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TUD)">Grund­ori­en­tie­rung Bibel (TUD)

Protokoll für das Seminar Grundorientierung Bibel

Stundenprotokoll vom 9. Mai 2017

Julian Philipp Bergmann | 2859495

Bachelor of Education


Kapitel 3 (Bormann)

Man nimmt an, dass solche Erzählungen aus der sogenannten Geschichte Israels eben durch ein bestimmtes Schema vereinigt worden sind, dass in erster Linie dem 5. Buch Mose (Deuteronomium) entstammt, wovon wir am Ende der letzten Sitzung, Deuteronomium 30, Vers 15ff, uns angesehen haben. Dabei war zu erkennen, dass von den Israeliten gefordert wird, dass sie nur den einen Gott Israels (JHWH) anerkennen, aber es wird nicht geleugnet, dass es andere Götter und Göttinnen gibt, die von anderen verehrt werden: Und diese sollen nicht von den Israeliten verehrt werden. Also gibt es die Gefahr des sogenannten Verehrens von Fremdgöttern oder Göttinnen. Das ist ein Punkt. Zugleich muss man aber dazu sagen, geht es noch um Gebote, die gehalten werden, was etwas unterbetont zu sein scheint. Das letzte Mal wurde gesagt, dass die Religionsform des Exodus bis zum zweiten Königsbuch die Form der Eingottverehrung (Henotheismus) ist. Bormann verwendet einen weiteren Begriff (Monolatrie = einen Gott zu verehren, ohne zu leugnen, dass es andere Götter oder Göttinnen gibt). Das wird dann aber auch zu einem Problem. Im Deuteronomium gibt es einen weiteren wichtigen Punkt, denjenigen, dass der Ort, wo Gott verehrt werden soll, Jerusalem ist! Das ist aber in Nordisrael beispielsweise gar nicht möglich. Bis heute ist es so, dass die Juden eigentlich verpflichtet sind, einmal im Jahr nach Jerusalem zu kommen, was die meisten jedoch nicht einhalten … und das ist im Deuteronomium der Fall, dass dies gefordert wird. Die verschiedenen Schwierigkeiten und Katastrophen in der Geschichte Israels, werden damit erklärt, dass also die Israeliten der Eingottverehrung oder Ähnlichem nicht gefolgt sind, dass tatsächlich ein stark ethnisches Konzept der Religion vertreten wird. Es gibt auch weitere Texte im Alten Testament, die eine andere Position vertreten, aber im Deuteronomium und dem deuteronomistischen Geschichtswerk wird vertreten, dass es eine starke ethnische Konzeption der Religion gibt, das heißt also, wer Jude oder Jüdin ist oder Israelit oder Israelitin ist, der soll möglichst keine anderen Menschen heiraten, die oder der aus anderen Völkern kommen, weil diese dann möglicherweise andere Göttinnen und Götter verehren, (welches als Hauptgrund angesehen wird). Das gibt es immer wieder in diesen Büchern, in denen Geschichten erzählt werden, die dann eben so gedeutet werden, dass etwas passiert, was dem Herrn missfiel. Und das, was dem Herrn missfiel, ist oft anhand der Kriterien des Deuteronomium festgehalten. Der große Erzählbogen ist nach dem Ende des Deuteronomiums. Hier ziehen die Verbliebenen und Neugeborenen Israeliten, in das gelobte Land Kanaan ein. (Das wird im Josua-Buch geschrieben). Jeder angekommene Stamm hat einen kleinen Teil von Kanaan bekommen, was der wesentliche Punkt der Erzählungen im Josua-Buch ist. Entscheidend ist aber, was sich auch wieder gewissermaßen widerspricht, dass die erfolgreichen Kriege doch von JHWH selbst geführt werden. Also der Herr ist als Kriegsherr beschrieben und also als König Israels verstanden, während die Israeliten selber keinen lebendigen, menschlichen König haben. Dies gilt für das Josua- und für das Richterbuch. Das ändert sich erst, nachdem eines dieser in Kanaan lebenden Völker so stark wird, dass andauernd mit diesem Konflikte auftreten und da entwickelt sich die die Idee: Auch das Volk Israel braucht einen menschlichen König. Und das ist dann die Entwicklung zu Saul, David und Salomon. So ungefähr ist der große Bogen. Aber leider passiert es immer wieder, dass auch solche Könige taten, was dem Herren missfiel, so dass es zum Schluss dazu kommt, dass erst das Nordreich von den Assyrern besiegt wird und die Oberschicht nach Assyrien muss – und schließlich eben das verbliebene Südreich, das vor allem aus Juda besteht, von den Babyloniern besiegt wurde. Hier tritt dann das babylonische Exil ein. So weit ist der Erzählbogen. Also von der Landnahme der einzelnen Stämme bis zum Untergang beider Teile des israelitischen Reiches durch erstens die Assyrer und zweitens dann die Babylonier. Und was das Deuteronomistische an diesem Geschichtswerk ist, ist wohl der Punkt, dass also die Erklärung der Katastrophen Israels damit zusammenhängen, dass irgendjemand etwas getan hat, was dem Herren missfällt – und die Kriterien für dieses Missfallen finden sich im Deuteronomium. Das führt dazu, dass der Herr seine schützende Hand von Israel und Juda abzieht und das zu schweren Niederlagen führt. Das ist äußerst komplex erzählt. Es gibt auch sehr interessante Geschichten darin. Die interessantesten sind sicherlich diejenigen für jüngere Menschen, die im Richterbuch sind. Das sind richtige Helden und Heldinnen-Geschichten. Das heißt also, die berühmtesten sind die Simson-Geschichten. Auch Frauen treten als gewalttätig auf. Es gibt nicht nur freundliche Geschichten, sondern es sind tatsächlich Gewaltgeschichten. So ergibt sich später für das Judentum das Problem, wie man als eine sittlich hochstehende Religion mit diesen gewalttätigen Geschichten umgeht. Das ist bis heute nicht gelöst, sondern die einen sagen, dass das früher so war, aber heute nicht mehr! Es gibt immer wieder Gruppen, die sich auf diese Räubergeschichten stark beziehen. Zum Beispiel der Name Ehud, Name eines solchen Richters, der in Israel relativ verbreitet ist. Es gibt eine Auffassung, dass diese Geschichten zumindest eine bestimmte Legitimationsbasis für kriegerische Gewalt sind. Das ist bis zum zweiten Königsbuch weitgehend ungebrochen, aber die Geschichten des Richterbuches treten da in ihrer Grausamkeit und Brutalität deutlich hervor. Das war dann aber mit der Zeit ein theologisches Problem … Dies wird dann erörtert, wenn wir wissen, wo sich innerhalb der Heiligen Schriften der Juden eine Änderung zeigt. Dennoch sollten diese Geschichten nicht unterschätzt werden, denn der Koran übernimmt einige dieser Geschichten, sodass bis zum heutigen Tage sich Gruppen wie der Islamische Staat, tatsächlich auf solche Gewaltszenarien berufen können. In der Bevölkerung wird verdrängt, dass es eine biblische Tradition gibt, die dann in die Texte des Islams eingegangen ist, auf die sich heute Terroristen berufen und als den wahren Eingott gesehen werden. Dies ist ein wichtiger Zug, der nicht nur für den Koran gilt, sondern auch für die Bibel.

