Zum Inhalt springen


Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


TUD: Bibel­kun­de">TUD: Bibel­kun­de


TU Darm­stadt, Insti­tut für Theo­lo­gie und Sozi­al­ethik

Ver­an­stal­tung: Grund­ori­en­tie­rung Bibel

Dozent: Prof. Dr. Mar­tin Pött­ner

Datum: 27.06.2017, 09.50-11.30 Uhr

The­ma: Das Luka­sevan­ge­li­um und die Apos­tel­ge­schich­te

Pro­to­koll­füh­re­rin: CC

1. Orga­ni­sa­to­ri­sches

Das Semi­nar beginnt, Herr Pött­ner fragt nach, ob es noch Fra­gen oder Anmer­kun­gen zum Pro­to­koll von der letz­ten Woche gibt. Es gibt kei­ne Fra­gen oder Anmer­kun­gen. Die Anwe­sen­heits­lis­te wird her­um­ge­ge­ben.

Für das Vor­wis­sen für die­se Sit­zung wur­de von allen Stu­die­ren­den das Kapi­tel 9 „Das Luka­sevan­ge­li­um“, aus dem Buch Bibel­kun­de von Lukas Bor­mann gele­sen.

Herr Pött­ner stellt den Zusam­men­hang des Lukas-Evan­ge­li­ums und die Apos­tel­ge­schich­te anders dar. Die zitier­ten Bibel­stel­len stam­men aus der Luther­über­set­zung 2017

Es wird gele­sen:

Apostelgeschichte1,1-3

Die Apos­tel­ge­schich­te des Lukas

Chris­ti Him­mel­fahrt

1 Den ers­ten Bericht habe ich gege­ben, lie­ber Theo­phi­lus, von all dem, was Jesus von Anfang an tat und lehr­te 2 bis zu dem Tag, an dem er auf­ge­nom­men wur­de, nach­dem er den Apos­teln, die er erwählt hat­te, durch den Hei­li­gen Geist Wei­sung gege­ben hat­te. 3 Ihnen zeig­te er sich nach sei­nem Lei­den durch vie­le Bewei­se als der Leben­di­ge und ließ sich sehen unter ihnen vier­zig Tage lang und rede­te mit ihnen vom Reich Got­tes.

Der Ein­druck des Tex­tes:

Hier kann man sehen, dass es nach die­ser lite­ra­ri­schen Kon­struk­ti­on sozu­sa­gen ein ers­tes Buch und ein zwei­tes Buch gibt. Hier ist immer die­ser Theo­phi­lus ange­re­det. Das ist ver­mut­lich ein Fan­ta­sie Name und heißt „der Freund Got­tes“. Es könn­te natür­lich eine wirk­li­che Per­son sein, die Theo­phi­lus heißt, aber ist genau­so mög­lich, dass es jemand ist, der für das Publi­kum steht, näm­lich in der Wei­se, dass das Publi­kum die Frau­en und Män­ner als Freun­de und Freun­din­nen Got­tes anspre­chen will. Das könn­te auch dar­auf hin­wei­sen, dass es ein Mensch (oder eine Grup­pe) der ange­re­det ist, die eher aus der Welt der grie­chi­schen Städ­te kommt und Sym­pa­thi­en für das Juden­tum und die Trans­for­ma­ti­on des Juden­tums in das Chris­ten­tum hat­te. Das ist ein ganz wich­ti­ger Zusam­men­hang, der in der Apos­tel­ge­schich­te the­ma­ti­siert wird. Der war schon in Luka­sevan­ge­li­um eine kla­re Rol­le. Und dies ist in ganz bestimm­ter Wei­se bestimmt.

Am nächs­tes wer­den wir Mari­as Lob­ge­sang lesen, der sehr stark auf Ver­bund Got­tes ist, das soge­nann­te Magni­fi­kat. Da kann man den Aus­gangs­punkt dem gan­zen Dar­stel­lungs­sym­bol des Luka­sevan­ge­li­ums als auch in der Apos­tel­ge­schich­te sehen.

