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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


II (Uni Hd)">Joh 17 II (Uni Hd)

Zusam­men­fas­sung
vom 19.06.

 

Wir bespra­chen das in der letz­ten Sit­zung offen Geblie­be­ne. Der Text sieht ab V. 20 seg­men­tiert so aus:

20a Οὐ περὶ τούτων δὲ ἐρωτῶ μόνον,

ἀλλὰ καὶ περὶ τῶν πιστευόντων διὰ τοῦ λόγου αὐτῶν εἰς ἐμέ,

21a ἵνα πάντες ἓν ὦσιν,

b καθὼς σύ,

c πάτερ,

d ἐν ἐμοὶ κἀγὼ ἐν σοί,

e ἵνα καὶ αὐτοὶ ἐν ἡμῖν ὦσιν,

fα ἵνα ὁ κόσμος πιστεύῃ

fβ ὅτι σύ με ἀπέστειλας.

22aα κἀγὼ τὴν δόξαν

aβ ἣν δέδωκάς μοι

aγ δέδωκα αὐτοῖς,

bα ἵνα ὦσιν ἓν καθὼς ἡμεῖς ἕν·

23aα ἐγὼ ἐν αὐτοῖς

aβ καὶ σὺ ἐν ἐμοί,

bα ἵνα ὦσιν τετελειωμένοι εἰς ἕν,

cα ἵνα γινώσκῃ ὁ κόσμος

cβ ὅτι σύ με ἀπέστειλας

cγ καὶ ἠγάπησας αὐτοὺς καθὼς ἐμὲ ἠγάπησας.

    24a Πάτερ,

b ὃ δέδωκάς μοι,

cα θέλω

cβ ἵνα ὅπου εἰμὶ ἐγὼ κἀκεῖνοι ὦσιν μετ‘ ἐμοῦ,

d ἵνα θεωρῶσιν τὴν δόξαν τὴν ἐμήν,

eα ἣν δέδωκάς μοι

eβ ὅτι ἠγάπησάς με πρὸ καταβολῆς κόσμου.

25a πάτερ δίκαιε,

b καὶ ὁ κόσμος σε οὐκ ἔγνω,

c ἐγὼ δέ σε ἔγνων,

dα καὶ οὗτοι ἔγνωσαν

dβ ὅτι σύ με ἀπέστειλας·

26aα καὶ ἐγνώρισα αὐτοῖς τὸ ὄνομά σου

aβ καὶ γνωρίσω,

bα ἵνα ἡ ἀγάπη

bβ ἣν ἠγάπησάς με

bγ ἐν αὐτοῖς ᾖ

bδ κἀγὼ ἐν αὐτοῖς.

