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TUD)">Bibelkunde hebräische Poesie (TUD)


Semi­nar: Grund­ori­en­tie­rung Bibel

Pro­to­koll der Sit­zung vom 23.05.2017

Pro­to­kol­lan­tin: Ann-Chris­tin San­der

1. Orga­ni­sa­to­ri­sches

Herr Pött­ner gibt zu Beginn die Mög­lich­keit Rück­fra­gen zu dem Pro­to­koll von dem 16.05.2017 zu geben. Es waren aller­dings kei­ne Fra­gen offen.

Für das Vor­wis­sen für die­se Sit­zung wur­de von allen Stu­die­ren­den das Kapi­tel 5 „Die Dich­tung Isra­els“, aus dem Buch Bibel­kun­de von Lukas Bor­mann gele­sen.

The­ma für die­se Sit­zung: Der drit­te Teil des hebräi­schen Kanons

Hier­bei wird von dem Buch Hiob, den Psal­men, den Spruch­weis­hei­ten, den Pre­di­gern und dem Hohe­lied gespro­chen.

2. Beschrei­bung der hebräi­schen Poe­sie

Als Grund­la­ge wird hier­zu das oben genann­te Buch auf den Sei­ten 116/117 auf­ge­schla­gen. Man kann wich­ti­ge Regeln auf­zei­gen, wel­che immer wie­der in den Tex­ten auf­tau­chen. Es wer­den die vier Vari­an­ten des Par­al­le­lis­mus mem­bro­rum näher erläu­tert:

2.1 Syn­ony­mer Par­al­le­lis­mus mem­bro­rum

Spr 11,25

a

b

Z 1

Einer, der gern seg­net,

wird gesät­tigt

a‘

b‘

Z 2

Und wer erquickt,

wird auch selbst gelabt.

Abb. 1: Bei­spiel: Syn­ony­me Aus­sa­ge über den Wohl­tä­ter.

Zu einer Beschrei­bung von bestimm­ten Sach­ver­hal­ten kann der syn­ony­me Par­al­le­lis­mus mem­bro­rum hilf­reich sein. Herr Pött­ner fragt, ob es von allen ver­stan­den wur­de. Es wur­de von allen Stu­die­ren­den ver­stan­den.

2.2 Anti­the­ti­scher Par­al­le­lis­mus mem­bro­rum

Spr 10,1

a

b

Z 1

Ein wei­ser Sohn

erfreut den Vater,

a‘

b‘

Z 2

aber ein törich­ter

grämt sei­ne Mut­ter.

Abb. 2: Bei­spiel: Anti­the­ti­sche Aus­sa­ge über den weisen/ törich­ten Sohn und über Freude/Gram des Vaters/der Mut­ter.

Der Gedan­ke soll durch den Gegen­satz inten­si­viert wer­den. Der auf­ge­zeig­te

Gegen­satz wird in der Reak­ti­on von dem Vater und der Mut­ter wider­ge­spie­gelt.

2.3 Syn­the­ti­scher Par­al­le­lis­mus mem­bro­rum

Ps 1,2

a

b

Z 1

…son­dern am Gesetz des Her­ren

sei­ne Lust hat

a‘

b‘

Z 2

und über sein Gesetz

Tag und Nacht sinnt.

Abb. 3: Bei­spiel: Ver­tie­fen­de Aus­sa­ge über die Freu­de am Gesetz.

Der syn­the­ti­sche Par­al­le­lis­mus mem­bro­rum ergänzt die ers­te Aus­sa­ge und ver­tieft zudem einen Neben­ge­dan­ken. Man kann hier­bei dies als eine Stei­ge­rung anse­hen.

2.4 Kli­mak­ti­scher Par­al­le­lis­mus mem­bro­rum

Ps 29, 4f

a

b

Z 1

Die Stim­me des Her­ren

erschallt mit Macht,

a‘

b‘

Z 2

Die Stim­me des Her­ren

dröhnt hehr!

a“

b“

Z 3

Die Stim­me des Her­ren

Zer­bricht Zedern

a“‘

b“‘

Z 4

Die Stim­me des Her­ren

Zer­bricht die Zedern des Liba­non.