Lukas 1, 46-55

Mari­as Lob­ge­sang

46 Und Maria sprach: Mei­ne See­le erhebt den Herrn, 47 und mein Geist freu­et sich Got­tes, mei­nes Hei­lan­des; 48 denn er hat die Nied­rig­keit sei­ner Magd ange­se­hen. Sie­he, von nun an wer­den mich selig prei­sen alle Kin­des­kin­der. 49 Denn er hat gro­ße Din­ge an mir getan, der da mäch­tig ist und des­sen Name hei­lig ist. 50 Und sei­ne Barm­her­zig­keit wäh­ret für und für bei denen, die ihn fürch­ten. 51 Er übt Gewalt mit sei­nem Arm und zer­streut, die hof­fär­tig sind in ihrem Her­zens Sinn. 52 Er stößt die Gewal­ti­gen vom Thron und erhebt die Nied­ri­gen. 53 Die Hung­ri­gen füllt er mit Gütern und lässt die Rei­chen leer aus­ge­hen. 54 Er gedenkt der Barm­her­zig­keit und hilft sei­nem Die­ner Isra­el auf, 55 wie er gere­det hat zu unsern Vätern, Abra­ham und sei­nen Nach­kom­men in Ewig­keit. 56 Und Maria blieb bei ihr etwa drei Mona­te; danach kehr­te sie wie­der heim.

Der Ein­druck des Tex­tes:

Da sind bibli­sche The­men als Psalm drin. Maria prä­sen­tiert einen ganz nor­ma­len Psalm, ein Hym­nus, der nach den Metho­den der hebräi­schen Poe­sie in Grie­chisch gestal­tet ist. Hier ist ganz wich­tig klar zu sehen, dass Gott auf der Sei­te der Armen steht. In Zusam­men­hang steht, dass sich auch die Ver­hei­ßun­gen an Sarah, Abra­ham oder Esther erfüllt sind. Außer­dem ist aug Gene­sis 12 ange­spielt, dass Isra­el nicht nur der Haupt­punkt der Geschich­te ist, son­dern auch alle Völ­ker geseg­net sind. Trotz der Kon­zen­tra­ti­on des Gesangs der Maria auf Isra­el, ist der Blick auch auf die ande­ren Völ­ker dabei. Wich­tig ist, dass der Text den Armen zuge­wandt ist und man kann das auch in dem Alten Tes­ta­ment zurück­fol­gen.

Eine Kri­tik am Reich­tum ist, dass der Herr eine sozia­le Spal­tung in Isra­el und Judäa kri­ti­siert, wenn man direkt auf den Kult kon­zen­triert, wird die­ser Aspekt aus der pro­phe­ti­schen Kri­tik in Alten Tes­ta­ment auf­ge­nom­men. Das Baby oder der Fötus, das noch in dem Bauch der Maria ist, ist jetzt auf der Sei­te der Armen, Isra­els und auch über Isra­el hin­aus, denn Abra­ham ist der Vat­ter vie­ler Völ­ker. Damit hat man einen nega­ti­ven Aus­gangs­punkt, Isra­el scheint vie­len Mäch­ti­gen unter­le­gen, die sich ein­fach durch­set­zen. Das soll sich mit die­sen Kind, das in Bauch von Maria ist, ändern.

Es ist nicht unwich­tig, dass der Lob­ge­sang von einer Frau gesagt wird. Im Luka­sevan­ge­li­um und in der Apos­tel­ge­schich­te haben die Frau­en eine wesent­li­che Rol­le. Es geht nicht nur um die reli­giö­se Leis­tung von Män­ner, son­dern sind Frau­en sel­ber als akti­ve reli­giö­se Figu­ren dar­ge­stellt. Die ers­te Frau, die hier prä­sen­tiert wird, ist eben die Maria, die Mut­ter Jesu. Die­ser Psalm wird oft unter­schätzt, weil er die­sen Kon­flikt von Armut und Reich­tum, von Hun­ger und ähn­li­chen Sachen, zudem Macht­ori­en­tie­rung der Herr­schen­den gegen­über den Völ­kern stellt.

Lukas 6 ,20-26 (Mateo 5,3-12)

Die Selig­prei­sun­gen

20 Und er hob sei­ne Augen auf über sei­ne Jün­ger und sprach: Selig seid ihr Armen; denn das Reich Got­tes ist euer. 21 Selig seid ihr, die ihr jetzt hun­gert; denn ihr sollt satt wer­den. Selig seid ihr, die ihr jetzt weint; denn ihr wer­det lachen. 22 Selig seid ihr, wenn euch die Men­schen has­sen und euch aus­sto­ßen und schmä­hen und ver­wer­fen euren Namen als böse um des Men­schen­soh­nes wil­len. 23 Freut euch an jenem Tage und tanzt; denn sie­he, euer Lohn ist groß im Him­mel. Denn das Glei­che haben ihre Väter den Pro­phe­ten getan.

