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Seminar: Grundorientierung Bibel

TU Darm­stadt, Pro­to­koll vom: 30.05.2017

Pro­to­kol­lan­tin: Mai­ke Nadi­ne Beiß­wen­ger

Leh­ren­der: Prof. Dr. Mar­tin Pött­ner

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Orga­ni­sa­to­ri­sches

Zu Beginn des Semi­nars gab Herr Pött­ner allen Semi­nar­teil­neh­mern die Mög­lich­keit, Rück­fra­gen zu dem Pro­to­koll von Ann-Chris­tin San­der vom 23.05.2017 zu stel­len. Hier­bei beton­te er, dass dies ein gutes Pro­to­koll sei, wel­ches die Poe­sie gut dar­stel­le.

Anmer­kung

Für die heu­ti­ge Semi­nar­sit­zung war aus dem Buch von Lukas Bor­mann „Bibel­kun­de“ das Kapi­tel 6 „Die Pro­phe­tie des 8. Jahr­hun­derts“ zu lesen.

The­ma 30.05.2017: Die Pro­phe­tie des 8. Jahr­hun­derts

  • Es gibt vie­le Theo­ri­en dar­über, wie Pro­phe­ten­bü­cher ent­stan­den sind.
  • Das tat­säch­li­che Phä­no­men ist, dass es gro­ße Pro­phe­ten­bü­cher gibt, wie das Jesa­ja­buch, wel­ches der sprachmäch­tigs­te Text in der Bibel ist.
  • Lukas Bor­mann meint, dass die­se Bücher des­we­gen ent­stan­den sind, um nach­schau­en zu kön­nen, ob die Vor­aus­sa­gen, wel­che die Pro­phe­ten machen, auch wirk­lich ein­ge­trof­fen sind (alter­tüm­li­che Theo­rie von Bor­mann).
  • Tat­säch­lich gibt es in die­sen Büchern nicht nur meh­re­re Pro­phe­ten, son­dern es sind klar erkenn­ba­re Fort­schrei­bungs­pro­zes­se der Tex­te.
  • Es mag Vor­aus­sa­gen gege­ben haben, wel­che man fest­ge­hal­ten hat.
  • Das tat­säch­li­che Phä­no­men ist aber, dass die Aus­sa­gen der Pro­phe­ten auf­ge­zeich­net wur­den, aber meist nicht ein­ge­trof­fen sind. Aller­dings trotz­dem wei­ter inter­pre­tiert wur­den.

    Pro­phe­ten­bü­cher – Vor­aus­sa­gen

  • In den Pro­phe­ten­bü­chern wird die Zukunft the­ma­ti­siert (was an einer gegen­wär­ti­gen Hal­tung mög­li­cher­wei­se gut oder schlecht ist, kann eine zukünf­ti­ge Reak­ti­on des Herrn aus­lö­sen).
  • Pro­phe­ten­bü­cher sind klas­sisch. Die älte­ren wie Amos, Hosea, Micha und Jesa­ja sind eher Unheils­pro­phe­tie, wäh­rend spä­te­re Tex­te wie bei­spiels­wei­se 2. Jesa­ja Heils­pro­phe­tie sind.

    Aber war­um wird über­haupt Unheil pro­phe­zeit?

  • Weil die Pro­phe­ten etwas als Audi­tion oder Visi­on Got­tes betrach­ten und kom­mu­ni­zie­ren, was zum Teil geset­zes­nah ist. Aller­dings ist es ist immer ein direk­tes Wort Got­tes, wel­ches an das Volk gerich­tet ist.
  • Pro­phet kommt und kri­ti­siert etwas, was im Kult vor­kommt, also was bei­spiels­wei­se die Pries­ter oder die Ober­schicht der Gesell­schaft betreibt.
  • Phä­no­men der Sozi­al­kri­tik: bei Hosea und vor allem Amos ziem­lich stark. Hier erscheint die Reli­gi­on nicht mehr von bei­spiels­wei­se Pries­tern bestimmt zu sein, son­dern es kom­men Figu­ren auf, wel­che einen direk­ten Bezug zu Gott behaup­ten und die­se Behaup­tun­gen an das Volk wei­ter­ge­ben (dra­ma­ti­scher Vor­gang).

