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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Joh 3,1-18 (Uni Hd)

Zusammenfassung vom 22.05.

Wir besprachen Joh 3,1-18. Falls das zu viel werden sollte, drosseln wir das Tempo nach Pfingsten etwas, bitte aber zuerst versuchen! Segmentiert sieht der Text so aus:

3 1a Ἦν δὲ ἄνθρωπος ἐκ τῶν Φαρισαίων,

b Νικόδημος ὄνομα αὐτῷ,

c ἄρχων τῶν Ἰουδαίων·

2 aα οὗτος ἦλθεν πρὸς αὐτὸν νυκτὸς

aβ καὶ εἶπεν αὐτῷ·

b ῥαββί,

c οἴδαμεν

dα ὅτι ἀπὸ θεοῦ ἐλήλυθας διδάσκαλος·

dβ οὐδεὶς γὰρ δύναται ταῦτα τὰ ? ποιεῖν

dγ ἃ σὺ ποιεῖς,

e ἐὰν μὴ ᾖ ὁ θεὸς μετ‘ αὐτοῦ.

3 a ἀπεκρίθη Ἰησοῦς καὶ εἶπεν αὐτῷ·

b ἀμὴν ἀμὴν λέγω σοι,

c ἐὰν μή τις γεννηθῇ ἄνωθεν,

d οὐ δύναται ἰδεῖν τὴν βασιλείαν τοῦ θεοῦ.

4 a Λέγει πρὸς αὐτὸν [ὁ] Νικόδημος·

b πῶς δύναται ἄνθρωπος γεννηθῆναι γέρων ὤν;

cα μὴ δύναται εἰς τὴν κοιλίαν τῆς μητρὸς αὐτοῦ δεύτερον εἰσελθεῖν

cβ καὶ γεννηθῆναι;

5 a ἀπεκρίθη Ἰησοῦς·

b ἀμὴν ἀμὴν λέγω σοι,

c ἐὰν μή τις γεννηθῇ ἐξ ὕδατος καὶ πνεύματος,

d οὐ δύναται εἰσελθεῖν εἰς τὴν βασιλείαν τοῦ θεοῦ.

6 a τὸ γεγεννημένον ἐκ τῆς σαρκὸς σάρξ ἐστιν,

b καὶ τὸ γεγεννημένον ἐκ τοῦ πνεύματος πνεῦμά ἐστιν.

7 α μὴ θαυμάσῃς

β ὅτι εἶπόν σοι

γ δεῖ ὑμᾶς γεννηθῆναι ἄνωθεν.

8 aα τὸ πνεῦμα ὅπου θέλει πνεῖ

aβ καὶ τὴν φωνὴν αὐτοῦ ἀκούεις,

bα ἀλλ‘ οὐκ οἶδας πόθεν ἔρχεται

bβ καὶ ποῦ ὑπάγει·

c οὕτως ἐστὶν πᾶς ὁ γεγεννημένος ἐκ τοῦ πνεύματος.

9 aα Ἀπεκρίθη Νικόδημος

aβ καὶ εἶπεν αὐτῷ·

b πῶς δύναται ταῦτα γενέσθαι;

10 aα ἀπεκρίθη Ἰησοῦς

aβ καὶ εἶπεν αὐτῷ·

bα σὺ εἶ ὁ διδάσκαλος τοῦ Ἰσραὴλ

bβ καὶ ταῦτα οὐ γινώσκεις;11 aα ἀμὴν ἀμὴν λέγω σοι

aβ ὅτι ὃ οἴδαμεν λαλοῦμεν

aγ καὶ ὃ ἑωράκαμεν μαρτυροῦμεν,

b καὶ τὴν μαρτυρίαν ἡμῶν οὐ λαμβάνετε.

12 a εἰ τὰ ἐπίγεια εἶπον ὑμῖν καὶ οὐ πιστεύετε,

b πῶς ἐὰν εἴπω ὑμῖν τὰ ἐπουράνια πιστεύσετε;

13 aα καὶ οὐδεὶς ἀναβέβηκεν εἰς τὸν οὐρανὸν

aβ εἰ μὴ ὁ ἐκ τοῦ οὐρανοῦ καταβάς,

b ὁ υἱὸς τοῦ ἀνθρώπου.

14 a Καὶ καθὼς Μωϋσῆς ὕψωσεν τὸν ὄφιν ἐν τῇ ἐρήμῳ,

b οὕτως ὑψωθῆναι δεῖ τὸν υἱὸν τοῦ ἀνθρώπου,

15 ἵνα πᾶς ὁ πιστεύων ἐν αὐτῷ ἔχῃ ζωὴν αἰώνιον.

16 a οὕτως γὰρ ἠγάπησεν ὁ θεὸς τὸν κόσμον,

b ὥστε τὸν υἱὸν τὸν μονογενῆ ἔδωκεν,

cα ἵνα πᾶς ὁ πιστεύων εἰς αὐτὸν

cβ μὴ ἀπόληται

cγ ἀλλ‘ ἔχῃ ζωὴν αἰώνιον.

