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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


TUD Bibelkunde


Thema war das Matthäusevangelium, das eine Reihe merkwürdiger Storys aufweist.

Wir sahen uns das an der Vorgeschichte zunächst am Stammbaum Jesu (Mt 1,1ff) und dann an der Bedrohungsgeschichte Jesu an (2,1ff). Im Stammbaum wird die Prostituierte Rahab erwähnt, die den Kundschaftern in Jericho ermöglichte, die Stadt auszuspionieren, damit sie erobert werden konnte. Zudem fiel uns auf, dass der Stammbaum auf Josef abzielte, denn er stammte von David ab. Gleichzeitig ist Maria aber vom heiligen Geist schwanger – und Josef möchte sich von Maria trennen. Ein Engel des Herrn erscheint ihm im Traum, Josef wird wg. des Stammbaums noch gebraucht …

Die Jungfrauengeburt beschäftigte uns längere Zeit. Nur Lk und Mt erzählen von ihr, Mk, Joh und Paulus aber nicht. Wichtig ist, dass Jesus nach den Erzählungen leibliche Geschwister hatte. Mithin ist die Jungfrauengeburt nicht sexualfeindlich gemeint. Stattdessen verwenden Lk und Mt ein griechisches Schema, einen Mythos, das bzw. der die Göttlichkeit einer Person erzählen sollte, wie bei Alexander dem Großen. Dass das ins Glaubensbekenntnis gekommen ist, mag sexualfeindliche Gründe haben, aber vom NT her ist es ein einzelner Mythos, dem andere Erzählungen entgegenstehen.

Einmal geboren wird Jesus von den Astrologen aus Babylonien besucht, die einen Stern gesehen hatten, der sie schließlich nach Bethlehem führt. Sie hatten aber bei Herodes nachgefragt – und entsprechend ließ dieser alle Kleinkinder in Bethlehem töten, eine Story, die an den Exodus mit der Aussetzung Moses im Nil erinnerte. Wie Mose wird Jesus gerettet, der Engel des Herrn gibt Josef einen Hinweis – und Maria, Josef und Jesus flüchten nach Ägypten.

Wir sahen uns in der Folge zwei berühmte Parabeln aus dem Matthäusevangelium an, die Arbeiter im Weinberg (20,1ff) und das große Weltgericht. Viele dieser Parabeln sind poetisch strukturiert – und folgen im Blick auf die Figurenkonstellation folgender grafisch dargestellter Regel:

 

Die Spannung in 20,1ff wird durch das gegensätzliche Verhalten von Lang- und Kurzarbeitern erzeugt. Der Weinbergbesitzer fragt nach, ob die Langarbeiter sich über seine Güte empören – und so wie es gütig in diesem Weinberg zugeht, so verhält es sich auch im Reich Gottes bzw. der Himmel. Das führte uns zu Fragen der Rechtfertigung usf.

Größere Probleme bereitete uns die Parabel vom Großen Weltgericht. Hier ist die Figurenkonstellation Menschensohn, Schafe vs. Zicklein (Böcke). Allmählich wurde deutlich, dass weder Schafe noch Zicklein wussten, wie die Regel zum Zugang zum Reich bzw. zur ewigen Folter geht, eine Kommilitonin erkannte richtig, dass offenbar prinzipielle Unsicherheit kommuniziert wird, niemand weiß, wozu er oder sie bestimmt ist. Im Kontext der Bergpredigt und 20,1ff verstanden wir, dass die Kritik sich gegen diejenigen richtet, die aufgrund ihrer Leistung prahlen – und das wird in 25,31ff poetisch anspruchsvoll in Szene gesetzt. Bei Matthäus’ schrägen Storys liegt daher in der Regel ein dualistisches Erzählmuster zugrunde, dass unsere Selbstüberschätzung infrage stellt.

Es wurden entsprechend Fragen zu Luther und dem Islam gestellt und erörtert. Letzterer verwendet m. E. öfter das dualistische Erzählmuster. Er kennt aber keine Erlösungsfigur wie Jesus, sodass die interreligiöse Kommunikation immer komplexe Wege beschreiten muss.


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Info:
TUD Bibelkunde ist Beitrag Nr. 6336
Autor:
Martin Pöttner am 6. Juli 2017 um 14:42
Category:
Bibelkunde
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