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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Joh 3,19-36 (Uni Hd)

Zusam­men­fas­sung Joh 3,19-36 (29.05.)

Der seg­men­tier­te Text ab 3,15 befin­det sich hier.

Im Semi­nar erör­ter­ten wir noch ein­mal knapp den Zusam­men­hang von Kreuz Jesu und Lie­be. Die gött­li­che Lie­be ἀγάπη gibt den ein­zig gebo­re­nen Sohn hin, der am Kreuz „erhöht“ wird – und so die gewalt­sa­men Mög­lich­kei­ten der σάρξ erfährt. Damit erfährt aber auch Gott die­se Mög­lich­kei­ten und lei­det mit dem Sohn. Dies gilt dem gesam­ten κόσμος,  mit­hin allen Men­schen, wie wir schon aus dem Pro­log wis­sen.

Wir erör­ter­ten wei­ter­hin das im Chris­ten­tum, auch in ver­schie­de­nen Gestal­ten des Pro­tes­tan­tis­mus kon­tro­ver­se Pro­blem der mensch­li­chen Mit­wir­kung bzw. der Betei­li­gung an der Gene­se von πίστις. Von der Bild­ver­wen­dung des Johan­nes­evan­ge­li­ums in 1 und 3 fin­den wir die Geburts­me­ta­pher, die Luthers Inti­mi­täts­me­ta­pher der Ver­ei­ni­gung von Braut und Bräu­ti­gam in der „Frei­heit eines Chris­ten­men­schen“ nicht völ­lig unähn­lich sieht. Das muss sich viel­leicht noch set­zen und kann in die­sem Semi­nar wei­ter dis­ku­tiert wer­den.

Die Fra­ge des „Gerichts“, der κρίσις wur­de bespro­chen. Ver­gli­chen wur­de Joh 3 mit Mk 13,24-27. Dabei erge­ben sich zwei Pro­ble­me:

  • Zum einen geschieht die κρίσις im Johan­nes­evan­ge­li­um mit dem Kom­men des Lichts in den κόσμος (3,19), wäh­rend das Mar­ku­sevan­ge­li­um eine tra­di­tio­nel­le apo­ka­lyp­ti­sche Bil­der­welt ver­wen­det, bei der frei­lich das Ende so ver­stan­den ist, dass alle Lich­ter der Schöp­fung erlo­schen sind und ein­zig die δόξα des Men­schen­sohns leuch­tet, m. E. im Pro­blem­ge­schich­ten-Modell die Auf­lö­sung des Grund­ge­gen­sat­zes der Erzäh­lung.
  • Bei der Rede von der κρίσις könn­te immer ein Ele­ment der „Schei­dung von …“ gemeint sein. Bei Joh und Mk ist das m. E. nicht der Fall, wohl aber in dua­lis­ti­schen Erzäh­lun­gen wie im Mat­thäu­sevan­ge­li­um, der Apo­ka­lyp­se des Johan­nes und auch dem Hebrä­er­brief.

Das wirft ein grund­sätz­li­ches her­me­neu­ti­sches Pro­blem auf, das wir auch an der johan­n­ei­schen Dar­stel­lung Johan­nes des Täu­fers erör­ter­ten. Die­se ist offen­sicht­lich nicht gleich mit der­je­ni­gen der syn­op­ti­schen Evan­ge­li­en – und m. E. bie­tet das Johan­nes­evan­ge­li­um bewusst eine ande­re Dar­stel­lung an, die mit denen der ande­ren Evan­ge­li­en ver­gli­chen wer­den kann und soll. Das setzt m. E. vor­aus, dass die bibli­schen Tex­te seit der Urge­schich­te eine impli­zi­te Leser/in­nen-Kon­zep­ti­on haben, wel­che die Viel­falt der Tex­te dazu nutzt, eige­ne exis­ten­zi­el­le Ent­schei­dun­gen zu tref­fen und die Tex­te im eige­nen Leben fort­zu­schrei­ben. Mög­li­cher­wei­se ist daher der plu­ra­le Befund in der rab­bi­ni­schen Aus­le­gung auch ein Modell, wie die Ent­ste­hung bibli­scher Tex­te ver­stan­den wer­den kann. Ob und wie sich Kon­sens in Grup­pen und Gemein­den bil­det, hängt von der Selbst­be­stim­mung der Lesen­den ab – die Bibel gibt das selbst nicht vor. M. E. ent­spricht die Tat­sa­che, dass sich meh­re­re Reli­gio­nen (Juden­tum, Chris­ten­tum, Islam) auf die Bibel bezie­hen und die­se fort­schrei­ben, der Viel­falt der Tex­te, eben­falls die Grup­pen­bil­dun­gen in die­sen Reli­gio­nen.

Luther ist mit sei­nem Prin­zip Sola scrip­tu­ra den Rab­bi­nen gefolgt, als er noch nicht juden­feind­lich geson­nen war, gemeint ist nicht: Tota scrip­tu­ra, was sich expli­zit an sei­ner Abwer­tung des Jakobsu-Briefs zeigt, der u. a. eine ande­re Auf­fas­sung der Recht­fer­ti­gung vor­trägt.

Im Chris­ten­tum gibt es vier Wei­sen, mit dem Sach­ver­halt der Plu­ra­li­tät umzu­ge­hen:

  • Jede/r bevor­zugt bestimm­te Tex­te (Pro­tes­tan­tis­mus).
  • Das Lehr­amt bestimmt, was gel­tend ist (Katho­li­sche Kir­che).
  • Mys­ti­sche Ver­sen­kung (Ortho­do­xie)
  • Leug­nung der Viel­falt

Für Joh 3 gel­ten ent­spre­chen­de Mög­lich­kei­ten. Johan­nes löscht Mt, Mk und Lk nicht ein­fach aus. Son­dern die Rede von der ὀργὴ τοῦ θεοῦ erin­nert an den Gerichts­pre­di­ger der Syn­op­ti­ker (3,36).

Zunächst hier die Aufgaben zur nächsten Sitzung

  1. Über­set­zen und seg­men­tie­ren Sie Joh 17,1-20!
  2. Wel­chen Sinn hat die Rede vom δοξάζειν?

« Der Geist der Wahrheit und unser Stimmengewirr (Joh 14,15ff [EfG Griesheim]) – TUD »

Info:
Joh 3,19-36 (Uni Hd) ist Beitrag Nr. 6220
Autor:
Martin Pöttner am 1. Juni 2017 um 17:24
Category:
Johannesevangelium
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