Die Weh­ru­fe

24 Aber dage­gen: Weh euch Rei­chen; denn ihr habt euren Trost schon gehabt. 25 Weh euch, die ihr jetzt satt seid; denn ihr wer­det hun­gern. Weh euch, die ihr jetzt lacht; denn ihr wer­det wei­nen und kla­gen. 26 Wehe, wenn jeder­mann gut über euch redet; denn das Glei­che haben ihre Väter den fal­schen Pro­phe­ten getan.

Der Ein­druck des Tex­tes:

Die fol­gen­den Selig­prei­sun­gen fin­den sich genau­so in Mat­thäu­sevan­ge­li­um?

3. Selig sind, die da geist­lich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.4.Selig sind, die da Leid tra­gen; denn sie sol­len getrös­tet wer­den. 6.Selig sind, die da hun­gert und dürs­tet nach der Gerech­tig­keit; denn sie sol­len satt wer­den. 8. Selig sind, die rei­nen Her­zens sind; denn sie wer­den Gott schau­en.

Was fin­det sich in Mat­thä­us nicht?

Man fin­det in Mat­thä­us die Weh­ru­fe nicht. Die Selig­prei­sun­gen wer­den durch Ver­flu­chen mit­tels der soge­nann­ten Weh­ru­fe ergänzt. Hier kann man das Mus­ter, was auch schon in dem Magni­fi­kat drin ist, sehen. Näm­lich die Geschich­te, die­je­ni­ge, die arm waren, kehrt sich um, und tat­säch­lich den­je­ni­gen, die reich waren, wird alles weg­ge­nom­men. Das ist ein Umver­tei­lungs­pro­zess, den Lukas im Auge hat.

Als nächs­tes wer­den wir die ganz berühm­te His­to­rie von Zachä­us lesen.

Lukas 19,1-10

Zachä­us

19- 1 Und er ging nach Jeri­cho hin­ein und zog hin­durch. 2 Und sie­he, da war ein Mann mit Namen Zachä­us, der war ein Obe­rer der Zöll­ner und war reich. 3 Und er begehr­te, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konn­te es nicht wegen der Men­ge; denn er war klein von Gestalt. 4 Und er lief vor­aus und stieg auf einen Maul­beer­fei­gen­baum, um ihn zu sehen; denn dort soll­te er durch­kom­men. 5 Und als Jesus an die Stel­le kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachä­us, steig eilend her­un­ter; denn ich muss heu­te in dei­nem Haus ein­keh­ren. 6 Und er stieg eilend her­un­ter und nahm ihn auf mit Freuden.7 Da sie das sahen, murr­ten sie alle und spra­chen: Bei einem Sün­der ist er ein­ge­kehrt. 8 Zachä­us aber trat her­zu und sprach zu dem Herrn: Sie­he, Herr, die Hälf­te von mei­nem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jeman­den betro­gen habe, so gebe ich es vier­fach zurück. 9 Jesus aber sprach zu ihm: Heu­te ist die­sem Hau­se Heil wider­fah­ren, denn auch er ist ein Sohn Abra­hams. 10 Denn der Men­schen­sohn ist gekom­men, zu suchen und selig zu machen, was ver­lo­ren ist.

Der Ein­druck des Tex­tes:

Das ist das Modell, wie Lukas denkt. Wer schwe­re Ver­feh­lun­gen zu bekla­gen hat, muss umkeh­ren. Das ist bei dem Zöll­ner Zachä­us der Fall. Er war ein römi­scher Steu­er­ein­trei­ber, des­we­gen war er bei den jüdi­schen Men­schen unge­liebt, weil er die Steu­er ein­ge­trie­ben hat. Die Hypo­the­se die vie­len hat­ten war, dass er nicht alles an den römi­schen Staat abge­ge­ben hat, son­dern etwas für sich ein­ge­stri­chen hat. Das ist der Hin­ter­grund, vor dem Zachä­us agiert. Er kehrt von sei­nem bis­he­ri­ge Leben um. Lukas ist ein gro­ßer Freund der Umkehr. Die Fol­ge der Umkehr ist, dass er von sei­nem erwor­be­nen Reich­tum zu einem gro­ßen Teil abgibt. Das ist also das Modell, wie die­se Umver­tei­lung statt­fin­den kann. Es ist für Lukas ganz wich­tig, dass die­se Soli­da­ri­tät mit Armen auch durch das sich nun ent­wi­ckeln­de Chris­ten­tum gewähr­leis­te wer­den kann. Und in dem Teil, der von Jesus han­delt, spricht er häu­figs­ten und Lukas 19 ist eine beson­de­res tol­le Geschich­te, in dem das trans­pa­rent wird. Die Umkehr bedeu­tet von sei­nen bis­he­ri­gen Reich­tum abzu­ge­ben, damit der Unter­schied von Rei­chen und Armen mini­mie­ren kann.

