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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Der Schüler den Jesus liebte

 

Zusammenfassung vom 24.07.

Zu möglichen Seminararbeiten: Ein/e Student/in sollte Thema/Text selbst wählen, Vorschläge dann, wenn Ihnen nichts einfällt. Wenn Sie sich entschieden haben, erstellen Sie eine Gliederung der Arbeit, die Sie mit mir besprechen sollten. Bei der Arbeit bewerte ich anteilmäßig 20 % formal (Stil, Rechtschreibung, Typografie, Layout); 20 % Argumentation (Methodik, Kohärenz; auch: Literaturverarbeitung); 30 % Inhalt; 30 % Theologische Verarbeitung (eigene Meinung usf.).

Der segmentierte Text befindet sich in der letzten Zusammenfassung.

Das Modell „Auferstehen“ überwindet das peinliche Kreuz – und generiert ein sanfteres Glaubens- bzw. Nachfolgekonzept findet sich m. E. in keinem Evangelium (vgl. auch 1Kor 2,2). Wir hatten uns an Luthers Heidelberger Disputation den Traditionshintergrund im Christentum deutlich gemacht. Und so ist hier auch die Story mit Petrus und seinem Tod gemeint. In das Liebeskonzeption wird mithin ein Leidensaspekt integriert, da ansonsten die Gewaltlosigkeit nicht aufrechterhalten werden könnte – und auch Gott wird im Johannesevangelium so verstanden.

Das Thema Nachfolge (ἀκολούθει) ist für Joh 21 zentral, so folgt auch der Schüler, den Jesus liebte, nach (21,20: κολουθοντα). Die Präkanonischen Edition gibt ihm den Namen Johannes, einer der Zebedaiden. Der Text lässt aber auch zu, dass es einer der beiden nicht namentlich genannten Schüler ist (vgl. 21,2).

Die Sitzung setzte sich dann mit dem Phänomen auseinander, dass in Joh 13,35f und 15,9-12 das Liebe konzeptionell so eingeführt wird:

9Καθς γπησν με πατρ,

κγ
μς γπησα·

μενατε ν τ
γπ τ
μ.

10ἐὰν τς ντολς μου τηρσητε,

μενετε ν τ
γπ μου,

καθς γ τς ντολς το πατρς μου τετρηκα

κα μνω ατο
ν τ
γπ.

11Τατα λελληκα μν


να χαρ

μ
ν μν

κα
χαρ
μν πληρωθ.

12Ατη στν
ντολ

μ,

να γαπτε λλλους

καθς γπησα μς.

Hier ist das zentrale Konzept des Johannesevangeliums bezeichnet. Und dazu steht die Bezeichnung eines Schülers mit der Kennzeichnung „den Jesus liebte“, in einem nachdenklich stimmenden Missverhältnis. Das übliche Neutestamentler/innen-Verfahren diese Formulierung als Komparativ zu lesen, wurde durch eine weitere Variante im Seminar bereichert („Lieblingsjünger“). Nur: Das findet alles in der reichen Fantasie der Ausleger/innen statt, steht aber nicht im griechischen Text. Der einzige Komparativ in diesem Zusammenhang findet sich hier:

Σμων ωννου,

γαπς με πλον τοτων; (21,15b.c)

Daraus und dem anscheinenden Konkurrenzverhältnis von Petrus und dem Schüler, den Jesus liebte, wurde bei den gut Griechisch verstehenden Kolleg/inn/en der Lieblingsjünger – nur im griechischen Text kommt er nicht vor! Sie sollten zur Sicherheit noch einmal alle Stellen lesen, die φιλεν/γαπν, ησος und μαθητς … kombinieren …

Entsprechend wandten wir uns der Frage zu, ob es sich um eine symbolische oder „historische“ Figur handelt. Bultmann glaubte, es ginge um eine Symbolisierung des „Heidenchristentums“, diejenigen, welche für „historische Figur“ plädieren, orientieren sich an der Möglichkeit, diesen Schüler mit dem Namen Johannes zu verbinden, wie es in der Präkanonischen Edition der Fall ist – und verbinden bestimmte altkirchliche Storys mit ihm (z. B. Schnelle, Einleitung).

Vom Text selbst her ist vor allem klar, dass es sich bei dem Schüler, den Jesus liebte, um den expliziten Autor des Johannesevangeliums handelt: 19,35, 20,30ff, 21,25, dessen Text aber von anderen herausgegeben wurde. Hier sind m. E. die in der 1. Person Plural geäußerten Passagen ausschlaggebend, hier vor allem 21,24, aber schon im Prolog und in Joh 3. Auf diese Weise kommt man m. E. mit den zwei Buchschlüssen recht gut hin.

M. E. symbolisiert er als Autor besonders die zentrale Beziehung im Johannesevangelium, die Liebe, vgl. 1,18, 13,23, 21,24.


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Info:
Der Schüler den Jesus liebte ist Beitrag Nr. 6381
Autor:
Martin Pöttner am 25. Juli 2017 um 14:09
Category:
Johannesevangelium
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