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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Das Buch Hiob (Bibel­kun­de Hei­del­berg)

Ijob / Hiob

Über­sicht über die poe­ti­schen Tei­le des Ijob­bu­ches

Name und Posi­ti­on

Der Name Ijob bedeu­tet (nach dem Akka­di­schen) „Wo ist der Vater“, die bekann­te­re Namens­form „Hiob“ ent­springt der Über­set­zung Mar­tin Luthers. In deut­schen Bibeln steht das gleich­na­mi­ge Buch in der Regel als ers­tes der Lehr­bü­cher vor dem Psal­ter, in der Hebräi­schen Bibel steht es an zwei­ter (oder an drit­ter) Stel­le nach den Psal­men.

Auf­bau

Wich­tig ist die Erkennt­nis, dass das Hiob­buch aus einer Rah­men­hand­lung und dahin­ein gestell­ten Reden in Vers­form (Poe­sie) besteht. Vgl. einen Über­blick über hebräi­sche Vers­for­men hier. Pro­log und Epi­log sind dage­gen in Pro­sa ver­fasst. Man muss davon aus­ge­hen, dass die­se Glie­de­rung dem ursprüng­li­chen Wachs­tum des Buches ent­spricht. (Zusätz­lich sind noch wei­te­re Wachs­tums­spu­ren inner­halb des Rede­teils fest­zu­stel­len.)

Rah­men­teil

Der Inhalt des Rah­men­teils 1,1-2,13 + 42,7-17 schil­dert das Schick­sal des from­men Dul­ders Hiob aus dem (ara­bi­schen?) Lan­de Uz. Ange­sta­chelt durch den Satan erlegt Gott dem Hiob Prü­fun­gen auf, um des­sen Treue auf die Pro­be zu stel­len. Hiob ver­liert zunächst Güter und Kin­der (Das ist der Inhalt der soge­nann­ten „Hiobs­bot­schaf­ten“), doch er ver­sün­digt sich nicht, son­dern preist Gott mit den Wor­ten „der Herr hat’s gege­ben, der Herr hat’s genom­men, der Name des Herrn sei geprie­sen“ (1,21). Bei die­ser Über­zeu­gung bleibt er auch, als ihm Gott auf Zura­ten des Satan die Gesund­heit nimmt und ihm sogar sei­ne Frau rät, von Gott abzu­las­sen. Drei Freun­de Hiobs kom­men und bewei­nen mit ihm sein Schick­sal. Am Ende stellt Gott jedoch das Glück des Hiob wie­der her und gibt ihm dop­pelt so viel, wie er gehabt hat­te (42,10).

Datie­rung

Hiob erscheint hier als der urzeit­lich From­me, der auch in Ez 14,14.20 zusam­men mit Noah und Dani­el erwähnt wird. Beson­ders durch das nicht wei­ter bekann­te Land Uz wird der Ver­dacht erhär­tet, dass es sich bei die­sen drei Gestal­ten um außer­is­rae­li­ti­sche From­me han­deln soll. Das Alter der vor­lie­gen­den weis­heit­li­chen Erzäh­lung ist sehr umstrit­ten. Die Erwäh­nung des Satan in Sach 3 und die Nähe der Erzähl­wei­se zur Josefs­no­vel­le und dem Jon­abuch schei­nen aber dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Tei­le in nach­exi­li­scher Zeit ent­stan­den sind. Es ist gut denk­bar, dass die Erzäh­lung auf eine älte­re Legen­de zurück­greift, die nicht schrift­lich erhal­ten ist.

Reden­teil

In die­se Erzäh­lung hin­ein wur­de in spä­te­rer Zeit ein Kranz von Neu­in­ter­pre­ta­tio­nen des Pro­blems „der lei­den­de Gerech­te“ gestellt. Anknüp­fungs­punkt ist die Erwäh­nung der drei Freun­de, Eli­fas, Bildad und Zofar, die nach 2,11ff. mit Hiob kla­gen. (Oder sind die drei Freun­de erst zur Über­lei­tung zu den Reden ein­ge­fügt wor­den?) Kap. 3 schil­dert als Auf­takt des Gesprächs­gangs Hiobs Kla­ge, auf die dann die drei Freun­de ant­wor­ten.

