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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


TUD)">Grund­ori­en­tie­rung Bibel (TUD)

Pro­to­koll: Frie­de­ri­ke Götz

  1. Orga­ni­sa­to­ri­sches

Grund­la­ge der heu­ti­gen Sit­zung ist das 4. Kapi­tel „Das chro­nis­ti­sche Geschichts­werk und ande­re nach­exi­li­sche Lite­ra­tur“ aus dem Buch „Bibel­kun­de“ von Lukas Bor­mann.

Zu Beginn des Semi­nars wird von Herrn Pött­ner die Mög­lich­keit gebo­ten Rück­fra­gen zum Pro­to­koll zu stel­len. Es wer­den kei­ne Rück­fra­gen gestellt. Die Teil­neh­mer­lis­te wird her­um­ge­ge­ben.

  1. Semi­narin­hal­te

Die Bücher Esra und Nehemia hän­gen mit der 1. und 2. Chro­nik eng zusam­men. Die Tex­te sind ab der Zeit der grie­chi­schen Vor­herr­schaft welt­weit ver­brei­tet wor­den.

Die Bücher Esra und Nehemia:

König Kyros wird in der Bibel erwähnt: Eine Wen­de tritt ein, in dem die Gefan­ge­nen im Baby­lo­ni­schen Exil nach Judäa zurück­keh­ren kön­nen. Die Bücher erzäh­len die­se Geschich­te bis zum Neu­bau des Jeru­sa­le­mer Tem­pels. In die­sen Erzäh­lun­gen wird auch von der Zer­stö­rung und Neu­errich­tung der Stadt­mau­er erzählt. Dies bil­det den Hin­ter­grund der Bücher Esra und Nehemia.

Die Ober­ho­heit der Per­ser reich­te bis nach Ägyp­ten, an die­ser Stel­le wird von Herrn Pött­ner noch eine Kar­te ein­ge­fügt, die die­ses Gebiet beschreibt:

Abbil­dung 1: Der Herr­schafts­be­reich Per­si­ens

 

Die Per­ser waren eine Welt­macht gewor­den, die die Vor­herr­schaft nicht nur in Meso­po­ta­mi­en hat­ten, son­dern auch die syrisch-israe­li­ti­sche Pas­sa­ge bis nach Ägyp­ten hin­ein.

Die Juden, die nach Jeru­sa­lem zurück­kehr­ten, hat­ten kei­nen auto­no­men Staats­teil, son­dern erhiel­ten ledig­lich eine per­si­sche Pro­vinz. Dadurch änder­te sich das Reli­gi­ons­sys­tem in Isra­el. Die­se Form der Welt­mäch­te soll­ten unter­wor­fe­nen Völ­kern erlau­ben ihre eige­ne Reli­gi­on zu leben. Dies lässt sich auch dar­an erken­nen, dass Kyros den Juden erlaub­te ihren Tem­pel neu zu bau­en. Auch die Schrif­ten die­ser unter­wor­fe­nen Grup­pe fun­gie­ren als Selbst­ver­wal­tungs­recht, das ihnen gewährt wur­de, wie­der. Aller­dings wur­de Ihnen dafür auch eine Bedin­gung gestellt: Sie muss­ten poli­tisch unter­wor­fen sein. Die­ses Prin­zip galt bis ins römi­sche Reich. Wobei es von den Per­sern aus gelöst wur­de, trotz­dem ver­hiel­ten sich die Grie­chen und Römer ähn­lich. Die­ser Sach­ver­halt spie­gelt sich in den Büchern Esra und Nehemia wie­der.

Wir lesen dazu im Semi­nar Nehemia (NEH) 7, 72 (sie­he https://www.bibleserver.com/text/LUT/Nehemia7) bis NEH 8, 1-13 (sie­he https://www.bibleserver.com/text/LUT/Nehemia8 ). Wir begin­nen bei Vers 7 – Da ein Satz­sprung vor­han­den ist. Bevor wir mit dem Lesen des Tex­tes begin­nen, gibt es eine kur­ze Dis­kus­si­on über die­sen Satz­sprung, laut Herr Pött­ner könn­te die Gram­ma­tik ein mög­li­cher Grund dafür sein.