Frage einer Kommilitonin: „In welcher Stelle des Korans kommt das denn vor, da der erste Teil den Mohammed geschrieben hat, relativ friedlich war und erst später kam dann der Teil, den Sie dann beschrieben haben, der so gewalttätig war?“

Antwort: Vereinfacht kann man das definitiv so sagen! Es geht um Erzählungen aus der medinischen Phase, als Mohammed nach Medina emigriert war. Die muslimische Hermeneutik ist bemüht zu erzählen, dass es sich hier um einzelne Geschichten handelt, aber die stehen nicht für das Ganze! Dennoch gibt es Gruppen, die anders vorgehen, die sagen, dass ist der Kern dessen, was den Islam ausmacht. Bisher hat sich hier keine Lösung ergeben. Deswegen sagen viele: „Das hat doch mit dem Islam gar nichts zu tun!“, dann sagen die anderen: „Doch! Genau das ist das Wesen des Islams“. Darauf beziehen sich hier im Westen die Islam-Feinde. Es gibt leider keine Methode, dass man akzeptieren kann, dass es im Koran zwei verschiedene Perspektiven gibt: „Selektive Wahrnehmung“, sondern es wird gesagt, „meine ist richtig und die andere gibt es gar nicht“. Dieses Phänomen kann man nicht nur im Islam beobachten, sondern auch im Judentum und im Christentum. Diese Gruppen denken, dass Kriegsführung durch die Bibel gerechtfertigt sei!

