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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


TUD)">Theo­lo­gie des Neu­en Tes­ta­ments (TUD)

Ein­füh­rung in die exege­ti­schen Metho­den, die Berg­pre­digt

Stun­den­pro­to­koll
Juli­an Phil­ipp Berg­mann | 2859495
Bache­lor of Edu­ca­ti­on


Pro­to­koll vom 09.5.2017

Der heu­ti­ge Text ist dra­ma­tisch wich­tig, jeden­falls in der Aus­le­gungs­ge­schich­te, Mat­thä­us 5, Vers 17-20. Die Fra­ge wird in den Raum gewor­fen, war­um dies ein eige­ner Text ist, der sich klar von Vers 17 abgrenzt, was die Auf­ga­be der letz­ten Sit­zung für heu­te war. Was berech­tigt Vers 17-20 als eige­nen Text vom Vor­text abzu­set­zen? Es ist eine Abgren­zung von dem, was das Publi­kum den­ken könn­te. Das ist eine Vor­stel­lung, wie man die Berg­pre­digt auf kei­nen Fall ver­ste­hen soll­te.

Aber erst ein­mal ist es eine Anre­de an das Publi­kum, die ein mög­li­ches Miss­ver­ständ­nis aus­schlie­ßen möch­te. War­um hört die Klä­rung die­ses Miss­ver­ständ­nis­ses mit Ende des Vers 20 auf? Die Herr­schaft sagt, das Gesetz ist gül­tig und soll die Hand­lun­gen der ein­zel­nen Men­schen bestim­men, was als Herr­schaft bezeich­net wird. Die Fra­ge, die für das Ver­ständ­nis der Berg­pre­digt äußerst wich­tig ist, lau­tet: Wie bekommt man raus, was die Gerech­tig­keit ist, die bes­ser als die­je­ni­ge der Pha­ri­sä­er und Schrift­ge­lehr­ten sein soll? Und die zwei­te Fra­ge ist: Wie kann man das über­haupt kon­trol­lie­ren, was die Pha­ri­sä­er und die Schrift­ge­lehr­ten für The­sen ver­tre­ten haben? Das sind zwei schwe­re Fra­gen, den­noch müs­sen wir die ers­te Fra­ge in die­sem Semi­nar beant­wor­ten.

Kom­men­tar einer Kom­mi­li­to­nin: „Eine Fra­ge liegt außer­halb des Tex­tes, näm­lich im Sab­bat­ge­bot, dass Jesus dafür gekreu­zigt bzw. gestei­nigt wur­de, da er am Sab­bat heilt. Der Sab­bat besagt aber, dass an die­sem Tage kei­ne Arbeit ver­rich­tet wer­den soll­te.“