Gibt es einen Zusam­men­hang mit der heu­ti­gen Lit­ur­gie?

Ja, kann man so sehen, aller­dings wird auch ein ande­rer Aspekt auf­ge­zeigt: Das Fest fin­det im öffent­li­cher Raum statt. Also vor den Augen der Per­ser. Dies weist noch ein­mal drauf hin, dass das Gesetz gilt. Die Juden dür­fen ihre Reli­gi­on offi­zi­ell aus­le­ben und prak­ti­zie­ren. Der per­si­sche Statt­hal­ter besitzt außer­dem mit dem Namen Nehemia einen jüdi­schen Namen (Bedeu­tung: Der Gott ist gnä­dig). Dar­aus lässt sich schlie­ßen, dass die Ver­an­stal­tung von den Per­sern unter­stützt und nicht nur gedul­det wird. Die ethi­schen Über­zeu­gun­gen des unter­wor­fe­nen Vol­kes wer­den unter­stützt und akzep­tiert, sofern sie poli­tisch loy­al waren.

Es ent­stan­den Schrif­ten in die­ser Zeit, in denen beschrie­ben wird, wie die Juden als Eth­nie mit ande­ren Völ­kern zusam­men­leb­ten. Bei den Büchern Esra und Nehemia wird im Alten Tes­ta­ment gezeigt, dass die jüdi­sche Tra­di­ti­on eth­nisch zu ver­or­ten ist.

Die Erzähl­per­spek­ti­ve ver­engt sich auf den Gott Isra­els und wird auf die Abstam­mung bezo­gen.

Das Gan­ze wird noch wei­ter ver­schärft: Jüdin­nen und Juden dür­fen kei­ne Nicht-Juden hei­ra­ten. Pro­ble­ma­ti­sche Kon­zep­ti­on, die aber nicht allei­ne geblie­ben ist. Bei­spiels­wei­se im deut­schen Juden­tum gilt die Regel, dass der Jude ist, der eine jüdi­sche Mut­ter hat.

Das Buch Rut:

Hier ste­hen zwei Frau­en im Vor­der­grund. Das Buch berich­tet davon, dass eine Frau die kei­ne Jüdin, son­dern Moa­bi­te­rin ist, in das Volk inte­griert wird.

Ruth muss einen Juden hei­ra­ten, dies lässt sich aus der Ver­sor­gungs­re­ge­lung ent­neh­men: Nach Tod des Ehe­man­nes muss die Frau neu hei­ra­ten, sofern sie kei­nen männ­li­chen Nach­kom­men hat. Der nächs­te männ­li­che Ver­wand­te erhält so die Pflicht, sie zu hei­ra­ten. So ent­steht eine erwei­ter­te Idee davon, was das Juden­tum ist. Es lässt sich also nicht nur auf Abstam­mung redu­zie­ren, da auch Rut in das Juden­tum inte­griert wer­den kann per Hei­rat. Hier zeigt sich ein kla­rer Unter­schied zu den Büchern Esra und Nehemia. Das Alte Tes­ta­ment ent­hält also bereits min­des­tens zwei ver­schie­de­ne Ver­ständ­nis­se davon, was das Juden­tum ist.

Das Buch Esther:

Die Jüdin Esther wird Köni­gin am per­si­schen Hof. Die­se Erzäh­lung zeigt, dass es im per­si­schen Reich erlaubt war, dass auch Juden am Hof arbei­ten und sogar hohe Posi­tio­nen ein­neh­men konn­ten.

Der Vater von Esther erbringt dem König jedoch nicht genug Ehre, sodass der König alle Juden im Land ver­nich­ten will. Die­ser Punkt ist beson­ders wich­tig für die Geschich­te der Juden, da sie zeigt, wie stark die Ver­fol­gung der Juden bereits seit lan­ger Zeit ist. Außer­dem wird gezeigt, dass die­se Ver­fol­gung sehr will­kür­lich ist, da sie durch das Los ent­schie­den wer­den soll.

