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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Joh 17 I Uni Hd


ZUSAMENFASSUNG VOM 12.06.

Wir spra­chen zwar man­ches an, kamen aber über eine inten­si­ve und kon­tro­ver­se Erör­te­rung der anfäng­li­chen Gebets­pas­sa­ge nicht bedeu­tend hin­aus:

17,1b πάτερ,

cα ἐλήλυθεν ἡ ὥρα·

cβ δόξασόν σου τὸν υἱόν,

d ἵνα ὁ υἱὸς δοξάσῃ σέ,

2a καθὼς ἔδωκας αὐτῷ ἐξουσίαν πάσης σαρκός,

b ἵνα πᾶν ὃ δέδωκας αὐτῷ δώσῃ αὐτοῖς ζωὴν αἰώνιον.

Denn dies wirft das grund­le­gen­de Pro­blem auf, wie δόξα usf. ver­stan­den wer­den soll. Vgl. dazu schon Luther, Stu­di­en­aus­ga­be, Band 1, 2006, 50ff (Hei­del­ber­ger Dis­pu­ta­ti­on [Aus­zug]). Er bzw. sein Schü­ler bezieht sich nicht nur auf ein­schlä­gi­ge Pau­lus-Stel­len aus dem 1Kor, son­dern auch auf Joh. Wie Joh 1,18 bezieht er sich auf Ex 33,23, sodass wer und was Gott ist, durch Jesus aus­ge­legt wird und zwar in Lei­den und Kreuz (XX).

Nar­ra­tiv ist es also die Fra­ge, ob das zum Glanz-Brin­gen des Vaters und des Soh­nes bzw. ihre wech­sel­sei­ti­ge Ver­herr­li­chung sich mit dem „Auf­ste­hen“ (vgl. zur Recht­fer­ti­gung die­ser Schreib­wei­se Joh 11) oder schon im fleisch­li­chen Sein Jesu (so Joh 1,14) ereig­net. Dass die Pas­si­on zur „Stun­de“ als Bezeich­nung einer qua­li­ta­tiv bestimm­ten Zeit (vgl. Koh 3,1ff) gehört, stellt die Sto­ry vom „ungläu­bi­gen“ Tho­mas sicher, wie wir noch sehen wer­den. Aber „voll­endet“ ist das Werk Jesu, als er stirbt (vgl. ἐγώ σε ἐδόξασα ἐπὶ τῆς γῆς τὸ ἔργον τελειώσας [17,4] mit 19,28: Μετὰ τοῦτο εἰδὼς ὁ Ἰησοῦς ὅτι ἤδη πάντα ἵνα τελειωθῇ ἡ γραφή, λέγει· διψῶ – dazu 19,30: τετέλεσται).

D. h., die Ver­wen­dung von δόξα usf. im Johan­nes­evan­ge­li­um schließt ein, dass auch das in der Pas­si­ons­ge­schich­te dar­ge­stell­te grau­sa­me Lei­den, die bru­ta­le Gewalt, der Jesus aus­ge­setzt ist, zur „Ver­herr­li­chung“ von Sohn und Vater gehört. Das erscheint dann als unge­wöhn­lich, sofern man/frau unter­stel­len, der gött­li­che Glanz sei vom Grau­en in der Rea­li­tät nicht berührt, son­dern scharf davon unter­schie­den. Wie Pau­lus rech­net wohl auch Johan­nes mit einer der­ar­ti­gen Rezep­ti­on – und ent­wi­ckelt sei­nen Text vor die­sem Hin­ter­grund. Wohl eine grö­ße­re Men­ge von Christ/inn/en sieht das bis heu­te so, Mk, Joh und Pau­lus sehen dies aber anders. Zum Pro­blem vgl. E. Jün­gel, Gott als Geheim­nis der Welt usf., 1976ff.