Lukas 8,2-3

2 dazu etli­che Frau­en, die er gesund gemacht hat­te von bösen Geis­tern und Krank­hei­ten, näm­lich Maria, genannt Mag­da­le­na, von der sie­ben Dämo­nen aus­ge­fah­ren waren, 3 und Johan­na, die Frau des Chu­za, eines Ver­wal­ters des Hero­des, und Susan­na und vie­le ande­re, die ihnen dien­ten mit ihrer Habe.

Der Ein­druck des Tex­tes:

War­um ist Maria aus Mag­da­le­na berühmt?

Jesus hat sie von sie­ben bösen Geis­tern befreit.

Wie sind die Frau­en cha­rak­te­ri­siert?

Die­se Frau­en haben irgend­wel­che Krank­heit. Jesus hat sie nicht ver­sto­ßen, son­dern geheilt und danach wur­den sie sei­ne Anhän­ge­rin­nen. Ein Wich­ti­ger Punkt ist, dass Jesus Anhän­ger auch Frau­en sind. Die­se Frau­en dien­ten Jesus mit ihrer Habe, also mit ihren Ver­mö­gen, mit allem, was sie besit­zen. Die Johan­na ist sogar die Frau eines Beam­tenn des Hero­des. Jesus redet nur über das Reich Got­tes und wan­dert mit sei­nen Schü­lern durch die Gegend und arbei­tet nicht. Er muss sein Leben unter­hal­ten, und die Lösung von Lukas ist die Habe der Frau­en.

Dadurch fin­det auch die soge­nann­te Umver­tei­lung des Reich­tums. Die Evan­ge­li­sie­rung Jesus ist also ein ganz wich­ti­ger Punkt, denn sie für die Armen besorgt. Jesus wird von den Frau­en unter­schütz. Sie die­nen Jesus und geben ihre Ver­mö­gen.

Lukas ist der­je­ni­ge der die meis­ten Gleich­nis­se oder Para­beln Jesus gesam­melt hat. Ein ganz berühm­ter Text wer­den wir gleich lesen.

Lukas 10,25-37

Die Fra­ge nach dem ewi­gen Leben. Der barm­her­zi­ge Sama­ri­ter

25 Und sie­he, da stand ein Geset­zes­leh­rer auf, ver­such­te ihn und sprach: Meis­ter, was muss ich tun, dass ich das ewi­ge Leben erer­be? 26 Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrie­ben? Was liest du? 27 Er ant­wor­te­te und sprach: »Du sollst den Herrn, dei­nen Gott, lie­ben von gan­zem Her­zen, von gan­zer See­le und mit all dei­ner Kraft und dei­nem gan­zen Gemüt, und dei­nen Nächs­ten wie dich selbst« (5.Mose 6,5; 3.Mose 19,18). 28 Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geant­wor­tet; tu das, so wirst du leben. 29 Er aber woll­te sich selbst recht­fer­ti­gen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächs­ter? 30 Da ant­wor­te­te Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jeru­sa­lem hin­ab nach Jeri­cho und fiel unter die Räu­ber; die zogen ihn aus und schlu­gen ihn und mach­ten sich davon und lie­ßen ihn halb tot lie­gen. 31 Es traf sich aber, dass ein Pries­ter die­sel­be Stra­ße hin­ab­zog; und als er ihn sah, ging er vor­über. 32 Des­glei­chen auch ein Levit: Als er zu der Stel­le kam und ihn sah, ging er vor­über. 33 Ein Sama­ri­ter aber, der auf der Rei­se war, kam dahin; und als er ihn sah, jam­mer­te es ihn; 34 und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf sei­ne Wun­den und ver­band sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brach­te ihn in eine Her­ber­ge und pfleg­te ihn. 35 Am nächs­ten Tag zog er zwei Sil­ber­gro­schen her­aus, gab sie dem Wirt und sprach: Pfle­ge ihn; und wenn du mehr aus­gibst, will ich dir’s bezah­len, wenn ich wie­der­kom­me. 36 Wer von die­sen drei­en, meinst du, ist der Nächs­te gewor­den dem, der unter die Räu­ber gefal­len war? 37 Er sprach: Der die Barm­her­zig­keit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu des­glei­chen!

