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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Ein Kritiker der akademischen (evangelischen) Theologie

Die aka­de­mi­sche Theo­lo­gie ver­stol­pe­re das 500-jäh­ri­ge Refor­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um: http://www.zeitzeichen.net/religion-kirche/kritiker-der-reformationsjubilaeums/.  So for­mu­liert Thies Gund­lach in „Zeit­zei­chen“ – und dis­ku­tiert das Bei­spiel eines Sys­te­ma­ti­kers, eben­so von zwei Kirchenhistoriker/inne/n, die auch mas­sen­me­di­al prä­sent sind. Prak­ti­sche Theolog/inn/en wer­den nicht erwähnt. Allein die Exeget/inn/en hät­ten etwas gelie­fert, die 2017er Vari­an­te der Luther­bi­bel.

Dazu ist aber anzu­mer­ken, dass die heu­te erkann­ten Über­set­zungs­pro­ble­me nicht bear­bei­tet wor­den sind. So wird Eva immer noch von Gott, dem Herrn, aus einer Rip­pe Adams gebas­telt, wo doch schon die Sep­tuagin­ta (grie­chi­sche jüdi­sche Bibel) Sei­te vor­schlug.

Man/frau könn­te ver­mu­ten,  dass G. den Lehr­be­trieb nicht sehr gut kennt. Auch schei­nen ihm nicht alle Pro­ble­me der Theo­lo­gie Luthers ganz gegen­wär­tig zu sein. Soweit ich sehe, wird Luther in allen Dis­zi­pli­nen berück­sich­tigt – und eben kri­tisch dis­ku­tiert. Das ist ein völ­lig ange­mes­se­nes Ver­hält­nis, das auch schon 1983, zum 500. Geburts­tag Mar­tin Luthers gepflegt wur­de.

Was vie­le Theolog/inn/en mög­li­cher­wei­se irri­tiert, ist das Mar­ke­ting-Ver­hal­ten der EKD. Man/frau kann das am Twit­ter-Account der EKD nach­voll­zie­hen. Dort wur­de zurecht auf den Film „Katha­ri­na Luther“ hin­ge­wie­sen, nach der Sen­dung dann eine Erfolgs­mel­dung des MDR ret­wee­tet, sechs Mil­lio­nen Zuschauer/innen, die Cham­pi­ons League (FC Sevil­la-Lei­ces­ter City) aus­ge­sto­chen – und sogar den Bache­lor.

Kei­ne Bemer­kung zum Film, ein zar­ter Film, der Luthers Frau in den Mit­tel­punkt stellt – und das von der Bibel her gewon­ne­ne neu­ar­ti­ge Sexua­li­täts­ver­ständ­nis auch bild­lich ein­drucks­voll prä­sen­tiert. Die Rol­le der Frau mit den Schwie­rig­kei­ten, die blei­ben, usf. …

Ich will dar­über­hin­aus dar­auf hin­wei­sen, dass ich in Mar­burg und Zürich Luther genau­er stu­diert habe, mit­hin eine Rei­he sei­ner  Tex­te ken­ne. Eben­so habe ich die Dis­kus­si­on der Theo­lo­gie Luthers wahr­ge­nom­men.

Für mich selbst sind zwei Aspek­te dar­aus anre­gend:

  • Beim Theo­lo­gie-Modell folgt er jüdi­schen Ansät­zen, die Theo­lo­gie als dyna­mi­sche Schrift­aus­le­gung ver­ste­hen. So ist Luthers Modell sola scrip­tu­ra  („allein die Schrift“) zu ver­ste­hen. In der Schrift wer­den Schwer­punk­te gesetzt, es gibt Gewich­tun­gen. D. h.: Kirch­li­che Leh­re ist stets auf die Schrift zu bezie­hen und die jewei­li­gen Schwer­punk­te sind anzu­ge­ben. So bezieht sich Luthers Auf­fas­sung der Recht­fer­ti­gung allein aus Glau­ben expli­zit auf Pau­lus – und expli­zit nicht auf Jako­bus.
  • Das für katho­li­sche Men­schen frem­des­te Modell Luthers ist mut­maß­lich  die pries­ter­lo­se Kir­che. Luther hat­te schon 1520ff ver­stan­den, dass es im Neu­en Tes­ta­ment kei­ne kir­chen­lei­ten­den Per­so­nen gibt, die Pries­ter sind. Ent­spre­chend unter­stell­te er, dass das Ver­hält­nis de/s/r ein­zel­nen Glau­ben­den  zu Chris­tus direkt sei. Dar­aus ent­ste­he die Gemein­schaft der Glau­ben­den.

Ich tei­le die Ansicht, dass Luther Chris­tus in den Vor­der­grund stel­len woll­te, wenn das so beschrie­ben wird, wie ich es soeben getan habe. Die öku­me­ni­sche Auf­ga­be ist es dann, mit Kir­chen zu inter­agie­ren, die das Pries­ter-Modell  bevor­zu­gen, ohne dass Luthers Modell auf­ge­ge­ben wird.

Nur so kann die Gleich­be­rech­ti­gung der Frau­en usf. auf abseh­ba­re Sicht auf­recht­erhal­ten wer­den.

Die Debat­te hat seit 1983 kei­ne nen­nens­wer­ten Fort­schrit­te gemacht. Schon damals war Luthers zunächst posi­ti­ves Ver­hält­nis zum Juden­tum, dann aber die Wen­dung zu anti­ju­da­is­ti­schen bzw. (vor­neu­zeit­li­chen) anti­se­mi­ti­schen Auf­fas­sun­gen bekannt.

Und schon damals wur­de emp­foh­len, Luthers eher an stän­di­schen Auf­fas­sun­gen ori­en­tier­te Gesell­schafts­theo­rie durch eine an Schlei­er­ma­chers „Ethik“ ori­en­tier­te moder­ne­re sozio­lo­gisch belehr­te pro­zessphi­lo­so­phisch aus­ge­leg­te Gesell­schafts­theo­rie  zu erset­zen. Damit ist es mög­lich, sowohl demo­kra­tisch als auch chris­ten­tums­über­grei­fend zu argu­men­tie­ren. Eine ernst­haf­te Berück­sich­ti­gung phi­lo­so­phi­scher Ver­fah­ren ist mög­lich.

Nach mei­ner Auf­fas­sung ist dies in der aka­de­mi­schen Theo­lo­gie auch gesche­hen.

 

 

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Ein Kritiker der akademischen (evangelischen) Theologie ist Beitrag Nr. 5989
Autor:
Martin Pöttner am 6. März 2017 um 13:18
Category:
Allgemein
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