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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Griechische Lektüre und Exegese des Johannesevangeliums (Uni Hd)

 


Zusammenfassung vom 16.10.2017

Geplant ist, dass jeden Mitt­woch­abend spä­tes­tens eine Zusam­men­fas­sung der Sit­zung am Mon­tag­nach­mit­tag hier steht.

 

M. E. ist es wesent­lich, dass Sie ein sinn­li­ches Ver­hält­nis zum Text bekom­men. Wir muss­ten dazu frü­her den grie­chi­schen Text per Hand abschrei­ben. Wich­tig ist auch, dass Sie den Text hören, also für sich laut vor­le­sen. Denn die Lese­kom­pe­tenz war unter 20 %, sodass die Tex­te im Got­tes­dienst o. Ä. vor­ge­le­sen wur­den. Die rhe­to­ri­sche Gestal­tung der Tex­te zeigt das – und man/frau kann die­se mit Übung hören.

Im digi­ta­len Zeit­al­ter hat sich das erfreu­lich geän­dert. Der Text ist unter fol­gen­dem Link erreich­bar: http://alltagundphilosophie.com.www256.your-server.de/bibleworks-8/ . Sie müs­sen sich dann mit Ihrem UB-Aus­weis anmel­den. Dort fin­den Sie auch wich­ti­ge Hilfs­mit­tel, Gram­ma­ti­ken, Lexi­ka, Über­set­zun­gen usf. Nicht zuletzt sind alle Tex­te gram­ma­tisch ana­ly­siert.

Ent­schei­dend ist, dass Sie die Tex­te mit Daten­ban­ken durch­su­chen kön­nen, also ein mäch­ti­ges Hilfs­mit­tel zur Ver­fü­gung haben. Die für das Neue Tes­ta­ment wich­tigs­ten sind sol­che, die LXX und NT zusam­men bie­ten. Sie kön­nen das zugleich mit einer Biblia Hebrai­ca-Daten­bank ver­bin­den.

Als Kern­be­stand wer­den wir Joh 1,1-18, Joh 3, Joh 17, Joh 20f über­set­zen, um einen kla­ren Über­blick über das Johev zu erhal­ten, alle gewöhn­lich debat­tier­ten Fra­gen las­sen sich von die­sen Tex­ten her klä­ren. Ergän­zend kön­nen Sie wei­te­re Tex­te vor­schla­gen.

Erste Übersetzung: Joh 1,1-3

Seg­men­tiert sieht der Text so aus:

1a ν ρχν λγος,

1b κα λγος ν πρς τν θεν,

1c κα θες ν λγος.

2 οτος ν ν ρχ πρς τν θεν.

3a πντα δι′ ατογνετο,

3b κα χωρς ατογνετο οδν. γγονεν

Wir haben uns sanft ein­ge­le­sen und stell­ten fest, dass die drei Seg­men­te in V. 1, aber auch V. 2 durch das Imper­fekt  von εἶναι:  ν (3. sg. mask.) bestimmt sind. Jeweils bezieht sich das auf λγος, wie das Ver­bal­mor­phem -ν anzeigt. Der Anfangs­zu­stand bzw die Moda­li­tät wird durch ν ρχῇ aus­ge­drückt, was auf Gen 1,1 und Prov 8,23LXX ver­weist (vgl. Daten­bank­ana­ly­se). Der domi­nan­te Text ist wahr­schein­lich Gen 1,1 – und Prov 8 und Joh 1 inter­pre­tie­ren die­sen Text bzw. schrei­ben ihn fort. Mit v. a. unter­stel­le ich, dass Joh 1 auch Prov 8 fort­schreibt, sodass der λόγος die σοφία inter­pre­tiert (vgl. auch den Ver­such dar­auf auf­merk­sam zu machen in der „Bibel in gerech­ter Spra­che“, all­ge­mein zur dyna­mi­schen Schrift­aus­le­gung in Juden­tum und Chris­ten­tum vgl. hier). Nach mei­ner Auf­fas­sung kann daher λόγος mit „Rede“, „Wort“, „Ver­nunft“ oder „Weis­heit“ ins Deut­sche über­setzt wer­den.