Der Ein­druck des Tex­tes:

Das ist einer der größ­ten Tex­te des Chris­ten­tums. Ein Sama­ri­ta­ner oder Sama­ri­ter ist ein Mensch aus Sama­ria, die Haupt­stadt von Nord­is­ra­el. Sama­ria ist die Bezeich­nung für die Gegend, wo die Nord­stim­me gelebt haben sol­len. Zu heu­ti­gen Tag leben noch Anhän­ger die­ser Nord­stim­me und die ver­eh­ren den­sel­ben Gott. Der Sama­ri­ta­ner ist Jemand der eigent­lich nicht voll­kom­men jüdisch reli­gi­ös ist und das ist der sprin­gen­de Punkt an die­ser Para­bel.

Die­se Geschich­te ist eine ide­al­ty­pi­sche Para­bel. es gibt immer in die­sen Tex­ten Jemand, der den Zusam­men­hang initi­iert. Hier gibt es ein anti­the­ti­sches Zwil­lings­paar und das sind der Pries­ter und der Levit im Gegen­satz dem Sama­ri­ter. Was machen der Pries­ter und der Levit? Sie hel­fen nicht, sie haben etwas zu tun und gehen vor­bei in reli­giö­se Fra­gen. Bei­den sind reli­giö­sen Funk­tio­nä­re, und las­sen den Mann am Stra­ßen­rand lie­gen. Danach kommt der Sama­ri­ter und hilft ihm doch, obwohl er eigent­lich reli­gi­ös abwei­chend ist. Der Unter­schied zwi­schen den Sama­ri­ter und den Juden ist nicht zu groß gewe­sen, die Tho­ra gilt für den Sama­ri­ta­ner genau­so und da ist sozu­sa­gen, eine Ver­pflich­tung jemand zu hel­fen.

Der Geset­zes­leh­rer fragt: was ist also mein Nächs­ter? Und die Fra­ge muss man wohl ernst neh­men. Wenn der Begriff des Nächs­ten nur auf den oder die­je­ni­gen zu bezie­hen ist, die zu mei­ner eige­nen Grup­pe gehört, hel­fe ich zum Bei­spiel nur Juden. Und das glei­che sagt aber tat­säch­lich wird die Tho­ra von jemand erfüllt der soll zu sagen äußern­der ist. bei Lukas ein wich­ti­ger Punkt ist, dass die Tho­ra uni­ver­sal gilt. Der Kern des Geset­zes ist die Lie­be mei­nes Nächs­ten. Nicht nur im Bereich des Juden­tums ist Sama­ri­ta­ner beschränkt, son­dern Lukas will die­se wich­ti­gen Geset­ze als uni­ver­sa­le Prin­zi­pi­en dar­stel­len.

Bei Bor­mann sind die Gleich­nis­se alle gesam­melt, da kön­nen wir alle wich­ti­gen Tex­te des Chris­ten­tums lesen. Jetzt gehen wir zu der Apos­tel­ge­schich­te über damit wir nicht so lan­ge über­zie­hen. Wie gucken uns das Ende der Span­nung an.