Abb. 4: Bei­spiel: Inten­si­vie­ren­de Aus­sa­ge über „Stim­me des Herrn“.

Hier­bei wer­den die Aus­sa­gen wie­der­holt, betont und inten­si­viert, es fin­det kein Gedan­ken­fort­schritt statt.

Die­se Vari­an­ten des Par­al­le­lis­mus sind nicht nur im Alten Tes­ta­ment, son­dern auch im Neu­en Tes­ta­ment auf­zu­fin­den. Dort wer­den Psal­men zitiert oder neue Hym­nen geschrie­ben, wel­che den auf­zeig­ten Regeln fol­gen.

Herr Pött­ner gab erneut die Mög­lich­keit Rück­fra­gen zu stel­len. Da es kei­ne Rück­fra­gen gab wur­de zu dem Buch Hiob über­ge­lei­tet.

3. Das Buch Hiob

Das Buch Hiob ist einer der wich­tigs­ten Tex­te in der Bibel. Da dies das nai­ve Got­tes­kon­zept schon seit dem 4./ 5. Jahr­hun­dert stark in Fra­ge stellt. In man­chen christ­li­chen Grup­pen ist es daher weni­ger beliebt.

Die frü­he Weis­heit hat­te fol­gen­de Über­zeu­gung: Wer gerecht lebt, der hat auch viel Glück im Leben.

Dies konn­te man auch in dem deu­te­ro­no­mis­ti­schen Geschichts­buch erken­nen. Dort heißt es, wenn man sich an die Gebo­te Got­tes und an den König Isra­els hält, dann kann man damit rech­nen, dass man im Leben glück­lich ist.

Vie­le Tex­te im Neu­en Tes­ta­ment, die von der Kreu­zi­gung Jesu han­deln, stel­len dies in Fra­ge. Daher ist das Buch Hiob auch eines der bedeu­tends­ten Tex­te um die Bibel und die Ent­wick­lung hin zu einem Chris­ten ver­ste­hen zu kön­nen.

Grund­fra­ge: Ob es für ein glück­li­ches Leben reicht, wenn man sitt­lich und gut lebt?

Hiob ist ein Ara­ber, lebt sehr fromm und hat vie­le Töch­ter.

Es wird Hiob 1, 1-2, 10 gele­sen.

Online ver­füg­bar: https://www.bibleserver.com/text/EU/Hiob1 (Stand: 23.05.2017).

Hiob hat ab Kapi­tel drei eine ande­re Posi­ti­on ein­ge­nom­men, eine Posi­ti­on gegen den Herrn. Bis Kapi­tel 41 ist eine hef­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen Gott und Hiob zu erken­nen. Auf­grund der Aus­ein­an­der­set­zung redet Gott aus einem Gewit­ter­sturm in Kapi­tel 38- 42 mit Hiob. Hiob ist mit dem was Gott ihm sag­te ein­ver­stan­den und kehr­te sich wie­der Gott zu. Er bekommt alles wie­der und kann sich über sei­ne Töch­ter und sei­nen Reich­tum erfreu­en.

Zwi­schen dem drit­ten und 41. Kapi­tel tre­ten Freun­de von Hiob auf, wel­che ihn in die Bre­douil­le brin­gen, da sie sein Lei­den auf fal­sches Han­deln zurück­füh­ren.

Es wird Hiob 3, 9- 12 gele­sen.

Online ver­füg­bar: https://www.bibleserver.com/text/EU/Hiob3 (Stand: 23.05.2017).

Hier­bei wird die Ver­zweif­lung Hiobs an sein Leben auf­ge­zeigt.

Es wird Hiob 4, 1-10 gele­sen.

Online ver­füg­bar: https://www.bibleserver.com/text/EU/Hiob4 (Stand: 23.05.2017).

Eli­fas ver­sucht noch­mal deut­lich zu machen, dass Hiob selbst etwas falsch gemacht haben muss, damit ihm so etwas wider­fährt. Hiob aber hin­ge­gen bleibt bei sei­ner Mei­nung, alles rich­tig gemacht zu haben und es allein das Pro­blem Got­tes ist. Ab Kapi­tel 38 argu­men­tiert Gott gegen­über Hiob und sagt z. B. dass er nicht alles von der Schöp­fung über­bli­cken könn­te. Der Mensch soll glau­ben, dass Gott gerecht han­delt.

