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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Zusammenfassung vom 06.11.(Uni Hd)


Der seg­men­tier­te Text ab 3,15 befin­det sich hier.
Wir erör­ter­ten das Pro­blem der κρίσις in Bezug zur rezi­pier­ten Men­schen­sohn-Seman­tik der syn­op­ti­schen Evan­ge­li­en und nah­men Mk 13,24-27 zur Kennt­nis. Was den Lei­dens- und Ster­bens­as­pekt des Men­schen­sohns angeht, haben wir dass schon mit der Rede vom „Erhöht­wer­den“ wahr­ge­nom­men (3,14). Eben­so sahen wir in 1,18, dass der Auf­er­ste­hungs­as­pekt mit der Rück­kehr zum Vater ver­bun­den ist. Anders aber ver­hält es sich mit den kos­mi­schen Kata­stro­phen, die der Wie­der­kunft zum Gericht vor­aus­ge­hen. Zudem wird das Kom­men des Lichts als Gericht ver­stan­den.
Wir erör­ter­ten in die­sem Zusam­men­hang den durch die Geburts­me­ta­pho­rik dar­ge­stell­ten pas­si­ven Cha­rak­ter des zum Glau­ben-Kom­mens, das wie bei Pau­lus von Luther rezi­piert wird, das luka­ni­sche Dop­pel­werk sieht es anders. Mög­li­cher­wei­se könn­te auch das Mat­thäu­sevan­ge­li­um es anders sehen, das kön­nen wir noch erör­tern.
Eine deter­mi­nis­ti­sche Kon­zep­ti­on liegt wegen der Lie­be-Seman­tik im Johan­nes­evan­ge­li­um nicht vor, Gott kommt uns aber ent­ge­gen.
Die Fins­ter­nis spielt sich in der Lebens­pra­xis der bösen, schlech­ten, licht­scheu­en Wer­ke ab. Im Licht voll­zieht sich das Gericht.
Ob es dabei einen dop­pel­ten Aus­gang gibt, erör­tern wir anhand von Joh 17 wei­ter.
Den­noch gibt es in den Abschieds­re­den, in denen es um die Zeit der Schüler/innen nach der Rück­kehr des Soh­nes zum Vater geht, die Rede von einem Wie­der­kom­men Jesu (14,2f). Er kom­me wie­der, wenn er Woh­nun­gen für sie beim Vater berei­tet habe, um sie zu sich zu holen (vgl. Thy­en, zur St., der sogar eine Art himm­li­schen Tem­pel für mög­lich hält, wo die Schüler/innen dann sein wür­den). Jeden­falls ist das tat­säch­lich eine Zukunfts­per­spek­ti­ve in der johan­n­ei­schen Escha­to­lo­gie. M. E. ist die­se Zeit ange­sagt, wenn alle von der Lie­be erfasst sind, was der Sinn von Joh 17,21ff ist.
Mit V. 19 kehrt die Niko­de­mus­sze­ne zur Licht­se­man­tik zurück, auf die zu Beginn ange­spielt wur­de – Niko­de­mus kommt des Nachts zu Jesus (3,2aα). Denn das Gericht bestehe dar­in, dass das Licht in die Men­schen­welt gekom­men sei, doch die Men­schen lieb­ten die Fins­ter­nis – und hass­ten das Licht. Das spielt auf das Sze­na­rio „am Anfang“ an, es wie­der­holt sich. Das wird mit der Wer­k­e­se­man­tik ver­knüpft, sodass das­je­ni­ge, was die Men­schen tun, böse oder schlecht ist. Die­ses beruht aber auf den dra­ma­ti­schen Lei­den­schaf­ten, Affek­ten bzw. Emo­tio­nen. Das Johan­nes­evan­ge­li­um gehört wie die ech­ten Pau­lus­brie­fe, das Mar­ku­sevan­ge­li­um und die Berg­pre­digt zu den Tex­ten, die eine fun­da­men­ta­le Rol­le der Gefüh­le bei den Men­schen unter­stel­len. Kön­nen die Men­schen Ver­fah­ren ent­wi­ckeln, um damit umzu­ge­hen? – ist eine seit gut 2500 Jah­ren nicht sel­ten dis­ku­tier­te Fra­ge.
3,22-36 führt nun wie­der die Figur Johan­nes des Täu­fers ein, wobei erzählt wird, dass Jesus auch tau­fe, also eine Art Kon­kur­renz­set­ting exis­tiert (zur lan­ge schon dau­ern­den Dis­kus­si­on, Thy­en, 226ff). Ori­en­tiert man/frau sich an der Per­spek­ti­ve des Pro­logs, dann ist Johan­nes der Täu­fer aber in das Gesche­hen des Kom­mens des Lichts und des Logos ein­be­zo­gen. Mit­hin ist er über die johan­n­ei­sche Sicht der Din­ge infor­miert – und die Über­set­zung könn­te etwas ein­fa­cher wer­den.
Ab 3,31ff spricht der Täu­fer enthu­si­as­tisch johan­n­eisch. Vor dem Hin­ter­grund der syn­op­ti­schen Täu­fer­tex­te erscheint das extrem befremd­lich. Daher gibt es ent­spre­chen­de literar- und redak­ti­ons­kri­ti­sche Hypo­the­sen (vgl. Thy­en, z. St., der die­se abweist). Da 3,36 die ein­zi­ge Ver­wen­dung von ὀργὴ … im Johan­nes­evan­ge­li­um dar­stellt, dürf­te der Text tat­säch­lich als eine ambi­tio­nier­te Fort­schrei­bung der Täu­fer­tex­te zu ver­ste­hen sein. Auch hier ant­wor­tet Joh 17 auf die Fra­ge, ob der Zorn Got­tes ewig auf den Nicht-Glau­ben­den bleibt.
Hin­ter­grund ist die Auf­fas­sung in Joh 3,5, dass von oben oder neu gebo­ren wer­den nur kön­ne, wenn dies durch Was­ser und Geist gesche­he. Daher tauft johan­n­eisch auch Jesus. Damit wird im Johan­nes­evan­ge­li­um expli­zit das Initia­ti­ons­ri­tu­al des Chris­ten­tums im Kon­text der Täu­fer­tra­di­ti­on ein­ge­führt. Man/frau emp­fängt bei dem Rei­ni­gungs­ri­tus den Geist, aber bei­des ist wich­tig. Man/frau wird gewa­schen bzw. gerei­nigt – und zugleich ver­wan­delt sich die emo­tio­na­le Schief­la­ge, dass sie bzw. er die Fins­ter­nis liebt.
Das Schick­sal Johan­nes des Täu­fers und das Jesu Chris­ti sind also stark par­al­le­li­siert, bei­de bezeu­gen mit ihrem Leben usf.
Die Wen­dung αὐτοῦ ist in Ver­bin­dung mit ἀκούων als beton­te Bezeich­nung des­sen zu ver­ste­hen, von wem das Gehör­te stammt, den der Hören­de selbst hört, χαρᾷ χαίρει ist ein Polyp­to­ton, gele­gent­lich als Figu­ra ety­mo­lo­gi­ca bezeich­net (29). Zum Hin­ter­grund vgl. auch die Erwä­gun­gen Thy­ens, z. St.

Aufgaben zur nächsten Sitzung

Über­set­zen und seg­men­tie­ren Sie Joh 17,1-15!

 

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Info:
Zusammenfassung vom 06.11.(Uni Hd) ist Beitrag Nr. 6569
Autor:
Martin Pöttner am 8. November 2017 um 16:17
Category:
Griechische Lektüre,Johannesevangelium
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