Ant­wort: Es geht dar­um, um das Pro­blem noch ein­mal klar zu machen, dass es im Juden­tum über­haupt kei­ne ein­heit­li­che Inter­pre­ta­ti­on der Tex­te gege­ben hat, son­dern sol­che Posi­tio­nen, wie Jesus über den Sab­bat etwa im Mar­ku­sevan­ge­li­um ver­tre­ten hat, fin­det man auch bei ande­ren Schrift­ge­lehr­ten. Es geht dar­um, dass ihnen vor­ge­wor­fen wird, dass Ein­zel­ne oder Grup­pen die­ses dazu benut­zen, unend­li­che Regeln wei­ter zu ent­fal­ten, was für das Gesetz gehal­ten wird. Das ist im Juden­tum durch­aus eine Metho­de, dass durch ande­re Schrift­stel­len zu bekämp­fen. Hier wird das Bei­spiel Kran­ken­haus, Men­schen hel­fen durch Arbei­ten gebracht. Das heißt, man hat also ande­re Schrift­stel­len her­an­ge­zo­gen um zu ver­su­chen, irre­füh­ren­de Aus­le­gun­gen die­ses Sab­bat­ge­bo­tes zu ver­hin­dern. Das ist aber als ein Streit anzu­se­hen, der schon vor Jesus ange­fan­gen hat. Was den Pha­ri­sä­ern vor­ge­wor­fen wur­de, ist, dass man um das Gesetz einen Zaun baut, dass die wesent­li­chen Sachen gar nicht berührt wer­den kön­nen, weil schon ande­re For­men davor gebaut wur­den. Das kann eine extre­me Form der Gesetz­lich­keit bedeu­ten, trotz­dem haben die Pha­ri­sä­er, soweit das heu­te über­haupt erfasst wer­den kann, wohl eine inter­es­san­te Form der Reli­gi­on gebil­det, die vom Pries­ter­tum im Juden­tum abge­wi­chen ist und die Hei­lig­keits­ge­set­ze aus dem drit­ten Buch Mose so aus­ge­legt hat, dass die­se all­tags­taug­lich waren. Man brauch­te dann die Pries­ter nicht, um die Ver­feh­lun­gen zu süh­nen, was eine fort­schritt­li­che Posi­ti­on im Juden­tum war. Da die Schrift­ge­lehr­ten als zwei­te Grup­pe auch da sind, zeigt dies, dass es nicht nur Pries­ter im Juden­tum gibt, son­dern eine zwei­te gro­ße Grup­pe, die die Schrif­ten aus­le­gen, wodurch Span­nun­gen in den Hei­li­gen Schrif­ten der Juden ent­stan­den und erör­tert wor­den sind. Es gibt heu­te Tex­te, die die­sen Grup­pen und den Schrift­ge­lehr­ten zuge­ord­net wer­den kön­nen, wozu auch das Deu­te­ro­no­mi­um gehört, aber auch ande­re Tex­te, die gegen­über die­ser schwe­ren Kon­zen­tra­ti­on auf den Pries­ter und Levi­ten, Levi­ti­kus mit dem Hei­lig­keits­ge­setz, eine ande­re Form der Reli­gi­on aus­ge­baut haben. Das Chris­ten­tum ist eine Unter­grup­pe anfangs gewe­sen die­ser pries­ter­kri­ti­schen Kon­zep­ti­on des Juden­tums und mög­li­cher­wei­se ist des­we­gen auch der Gegen­satz gegen­über den Pha­ri­sä­ern und Schrift­ge­lehr­ten so groß, weil Jesus von Naza­reth die­sen Grup­pen reli­gi­ons­ge­schicht­lich nahe­stand und einer die­ser Schrift­ge­lehr­ten gewe­sen ist. Jesus ist einer der bedeu­tends­ten Schrift­ge­lehr­ten des Juden­tums gewe­sen! Jetzt tritt das also auf, dass er gekom­men sei, das Gesetz und die Pro­phe­ten (nicht) auf­zu­lö­sen.

Was sind die Kate­go­ri­en das „Gesetz“ und die „Pro­phe­ten“ über­haupt? Das Gesetz ist die Tora, Pen­ta­teuch. Die Pro­phe­ten tre­ten als Rich­ter in den Vor­der­grund. Der drit­te Teil der Schrif­ten der Juden wird nicht erwähnt, aber die Ver­wen­dung von Pro­phe­ten und Tora, wur­de als hei­li­ge Schrif­ten der Juden bezeich­net, sozu­sa­gen zwei Tei­le für alle. Es ist tat­säch­lich eine Bezeich­nung für das, was die Chris­ten dann spä­ter als Altes Tes­ta­ment beschrie­ben, was aber zunächst die Hei­li­gen Schrif­ten der Juden bezeich­nen soll­te. Also hier ist erst ein­mal die Tora das Gesetz, und die Pro­phe­ten sind die vor­de­ren und hin­te­ren Pro­phe­ten!

Aber offen­bar, wie wir spä­ter noch sehen wer­den, wird erzählt: Wenn man Jesus nicht als Schrift­ge­lehr­ten sieht, wird man sei­ne Tex­te in der Berg­pre­digt nicht ver­ste­hen.

Fra­ge eines Kom­mi­li­to­nen: „Was macht denn den Unter­schied aus, Jesus als Schrift­ge­lehr­ten zu sehen oder auch nicht?“

Ant­wort: Dass man sich oder er im Sys­tem befin­det und nicht außer­halb, sodass er nicht sagen kann: Man soll nicht das Wort Got­tes zu ver­ste­hen ver­su­chen, ohne die Hei­li­gen Schrif­ten der Juden aus­zu­le­gen. Das muss eine kon­tro­ver­se Aus­le­gung sein, da dies auch schon vor Jesus kon­tro­vers war. Dies hat ca. 300 vor Chr. ange­fan­gen.