  • Tex­te sind poe­tisch gestal­tet (Jesa­ja­buch ist über­wie­gend poe­tisch gestal­tet). Es gibt aber noch Erzäh­lun­gen über die Pro­phe­ten. Die Pro­phe­ten hat­ten kei­ne gute Reso­nanz (wur­den abge­wie­sen). Hier­bei ist eine Dyna­mik ein­ge­tre­ten. Die Reli­gi­on ist nicht mehr am Staat geparkt. Der Staat kann mit dem Kult zusam­men­ar­bei­ten.

    Haupt­phä­no­men Pro­phe­ten­buch

  • Jesa­ja­buch umfasst Tex­te vom 8. Jahr­hun­dert bis zum 2. Jahr­hun­dert vor der Zeit­rech­nung
  • Immer­wäh­ren­der, über 500 oder 600 Jah­re gehen­der Inter­pre­ta­ti­ons­pro­zess (dyna­mi­scher Pro­zess zeich­net sich in den Pro­phe­ten­bü­chern ab).
  • Jesa­ja: Pro­zess geht im Neu­en Tes­ta­ment wei­ter und wird auch in der kirch­li­chen Lit­ur­gie bei­spiels­wei­se in der Advents- und Weih­nachts­zeit ver­wen­det.
  • Tex­te aus dem Jesa­ja­buch deu­ten auf Jesus von Naza­reth – aus der Sicht der ers­ten Christian/inn/en.

    Text: Jesa­ja 9, 1 – 6 (Der Frie­dens­fürst wird ver­hei­ßen) wur­de gele­sen

    Online-Link (Bib­le­Ser­ver): https://www.bibleserver.com/text/LUT/Jesaja9
    (letz­ter Zugriff: 30.05.2017)

  • Die Idee ist, dass es einen end­zeit­li­chen Herr­scher (ewi­ger Herr­scher) gibt, wel­cher auf den Thron Davids kommt. Die­ser ist aller­dings nicht iden­tisch mit dem vor­han­de­nen König, son­dern es ist viel­mehr eine idea­le Figur, wel­che für Gerech­tig­keit sorgt.
  • dar­aus ist eine Mes­si­as Hoff­nung ist ent­stan­den
  • Jesa­ja 9 zeigt, dass tat­säch­lich eine sol­che Hoff­nung von den Pro­phe­ten begüns­tigt wur­de.
  • Pro­phe­ti­sche Ver­kün­di­gun­gen beschrän­ken sich nicht nur auf Got­tes­wort, son­dern wer­den auch durch sym­bo­li­sche Hand­lun­gen (pro­phe­ti­sche Zei­chen­hand­lun­gen) zum Aus­druck gebracht. In Jesa­ja 9 wird dies durch ein Joch dar­ge­stellt. Der gan­ze Kör­per wird ein­ge­setzt um eine dra­ma­ti­sche Dar­stel­lung erzie­len zu kön­nen.

    Text: Jesa­ja 11 (der Mes­si­as und sein Frie­dens­reich) wur­de gele­sen

    Online-Link (Bib­le­Ser­ver): https://www.bibleserver.com/text/LUT/Jesaja11
    (letz­ter Zugriff: 30.05.2017)

  • Jesa­ja 11 ist eine ganz gro­ße poe­ti­sche Sache.
  • Hier sind zwei Ele­men­te auf­ge­grif­fen:
  • 1. Ele­ment: Durch Spross Isais, wel­cher David ist, ist ein wei­te­rer davi­di­scher Herr­scher gekom­men, wel­cher sehr gerecht ist (Gerech­tig­keit wird sein im Land).
  • 2. Ele­ment: Wen umfasst der Frie­den?

    Die Tie­re unter­ein­an­der sind fried­lich. Das heißt, es gibt nicht nur einen Frie­den unter den Men­schen, son­dern es gibt auch den soge­nann­ten Tier­frie­den. Unbe­ha­gen ist in die­sem Text zu mer­ken. Es ist schwie­rig, Tie­re zu töten und zu essen und dass die Tie­re sich unter­ein­an­der nicht mehr ver­spei­sen. Das ist ein dra­ma­ti­sches Bild des Frie­dens und zeigt, wel­che mäch­ti­ge Kraft ein­zel­ne Pro­phe­ten haben (ganz umfas­sen­de Frie­dens­mis­si­on).