  • Die Fra­ge des Namens Got­tes
  • Die Fra­ge des ein­zi­gen wah­ren Got­tes

Das Kon­zept des Namens ist seit 1,12 im Johan­nes­evan­ge­li­um prä­sent, in 17 wird betont, dass der Sohn den Namen offen­bart habe (17,6.26). Offen­bar war er bis dahin ver­bor­gen. Das passt zu 1,18. Sicher scheint mir, dass der Name genau das bezeich­nen soll, wer oder was Gott ist, vgl. Jes 43,1f. Im Nen­nen des Namens ist der Geru­fe­ne prä­sent. So ist es auch beim Namen Got­tes, man/frau soll die­sen aber nicht miss­ach­ten oder miss­brau­chen. Daher schrie­ben die Hei­li­gen Schrif­ten der Juden den Namen m. E. unles­bar, יְהוָ֥ה (JHWH) wird sicher seit dem 3. Jhdt. v. d. Z. nicht mehr aus­ge­spro­chen, son­dern wohl als ado­naj voka­li­siert, wobei im grie­chi­schen Bereich die christ­li­che LXX das Tetra­gramm als κύριος über­setzt, in jüdi­schen Ver­sio­nen der LXX wird das Tetra­gramm als יהוה in den grie­chi­schen Text geschrie­ben, als ΙΑΘ bzw. ΠΙΠΙ dann grie­chisch dar­ge­stellt, wobei Letz­te­res eine gra­fe­mi­sche Nach­ah­mung des Tetra­gramms sein soll. M. E. deu­tet das dar­auf­hin, dass יהוה auch in der hebräi­schen Bibel als unles­bar betrach­tet wird. Das kommt mit der Durch­set­zung des Mono­the­is­mus in Isra­el, die wohl ver­brei­te­ter im 3. Jhdt. v. d. Z. erfolgt ist. Dann darf es kein ein­zel­ner Name sein, wie man­che Men­schen (irrig) glau­ben, Allah sei der Name des mus­li­mi­schen Got­tes. Da aber die­ser Gott der Ein­zi­ge ist, ist er mit dem Gott Isra­els und dem Vater Jesu iden­tisch, was so auch im Koran steht. Die­se Metho­de beginnt in Isra­el und wird im Chris­ten­tum fort­ge­setzt. Das stei­le Wort­spiel mit dem Tetra­gramm in Ex 3,14 zeigt, was mög­lich war. Im Johan­nes­evan­ge­li­um sehen wir, dass die­ser Aspekt betont wird (17,3). Daher bezeich­net m. E. das Namens­kon­zept, wie die­ser ein­zi­ge wah­re Gott sich über die Gemein­de welt­weit uni­ver­sa­li­siert – und alle in der Lie­be zum ewi­gen Leben brin­gen wird. Dass der Name nicht genannt wird, ent­spricht der jüdi­schen Pra­xis, Joh setzt das bei sei­nen impli­zi­ten Leser/inne/n als bekannt vor­aus. Mög­li­cher­wei­se ist aber an indi­rek­te Umschrei­bun­gen wie der „Hei­li­ge“ gedacht, weil das Hei­lig­keits­kon­zept einen wesent­li­chen Aspekt des Tex­tes bestimmt. Aller­dings hiel­ten wir fest, dass johan­n­eisch „gehei­ligt sein“ mit „in-der-Lie­be-sein“ seman­tisch koex­ten­siv ist. Die Rede von der „Ver­bor­gen­heit des Namens“ spielt jeden­falls auf das Phä­no­men der Nicht­lesar­keit von יְהוָ֥ה an.
Das Kon­zept der Hei­li­gung ist nicht auf die Rede vom Opfern ein­ge­schränkt, wie Ex 20,8 exem­pla­risch beweist. Den Sab­bat zu hei­li­gen besagt, dass er ganz auf Gott bezo­gen sein soll – und des­we­gen als Ruhe­tag (vgl. Gen 2,1ff) zu leben ist. Die­ses Ele­ment des Ganz-auf-Gott-Bezo­gen­seins von γιζειν ist hier gemeint, Jesu Leben ist bis zum Tod ganz auf Gott bezo­gen – und das wird den Schüler/inne/n mit­ge­teilt. Dass es im Johan­nes­evan­ge­li­um auch die an Dtjes ange­lehn­te Süh­ne­tod-Vor­stel­lung gibt, belegt 1,29. Aber dies ist ein Bild unter meh­re­ren im Johan­nes­evan­ge­li­um. Domi­nant ist die Lie­bes­se­man­tik (3,16), die sicher­stellt, dass Gott an die­sem Gesche­hen betei­ligt ist und mit­lei­det. Ich bin durch die Kri­tik von Kant und Schlei­er­ma­cher an der Opfer­todthe­se stark beein­flusst, das sind ande­re aber gar nicht (www.ekd.de/fuer_uns_gestorben.htm). M. E. lässt sich der Stell­ver­tre­tungs­ge­dan­ke am leich­tes­ten über das Lie­bes­bild erfas­sen, ohne das Indi­vi­dua­li­täts­pro­blem negie­ren zu müs­sen. Sowohl bei Pau­lus als natür­lich auch bei Johan­nes kommt es vor.

Her­me­neu­tisch irre­füh­rend ist es jeden­falls, Joh 17 als hohe­pries­ter­li­ches Gebet zu bezeich­nen – und damit das Modell des Hebr in Joh ein­zu­tra­gen. Ziel des Hebr ist es im Übri­gen, das Opfer ein für alle Mal zu been­den – und wohl auch das Spre­chen vom Opfer. Das ist aber nicht gelun­gen. Sowohl im Katho­li­zis­mus als auch in der Ortho­do­xie ist es direkt erhal­ten geblie­ben, seit Cypri­an von Kar­tha­go das Abend­mahl als Opfer­mahl deu­te­te – und es im drit­ten Jahr­hun­dert zur Wie­der­ein­füh­rung von Pries­tern in das Chris­ten­tum kam. Aber im NT gibt es kei­ne kir­chen­lei­ten­den Per­so­nen, die Pries­ter wären – und das Abend­mahl ist auch kein Opfer­mahl. Lei­der hat auch die Refor­ma­ti­on nicht vom Opfer­ge­dan­ken gelas­sen, obgleich sie das Pries­ter­tum ablehn­te. Daher auch der EKD-Grund­la­gen­text „Für uns gestor­ben“ (www.ekd.de/fuer_uns_gestor­ben.htm), der die Kri­tik, die in der Nach­kriegs­theo­lo­gie nicht zuletzt von femi­nis­ti­schen Theo­lo­gin­nen geübt wur­de, als Miss­ver­ständ­nis abtut.

Wie schon des Öfte­ren betont, ist der Lei­dens­as­pekt das­je­ni­ge, was das johan­n­ei­sche Spre­chen von der Lie­be bestimmt.