Die nun fol­gen­den Gesprächs­gän­ge sind par­al­lel auf­ge­baut. Auf die Kri­tik oder Argu­men­ta­ti­on des jewei­li­gen Freun­des ant­wor­tet Hiob direkt, dann ist der nächs­te Freund an der Rei­he, dann wie­der Hiob, dann wie­der­um der nächs­te Freund. Dies wie­der­holt sich drei­mal, wobei in Kap. 24-27 offen­kun­dig Tei­le weg­ge­bro­chen sind. So fehlt die letz­te Rede des Zofar, die Ant­wort Hiobs dar­auf ist viel­leicht in Kap. 27 erhal­ten. In Kapi­tel 28 wur­de dann ein Lob­preis der uner­find­li­chen Weis­heit zuge­fügt, der ein­mün­det in den Spruch: „Sie­he, die Furcht des Herrn, das ist Weis­heit, und Böses mei­den, das ist Erkennt­nis“ (28,28).

Kla­ge Hiobs

Kap. 29-31 wie­der­ho­len die Kla­ge Hiobs über sein Schick­sal, spit­zen sie aber zu zur Ankla­ge gegen Gott. Hiob ist sich sicher, wegen sei­ner Gerech­tig­keit in einem Gerichts­ver­fah­ren gegen Gott bestehen zu kön­nen (31,35f.).

Eli­hu-Reden

Die dann fol­gen­den Kapi­tel 32-37, die Reden des Eli­hu, sind sicher spä­te­re Zufü­gung, die die bis­he­ri­ge Argu­men­ta­ti­on wei­ter­füh­ren wol­len. Eli­hu wirft den ande­ren Freun­den vor, nicht ener­gisch genug gegen Hiobs Läs­te­run­gen vor­ge­gan­gen zu sein. Als neue Argu­men­te bringt Eli­hu, dass das Lei­den auch päd­ago­gi­schen Sinn haben kann, der Mensch soll so vom Unrecht abge­bracht wer­den (33,17). Die­sel­be Über­zeu­gung fin­det sich auch in den jün­ge­ren Stü­cken des Pro­ver­bi­en­bu­ches, vgl. Prov 3,11f.. Zudem geht der Red­ner davon aus, dass Gott nicht unge­recht han­de­le, son­dern dass die Gerech­tig­keit sei­nes Han­delns den Men­schen unzu­gäng­lich sei. Das ver­weist bereits auf das Ergeb­nis der Got­tes­re­den vor­aus.

Got­tes­re­den

Als Ant­wort auf Hiobs Her­aus­for­de­run­gen in Kap. 29-31 spricht dann Gott selbst in zwei Reden, die nach 38,1 als Erschei­nung aus dem Wind (Theo­pha­nie) geschil­dert sind. Die Reden beto­nen Got­tes Über­macht und Hiobs Ohn­macht. Die Schöp­fung beweist Got­tes pla­nen­des Wir­ken, der Mensch ist in die­ser Schöp­fung nur ein klei­nes Ele­ment. Hiob ant­wor­tet mit Unter­wer­fung: „Sie­he ich bin zu gering, was soll ich dir ant­wor­ten“ (40,4), er bekennt: „dar­um habe ich gere­det in Unver­stand, Din­ge, die zu wun­der­bar sind für mich, die ich nicht begriff“ (42,3).