Neu­tes­ta­ment­li­che Tex­te sind meis­tens jeweils auch Aus­le­gun­gen der Hei­li­gen Schrif­ten der Juden. Die theo­lo­gi­sche Metho­de geht über die Schrift­aus­le­gung und man muss damit rech­nen, dass es zu ver­schie­de­nen Tex­ten, ver­schie­de­ne Mei­nun­gen gibt. Die Wich­tig­keit von Tex­ten wird unter­schied­lich ein­ge­schätzt. Das sind also Fra­gen, die sich jedem Men­schen seit unge­fähr 2300 Jah­ren stel­len, in denen das qua­si aus­ge­legt wer­den soll. Das Juden­tum ist des­halb zu so einer bedeu­ten­den Reli­gi­on gewor­den, da es dies in unge­wöhn­li­cher Genau­ig­keit gemacht hat. Was Jesus hier her­aus­nimmt, ist eine Gerech­tig­keit, die dann die­je­ni­gen der Pha­ri­sä­er und Schrift­ge­lehr­ten über­trifft. Die­se Gerech­tig­keits­auf­fas­sung kön­nen wir aber nur indi­rekt in die­sem Semi­nar erfas­sen, aber wir kön­nen her­aus­fin­den, wie Jesus das aus­legt, denn ab 5, Vers 21 geht es so wei­ter, dass man wesent­li­che Punk­te, des­sen, was die Gerech­tig­keit ist, die Jesus meint, als die­je­ni­ge Gerech­tig­keit zu erken­nen ist, die vor dem Hin­ter­grund von Gesetz und Pro­phe­ten gel­ten soll. Mt 5, Vers 21-48 sind ganz wesent­li­che Punk­te des­sen, was die­se bes­se­re Gerech­tig­keit aus­macht. In Vers 17-20 geht es nur dar­um, dass man dies nicht miss­ver­ste­hen soll, dass er damit Gesetz und Pro­phe­ten auf­lö­se. Was hat man dar­un­ter ver­stan­den, als das gele­sen wur­de bzw. wor­in besteht die Erfül­lung? Eini­ge kon­ser­va­ti­ve Grup­pen legen dies so aus, dass das Gesetz äußerst hart ist und wer sich dar­an nicht hält, muss mit ent­spre­chen­den schlim­men Kon­se­quen­zen rech­nen. Über­setzt heißt es, dass in dem, was in der Fol­ge kommt, ein Sinn des Geset­zes erscheint, der das­je­ni­ge, was das Gesetz eigent­lich aus­macht, beson­ders gut zum Aus­druck bringt. Im Deut­schen kann dies also nicht „erfüllt“ hei­ßen, weil in der Fol­ge ja teil­wei­se bestimm­te For­mu­lie­run­gen des Geset­zes ver­neint wer­den. Viel­leicht nicht abso­lut ver­neint, aber doch in eine Rich­tung ver­scho­ben wer­den, denen man­che die­sen Tex­ten, nicht zuschrei­ben wür­den. Man muss sehen, dass es in die­sen Ver­sen recht revo­lu­tio­nä­re Aus­le­gun­gen des Geset­zes vor­kom­men, die auch nicht Kon­sens sind. Man soll­te hier die­se Schwie­rig­keit ver­mei­den zu ver­su­chen, die aber von Gene­ra­ti­on zu Gene­ra­ti­on ver­schie­den ist. Vers 17-20 hat eine ande­re Mei­nung als Vers 21-48, wodurch sich die Leu­te nicht erklä­ren kön­nen, war­um die­ser Text als „ein Text“ ver­öf­fent­licht wor­den ist. Die Aus­le­gung Jesu soll die Schrif­ten „voll­enden“.

Für wen ist es denn wich­tig, dass das Gesetz und die Pro­phe­ten nicht auf­ge­löst wer­den? Die Juden beka­men seit etwa 500 vor der Zeit­rech­nung, erst von den Per­sern, dann von den Grie­chen und schließ­lich von den Römern zuge­stan­den, dass ihr Gesetz und die Hei­li­gen Schrif­ten der Juden als Selbst­ver­wal­tungs­recht in den Gebie­ten gel­ten kön­nen, in denen sie die Mehr­heit für ihre Grup­pe haben. Das ist ein ganz wich­ti­ger Punkt, sodass also der römi­sche Staat dies aner­kennt, dass sie nun nach die­sem Gesetz leben. Der römi­sche Staat ver­däch­tigt aber jeden, der mit neu­en Gesetz­re­ge­lun­gen auf­trat, dass er auf­hö­re loy­al zu sein und auf­stän­disch wäre. Das steckt auch in dem Text, dass an die Römer gesagt wird: Die­se neue Grup­pe ori­en­tiert sich an den Hei­li­gen Schrif­ten der Juden. Wer also die Sit­ten der Älte­ren bei den Römern nicht akzep­tiert hat, galt als gefähr­lich und in heu­ti­ger Spra­che als Ter­ro­rist. Das scheint der Text aus­schlie­ßen zu wol­len. Nicht nur gegen­über Grup­pen im Juden- und im Chris­ten­tum wird dies gesagt, son­dern auch gegen­über dem römi­schen Staat, sodass die gan­ze Geschich­te sehr kom­pli­ziert wird. Eine Scha­ria ist bei­spiels­wei­se ein mus­li­mi­sches Gesetz, dass  inner­halb einer Grup­pe in der heu­ti­gen Zeit in Deutsch­land gilt – aber das Grund­ge­setz nicht ver­let­zen darf!