Apos­tel­ge­schich­te 28,17-30

Pau­lus in Rom

17 Es geschah aber nach drei Tagen, dass Pau­lus die Ange­se­hens­ten der Juden bei sich zusam­men­rief. Als sie zusam­men­ge­kom­men waren, sprach er zu ihnen: Ihr Män­ner, lie­be Brü­der, ich habe nichts getan gegen unser Volk und die Ord­nun­gen der Väter und bin doch als Gefan­ge­ner aus Jeru­sa­lem über­ant­wor­tet in die Hän­de der Römer. 18 Die­se woll­ten mich los­ge­ben, nach­dem sie mich ver­hört hat­ten, weil nichts gegen mich vor­lag, das den Tod ver­dient hät­te. 19 Da aber die Juden wider­spra­chen, war ich genö­tigt, mich auf den Kai­ser zu beru­fen, doch nicht, als hät­te ich mein Volk wegen etwas zu ver­kla­gen. 20 Aus die­sem Grund habe ich dar­um gebe­ten, dass ich euch sehen und zu euch spre­chen könn­te; denn um der Hoff­nung Isra­els wil­len tra­ge ich die­se Ket­ten. 21 Sie aber spra­chen zu ihm: Wir haben dei­net­we­gen weder Brie­fe aus Judäa emp­fan­gen noch ist ein Bru­der gekom­men, der über dich etwas Schlech­tes berich­tet oder gesagt hät­te. 22 Wir wün­schen aber von dir zu hören, was du denkst; denn von die­ser Sek­te ist uns bekannt, dass ihr an allen Enden wider­spro­chen wird. 23 Und als sie ihm einen Tag bestimmt hat­ten, kamen vie­le zu ihm in die Her­ber­ge. Da erklär­te und bezeug­te er ihnen das Reich Got­tes und pre­dig­te ihnen von Jesus aus dem Gesetz des Moses und aus den Pro­phe­ten vom frü­hen Mor­gen bis zum Abend. 24 Die einen lie­ßen sich über­zeu­gen von dem, was er sag­te, die andern aber glaub­ten nicht. 25 Sie waren aber unter­ein­an­der uneins und gin­gen weg, als Pau­lus dies eine Wort gesagt hat­te: Mit Recht hat der Hei­li­ge Geist durch den Pro­phe­ten Jesa­ja zu euren Vätern gespro­chen (Jesa­ja 6,9-10): 26 »Geh hin zu die­sem Volk und sprich: Mit den Ohren wer­det ihr’s hören und nicht ver­ste­hen; und mit Augen wer­det ihr’s sehen und nicht erken­nen. 27 Denn das Herz die­ses Vol­kes ist ver­fet­tet, und mit ihren Ohren hören sie schwer, und ihre Augen haben sie geschlos­sen, auf dass sie nicht sehen mit den Augen und hören mit den Ohren und ver­ste­hen mit dem Her­zen und sich bekeh­ren, und ich sie hei­le.« 28 So sei es euch kund­ge­tan, dass den Hei­den dies Heil Got­tes gesandt ist; und sie wer­den hören. 30 Pau­lus aber blieb zwei vol­le Jah­re in sei­ner eige­nen Woh­nung und nahm alle auf, die zu ihm kamen, 31 pre­dig­te das Reich Got­tes und lehr­te von dem Herrn Jesus Chris­tus mit allem Frei­mut unge­hin­dert.

Der Ein­druck des Tex­tes:

Man kann dar­aus schlie­ßen, dass das Herz des Vol­kes ver­stockt ist, wie bei Jesa­ja auch gesagt ist. Das Herz die Juden wen­den sich nicht zu Jesus, des­we­gen tre­ten die ande­ren an ihrer Stel­le. Lukas ist immer bemüht, die­se Ände­rung am Juden­tum zu beto­nen und die Idee, dass die Juden in die Höl­le kom­men wer­den, war von Lukas nicht, son­dern dass sie sich doch umkeh­ren konn­ten.

Ein wei­te­rer Punkt, dass die uni­ver­sa­le Gel­tung des Evan­ge­li­ums der Punkt ist auf dem, die­se gan­ze Geschich­te die mit Lob­ge­sang der Maria die nega­ti­ve Aus­gans­si­tua­ti­on, dass die Ver­hei­ßun­gen Isra­els noch nicht erfüllt, sind aber bestehen. das geht zum Schluss gut aus eben in dem die Hei­len dem Evan­ge­li­um fol­gen, da wird das Pro­blem der Armer gelöst, wird mit der Umver­tei­lung Gedan­ken gese­hen und mei­nes Erach­test ver­tritt Lukas auch die Mei­nung ähn­lich wie Pau­lus (etwas was wir spä­ter sehen wer­den) dass die Juden gerech­net wer­den. Das ist also der Sinn die­ses Tex­tes.

Ein wei­te­re wich­ti­ger Punkt ist näm­lich wie Pau­lus sich ver­tei­digt. Er sagt: „Ich habe nichts getan gegen unser Volk und die Ord­nun­gen der Väter und bin doch als Gefan­ge­ner aus Jeru­sa­lem über­ant­wor­tet in die Hän­de der Römer„. Das ist das Modell der älte­ren, die Vor­fah­ren, die das Bibel aus die Gre­ta Spra­che über­setz haben. in unse­rer Dis­kus­si­on von Esra und Nehemia, wie bei der Per­sa waren, also das die jüdi­schen Geset­ze als ein stän­di­ger grö­ßer wei­ter betrie­ben wer­den könn­te. Die haben immer zu gleich Steu­er bezah­len und kei­ne auf­stand krie­gen ist die Herr­schaft mach­te dann kam die Grie­chen und jetzt sind bei der Römer ange­lan­det und dass auch eine För­de­rung der Römer, also die­se jüdi­schen Geset­ze müs­sen wei­ter gel­ten müs­sen, man muss poli­tisch loy­al sein und Steu­er bezah­len. Das ist hier die älte­ren, die Vor­fah­ren gemeint. Das heißt also der Lukas ist einer der­je­ni­ge in neun Tes­ta­ment der betont, dass auch die Chris­ten wei­ter wie die Vor­fah­ren, damit die jüdi­schen Geset­ze, akzep­tiert sol­len natür­lich eine inter­pre­tier­te Form, aber das ist schon so dass das Chris­ten­tum ver­ste­het sich als wah­res Juden­tum, eine Kon­zep­ti­on die tat­säch­lich wesent­lich für Lukas ist.

zum Schluss wer­den wir die Rede einer Pur­pur­händ­le­rin lesen.