Nar­ra­tiv ermög­licht das Modell der Pro­blem­ge­schich­te Erlö­sung so dar­zu­stel­len, dass die Erlö­sungs­fi­gur sowohl die posi­ti­ven als auch die nega­ti­ven Aspek­te einer Erzäh­lung reprä­sen­tie­ren muss, um erlö­sen zu kön­nen. Luther ver­wen­det in der Hei­del­ber­ger Dis­pu­ta­ti­on eben­falls die­ses Modell, in sei­nem Leben hat er aber zwi­schen Pro­blem­ge­schich­te und iden­ti­täts­zen­trier­ten For­men der dua­lis­ti­schen Erzähl­wei­se geschwankt. Man/frau kann mit die­sen nar­ra­ti­ven Model­len auch theo­lo­gi­sche Model­le ana­ly­sie­ren, da die christ­li­chen Äuße­run­gen grund­sätz­lich nar­ra­tiv aus­ge­legt sind.

Damit sind wir wie­der bei der Bil­der­welt des Johan­nes­evan­ge­li­ums ange­kom­men.

Seit Joh 1,18 wis­sen wir, dass das Johan­nes­evan­ge­li­um das Ver­hält­nis von Vater und Sohn als Lie­be fasst, 3,16 fasst den Erlö­sungs­vor­gang des Kos­mos eben­so. Seit Hil­lel, dem Älte­ren, wird das Lie­bes­ge­bot als Inbe­griff der Tora gese­hen, die Jesus-Tra­di­ti­on sieht das eben­so (vgl. Mt 7,12). Das Johan­nes­evan­ge­li­um ent­wi­ckelt die­se Kon­zen­tra­ti­on auf die Lie­be wei­ter. Das Gebot ein­an­der zu lie­ben (13,34f) könn­te eine Fest­le­gung auf einen Bin­nen­raum sein, der von der has­sen­den Welt scharf dua­lis­tisch geschie­den wäre, so E. Käse­mann, Jesu letz­ter Wil­le nach Joh 17, 1968ff.

Nimmt man aber das Pro­blem­ge­schich­ten-Modell ernst, dann muss das johan­n­ei­sche Lie­bes­ver­ständ­nis um gewalt­frei erlö­sen zu kön­nen, auch das Lei­den ertra­gen und es so reprä­sen­tie­ren.

Joh 17 ent­fal­tet in der Form eines Gebets des Sohns an den Vater wesent­li­che Züge des Johan­nes­evan­ge­li­ums, so die lite­ra­ri­sche Bedeu­tung des Tex­tes. Dabei ist von der Wahr­heit, der Ein­zig­keit Got­tes, dem Namen Got­tes die Rede. Der Rest des Tex­tes sieht seg­men­tiert so aus:

αὕτη δέ ἐστιν ἡ αἰώνιος ζωὴ

β ἵνα γινώσκωσιν σὲ τὸν μόνον ἀληθινὸν θεὸν

γ καὶ ὃν ἀπέστειλας Ἰησοῦν Χριστόν.

ἐγώ σε ἐδόξασα ἐπὶ τῆς γῆς τὸ ἔργον τελειώσας

β ὃ δέδωκάς μοι

γ ἵνα ποιήσω·

5a καὶ νῦν δόξασόν με σύ,

b πάτερ,

cα παρὰ σεαυτῷ τῇ δόξῃ

cβ ᾗ εἶχον πρὸ τοῦ τὸν κόσμον εἶναι παρὰ σοί.

    6aα Ἐφανέρωσά σου τὸ ὄνομα τοῖς ἀνθρώποις

aβ οὓς ἔδωκάς μοι ἐκ τοῦ κόσμου.

bα σοὶ ἦσαν κἀμοὶ αὐτοὺς ἔδωκας

bβ καὶ τὸν λόγον σου τετήρηκαν.

νῦν ἔγνωκαν

β ὅτι πάντα ὅσα δέδωκάς μοι παρὰ σοῦ εἰσιν·

8aα ὅτι τὰ ῥήματα

aβ ἃ ἔδωκάς μοι δέδωκα αὐτοῖς,

bα καὶ αὐτοὶ ἔλαβον

bβ καὶ ἔγνωσαν ἀληθῶς

bγ ὅτι παρὰ σοῦ ἐξῆλθον,

cα καὶ ἐπίστευσαν

cβ ὅτι σύ με ἀπέστειλας.