Die­se Geschich­te weist auch auf die Ent­ste­hung des Purim-Fes­tes hin. Die Juden fei­ern das Purim-Fest bis heu­te. Es wer­den tra­di­tio­nell Lose ange­bo­ten. Die Ver­fol­gung und die anschlie­ßen­de Erret­tung wer­den gefei­ert. Die Bedeu­tung des Fes­tes lässt sich so zusam­men­fas­sen: „Eigent­lich haben wir eine Chan­ce, auch wenn wir immer wie­der ver­folgt wer­den“.

Esther 9, 23-32 (sie­he https://www.bibleserver.com/text/LUT/Esther9) wird gele­sen. Der Bibel­text betont noch ein­mal die Will­kür­lich­keit und die tief­sin­ni­ge Posi­ti­on des Purim-Fes­tes.

An die­ser Stel­le wer­den meh­re­re Fra­gen gestellt (Hier nur sinn­ge­mäß wie­der­ge­ge­ben):

Gott ist hier nicht direkt im Spiel? Es wird auf mensch­li­ches Han­deln ange­spielt?

Indi­rekt wird auf Gott ange­spielt, er wird aber nicht direkt genannt. Den­noch wird betont, dass die Struk­tur im per­si­schen Reich in Ord­nung war. Umge­kehrt: Die Juden fei­ern ihre stän­di­ge Gefähr­dung. Auf Gott bezo­gen führt das immer zu Reflek­tio­nen wie Gott so etwas ste­hen las­sen kann.

Wur­de dies in den Zusam­men­hang mit dem Holo­caust gesetzt?

Ja, es wur­den nur sehr weni­ge geret­tet, was zu einem Wider­spruch des Purim-Fes­tes führt.

Wie ging man damit um?

Es gibt eine Erzäh­lung von einem Juden, der in Aus­schwitz war. Er erzählt davon, dass ein Jun­ge an den Füßen auf­ge­hängt wur­de. Dabei frag­te ein Ande­rer: „Wo ist Gott?“, eini­ge Per­so­nen zei­gen auf den Jun­gen. Damit soll betont wer­den: Gott ist gegen­wär­tig, er ver­hängt das Lei­den nicht.

Das ist jedoch sehr umstrit­ten: Schwar­ze Juden haben den asch­ke­na­si­schen Juden vor­ge­wor­fen, dass sie von der jüdi­schen Vor­stel­lung zu weit abge­kom­men sind und der Holo­caust des­halb als Stra­fe ver­hängt wur­de. Das Ester-Buch wür­de das jedoch als zynisch betrach­ten.

Wur­de das Fest auch wäh­rend dem Holo­caust gefei­ert?

Ja, es gibt Erzäh­lun­gen, die das bestä­ti­gen. Jedoch wur­de es mit schwie­ri­gen Gedan­ken gefei­ert.

Hat Anne Frank auch dazu geschrie­ben?

Herrn Pött­ner ist dazu nichts Genaue­res bekannt. Eine Kom­mi­li­to­nin sieht im Inter­net nach, fin­det aller­dings kei­ne kon­kre­ten Aus­sa­gen dazu, ledig­lich über Goog­le Books, in dem Buch „Anne Franks Biblio­gra­phie“ kön­nen Anhalts­punk­te dazu gefun­den wer­den, dass das Fest, als sie noch leb­te, gefei­ert wur­de. Die Beschrei­bun­gen wei­sen dar­auf hin, dass die Komik des Fes­tes genau auf die Situa­ti­on ange­passt wur­de (z. B. durch die Ver­klei­dun­gen). Dar­an sieht man: Juden inter­pre­tie­ren das Fest immer wie­der neu.

Das Buch Sach­ar­ja

Im Buch von Lukas Bor­mann ist unter Abbil­dung 8 eine Gra­fik ein­ge­fügt, die die ursprüng­lich sie­ben Nacht­ge­sich­te Sach­ar­jas ohne Sach 3, 1-8:

 

Abbildung 2: Abbil­dung 8 aus dem Buch „Bibel­kun­de“ von Lukas Bor­mann

In die­sem Buch ist zum ers­ten Mal die Rede davon, dass ein Deu­te-Engel auf­tritt (ange­lus inter­p­res).