Apos­tel­ge­schich­te 16,14-17

Die Bekeh­rung der Lydia

14 Und eine Frau mit Namen Lydia, eine Pur­pur­händ­le­rin aus der Stadt Thya­ti­ra, eine Got­tes­fürch­ti­ge, hör­te zu; der tat der Herr das Herz auf, sodass sie dar­auf acht­hat­te, was von Pau­lus gere­det wur­de. 15 Als sie aber mit ihrem Hau­se getauft war, bat sie uns und sprach: Wenn ihr aner­kennt, dass ich an den Herrn glau­be, so kommt in mein Haus und bleibt da. Und sie nötig­te uns.

Die Magd mit dem Wahr­sa­ge­geist

16 Es geschah aber, als wir zum Gebet gin­gen, da begeg­ne­te uns eine Magd, die hat­te einen Wahr­sa­ge­geist und brach­te ihren Her­ren viel Gewinn ein mit ihrem Wahr­sa­gen. 17 Die folg­te Pau­lus und uns über­all hin und schrie: Die­se Men­schen sind Knech­te des höchs­ten Got­tes, die euch den Weg des Heils ver­kün­di­gen. 18 Das tat sie vie­le Tage lang. Pau­lus war dar­über so auf­ge­bracht, dass er sich umwand­te und zu dem Geist sprach: Ich gebie­te dir im Namen Jesu Chris­ti, dass du von ihr aus­fährst. Und er fuhr aus zu der­sel­ben Stunde.19 Als aber ihre Her­ren sahen, dass damit ihre Hoff­nung auf Gewinn aus­ge­fah­ren war, ergrif­fen sie Pau­lus und Silas, schlepp­ten sie auf den Markt vor die Obe­ren 20 und führ­ten sie den Stadt­rich­tern vor und spra­chen: Die­se Men­schen brin­gen uns­re Stadt in Auf­ruhr; sie sind Juden 21 und ver­kün­den Sit­ten, die wir weder anneh­men noch ein­hal­ten dür­fen, weil wir Römer sind. 22 Und das Volk wand­te sich gegen sie; und die Stadt­rich­ter lie­ßen ihnen die Klei­der her­un­ter­rei­ßen und befah­len, sie mit Stö­cken zu schla­gen.

Pau­lus und Silas im Gefäng­nis

23 Nach­dem man sie hart geschla­gen hat­te, warf man sie ins Gefäng­nis und befahl dem Ker­ker­meis­ter, sie gut zu bewa­chen. 24 Als er die­sen Befehl emp­fan­gen hat­te, warf er sie in das inners­te Gefäng­nis und leg­te ihre Füße in den Block.25 Um Mit­ter­nacht aber bete­ten Pau­lus und Silas und lob­ten Gott. Und es hör­ten sie die Gefan­ge­nen. 26 Plötz­lich aber geschah ein gro­ßes Erd­be­ben, sodass die Grund­mau­ern des Gefäng­nis­ses wank­ten. Und sogleich öff­ne­ten sich alle Türen und von allen fie­len die Fes­seln ab. 27 Als aber der Ker­ker­meis­ter aus dem Schlaf auf­fuhr und sah die Türen des Gefäng­nis­ses offen ste­hen, zog er das Schwert und woll­te sich selbst töten; denn er mein­te, die Gefan­ge­nen wären ent­flo­hen. 28 Pau­lus aber rief laut: Tu dir nichts an; denn wir sind alle hier! 29 Der aber for­der­te ein Licht und stürz­te hin­ein und fiel zit­ternd Pau­lus und Silas zu Füßen. 30 Und er führ­te sie her­aus und sprach: Ihr Her­ren, was muss ich tun, dass ich geret­tet wer­de? 31 Sie spra­chen: Glau­be an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig! 32 Und sie sag­ten ihm das Wort des Herrn und allen, die in sei­nem Hau­se waren. 33 Und er nahm sie zu sich in der­sel­ben Stun­de der Nacht und wusch ihnen die Strie­men. Und er ließ sich und alle die Sei­nen sogleich tau­fen 34 und führ­te sie in sein Haus und berei­te­te ihnen den Tisch und freu­te sich mit sei­nem gan­zen Hau­se, dass er zum Glau­ben an Gott gekom­men war. 35 Als es aber Tag gewor­den war, sand­ten die Stadt­rich­ter die Gerichts­die­ner und lie­ßen sagen: Lass die­se Män­ner frei! 36 Und der Ker­ker­meis­ter über­brach­te Pau­lus die­se Bot­schaft: Die Stadt­rich­ter haben her­ge­sandt, dass ihr frei sein sollt. Nun kommt her­aus und geht hin in Frie­den! 37 Pau­lus aber sprach zu ihnen: Sie haben uns ohne Recht und Urteil öffent­lich geschla­gen, die wir doch römi­sche Bür­ger sind, und in das Gefäng­nis gewor­fen, und soll­ten uns nun heim­lich fort­schi­cken? Nein! Sie sol­len selbst kom­men und uns hin­aus­füh­ren! 38 Die Gerichts­die­ner berich­te­ten die­se Wor­te den Stadt­rich­tern. Da fürch­te­ten sie sich, als sie hör­ten, dass sie römi­sche Bür­ger wären, 39 und kamen und rede­ten ihnen zu, führ­ten sie her­aus und baten sie, die Stadt zu ver­las­sen. 40 Da gin­gen sie aus dem Gefäng­nis und gin­gen zu der Lydia. Und als sie die Brü­der und Schwes­tern gese­hen und sie getrös­tet hat­ten, zogen sie fort.

