel belegt wird. Ein­deu­tig ist jedoch: Gott ist unser Schöp­fer und wir sind sei­ne Geschöp­fe.

Die For­mu­lie­rung unse­rer Schöp­fung „nach dem Bil­de Got­tes“ beschäf­tig­te uns jedoch auch nach die­sen The­sen immer noch und so beschlos­sen wir, mit­hil­fe ande­rer Bibel­stel­len uns die­ser For­mu­lie­rung wei­ter zu nähern. In Exo­dus 20, 4: „Du sollst dir kein Got­tes­bild machen und kei­ne Dar­stel­lung von irgend­et­was am Him­mel dro­ben, auf der Erde unten oder im Was­ser unter der Erde“ ent­stand für uns ein kla­rer Wider­spruch. Wir sol­len uns kein Got­tes­bild machen, sind jedoch nach dem Bil­de Got­tes erschaf­fen und stel­len somit ein ähn­li­ches mensch­li­ches Got­tes­bild dar.

Nun stell­te sich uns die Fra­ge, war­um die Defi­ni­ti­on des „Bil­des“ bzw. das Bild in Gene­sis 1, 27 so in den Vor­der­grund rückt. Bereits im alten Grie­chen­land wur­den die Göt­ter und Göt­tin­nen als Bil­der der Men­schen gese­hen, Gene­sis 1, 27 kehrt die­se Dia­gno­se um. So wird die Bild­ka­te­go­rie in die­sem zen­tra­len Bibel­text sehr stark betont und die Bild­lich­keit in den Vor­der­grund gestellt. Reli­giö­se Kom­mu­ni­ka­ti­on ist somit bild­lich zu ver­ste­hen, auch in Bezug auf die Bibel und knüpft damit an die Anti­ke an.

Dies war der letz­te inhalt­li­che Punkt zu Gene­sis 1,1-2,4a und wir gin­gen dazu über, die Struk­tur von 2,4b zu ana­ly­sie­ren. Wir stell­ten fest, dass Gen 2,4b genau­so wie Gen 1,1 eine Art Über­schrift bzw. Ein­lei­tung dar­stellt. Dies soll ver­deut­li­chen, dass nun eine neue Geschich­te beginnt. Frü­her war man der Mei­nung, die zwei Geschich­ten stamm­ten aus unter­schied­li­chen Quel­len. Heu­te geht man eher davon aus, dass es zwei unter­schied­li­che Erzäh­lun­gen sind, die jeweils von einem ande­ren Aus­gangs­punkt star­ten.

Die Schöp­fungs­ge­schich­te in Gene­sis 1 beginnt mit der Urflut, aus der Tag für Tag Neu­es geschaf­fen wird. Gene­sis 2,4b geht jedoch von dem genau­en Gegen­teil aus und beschreibt, dass bereits alles vor­han­den war, außer Was­ser. Da Was­ser jedoch der Grund­stein jedes Lebens ist, war auch die­se ers­te Schöp­fung kei­ne Lebens­grund­la­ge für uns Men­schen. Wir inter­pre­tier­ten die­se zwei Aus­gangs­punk­te als ver­schie­de­ne Ent­wür­fe, die aus unter­schied­li­chen Betrach­tungs­wei­sen die Geschich­te der Schöp­fung erzäh­len.

Mit dem Unter­schied der bei­den Geschich­ten wer­den wir uns in der nächs­ten Stun­de inten­siv aus­ein­an­der­set­zen.

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Info:
Urge­schich­te ist Beitrag Nr. 6622
Autor:
Martin Pöttner am 18. November 2017 um 14:06
Category:
Einfünrung in die Exegese und Hermeneutik,TU Darmstadt
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