Sach­ar­ja 4, 1-14 (sie­he https://www.bibleserver.com/text/LUT/Sacharja4 ) wird gele­sen. Gesagt ist damit: Sowohl die per­si­sche Staats­macht als auch die jüdi­sche Reli­gi­on soll­ten wei­ter zusam­men­ar­bei­ten. Der Herr fin­det das gut.

Serub­ba­bel ist hier das per­si­sche Reich und Zebaoth auch der Gott der Per­ser. Der Ort der Erzäh­lung ist der Jeru­sa­le­mer Tem­pel. In dem Vers ist von zwei Ölbäu­men die Rede, die könn­te man so inter­pre­tie­ren: Es kommt nicht nur auf Juda und Judäa an, son­dern auch auf die per­si­sche Schutz­macht. Durch poli­ti­sche Loya­li­tät kön­nen die Juden ihre Reli­gi­on wei­ter aus­le­ben. Den Mit­tel­punkt bil­det der Pries­ter Joshua. Die hei­li­gen Schrif­ten der Juden wer­den in einer Biblio­thek gesam­melt. Dar­aus ergibt sich das ers­te Ele­ment des Kanons. Nicht nur Geset­ze wer­den ange­spro­chen (Esra), son­dern auch das Sach­ar­ja-Buch, also ein Pro­phe­ten-Buch. Dies ist ein Beleg dafür, dass es im Juden­tum eine Form des Pro­phe­ten­tums gab, die staat­lich erlaubt war.

Der Herr akzep­tiert, dass die Per­ser Paläs­ti­na beherr­schen, und dass die Pro­vinz, in der das Volk Isra­el lebt, von der Per­sern ver­wal­tet wird.

Das Jona-Buch als Schluss

Jona wird vom Herrn beauf­tragt, nach Nini­ve zu gehen. Er soll den Men­schen in Assy­ri­en sagen, dass sie ihren Lebens­wan­del umkeh­ren sol­len. Jona fürch­tet sich und möch­te nicht rei­sen, des­halb geht er auf ein Schiff und will weg­fah­ren.

Es kommt ein gro­ßer Sturm auf und Jona weiß, dass er den Sturm nur been­den kann, wenn er ins Meer geht. Jona opfert sich selbst, um den Sturm zu been­den.

Aus der Per­spek­ti­ve des Herrn erzählt, ist es unab­kömm­lich, dass Jona ins Meer gewor­fen wer­den muss. Jona wird von einem Unge­heu­er ver­schluckt, die­se Geschich­te wird häu­fig im Kin­der­got­tes­dienst erzählt (Jona 1, 12, sie­he https://www.bibleserver.com/text/LUT/Jona1). Jona wird wie­der aus­ge­spuckt. Die­se Bibel­stel­le zeigt, dass die eth­ni­sche Form der Reli­gio­si­tät kei­nes­wegs die ein­zi­ge ist, die Gott akzep­tiert. Er möch­te, dass das Volk umkehrt, egal ob es Gläu­bi­ge sind oder nicht. Das gilt auch für Assy­rer.

Der Begriff Assy­rer wird auch für Chris­ten ver­wen­det, es könn­te even­tu­ell eine Form der ortho­do­xen Chris­ten sein, da vie­le von ihnen aus Syri­en kamen.

Fra­ge: Juden­tum mis­sio­niert nicht?

Gelehr­te geben zu, dass es eine klei­ne Pha­se gege­ben hat, in der sich das Juden­tum auf ande­re Kul­tu­ren zu bewegt hat (vor allem unter der Herr­schaft der Grie­chen) und ver­sucht hat, ande­re zu bekeh­ren.

Lite­ra­tur: Bor­mann, Lukas: Bibel­kun­de. 5. Auf­la­ge. Göt­tin­gen: Van­den­hoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG. 2014. S. 91 – 114.

« Theo­lo­gie des Neu­en Tes­ta­ments (TUD) – Joh 3,1-18 (Uni Hd) »

Info:
Grund­ori­en­tie­rung Bibel (TUD) ist Beitrag Nr. 6166
Autor:
Martin Pöttner am 20. Mai 2017 um 14:53
Category:
Bibelkunde
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