Der Ein­druck des Tex­tes:

Pau­lus und Silas stel­len­fest, dass die Men­schen hier nichts von dem einen wah­ren Gott wis­sen. Sie die­nen fal­schen Göt­tern. Sie begin­nen die­sen Men­schen von Gott und sei­nem Sohn Jesus Chris­tus zu erzäh­len. Wäh­rend die bei­den durch den Markt spa­zie­ren, begeg­nen sie dem Markt­stand der Wahr­sa­ge­rin, die immer wie­der das­sel­be schreit. Pau­lus ist so beun­ru­higt und befehlt dem bösen Geis die Frau zu ver­las­sen.

An der Lydia ist wich­tig wie­der, dass sie eine Wohl­ha­ben­de Frau ist. Sie ist Got­tes­fürch­tig, eine aus den grie­chi­schen Reli­gi­on stam­men­den Frau die sich aber an dem Gott Isra­els schon arran­giert. und dann auch besitzt sich dann des Bot­schaft Pau­lus der sich an sol­che Leu­te da der Apos­tel­ge­schich­te wen­den. Das ist das Bild, dass die grie­chi­sche Reli­gi­on inner­halb der Anti­ke eine bedeu­te­te alter­na­ti­ve schon war und das Chris­ten­tum selbst die­se Bedeu­tung der jüdi­schen Reli­gi­on för­dern.

Das Ziel des Luka­ni­sche Dop­pelt­werk ist die römi­sche Gesell­schaft huma­ni­siert. Da gibt eine Unter­drü­ckung, die schon die Maria erwähnt. Die Armut wird durch das Evan­ge­li­um trans­for­miert und die wohl­ha­ben­de Frau­en haben eine wesent­li­che Rol­le, denn die schei­nen das Ein­gangs­tor des Chris­ten­tums in die römi­sche Ober­schicht zu sein. So lässt sich die­sen Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess der römi­schen Gesell­schaft errei­chen.

Das Modell, wie das Chris­ten­tum damit umge­hen konn­te, die­se Auf­fas­sung über Armut und Reich in den bekannt­lich Gesell­schaft bis zum heu­te nicht zum Den­ken. Die Kir­che ist dabei die­sen Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­sen von Reich zum armen zu beför­dern. Der Erfin­der die­ses Model­les ist Lukas.

Abschlie­ßend frag­te Herr Pött­ner, ob es noch Anmer­kun­gen oder Fra­gen zum The­ma gibt.
Aller­dings gab es kei­ne Anmer­kun­gen und die Semi­nar­sit­zung wur­de pünkt­lich been­det.

« TUD: Berg­pre­digt – TUD: Bibel­kun­de »

Info:
TUD: Bibel­kun­de ist Beitrag Nr. 6322
Autor:
Martin Pöttner am 3. Juli 2017 um 11:12
Category:
Bibelkunde
Tags:
 
Trackback:
Trackback URI

Keine Kommentare »

No comments yet.

Kommentar-RSS: RSS feed for comments on this post.

Leave a comment