Zum Inhalt springen


Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


TUD)">Theologie des Neuen Testaments (TUD)


Pro­to­koll zur Sit­zung am 16.5. von MK

The­ma: Mt 5, 21-26 Du sollst nicht töten – Wor­um geht es?

Die ent­spre­chen­den Bibel­stel­len ent­stam­men der Luther­über­set­zung 2017.

Der ers­te Teil, Ver­se 21-22:

21 Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist (2. Mose 20,13; 21,12): »Du sollst nicht töten«; wer aber tötet, der soll des Gerichts schul­dig sein.

22 Ich aber sage euch: Wer mit sei­nem Bru­der zürnt, der ist des Gerichts schul­dig; wer aber zu sei­nem Bru­der sagt: Du Nichts­nutz!, der ist des Hohen Rats schul­dig; wer aber sagt: Du Narr!, der ist des höl­li­schen Feu­ers schul­dig.

Der Text star­tet eine Rei­he in der Berg­pre­digt und wird bis 5, Vers 48 ähn­lich fort­ge­führt.

Die ers­te Idee zum Text: eine neue Aus­le­gung des Tötungs­be­griffs.

Es ging dann in der Dis­kus­si­on um die ver­wen­de­ten Wor­te. Dabei fiel auf, dass es vie­le ver­schie­de­ne Über­set­zun­gen und ver­schie­de­ne Inter­pre­ta­tio­nen gibt. Dazu gehört die prä­zi­sie­ren­de Über­set­zung „mor­den“.

Was bedeu­tet es zu zür­nen und war­um wird es mit Mord gleich­ge­setzt? Ist es gleich­ge­setzt?

Abstu­fung der Gerichts­stu­fen: Gericht, Rat bzw. jüdi­sche gericht­li­che Ober­ho­heit, Feu­er der Höl­le

Der Begriff Zorn: Zorn hat mit Ener­gie zu tun, macht aggres­siv, blin­de Wut, im Affekt, Gefühl im Bauch, dar­aus kann sich etwas ent­wi­ckeln wie die Bei­spie­le vor­her, sprich Mord?

Hier ein Über­blick, wel­che Tat zu wel­cher Gerichts­stu­fe führt:

Töten und erzür­nen: Gericht (vor Ort)

Bei Belei­di­gung: „Du Nichts­nutz – Idi­ot“: Hoher Rat – Syn­he­d­ri­on, in Jeru­sa­lem

Narr-Tor“: das Höl­len­feu­er, ewi­ges Lei­den, Fol­tern – Got­tes Gericht

Es kann fol­gen­de Ver­mu­tung auf­ge­stellt wer­den:

Es gibt eine Stei­ge­rung der Stra­fe, aber par­al­lel evtl. eine Abmil­de­rung der Aus­sa­gen (die Belei­di­gung „Narr“ ist weni­ger ver­let­zend als „Idi­ot)?

Ergän­zung zu den Begrif­fen:

Der Gegen­satz vom Tor ist der Wei­se (spielt spä­ter eine Rol­le beim Haus­bau [Mt 7,24-27]).

Wer töricht ist, ver­hält sich rea­li­täts­fern, weil die Rea­li­tät wei­se gestal­tet ist (vgl. Sprü­che 8,22ff).

Tor als der Gott­lo­se?

Aus­le­gung der Stel­le – Mög­li­che Inter­pre­ta­ti­on:

Du sollst nicht töten“ bleibt in Kraft. Es wird ergänzt und es wird in der Aus­le­gung Jesu erläu­tert, wie es zum Mord kom­men kann.

Es ist also jus­ti­zia­bel, wenn man zürnt, Idi­ot oder Tor sagt, was bedeu­tet das?

Das Gebot hat Bedin­gun­gen, die min­des­tens genau­so wich­tig sind, wie das Gebot.

Der Spre­cher lehnt es ab, Mit­men­schen zu zür­nen oder sie zu belei­di­gen (Idi­ot oder Tor).

Der gemein­sa­me Kon­sens: Es ist eine Abwer­tung des Ande­ren.

Zorn ist eine star­ke Emo­ti­on (Anti­ke sag­ten Lei­den­schaf­ten, lei­den­schafts­los als stoi­sches Ziel).

Wie kann man lei­den­schafts­los sein, so dass man nie­man­den ver­letzt?

Nega­ti­ve Aspek­te in der Gesell­schaft kom­men so zustan­de?

Anschei­nend gibt es den Wunsch, jeman­den zu belei­di­gen. Es geht hier­bei immer um die Abwer­tung des Ande­ren.

Juris­ti­sche Stra­fen für star­ke Emo­tio­nen und dar­aus fol­gen­de Abwer­tun­gen sind gleich und schwe­rer als die Stra­fe bei Mord, und sind somit ver­gleich­bar dazu.