    Der Text Jesa­ja 11 hat im Chris­ten­tum eine gro­ße Bedeu­tung gewon­nen, da er die Men­schen unheim­lich inspi­riert hat. Auch Grup­pen von Men­schen, wel­che am Ran­de der Kir­che waren. Dem­zu­fol­ge ist es nicht unge­recht, dass sich das Chris­ten­tum vor allem auf Jesa­ja bezieht und die­se Tex­te in der eige­nen Welt als Pro­phe­zei­un­gen wahr­neh­men, wel­che noch nicht erfüllt sind, aber erfüllt sein soll­ten.

    Text: Jesa­ja 6, 1 – 11 (Jesa­jas Beru­fung zum Pro­phe­ten) wur­de gele­sen

    Online-Link (Bib­le­Ser­ver): https://www.bibleserver.com/text/LUT/Jesaja6
    (letz­ter Zugriff: 30.05.2017)

  • Hier wird eine soge­nann­te Beru­fungs­mis­si­on dar­ge­stellt.
  • Dabei wird eine Mis­si­on von Engel­we­sen dar­ge­stellt, wel­che um den Herrn der Hee­re her­um­flie­gen. Dies ist eine gro­ße Glanz­welt (Herr­lich­keit). Von die­ser Glanz­welt wird der Wunsch erho­ben, dass man Jeman­den sen­det (Para­do­xe Sen­dung, da Bot­schaft so gebracht wird, dass das Volk es über­haupt nicht ver­ste­hen kann Volk ist ver­stockt).
  • Augen ver­kle­ben, Ohren sind schwer, Herz ver­stockt à wird dem Unheil aus­ge­lie­fert
  • Die Pro­phe­tie des 8. Jahr­hun­derts ist daher eher eine Unheils­pro­phe­tie

    Jesa­ja 9, 1 – 6 und Kapi­tel 11

  • Dass jemand wie Jesa­ja nur Unheil pro­phe­zeit hat, ist wohl falsch. Sodass es ihm auch gelun­gen ist, solch posi­ti­ve Mis­sio­nen, wel­che alles viel gerech­ter bezie­hungs­wei­se fried­li­cher machen, her­vor­zu­brin­gen.
  • Idee des Unheils ist nur erträg­lich, wenn man eine posi­ti­ve Mis­si­on hat (ist umstrit­ten).

    Text: Jesa­ja 25, 6 fol­gen­de (Das gro­ße Freu­den­mahl) wur­de gele­sen

    Online-Link (Bib­le­Ser­ver): https://www.bibleserver.com/text/LUT/Jesaja25
    (letz­ter Zugriff: 30.05.2017)

    • Hier scheint es ursprüng­lich um den kana­a­näi­schen Gott Mot gegan­gen zu sein.
  • der Gott Isra­els ver­steht sich als Gott aller Völ­ker (Mono­the­is­mus hat sich in Isra­el durch­ge­setzt). Er spricht allen Völ­kern Heil aus. Hier wird es mit der Meta­pher des Fest­mahls gemacht. Die Decke und der Schlei­er hän­gen mit dem Phä­no­men des Sehens zusam­men.
  • Der Tod wird ver­schlun­gen. Das Ver­schlin­gen ist hier­bei ein wich­ti­ges Ele­ment des Todes. Hier wird vom Herrn der Hee­re der Tod ver­schlun­gen und damit wird sich das Leid in der Welt wen­den.
  • Am Ende wird der Tod ver­schlun­gen. Gott und das Leben wer­den sich ganz durch­set­zen (Unsterb­lich­keit).
  • Wir sehen hier einen Gott, wel­cher der Gott aller Völ­ker ist. Er küm­mert sich um das Grund­pro­blem, den Tod. Die­ser wird bei dem Freu­den­mahl ver­schlun­gen. Im Freu­den­mahl wird also dar­ge­stellt, dass der Tod von Gott ver­schlun­gen wird.