Zudem, was beim letzten Mal besprochen wurde, dass die Erzählperspektive verengt wurde von dem einzigen Gott, der die Erde geschaffen hat, auf den Gott Israels, der Israel aus Ägypten herausführt, das wird im Josua-Buch bis zum zweiten Königbuch weitgehend aufrechterhalten. Hier sind nur einzelne Einschränkungen, wo man sieht, dass auch hier eine Diskussion stattfindet. Das merkt man vor allem daran, dass bestimmte Propheten auftreten. Bsp.: Beim Propheten Elia gibt im ersten Königsbuch eine Geschichte (18f), wo er als Verteidiger des Gottes Israels gegenüber einem Gott der Kanaanäer Baal auftritt. Dann gibt es eine Erzählung von einer Vision, wo er den Herrn erwartet, dass er kommt. Dass er kommt, heißt aber nicht im Feuersturm usw., sondern als ein sanfter Wind, worin der Herr ist. Dies ist ein Indiz dafür, dass sich die Israelitische Religion zu wandeln beginnt. Die Sanftheit Gottes tritt jetzt plötzlich in den Vordergrund. Das ist also ein Beispiel dafür, wie es in diesen Texten dazu kommt, dass man sieht, dass sich innerhalb der Religion Israels Gedanken entwickelt haben, ob dies alles so gut gewesen ist.

An dieser Stelle wird ein Text gelesen: Richter 3, Vers 7-31.

In diesem Text, ist alles zu lesen, was auch in anderen Geschichten zu sehen ist. Was hier wichtig ist, dass dies nicht unabhängig vom Herrn, dem Gott Israels ist, sondern: Wenn die Israeliten in eine negative Situation kommen, dann erweckt er in ihnen einen Retter bzw. eine Retterin, die dann mit außergewöhnlichen Kräften begabt ist. Das ist die erste wichtige Konzeption des Geistes im Alten Testament, die eine etwas dramatische Form des Geistes ist. Solche Richtergestalten sind charismatisch, also Führer und Führerinnen, die durch den Geist begabt sind, große und kriegerische Taten zu vollziehen. Das ist die Auffassung dieser elementaren Figuren als die stärksten in der Volksgruppe. Dazu kommt dann, dass sie vom Herrn mit dem Geist begabt werden und dadurch sind sie in der Lage, andere kriegerisch zu besiegen. Die Geschichte von Ehud ist typisch in ihrer Brutalität und der Schilderung. Das hat auch die moderne Schilderung von Verbrechen nicht überboten. Hier handelt es sich um eine klare Darstellung von Gewalt, die in einem heiligen Buch zu lesen ist. Das muss man sich klarmachen, dass dies ein großes Problem ist. Hier wird also gezeigt, zu welchen Gewalthandlungen Menschen fähig sind. Das Negative ist, dass der Herr, Gott Israels, diese Brutalität für gut befindet.

An dieser Stelle wird der Text gelesen: Richter 5 Deboras Siegeslied

Ein beeindruckendes Kriegs- bzw. Siegeslied! Historisch und wichtig ist hier zu lesen, dass es nicht immer nur Männer sind, sondern eben auch Frauen, was man an auch in anderen Gesellschaften der Antike sehen kann, die solche außergewöhnlichen Figuren kennen, „Heldinnen“. Diese Tat wird hier besonders schön dargestellt. Dieser Punkt ist besonders wichtig, dass gesagt wird: „Auch Frauen sind zu solchen Gewalttaten fähig!“ Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass der Herr diese Tat nicht kritisiert hat, sondern dies als „okay“ befunden hat. Auch hier ist wieder dieser Aspekt der Grausamkeit deutlich in der Geschichte zu erkennen.

An dieser Stelle wird das Augenmerk auf das Samuel-Buch gelegt. An dieser Stelle wird der Text gelesen: Erster Samuel 8, ganz.

Der erste, der dann König wird, ist Saul, und man nimmt an, dass das ungefähr 1000 v. Chr. war. Da scheint es also, dass die Königsidee in diesem Zeitraum entstanden ist, vor dem Hintergrund, dass die Philister keine Ruhe gegeben haben. Dadurch musste man eine vernünftige Organisation und professionelle Kriegsführung zu Stande bringen. Hierdurch ist also das Königtum entstanden, welches aber auch Nachteile mit sich brachte, welche in Samuel ausführlich beschrieben wurden, Thema Steuern usw.

In Weiterführung wird eine ganz berühmte Geschichte dazu genommen: An dieser Stelle wird der Text gelesen: Erster Samuel 17, David und Goliath.

In dieser Geschichte zeigt sich ein junger Held, der dann später der Nachfolger von Saul wird, obwohl er gegenüber Saul Sachen verrichtet, welche dem Herrn missfallen.

Frage einer Kommilitonin: Was ist denn ein Philister?

Antwort: Philister sind eine Gruppe, die da wohnten, wo heute die Palästinenser wohnen. Quasi an der Küste Israels. Kanaan ist tatsächlich nur teilweise von den Israeliten beherrscht worden. Die Philister waren eine Gruppe, die nur schwer besiegt werden konnte. Man sagt ihnen auch nach, dass sie von den Seevölkern abstammen. Man weiß dies nicht so genau. Jedenfalls sind um das Jahr 1000 v. Chr. in diesen Gegenden solche Seevölker entstanden, die über die See gekommen sind und sich dort niedergelassen haben. Das sind die Philister, die offenbar sehr hartnäckig waren, was dazu geführt hatte, dass das Königtum entstanden ist.