So wird auch die Rede vom ein­zi­gen wah­ren Gott ver­stan­den. Wir erör­ter­ten den Sach­ver­halt im AT, dass Gen 1-11 mono­the­is­tisch sind, was wohl auch noch für Gen 12 gilt, aber dann zuneh­mend eine Kon­zen­tra­ti­on auf die Isra­el-Per­spek­ti­ve erfolgt, was mit einem heno­t­he­is­ti­schen bzw. mono­la­tri­schen Got­tes­kon­zept ein­her­geht. Sicher wird das bei Dtjes been­det, jetzt ist der in Isra­el ver­ehr­te Gott der ein­zi­ge Gott über­haupt.

Wie die Weis­heits­tra­di­ti­on zeigt, ist das jüdi­sche Kon­zept aber kein mono­to­no­the­is­ti­sches Kon­zept. Man­che Rab­bi­nen bevor­zu­gen an der Stel­le der Weis­heit die Tora als Gram­ma­tik der Schöp­fung, mit­hin ist die Ein­heit Got­tes in sich dif­fe­ren­ziert. Etwa Phi­lo zeigt expli­zit die­se Dif­fe­ren­zie­rung.

Dar­an knüpft das Johan­nes­evan­ge­li­um an, wir haben seit 1,1 das Dif­fe­ren­zie­rungs­kon­zept expli­zit. Dabei ist die Betei­li­gung von Logos/Weisheit an der Schöp­fung aus­schlag­ge­bend. Die Pro­ble­me, die ein Dif­fe­ren­zie­rungs­kon­zept auf­wer­fen könn­te, wer­den durch die wech­sel­sei­ti­ge Lie­be von Vater und Sohn gelöst. Mit der Exis­tenz der Gemein­de tritt der Geist auf, wie wir noch sehen wer­den. Denn Jesus liebt die Schüler/innen. Wenn er zum Vater zurück­kehrt, beglei­tet der Geist sie.

Dass das nicht im Sinn einer Zwei-Wel­ten-Leh­re zu ver­ste­hen ist, stellt der stän­di­ge Bezug des Ver­hält­nis­ses der Schüler/innen unter­ein­an­der auf das Ver­hält­nis von Vater und Sohn sicher. Die Lie­be ist im Him­mel und auf der Erde wirk­sam.

17,20ff for­mu­lie­ren dann den Expan­si­ons­an­spruch der Lie­be, die durch die attrak­ti­ve Lie­be der Schüler/innen mis­sio­na­risch tätig wird, sodass auf län­ge­re Sicht auch der Kos­mos aner­kennt, dass der Vater den Sohn zur Ret­tung des Kos­mos aus Lie­be zur Welt gesandt hat. Der­art ist das johan­n­ei­sche Kon­zept als Uni­ver­sa­li­sie­rung der Lie­be zu beschrei­ben. Da die Wahr­heit aber getan wer­den muss, ist es kein theo­re­ti­sches Kon­zept.

Das Pro­blem­ge­schich­ten-Modell stellt sicher, dass die Span­nung erst am Ende auf­hört, bis dahin kann man/frau sich das als asym­pto­ti­sche Annä­he­rung vor­stel­len.

Natür­lich hat das von Johan­nes pro­blem­ge­schicht­lich Erzähl­te Par­al­le­len in der theo­lo­gi­schen Meta­phy­sik, wes­halb die Theo­di­zeefra­ge nicht völ­lig locker von der Hand gewie­sen wer­den kann. Aller­dings ste­hen dem nar­ra­ti­ven Spre­chen kom­ple­xe­re Mög­lich­kei­ten zur Ver­fü­gung als der stren­gen logi­schen Argu­men­ta­ti­on. Es pas­siert ein Unfall: Die Fins­ter­nis hat das Licht nicht ergrif­fen, das ist in der Erfolgs­ge­schich­te Gen 1 kein denk­ba­rer Satz. Statt­des­sen for­mu­liert die Pro­blem­ge­schich­te eine nega­ti­ve Aus­gangs­si­tua­ti­on, die dann durch eine Erlö­sungs­fi­gur trans­for­miert wer­den kann, ohne dass dies in der Zeit abschlie­ßend gelingt.

So kann man/frau eine bild­li­che Sto­ry ent­wer­fen, die ein reli­giö­ses Selbst­ver­ständ­nis ent­hält.

Auf­ga­ben zur nächs­ten Sit­zung

  1. Über­set­zen und seg­men­tie­ren Sie Joh 19,25-30; 20,1-3!
  2. Was unter­schei­det die­se Tex­te von den syn­op­ti­schen Par­al­le­len?

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Info:
Joh 17 II (Uni Hd) ist Beitrag Nr. 6273
Autor:
Martin Pöttner am 21. Juni 2017 um 14:19
Category:
Johannesevangelium
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