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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


TUD: Bergpredigt


Technische Universität Darmstadt

Institut für Theologie und Sozialethik

Protokoll für die Veranstaltung:

Einführung in die exegetischen Methoden und das wissenschaftliche Arbeiten: Die Bergpredigt

Dozent: Prof. Dr. Martin Pöttner

Datum: 04.07.2017, 09:50-11:30 Uhr


Teilnehmer: 9 Kommilitonen

Thema: Matthäus-Evangelium 7, 1-12

Protokollführer: Nemet, Marko

Organisatorisches:

Das Seminar beginnt pünktlich um 9:50 Uhr, 10 Teilnehmer sind anwesend. Prof. Dr. Martin Pöttner fragt nach, ob es noch Fragen oder Anmerkungen zum Protokoll von letzter Woche gibt. Dabei kam die Frage einer Kommilitonin zur Endzeit auf. Wie geht man mit der Forderung um, wenn man davon ausgeht, dass die Endzeit bald eintritt. Herr Pöttner verweist auf das Ende der Bergpredigt Matthäus 7, 24-27, dies wurde dann kurz diskutiert und mit einem Beispiel von Herrn Pöttners eigener Erfahrung mit den Zeugen Jehovas – die im Jahre 2000 durch die Computerschaltung das Ende der Welt erwarteten – beantwortet. Die Anwesenheitsliste wird herumgegeben.

Seminarinhalt:

Vom Richten

1 Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. 2 Denn wie ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden.

(vgl. https://www.bibleserver.com/text/LUT/Matthäus7, letzter Zugriff: 06.07.2017)

Dieser Teil der Bergpredigt ist ein ganz berühmter Textabschnitt, in dem es darum geht, dass man sich kein Urteil erlauben soll, damit uns nicht dasselbe Urteil erwartet. Als Beispiel und Diskussionsthema nehmen wir die Thematik „Ehe für Alle“, hier stellen sich die Fragen. Was unter „richtet“ zu verstehen ist, wie dehnbar der Begriff ist, denn man macht sich selber zum Maßstab. Als Fazit halten wir fest, dass begründete Kritik durchaus erlaubt ist, jedoch sollte man niemanden moralisch verurteilen, denn aus Sicht der Bergpredigt würde es einem selbst widerfahren.

3 Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge? 4 Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen! – und siehe, ein Balken ist in deinem Auge? 5 Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; danach kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen.

(vgl. https://www.bibleserver.com/text/LUT/Matthäus7, letzter Zugriff: 06.07.2017)

Im Vers 2-5 bringt Jesus ein Beispiel, wie man es nicht tun soll. Man sollte sich nicht in die Angelegenheiten der anderen einmischen, wenn man viel mehr „Dreck am Stecken“ hat, erklärt eine Kommilitonin diese Bibelverse. Herr Pöttner erklärt, dass es in der Regel nach der Bergpredigt erlaubt ist deutlich Worte zu sagen ohne die Grenze zu überschreiten, in dem man andere völlig vernichtet damit. Es sei eine schwierige Aufgabe, das kritisch sehen, jedoch ist es so, dass man immer noch die Freiheit haben muss zu sagen, was man für richtig hält.

6 Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, damit die sie nicht zertreten mit ihren Füßen und sich umwenden und euch zerreißen.

(vgl. https://www.bibleserver.com/text/LUT/Matthäus7, letzter Zugriff: 06.07.2017)

Eine Kommilitonin bringt eine verbreitete Interpretation, dass Hunde und Säue das Heilige und Perlen nicht würdigen können. Sprich: Das Heilige vor den Unheiligen – da im Judentum Hunde und Schweine unreine Wesen sind – vorwerfen.

Dieser Textabschnitt ist sehr schwierig jedoch Textkritisch überhaupt nicht unsicher, es muss

ein vernünftiges Verständnis geben. Eine Hypothese von Martin Luther ist, dass man nicht mit den Heiligen (Heilige & Perlen) andere richtet, damit man selber als überlegen erscheint,
erklärt Herr Pöttner.

Von der Zuversicht beim Beten

7 Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. 8 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. 9 Oder ist ein Mensch unter euch, der seinem Sohn, wenn er ihn bittet um Brot, einen Stein biete? 10 Oder der ihm, wenn er ihn bittet um einen Fisch, eine Schlange biete? 11 Wenn nun ihr, die ihr doch böse seid, dennoch euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten!

(vgl. https://www.bibleserver.com/text/LUT/Matthäus7, letzter Zugriff: 06.07.2017)

Solche Texte sind anti-selektionistisch, also gegen die Selektion im Bereich der Gesellschaft, denn die Brutalität der Selektion wird durch solche ethischen Texte ermäßigt.

Wenn man sich so verhält: bittet und klopfen, wie es uns die Bergpredigt sagt, dann ist es für einige völlig unvernünftig, das zu tun, sie halten es für absolut illusionär.
Der sittliche Mechanismus ist sehr fragwürdig, Darwin sagt selbst, dass dadurch die Schwächeren in einer Gesellschaft aussterben aufgrund der natürliche Selektion. Jedoch gibt es Möglichkeiten der Ethik diesen Selektionsmechanismus entgegenzuwirken.

Hier geht es darum auf den Schöpfungszusammenhang zu vertrauen, sorglos zu sein.

Die Goldene Regel

12 Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten

(vgl. https://www.bibleserver.com/text/LUT/Matthäus7, letzter Zugriff: 06.07.2017)

Zuletzt wurde Gesetz und die Propheten am Anfang der Bergpredigt erwähnt (Mt. 5, 17). Nun wurde nochmal zusammenfassend gesagt was Gesetz und Propheten sind.

Eine Kommilitonin fragt in Bezug auf die Goldene Regel: „Man muss sich doch erst in sich selbst hineinversetzten?“ Herr Pöttner antwortet darauf, dass

die goldene Regel positiv formuliert ist und verlangt, sich erst in andere hineinzuversetzen um eine eigene Handlungsmaxime zu finden, um in die Rolle einer komplexen Reflexionsfigur zu schlüpfen.
Dieser Interpretationsansatz ist nicht weit verbreitetet in Bezug auf Kant jedoch wiederzufinden. Kant geht von einer Prüfung der Maxime aus, bei der man die Maxime universalisieren soll.

Es gibt keine weiteren Anmerkungen und Fragen. Herr Pöttner beendet deshalb pünktlich die Sitzung, bedankt sich und freut sich auf die nächste Sitzung.


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Info:
TUD: Bergpredigt ist Beitrag Nr. 6345
Autor:
Martin Pöttner am 12. Juli 2017 um 10:52
Category:
Bergpredigt
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