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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Joh 3,1-16 (Uni Hd)

Die Übung über­setz­te den seg­men­tier­ten Text Joh 3,1-16 und besprach zuvor Pro­ble­me ins­be­son­de­re von 1,18.

3 1a Ἦν δὲ ἄνθρωπος ἐκ τῶν Φαρισαίων,

b Νικόδημος ὄνομα αὐτῷ,

c ἄρχων τῶν Ἰουδαίων·

2 aα οὗτος ἦλθεν πρὸς αὐτὸν νυκτὸς

aβ καὶ εἶπεν αὐτῷ·

b ῥαββί,

c οἴδαμεν

dα ὅτι ἀπὸ θεοῦ ἐλήλυθας διδάσκαλος·

dβ οὐδεὶς γὰρ δύναται ταῦτα τὰ σημεῖα ποιεῖν

dγ ἃ σὺ ποιεῖς,

e ἐὰν μὴ ᾖ ὁ θεὸς μετ‘ αὐτοῦ.

3 a ἀπεκρίθη Ἰησοῦς καὶ εἶπεν αὐτῷ·

b ἀμὴν ἀμὴν λέγω σοι,

c ἐὰν μή τις γεννηθῇ ἄνωθεν,

d οὐ δύναται ἰδεῖν τὴν βασιλείαν τοῦ θεοῦ.

4 a Λέγει πρὸς αὐτὸν [ὁ] Νικόδημος·

b πῶς δύναται ἄνθρωπος γεννηθῆναι γέρων ὤν;

cα μὴ δύναται εἰς τὴν κοιλίαν τῆς μητρὸς αὐτοῦ δεύτερον εἰσελθεῖν

cβ καὶ γεννηθῆναι;

5 a ἀπεκρίθη Ἰησοῦς·

b ἀμὴν ἀμὴν λέγω σοι,

c ἐὰν μή τις γεννηθῇ ἐξ ὕδατος καὶ πνεύματος,

d οὐ δύναται εἰσελθεῖν εἰς τὴν βασιλείαν τοῦ θεοῦ.

6 a τὸ γεγεννημένον ἐκ τῆς σαρκὸς σάρξ ἐστιν,

b καὶ τὸ γεγεννημένον ἐκ τοῦ πνεύματος πνεῦμά ἐστιν.

7 α μὴ θαυμάσῃς

β ὅτι εἶπόν σοι

γ δεῖ ὑμᾶς γεννηθῆναι ἄνωθεν.

8 aα τὸ πνεῦμα ὅπου θέλει πνεῖ

aβ καὶ τὴν φωνὴν αὐτοῦ ἀκούεις,

bα ἀλλ‘ οὐκ οἶδας πόθεν ἔρχεται

bβ καὶ ποῦ ὑπάγει·

c οὕτως ἐστὶν πᾶς ὁ γεγεννημένος ἐκ τοῦ πνεύματος.

9 aα Ἀπεκρίθη Νικόδημος

aβ καὶ εἶπεν αὐτῷ·

b πῶς δύναται ταῦτα γενέσθαι;

10 aα ἀπεκρίθη Ἰησοῦς

aβ καὶ εἶπεν αὐτῷ·

bα σὺ εἶ ὁ διδάσκαλος τοῦ Ἰσραὴλ

bβ καὶ ταῦτα οὐ γινώσκεις;11 aα ἀμὴν ἀμὴν λέγω σοι

aβ ὅτι ὃ οἴδαμεν λαλοῦμεν

aγ καὶ ὃ ἑωράκαμεν μαρτυροῦμεν,

b καὶ τὴν μαρτυρίαν ἡμῶν οὐ λαμβάνετε.

12 a εἰ τὰ ἐπίγεια εἶπον ὑμῖν καὶ οὐ πιστεύετε,

b πῶς ἐὰν εἴπω ὑμῖν τὰ ἐπουράνια πιστεύσετε;

13 aα καὶ οὐδεὶς ἀναβέβηκεν εἰς τὸν οὐρανὸν

aβ εἰ μὴ ὁ ἐκ τοῦ οὐρανοῦ καταβάς,

b ὁ υἱὸς τοῦ ἀνθρώπου.