17 aα οὐ γὰρ ἀπέστειλεν ὁ θεὸς τὸν υἱὸν εἰς τὸν κόσμον

aβ ἵνα κρίνῃ τὸν κόσμον,

b ἀλλ‘ ἵνα σωθῇ ὁ κόσμος δι‘ αὐτοῦ.

18 a ὁ πιστεύων εἰς αὐτὸν οὐ κρίνεται·

b ὁ δὲ μὴ πιστεύων ἤδη κέκριται,

c ὅτι μὴ πεπίστευκεν εἰς τὸ ὄνομα τοῦ μονογενοῦς υἱοῦ τοῦ θεοῦ.

Die Nikodemus-Szene spielt des Nachts in Jerusalem. Vielleicht bedeutet das, dass Nikodemus nicht beobachtet werden will. Sicher aber ist der/die Leser/in darauf vorbereitet, dass damit ausgedrückt werden soll, Nikodemus gehe in der Irre. Gattungsmäßig ist der Text eine Chrie bzw. ein Streitgespräch, wobei die Replik Jesu sehr ausgedehnt ist.

Der Text spielt auf den Topos der Zeichenforderung jüdischer Gelehrter an (z. B. Mt 12,38 u. ö.). Hier scheint ein Chef der Pharisäer zu unterstellen, diese wüssten, dass Jesus aufgrund seiner σημεῖα ein von Gott gekommener Lehrer sein müsse (vgl. 2,1-12). Möglicherweise ist das aber nur ironisch verkehrt, denn Jesus reagiert negativ darauf. Er stellt infrage, ob Nikodemus das überhaupt beurteilen könne (vgl. 11,7ff zu einem ähnlichen Vorgehen). Jedenfalls handelt es sich um einen metakommunikativen Text, der offenbar mehr von den Leser/inne/n erwartet, als im Johannesevangelium ausgedrückt ist.

Die Wendung γεννηθῇ ἄνωθεν erregte Aufmerksamkeit, weil sie sperrig zu übersetzen ist. Dies sollten wir aufmerksam wahrnehmen, es führt uns zu einem Aspekt des johanneischen Sprechens in Bildern. Der Topos, dass Erlösung metaphorisch als ein Geburtsvorgang ausgedrückt wird, wird hier aktualisiert. Eine Unten-/Oben-Unterscheidung wird getroffen, die dann auch in der Unterscheidung von irdischen/himmlischen Sachverhalten aufgenommen wird.

Ebenfalls wird die Rede von der σάρξ aufgenommen. Das ist alles vor dem Hintergrund des Prologs verständlich. Dem stehen hier „Wasser“ und „Geist“ entgegen (müssen wir noch etwas genauer verstehen). Kombiniert mit der Abstiegs- und Aufstiegs-Semantik werden das Erkenntnis- und Geburtsproblem miteinander verbunden – und Nikodemus′ Frage, ob er in den Bauch seiner Mutter zurückmüsse, zeigt sich als hilflos.

Johannes verwendet mithin gewöhnliche Sprachmuster des Alltags, um sie ungewöhnlich zu verwenden, indem die gewöhnliche Verwendung befremdlich ausgedehnt wird. Damit versucht er einen religiösen oder transzendenten Überschuss zu erzeugen, den man/frau freilich überhaupt nur über die Irritation des alltäglichen gewöhnlichen Sprechens erfassen kann. D. h., die Leser/innen sind am Interpretationsprozess aktiv beteiligt.

Vielleicht wird auch erwartet, dass die Leser/innen: Ποίησον σεαυτῷ ὄφιν καὶ θὲς αὐτὸν ἐπὶ σημείου, καὶ ἔσται ἐὰν δάκῃ ὄφις ἄνθρωπον, πᾶς ὁ δεδηγμένος ἰδὼν αὐτὸν ζήσεται (Num 21,8LXX) kennen. Das würde das Zeichenverständnis erklären. Nur solche Zeichen sind erlösend, wenn sie ein Objekt präsentieren, das sowohl die ganz negative Seite der Erzählung repräsentiert, nämlich das Versagen der Israelit/innen, als auch die erlösende Seite der Erzählung bezeichnen – und wer von einer Schlange gebissen wird und das ansieht, wird leben.

So soll es sich auch mit dem Kreuz Christi verhalten, an das er „erhöht“ wird, sodass die Hingabe des einzig geborenen Sohnes für alle (die Welt) erlösend ist.

Dies ist ein Akt der Liebe zur Welt. Ebenso wird über die Rede vom „Menschensohn“ die synoptische Tradition aufgenommen, der leidet, stirbt, zur Rechten des Vaters sitzt und auf den Wolken des Himmels zum Gericht wiederkommt. Dabei ist ein Bezug zu Dan 7,13LXX höchstwahrscheinlich. Die Frage des Gerichts werden wir beim nächsten Mal klären.

Aufgaben zur nächsten Sitzung

  1. Übersetzen Sie Joh 3,19-36!
  2. Wie wird das „Gericht“ in Mk 13,24-27 und in Joh 3 verstanden?


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Info:
Joh 3,1-18 (Uni Hd) ist Beitrag Nr. 6186
Autor:
Martin Pöttner am 25. Mai 2017 um 19:20
Category:
Johannesevangelium
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