    Pro­phet Micha

  • der Pro­phet Micha wird im Chris­ten­tum auch arg rezi­piert

    Text: Micha 1 – 3 wur­de gele­sen    

    Micha 1: Gott erscheint zum Gericht über Isra­el und Juda; Unheil kommt über die Städ­te Judas

    Online-Link (Bib­le­Ser­ver): https://www.bibleserver.com/text/LUT/Micha1
    (letz­ter Zugriff: 30.05.2017)

  • dies ist ein rich­ti­ger pro­phe­ti­scher Text

    Micha 2: Wehe­ruf über die Macht­ha­ber, die das Volk berau­ben; Ver­hei­ßung des künf­ti­gen Heils

    Online-Link (Bib­le­Ser­ver): https://www.bibleserver.com/text/LUT/Micha2
    (letz­ter Zugriff: 30.05.2017)

  • Pro­phe­ten sind an Idee einer Gerech­tig­keit ori­en­tiert, wel­che sitt­lich ist. Das heißt, dass alles gerecht ver­teilt ist und somit alle Men­schen betei­ligt sind.

    Micha 3: Gegen die füh­ren­den Män­ner in Juda

    Online-Link (Bib­le­Ser­ver): https://www.bibleserver.com/text/LUT/Micha3
    (letz­ter Zugriff: 30.05.2017)

  • Hier sind die Kon­flik­te ganz deut­lich. Micha ist jemand der von der Gel­tung des Rechts (das Recht das von Gott kommt) über­zeugt ist. Die Gesell­schaft aller­dings ist von die­sem Recht abge­kom­men. Hier gibt es aller­dings auch die fal­schen Pro­phe­ten, wel­che dem Volk sagen, so wie sie es machen, ist es gut. Neben den Pro­phe­ten Jesa­ja und Micha tra­ten dem­zu­fol­ge auch immer noch ande­re Pro­phe­ten auf.
  • Gro­ßer Kon­flikt wird deut­lich: das was in der Israe­li­ti­schen oder Judäi­schen Reli­gi­on inter­es­sant ist, es sich in den Pro­phe­ten ver­nich­tet hat. Des­halb sind Pro­phe­ten­bü­cher auch so dra­ma­tisch wich­tig.

    Abschluss­be­trach­tung

    In den Pro­phe­ten­bü­chern ste­cken Visio­nen, die über unse­re Rea­li­täts­auf­fas­sung deut­lich hin­aus­ge­hen. Das ande­re ist, dass bei Micha gezeigt wird, dass die­se Pro­phe­ten immer umstrit­ten gewe­sen sind. Das heißt also, die­se Form der Reli­gio­si­tät, die aus den Pro­phe­ten spricht, war nicht immer der Kon­sens. Dem­zu­fol­ge steckt in die­ser Reli­gio­si­tät ein kri­ti­sches Ele­ment. Zudem haben sich vie­le Vor­aus­sa­gen nicht erfüllt, wodurch die Chris­ten die Mög­lich­keit haben zu sagen, hier ist noch etwas unab­ge­gol­ten und dem­zu­fol­ge kommt mit Jesus die end­gül­ti­ge Erfül­lung.

    Abschlie­ßend frag­te Herr Pött­ner, ob es noch Anmer­kun­gen zum The­ma: Pro­phe­tie des 8. Jahr­hun­derts gibt. Aller­dings gab es kei­ne Anmer­kun­gen und die Semi­nar­sit­zung wur­de pünkt­lich been­det. Herr Pött­ner freut sich auf die nächs­te Semi­nar­sit­zung bei der es um die Pro­phe­tie vom 7. bis zum 2. Jahr­hun­dert von Chris­tus geht.

    Lite­ra­tur:

    Bor­mann, Lukas (2008, 2005): Bibel­kun­de. Altes und Neu­es Tes­ta­ment. 2. Auf­la­ge. Göt­tin­gen: Van­den­hoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG. S. 127 – 147.

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Info:
TUD ist Beitrag Nr. 6231
Autor:
Martin Pöttner am 3. Juni 2017 um 10:36
Category:
Allgemein
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