14 a Καὶ καθὼς Μωϋσῆς ὕψωσεν τὸν ὄφιν ἐν τῇ ἐρήμῳ,

b οὕτως ὑψωθῆναι δεῖ τὸν υἱὸν τοῦ ἀνθρώπου,

15 ἵνα πᾶς ὁ πιστεύων ἐν αὐτῷ ἔχῃ ζωὴν αἰώνιον.

16 a οὕτως γὰρ ἠγάπησεν ὁ θεὸς τὸν κόσμον,

b ὥστε τὸν υἱὸν τὸν μονογενῆ ἔδωκεν,

cα ἵνα πᾶς ὁ πιστεύων εἰς αὐτὸν

cβ μὴ ἀπόληται

cγ ἀλλ‘ ἔχῃ ζωὴν αἰώνιον.

Besprechung von Joh 1,18

Wir konn­ten fest­stel­len, dass mit dem Par­ti­zip Prä­sens ὢν … in 1,18bα die Zeit­stu­fe der Lek­tü­re des Tex­tes erreicht ist. Der Unter­schied zur Zeit­stu­fe am bzw. im Anfang wird durch die Dif­fe­renz zu ἦν bezeich­net. Logos und Gott sind Vater-und-Sohn-mäßig dif­fe­ren­ziert und auf­ein­an­der lie­be­voll bezo­gen wie das sinn­lich-inti­me Bild vom Lie­gen des ein­zig­ge­bo­re­nen Sohns im Schoß bzw. an der Brust des Vaters aus­drückt. Joh 13,23 ἦν ἀνακείμενος εἷς ἐκ τῶν μαθητῶν αὐτοῦ ἐν τῷ κόλπῳ τοῦ Ἰησοῦ, ὃν ἠγάπα ὁ Ἰησοῦς und 21,20 Πέτρος βλέπει τὸν μαθητὴν ὃν ἠγάπα ὁ Ἰησοῦς ἀκολουθοῦντα, ὃς καὶ ἀνέπεσεν ἐν τῷ δείπνῳ ἐπὶ τὸ στῆθος αὐτοῦ neh­men 1,18bα wie­der auf – und bezie­hen es expli­zit auf das Lie­bes­kon­zept des Johan­nes­evan­ge­li­ums, das ein Evan­ge­li­um der Lie­be ist. Das Ver­hält­nis von Sohn und Vater ist als ἀγάπη cha­rak­te­ri­siert, die sich im Ver­hält­nis von Jesus und sei­nen Schüler/inne/n fort­setzt, was durch τὸν μαθητὴν ὃν ἠγάπα ὁ Ἰησοῦς bezeich­net wird.

Das ist die eine Bot­schaft von 1,18. Die ande­re bezieht sich auf das Schrift­ver­ständ­nis des Johan­nes­evan­ge­li­ums – und dies wird m. E. zu Unrecht als anti­ju­da­is­tisch ange­grif­fen (vgl. Bibel in gerech­ter Spra­che, z. St.). Denn tat­säch­lich kann in Bezug auf die Rol­le des Mose in Ex 33,12ff behaup­tet wer­den, nie­mand habe jemals Gott gese­hen. Nar­ra­tiv wird das in Ex 24,1ff vor­be­rei­tet, aber in 9-11 mit einer ande­ren Per­spek­ti­ve kon­fron­tiert. Das Johan­nes­evan­ge­li­um legt sich auf die Mose-Per­spek­ti­ve fest, macht aber für Schrift­aus­le­gen­de die ande­re Per­spek­ti­ve nicht unsicht­bar, mit­hin ein nicht-auto­ri­tä­res Schrift­ver­ständ­nis, wie es Luther von den Rab­bi­nen über­nahm. Sola scrip­tu­ra bezeich­net daher nicht tota scrip­tu­ra, son­dern eine Schwer­punkt­set­zung, wie wir sie exem­pla­risch hier in Joh 1,18 vor­lie­gen haben. Vgl. http://alltagundphilosophie.com.www256.your-server.de/2016/05/01/einfuehrung-in-die-hermeneutik-des-neuen-testaments-ii/ .

Zu den Fra­gen der Kon­zep­ti­on der Erlö­sungs­fi­gur, die den nega­ti­ven Aspekt an sich tra­gen muss, vgl. http://alltagundphilosophie.com.www256.your-server.de/2016/06/26/einfuehrung-in-die-hermeneutik-des-neuen-testaments-viii/ .