Herr Pött­ner fragt anschlie­ßend die Stu­die­ren­den: Haben Sie eine Ahnung wie das Buch Hiob trotz­dem die­se Mög­lich­keit es zu inter­pre­tie­ren stark in Fra­ge stellt?

Die Gerech­tig­keit Got­tes ist den­noch vor­han­den, auch wenn man sie nicht erkennt.

Was spricht viel­leicht aus der Rah­men­er­zäh­lung dage­gen?

Ant­wort:

Der Herr macht mit Satan eine Wet­te zu Unguns­ten von Hiob. Er lie­fert Hiob an den Satan aus. Auch in der Rah­men­er­zäh­lung kann man ein zwie­späl­ti­ges Bild von Gott erken­nen. Dies kann man als Höhe­punkt des Alten Tes­ta­men­tes anse­hen.

Kapi­tel drei bis 41, 6 sind poe­ti­sche Dich­tun­gen im Buch Hiob.

Herr Pött­ner gibt Mög­lich­kei­ten für Rück­fra­gen. Hier­bei wird gesagt, dass Hiob von Gott für sein Ver­hal­ten gelobt wird. Wie kann es aber sein, dass Hiob durch das stän­di­ge Nach­fra­gen sei­tens sei­ner Freun­de so viel dar­über nach­denkt? Er ist doch eigent­lich von sei­nem Han­deln über­zeugt.

Ant­wort:

Der Leser_in fällt auf, dass Hiob kein fal­sches Han­deln auf­weist. Der Herr lässt den Satan weit wal­ten. Es ent­steht ein kom­ple­xes Bild Got­tes. Vie­le Men­schen fin­den des­halb das Buch Hiob sehr gefähr­lich. Eine weit­ge­hen­de Über­le­gung zeigt auf, dass man nicht im nai­ven Gedan­ken dar­an glau­ben soll: Wenn man gerecht lebt, wird einem spä­ter auch etwas Gutes wider­fah­ren.

Im Juden­tum ist das Buch Hiob eher ein Außen­sei­ter­buch, dies könn­te mit der Lei­dens­er­fah­rung zusam­men­hän­gen.

Herr Pött­ner gibt erneut die Mög­lich­keit, Rück­fra­gen zu stel­len. Es gab aber kei­ne Rück­fra­gen mehr von den Stu­die­ren­den.

4. Psal­men

Es wird Psalm 8 gele­sen.

Online ver­füg­bar: https://www.bibleserver.com/text/EU/Psalm8 (Stand: 23.05.2017).

Herr Pött­ner fragt, ob jemand etwas zu dem Text sagen möch­te. Dar­auf­hin wird gefragt, ob sich der Text in der ori­gi­na­len Spra­che reimt?

Die Form des Rei­mens gibt es nur viel­leicht. Das Haupt­pro­blem ist hier­bei der Par­al­le­lis­mus.

Wich­tig an dem Psalm 8 ist das, was zu Beginn in Klam­mern steht (Vers 1), denn dies sind die Lie­der. Man kann sagen, dass es für die musi­ka­li­sche Dar­bie­tung wich­tig ist, da die Melo­die oder auch der Dich­ter auf­ge­zeigt wird. In die­sem Psalm wird von einer Git­tit berich­tet, wel­ches ein Instru­ment dar­stel­len könn­te. Auch sind die Noten für die Melo­die unbe­kannt obwohl man weiß, dass die­se Lie­der gesun­gen wur­den.

Inhalt­lich kann beschrie­ben wer­den, dass die Schwa­chen oft­mals die Kin­der sind, wel­che den Herrn loben. Durch die­ses Lob wird der Herr in sei­ner Herr­lich­keit ver­tei­digt. Man kann hier­bei also eine Ent­wick­lung im Got­tes­bild auf­zei­gen.

Es wird Psalm 23 gele­sen.