Wie ver­sucht das jetzt Jesus aber in die­sem Text klar­zu­ma­chen, dass das Gesetz und die Pro­phe­ten so wich­tig sind? Das Jota ist der kleins­te grie­chi­sche Buch­sta­be und dar­an wird das klar­ge­macht. Die Pha­ri­sä­er und Schrift­ge­lehr­ten kom­men nicht in das Reich der Him­mel, aber zumin­dest, wenn man klei­ne Geset­ze auf­löst, dann bekommt man einen klei­nen Platz im Him­mel. Es gibt aber auch grö­ße­re Plät­ze! Man muss es auf jeden Fall vor dem Hin­ter­grund lesen, was Jesus in der Fol­ge sel­ber macht. Das soll­te nicht aus­ge­schlos­sen sein, denn er argu­men­tiert gele­gent­lich so, dass Wider­sprü­che ent­ste­hen. Bsp.: Du sollst dei­nen Feind has­sen und du sollst dei­nen Feind lie­ben. Eine exege­ti­sche Lösung die­ses Pro­blems ist fol­gen­der­ma­ßen: Vers 17-20 ist eine redak­tio­nel­le Pas­sa­ge, die Mat­thä­us zuzu­wei­sen ist, wäh­rend bei Vers 21-48 vie­le Tex­te kom­men, die auf Jesus selbst zurück­zu­füh­ren sind. Der Text sel­ber aber betrach­tet das nicht so, son­dern er muss auch für anti­ke Leser und Lese­rin­nen und auch für heu­ti­ge noch zu ver­ste­hen sein. Man kann also den Sinn der Schrif­ten noch kla­rer erfas­sen, als es man­che bis­her getan haben. Die Schrif­ten sind nie nur die Schrif­ten sel­ber, sie sind immer aus­ge­leg­te Schrif­ten. Es gibt also Aus­le­gungs­tra­di­tio­nen. Die Pha­ri­sä­er und die Schrift­ge­lehr­ten sind sol­che Aus­le­gungs­tra­di­tio­nen. Man kann das Juden­tum nicht anders ver­ste­hen und auch das Chris­ten­tum, dann als Fol­ge, dass es sich sel­ber auf die Schrif­ten bezieht und dar­aus auch sei­ne Iden­ti­tät bil­de­te. Und hier geht es letzt­end­lich dar­um zu ver­ste­hen, was in Pro­phe­ten und dem Gesetz steht. Dabei soll her­aus­kom­men, dass man das Gesetz nicht auf­löst, son­dern in sei­nem Sinn so toll ent­fal­ten kann, dass dar­in nichts ver­lo­ren geht. Die ande­ren las­sen sich zu sehr von kon­ser­va­ti­ven, reli­giö­sen Grup­pen fas­zi­nie­ren oder auch blo­ckie­ren, die eben sagen, dass das Gesetz eine Sum­me von Regeln wäre, die genau­so ein­ge­hal­ten wer­den müs­se. Die Ganz­gläu­ber sehen aber, dass das bei Jesus offen­bar nicht der Fall ist. Das ist kei­ne beson­ders intel­li­gen­te Form der Reli­gi­on, die bei den Evan­ge­li­ka­len vor­han­den ist, aber es ist eben so, dass auch Pro­fes­so­ren des Neu­en Tes­ta­men­tes sich ein biss­chen davon beein­dru­cken las­sen. Das ist aber eine fal­sche Aus­le­gung, denn die Sachen die in 5, 21-48 ste­hen, sind zum Teil kri­ti­sche Aus­le­gun­gen der Hei­li­gen Schrif­ten der Juden und es wird über­se­hen, dass Jesus nicht der Ers­te ist, son­dern dass das immer schon gemacht wor­den ist. Bei­spiels­wei­se hat einer der Schrift­ge­lehr­ten gesagt: Der Sinn der Tora ist das Lie­bes­ge­bot. Damit wird plötz­lich eine Mög­lich­keit ent­fal­tet, wie man auf die ver­schie­dens­ten Gesetz­tes­tex­te noch ein­mal anders deu­ten kann. Man muss sehen, dass es von einem selbst abhängt, dass man sich als Christ ver­steht.


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Theo­lo­gie des Neu­en Tes­ta­ments (TUD) ist Beitrag Nr. 6136
Autor:
Martin Pöttner am 12. Mai 2017 um 13:52
Category:
Bergpredigt
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