Der Hin­ter­grund des johan­n­ei­schen Pro­logs ist daher die jüdi­sche Weis­heits­li­te­ra­tur, neben Prov 8,22ff sind auch Sir und die Sap­Sal in der Exege­se berück­sich­tigt wor­den (vgl. Thy­en [HNT 6], z. St., eben­so „Bibel in gerech­ter Spra­che“, z. St., in der am Rand wich­ti­ge Par­al­lel­stel­len ange­ge­ben wer­den. Thy­en ist im Appa­rat im WTS, eine digi­ta­le Ver­si­on der „Bibel in gerech­ter Spra­che“ befin­det sich hier.) Das erör­tern wir wei­ter. Mit dem Bezug zur Weis­heits­li­te­ra­tur zeigt sich, dass das Juden­tum kei­nes­wegs mono­to­no­the­is­tisch ist, son­dern in dem einen Gott, wel­cher der ein­zi­ge Gott über­haupt ist, auf­ein­an­der bezo­ge­ne Dif­fe­ren­zie­run­gen annimmt, hier die Weis­heit, die bei der Schöp­fung mit­tä­tig ist, bei den Rab­bi­nen die Tora, die als Gram­ma­tik der Schöp­fung ver­stan­den wird.

Dar­an knüpft die johan­n­ei­sche Got­tes­kon­zep­ti­on an. Der λόγος ist also eben­falls θεὸς … (1,1c), m. E. ist die­se Wen­dung am ehes­ten als prä­di­ka­tiv zu ver­ste­hen („gött­lich sein“ o. Ä.). Nicht zufäl­lig fehlt hier ein bestimm­ter Arti­kel. Es han­delt sich um eine dya­di­sche rela­tio­na­le Kon­zep­ti­on, die im Pro­log als Ver­hält­nis von „Vater“ und „Sohn“ wei­ter inter­pre­tiert wird. Ob das durch die johan­n­ei­sche Geist­kon­zep­ti­on zu einer tri­ni­ta­ri­schen Kon­zep­ti­on wird, kann erwo­gen wer­den.

Betont wird, dass durch den λόγος alles ent­stan­den sei (1,3), wie der Aorist von γίγνεσθαι aus­drückt: ἐγένετο. Die Wen­dung πάντα ist für den Text in der Fol­ge kon­sti­tu­tiv und wird rhe­to­risch vari­iert (vgl. 1,7b.9b). M. E. bezeich­net sie die Erzähl­dy­na­mik. Denn anders als in Gen 1 stockt der Pro­zess in Joh 1 ab 1,5. Vgl. die Ver­wen­dun­gen von ζωὴ …, φῶς und σκοτία in Gen 1LXX. Wir erar­bei­ten uns das im Semi­nar. Dass aber alle und alles im Kon­text des λόγος sein bzw. exis­tie­ren sol­len, bezeich­net die Erzähl­dy­na­mik. Das Imper­fekt drückt eher eine dau­ern­de Akti­ons­art aus, der Aorist eher eine punk­tu­el­le. Die prä­po­si­tio­na­le Geni­tiv-Wen­dung χωρὶς αὐτοῦ bezeich­net „ohne ihn“ bzw. „es“ oder „sie“, je nach­dem, wie Sie λόγος über­setzt haben …

Dass offen­bar man­che Seg­men­te ande­re wie­der­ho­len und/oder vari­ie­ren, wer­den wir wei­ter unter­su­chen (vgl. 2 und 3b).

Ich hof­fe, dass mög­lichst alle Teilnehmer/innen das Schlei­er­ma­cher­sche Mün­dig­keits­kon­zept für kir­chen­lei­tend Han­deln­de in der „Kur­zen Dar­stel­lung“, 1811ff, für sich als anre­gend emp­fin­den – und nun gut und ger­ne in Hei­del­berg Grie­chisch über­set­zen!

Aufgaben zur nächsten Sitzung

  1. Über­set­zen und seg­men­tie­ren Sie Joh 1,4-18!
  2. Neh­men Sie Gen 1LXX zur Kennt­nis!
  3. Über­le­gen Sie, wor­auf die Rede von der δόξα biblisch anspielt!
  4. Hat biblisch nie­mand jemals Gott gese­hen?
  5. Wie ist das rhe­to­ri­sche Ver­hält­nis von ζωή, λόγος und φῶς einer­seits sowie σκοτία und σάρξ ande­rer­seits zu ver­ste­hen?
  6. Wenn Sie Hil­fe benö­ti­gen, schau­en Sie bei Plett, Text­wis­sen­schaft usf. nach (im Appa­rat)!
  7. Gibt es ande­re Wor­te im Text, die auf die glei­che Wei­se zusam­men­hän­gen?
  8. Notie­ren Sie sich alle Fra­gen! Ich fra­ge zu Beginn jeder Sit­zung, wie Sie mit der Zusam­men­fas­sung zurecht gekom­men sind.

  9. Besuchen Sie mich auch auf www.bildungundalltag.de!

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Info:
Griechische Lektüre und Exegese des Johannesevangeliums (Uni Hd) ist Beitrag Nr. 6502
Autor:
Martin Pöttner am 17. Oktober 2017 um 17:14
Category:
Griechische Lektüre,Johannesevangelium
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