Erörterung von Joh 3,1ff

Der Text ist wegen der Niko­de­mus-Sze­ne berühmt, der des Nachts kommt, wir erör­ter­ten die nahe­lie­gen­den Optio­nen, die ein/e Leser/in hat, uner­kannt kom­men vs. bestimmt durch die johan­n­ei­sche Licht-/Fins­ter­nis-Seman­tik.

Ent­schei­dend ist die offen­si­ve Ver­wen­dung des Miss­ver­ständ­nis-Motivs, Niko­de­mus ver­steht die Rede­wei­se des Von-Neu­em bzw. Von-Oben-Gebo­ren-Wer­den-Müs­sens scharf all­tags­ori­en­tiert und kon­tert iro­nisch, man müs­se dann (wohl) noch ein­mal in den Bauch der Mut­ter zurück? Jesus ver­sucht das Miss­ver­ständ­nis auf­zu­klä­ren, indem er den eige­nen Abstieg und Auf­stieg anhand des syn­op­ti­schen Men­schen­sohns­kon­zepts erläu­tert. Damit wird die syn­op­ti­sche Tra­di­ti­on auf­ge­nom­men, wonach der „Men­schen­sohn“ lei­det, stirbt, zur Rech­ten des Vaters sitzt und auf den Wol­ken des Him­mels zum Gericht wie­der­kommt. Dabei ist ein Bezug zu Dan 7,13LXX höchst­wahr­schein­lich. Die Fra­ge des Gerichts wer­den wir beim nächs­ten Mal klä­ren.

Johan­nes ver­wen­det mit­hin gewöhn­li­che Sprach­mus­ter des All­tags, um sie unge­wöhn­lich zu ver­wen­den, indem die gewöhn­li­che Ver­wen­dung befremd­lich aus­ge­dehnt wird. Damit ver­sucht er einen reli­giö­sen oder tran­szen­den­ten Über­schuss zu erzeu­gen, den man/frau frei­lich über­haupt nur über die Irri­ta­ti­on des all­täg­li­chen gewöhn­li­chen Spre­chens erfas­sen kann. D. h., die Leser/innen sind am Inter­pre­ta­ti­ons­pro­zess aktiv betei­ligt.

Viel­leicht wird auch erwar­tet, dass die Leser/innen: Ποίησον σεαυτῷ ὄφιν καὶ θὲς αὐτὸν ἐπὶ σημείου, καὶ ἔσται ἐὰν δάκῃ ὄφις ἄνθρωπον, πᾶς ὁ δεδηγμένος ἰδὼν αὐτὸν ζήσεται (Num 21,8LXX) ken­nen. Das wür­de das Zei­chen­ver­ständ­nis erklä­ren. Nur sol­che Zei­chen sind erlö­send, wenn sie ein Objekt prä­sen­tie­ren, das sowohl die ganz nega­ti­ve Sei­te der Erzäh­lung reprä­sen­tiert, näm­lich das Ver­sa­gen der Israelit/inn/en, als auch die erlö­sen­de Sei­te der Erzäh­lung bezeich­net – und wer von einer Schlan­ge gebis­sen wird und das ansieht, wird leben.

So soll es sich auch mit dem Kreuz Chris­ti ver­hal­ten, an das er „erhöht“ wird, sodass die Hin­ga­be des ein­zig gebo­re­nen Soh­nes für alle (die Welt) erlö­send ist.

Aufgaben zur nächsten Sitzung

  1. Über­set­zen und seg­men­tie­ren Sie Joh 3,17-36!
  2. Wie ist die Rede von der κρίσις zu ver­ste­hen – und was besagt das über das Johan­nes­evan­ge­li­um?
  3. Was besagt die erneu­te Auf­nah­me des Gegen­sat­zes von Licht und Fins­ter­nis bzw. der Rede vom „Fleisch“ (3,6)?
  4. Wie beur­tei­len Sie den Umgang des Johan­nes­evan­ge­li­ums mit der Täu­fer-Tra­di­ti­on?

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Info:
Joh 3,1-16 (Uni Hd) ist Beitrag Nr. 6560
Autor:
Martin Pöttner am 1. November 2017 um 10:55
Category:
Griechische Lektüre,Johannesevangelium
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