Online ver­füg­bar: https://www.bibleserver.com/text/EU/Psalm23 (Stand: 23.05.2017).

Im Johan­nes­evan­ge­li­um des Chris­ten­tums wird Jesus als der Gute Hir­te dar­ge­stellt. Das Hir­ten­bild erin­nert an David, der einst ein Hir­ten­jun­ge war und dann zum König wur­de. Das Hir­ten­bild ver­lei­tet schon immer auf Gott über­tra­gen zu wer­den, wel­ches in die­sem Psalm ver­deut­licht wird. Die­ser Psalm ist ein Ver­trau­ens­psalm. Wich­tig ist auch auf­zu­zei­gen, dass es neben den Erzäh­lun­gen auch Gesän­ge gibt und bei­de glei­cher­ma­ßen bedeut­sam sind, um das Juden­tum ver­ste­hen zu kön­nen.

5. Die Pre­di­ger

Nach Luther ist der hebräi­sche Aus­druck für den Pre­di­ger ist „Kohe­let“. Es wer­den die Sei­ten 128/129 (Pred 1,2) aus dem oben genann­ten Buch „Bibel­kun­de“ gele­sen.

Das poe­ti­sche dar­an sind die Wie­der­ho­lun­gen des Inhalts. Krü­ger ver­sucht die Figu­ren zu erhal­ten, wel­ches Luther eher weni­ger gelun­gen ist.

Es scheint daher weni­ger zu funk­tio­nie­ren, dass wenn man sich sitt­lich gut ver­hält, alles auch so funk­tio­niert, wie man es möch­te. Frü­he­re Über­le­gun­gen sagen daher, dass es an allem was wir tun immer etwas Nich­ti­ges gibt.

Die Bot­schaft des Pre­di­gers ist, dass Gott immer vor­han­den ist und auch ermög­licht, dass wir uns im Augen­blick freu­en kön­nen.

Im Kapi­tel drei stellt der Pre­di­ger auch die Fra­ge, ob die Men­schen einen Vor­zug vor dem Tier haben? Er ist sich auch nicht sicher, ob der Atem Got­tes zu Gott zurück oder sich zu der Unter­welt wen­det.

Herr Pött­ner merkt an, dass sich hier auch eini­ge Hoch­zeits­sprü­che auf­fin­den las­sen. Anmer­kung: Die­se Hoch­zeits­sprü­che sind aber eher etwas zurück­hal­tend und skep­tisch.

6. Hohe­lied

Das Hohe­lied scheint im enge­ren Sin­ne kein reli­giö­ses Buch zu sein und ist des­we­gen auch umstrit­ten. Die­ses Buch han­delt von Sex und die sexu­el­le Anzie­hung zwi­schen zwei Men­schen.

Die Mehr­heit der Men­schen, bis zur Zeit Luther, inter­pre­tier­ten den Text als sehr mys­tisch. Dies bedeu­tet als ein Ver­hält­nis der See­le zu Gott, wel­ches mit sexu­el­len Meta­phern aus­ge­drückt wird.

Die Bezie­hung zu Chris­tus wird über sexu­el­le Bil­der auf­ge­zeigt. Als Bei­spiel wird hier Mecht­hild von Mag­de­burg genannt.

Das Hohe­lied ist ein Beleg dafür, dass die Bibel alles ande­re als sexu­al­feind­lich ist. Mit der Sexua­li­tät lässt sich ein Meta­pher Feld kon­stru­ie­ren, wel­ches über die Bezie­hung zwi­schen Jesus und der See­le spricht.

Herr Pött­ner gibt eine Mög­lich­keit für Rück­fra­gen, da es kei­ne Rück­fra­gen mehr gab, wird die Sit­zung been­det.

Lite­ra­tur: Bor­mann, Lukas: Bibel­kun­de. 5. Auf­la­ge. Göt­tin­gen: Van­den­hoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG. 2014. S.115- 133.

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Info:
Bibelkunde hebräische Poesie (TUD) ist Beitrag Nr. 6194
Autor:
Martin Pöttner am 26. Mai 2017 um 11:16
Category:
Allgemein
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