Wich­ti­ge Ein­zel­tex­te

Wir­kungs­ge­schicht­lich wich­ti­ge Ein­zel­tex­te des Hiob­bu­ches sind 19,25, „Ich aber weiß, mein Löser lebt, und ein Vertreter/ Anwalt ersteht mir aus dem Staub. Selbst wenn mei­ne Haut an mir zer­schla­gen ist, mein Fleisch geschwun­den, wer­de ich Gott schau­en“. Die Ver­se wur­den im Gefol­ge der grie­chi­schen und latei­ni­schen Bibel­über­set­zun­gen oft auf eine Auf­er­ste­hungs­hoff­nung Hiobs gedeu­tet. Doch dafür feh­len wei­te­re Anzei­chen; es geht wohl nur um die Wie­der­her­stel­lung des frü­he­ren Zustands. Als weis­heit­li­che Sen­tenz ist bekannt 14,1f.: „Der Mensch, vom Wei­be gebo­ren, ist kur­zen Lebens und vol­ler Unru­he. Wie eine Blu­me geht er auf und welkt, schwin­det dahin wie ein Schat­ten und hat nicht Bestand.“

Kri­se der Weis­heit

Das Pro­blem, um das es im Hiob­buch geht, ist die Kri­se der frü­he­ren Über­zeu­gung, gutes Han­deln sor­ge für ein gutes Leben, die Frev­ler dage­gen gin­gen zugrun­de (Ps 1). Bis­her wur­den Krank­heit und Leid als Stra­fe für Sün­de oder Ver­ge­hen ange­se­hen, die­se Stra­fe soll­te zur Umkehr auf den gerech­ten Weg füh­ren. Die­ser Zusam­men­hang von Tun und Erge­hen wur­de dann aber den Men­schen frag­lich, immer öfter schien es so zu sein, dass es den Sün­dern gut gehe, die Gerech­ten aber lei­den. In die­ser „Kri­se der israe­li­ti­schen Weis­heit“ bemüh­te man sich um neue Lösun­gen, wobei Hiob in den Reden als der zu ver­ste­hen ist, der alle Argu­men­te gegen die bis­he­ri­ge Denk­art sam­melt. Sei­ne Freun­de dage­gen ver­su­chen, am Kon­sens der Wei­sen fest­zu­hal­ten und den Anfra­gen Hiobs Über­zeu­gen­des ent­ge­gen­zu­set­zen. Sie gehen davon aus, dass Hiob doch in irgend­ei­ner Wei­se Schuld auf sich gela­den habe. Dabei befin­det sich die Dis­kus­si­on durch­weg auf sehr hohem sprach­li­chen und theo­lo­gi­schen Niveau. Das Bild vom klu­gen und allein im Recht ste­hen­den Hiob, dem sei­ne unver­stän­di­gen, übel­wol­len­den Freun­de gegen­über­ste­hen, ist sicher nicht ange­mes­sen. Dem Hiob­buch ver­gleich­ba­re Tex­te sind auch aus Baby­lon und Ägyp­ten bekannt. Das Pro­blem des Lei­dens, des­sen Sinn nicht erkenn­bar ist, war also schon damals ein inter­na­tio­na­les Phä­no­men.

Es lohnt sich, die ein­zel­nen Reden und Hiobs Ant­wor­ten je für sich und in Ruhe zu lesen, um einen Ein­druck von der Ernst­haf­tig­keit bei­der Sei­ten zu bekom­men. Eine allen akzep­ta­ble Lösung kann das Hiob­buch letzt­lich nicht geben, den Argu­men­ten Hiobs wird nicht wider­spro­chen. Es bleibt bei der Erkennt­nis, dass der Mensch kei­ne Ein­sicht in Got­tes Wil­len haben kann, es also Berei­che gibt, zu denen er nur Fra­gen äußern kann, schlüs­si­ge Ant­wor­ten aber aus­blei­ben.

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Info:
Das Buch Hiob (Bibel­kun­de Hei­del­berg) ist Beitrag Nr. 6369
Autor:
Martin Pöttner am 16. Juli 2017 um 13:50
Category:
Bibelkunde
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