Hier hatten wir aber schon den König Saul. Trotzdem ist hier aber ein junger Held der anscheinend derjenige ist, wie man als erfahrener Leser sehen kann, der als Nachfolger in Frage kommt. Ganz typisch dafür ist, dass er nur ein Hirte ist. Bekannt ist der Psalm 23, dass Gott ein guter Hirte ist. Man hatte in der Antike in diesen Gegenden die Idee, einen König als Hirten zu bezeichnen. Diese/r starke Mann oder Frau, soll die anderen beschützen wie ein Hirte seine Schafe. Darauf wurde angespielt, in der Hirten-Ausgangsposition des jungen David. Hinterher wurde er dann tatsächlich König Israels. Auch David macht nicht alles richtig, sodass sein Großreich dann in ein Nordreich und ein Südreich zerfällt.

Abschließend wird folgender Text gelesen, in dem viel über die Entstehung der Religion als solcher zu lesen ist: Zweites Samuel-Buch, Kapitel 11.

Um die Zusammenhänge genauer zu verstehen, werden weitere Verse aus dem Kapitel 12 gelesen, da dieses enorm wichtig ist. Aufgrund der Trauerbewältigung schickt der Herr einen Propheten, Nathan, zu David. Dazu müssen aber erst die ersten neun Verse gelesen werden. Daraus kann man lesen, dass dieser König etwas macht, was Könige doch öfter tun, was aber dem Herrn missfällt. Es geht nicht nur darum, dass David die Ehe gebrochen hat, und diese Frau Batseba geschwängert hat, sondern es geht darum, dass er den Mann hat umbringen lassen bzw. umgebracht hat, was einen klaren Sachverhalt des Mordes darstellt. So sieht es jedenfalls der Herr. Danach Tritt eine Figur auf, die die religiöse Welt Israels besser erfasst. Das sind Boten die gesandt werden und das Handeln von Leuten wie Königen aus der Perspektive Gottes beurteilten. Bis dahin schien es so, dass die religiöse Welt sich immer mehr nur auf den König konzentrierte, was alles nicht so im Sinne des Herrn war. Das war bis dato akzeptiert, bis zu der Tat, das ein bedeutender König Israels so eine schlimme Tat begann, worauf sich der Herr anderen Gruppen zuwandte, die als die Propheten gelten. Was Propheten sind, wird bei der übernächsten Sitzung genauer behandelt. Klar ist aber, dass die Macht des Königtums durch die religiöse Welt kontrolliert werden kann. Die Propheten haben einen direkten Draht zu Gott und sie können dadurch die Gesetze oder Gebote Gottes besser auslegen, weil Menschen wie David Dinge tun, wie es in der Geschichte nachzulesen ist. Hier ist also eine relativ große Dynamik in der Geschichte die zeigt, wie sich so langsam die Sachen ändern. Das Reich Davids bleibt dadurch auch nicht bestehen, das erste Kind von Batseba und David musste sterben und das zweite Kind wird sein Großer Nachfolger, Salomo der weise König, der dann anscheinend die Sache besser macht. Salomo ist aber nicht nur weise, sondern er hat viele Frauen, was zwar nicht schlimm ist, aber unter diesen Frauen sind natürlich Frauen, die anderen Göttinnen und Göttern folgen, was dem Herrn wieder missfällt. Das ist dann schließlich das Ende und das Reich zerfällt. Dadurch kam es dann zum Nordreich und dem Südreich, was bis ins 8. Jhd. geht. 732 v. Chr. wird es von den Assyrern zerstört. Auch das Südreich wird von den Babyloniern 586 v. Chr. erobert. Große Teile der Oberschicht, auch in Babylon werden in das Exil geführt. Das war früher üblich, das unterlegende Völkerschaften versklavt wurden und dann mitgenommen wurden als Beute. So ist es auch mit der Oberschicht des Nord- und des Südreichs Israels passiert. Hiermit endet dann das zweite Königsbuch und das deuteronomistische Geschichtswerk, weil es unterstellt, dass das Glück oder Unglück der Geschichte davon abhängt, ob man den Gott Israels angemessen verehrt oder nicht!


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Info:
Grund­ori­en­tie­rung Bibel (TUD) ist Beitrag Nr. 6132
Autor:
Martin Pöttner am 12. Mai 2017 um 12:43
Category:
Bibelkunde
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