    9a Ἐγὼ περὶ αὐτῶν ἐρωτῶ,

bα οὐ περὶ τοῦ κόσμου ἐρωτῶ

bβ ἀλλὰ περὶ ὧν δέδωκάς μοι,

c ὅτι σοί εἰσιν,

10aα καὶ τὰ ἐμὰ πάντα σά ἐστιν

aβ καὶ τὰ σὰ ἐμά,

b καὶ δεδόξασμαι ἐν αὐτοῖς.

11a καὶ οὐκέτι εἰμὶ ἐν τῷ κόσμῳ,

b καὶ αὐτοὶ ἐν τῷ κόσμῳ εἰσίν,

c κἀγὼ πρὸς σὲ ἔρχομαι.

d πάτερ ἅγιε,

eα τήρησον αὐτοὺς ἐν τῷ ὀνόματί σου

eβ ᾧ δέδωκάς μοι,

f ἵνα ὦσιν ἓν καθὼς ἡμεῖς.

12aα ὅτε ἤμην μετ‘ αὐτῶν ἐγὼ ἐτήρουν αὐτοὺς ἐν τῷ ὀνόματί σου

aβ ᾧ δέδωκάς μοι,

b καὶ ἐφύλαξα,

c καὶ οὐδεὶς ἐξ αὐτῶν ἀπώλετο εἰ μὴ ὁ υἱὸς τῆς ἀπωλείας,

d ἵνα ἡ γραφὴ πληρωθῇ.

13α νῦν δὲ πρὸς σὲ ἔρχομαι

β καὶ ταῦτα λαλῶ ἐν τῷ κόσμῳ

γ ἵνα ἔχωσιν τὴν χαρὰν τὴν ἐμὴν πεπληρωμένην ἐν ἑαυτοῖς.

14aα ἐγὼ δέδωκα αὐτοῖς τὸν λόγον σου

aβ καὶ ὁ κόσμος ἐμίσησεν αὐτούς,

bα ὅτι οὐκ εἰσὶν ἐκ τοῦ κόσμου

bβ καθὼς ἐγὼ οὐκ εἰμὶ ἐκ τοῦ κόσμου.

15aα οὐκ ἐρωτῶ

aβ ἵνα ἄρῃς αὐτοὺς ἐκ τοῦ κόσμου,

b ἀλλ‘ ἵνα τηρήσῃς αὐτοὺς ἐκ τοῦ πονηροῦ.

16α ἐκ τοῦ κόσμου οὐκ εἰσὶν

β καθὼς ἐγὼ οὐκ εἰμὶ ἐκ τοῦ κόσμου.

17α ἁγίασον αὐτοὺς ἐν τῇ ἀληθείᾳ·

β ὁ λόγος ὁ σὸς ἀλήθειά ἐστιν.

18a καθὼς ἐμὲ ἀπέστειλας εἰς τὸν κόσμον,

b κἀγὼ ἀπέστειλα αὐτοὺς εἰς τὸν κόσμον·

19a καὶ ὑπὲρ αὐτῶν ἐγὼ ἁγιάζω ἐμαυτόν,

b ἵνα ὦσιν καὶ αὐτοὶ ἡγιασμένοι ἐν ἀληθείᾳ.

Dabei soll­ten wir beden­ken, dass man/frau die Wahr­heit nach Joh 3,21 tun kann. Da ist also in der nächs­ten Sit­zung noch eini­ges zu tun.

Aufgaben zur nächsten Sitzung

  1. Über­set­zen und seg­men­tie­ren Sie Joh 17,20-26!
  2. Wie ist das Ver­hält­nis von Gemein­de und Welt zu bestim­men?
  3. Wor­auf bezieht sich die Rede vom Namen Got­tes, den Jesus offen­bart habe?
  4. Wie ist der ein­zi­ge wah­re Gott zu ver­ste­hen?


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Info:
Joh 17 I Uni Hd ist Beitrag Nr. 6255
Autor:
Martin Pöttner am 15. Juni 2017 um 11:29
Category:
Johannesevangelium
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