-> Wenn man das ver­mei­den kann, pas­sie­ren kei­ne Mor­de.

Nach den Geset­zen steht auf Mord die Todes­stra­fe. Wie steht das in Moses: im Bun­des­buch, ab Ex 21.

Was ist das Unge­wöhn­li­che der Aus­sa­gen von Jesus an die­ser Stel­le?

Was ist das Beson­de­re am Men­schen, wenn das Zür­nen genau­so gericht­bar ist, wie das Töten?

Star­ke Emo­tio­nen wer­den als Mög­lich­keit betrach­tet, die ande­ren scha­det.

Zorn wird nega­tiv bewer­tet, da er poten­ti­ell schä­digt.

Wesent­lich ist, dass der emo­tio­na­le Aspekt des Men­schen hier betont wird.

Der Mensch wird als basal emo­tio­na­les Wesen ver­stan­den.

Dar­in ist eine Ori­en­tie­rung von Jesus und Sokra­tes, vor allem Aris­to­te­les zu sehen.

Die Berg­pre­digt setzt auf die­se emo­tio­na­le Basis des Men­schen.

Fol­ge­rung:

Man kann wenig dage­gen machen, dass man nicht zor­nig wird. Aber man kann etwas machen, so dass man ande­re nicht schä­digt.

Reflek­tier­te Selbst­wahr­neh­mung ist ent­schei­dend.

Ähn­lich wird es mit sexu­el­ler Begier­de sein. Es muss eine Brem­se exis­tie­ren.

Der zwei­te Teil, Ver­se 23-26:

23 Dar­um, wenn du dei­ne Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bru­der etwas gegen dich hat,

24 so lass dort vor dem Altar dei­ne Gabe und geh zuerst hin und ver­söh­ne dich mit dei­nem Bru­der, und dann komm und opfe­re dei­ne Gabe.

25 Ver­tra­ge dich mit dei­nem Wider­sa­cher sogleich, solan­ge du noch mit ihm auf dem Weg bist, auf dass dich der Wider­sa­cher nicht dem Rich­ter über­ant­wor­te und der Rich­ter dem Gerichts­die­ner und du ins Gefäng­nis gewor­fen wer­dest.

26 Wahr­lich, ich sage dir: Du wirst nicht von dort her­aus­kom­men, bis du auch den letz­ten Hel­ler bezahlt hast.

Aus­le­gung der Stel­le – Mög­li­che Inter­pre­ta­ti­on:

Inter­pre­ta­ti­on: Ich soll selbst nicht zür­nen und ande­re nicht dazu brin­gen, dass sie mit mir zür­nen.

Wie errei­che ich das? Durch Ver­söh­nung nach einem Kon­flikt. Pro­ble­me soll­ten bespro­chen und gelöst sein, bevor man zum Altar geht.

Man soll selbst aktiv wer­den und Kon­flik­te lösen. Ein Pries­ter spielt hier kei­ne Rol­le. Es ist eine Sache der Betei­lig­ten.

Wie ist es mit dem Rechts­geg­ner? Z. B. bei Schul­den: auch hier zählt die Ver­söh­nung.

Bevor man zum Gericht kommt, soll­te man eine außer­ge­richt­li­che Eini­gung schaf­fen.

(Das jüdi­sche Schuld­recht sieht eine 7-Jah­res­re­gel für den Schul­den­er­lass vor.)

Wenn du die­sen Aus­gleich nicht tust, so wird er dich ver­fol­gen.

Bevor du zum Altar gehst und opferst, so sollst du dich mit dei­nem Bru­der ver­söh­nen. Der Altar soll nicht dazu genutzt wer­den um Strei­tig­kei­ten zu lösen.

Die Über­schrift in ver­schie­de­nen Bibel-Über­set­zun­gen:

Vom Töten: Die Über­schrift ist recht alt und greift sehr kurz.

Ermah­nung zur Ver­söhn­lich­keit: Kann als eine pas­sen­de­re Über­schrift gehal­ten wer­den.

In die­sem Abschnitt geht es im Grun­de um die Mög­lich­kei­ten, dass es gar nicht zum Töten kommt.

Fazit:

Es ist kei­ne Ver­schär­fung der 10 Gebo­te. Es geht dar­um, wie ein Mensch dazu kommt, war­um ein Mensch tötet und wie man das ver­hin­dern kann.

Das nächs­te Mal geht es um das The­ma Sex.

F

« Johannesprolog (Uni Hd) – Grundorientierung Bibel (TUD) »

Info:
Theologie des Neuen Testaments (TUD) ist Beitrag Nr. 6161
Autor:
Martin Pöttner am 19. Mai 2017 um 12:52
Category:
Allgemein
Tags:
 
Trackback:
Trackback URI

Keine Kommentare »

No comments yet.

Kommentar-RSS: RSS feed for comments on this post.

Leave a comment