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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


11. März 2017

Moderner Daoismus (VHS Bad Rappenau)

Ein Yin-Yang-Symbol

Zu den am 07.03. kontrovers diskutierten Fragen, vgl.:
http://www.faz.net/aktuell/wissen/leben-gene/hirnforschung-mit-straftaetern-das-boese-beginnt-im-gehirn-13649029.html.

Dazu vgl. auch die Ausführungen meines Heidelberger Kollegen Thomas Fuchs.
M. E. ist es methodisch unhaltbar, das Gehirn zu isolieren. Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist nicht mehr umstritten, dass wir zur Gestaltung und auch Erfassung unseres Selbst- und Weltverhältnisses dieses Organ benötigen. Das heißt aber auch, dass das Gehirn nicht nur im Schädel ist, sondern an allen leiblichen Verhältnissen beteiligt ist. Fuchs hat das 2015 einigermaßen nachvollziehbar dargestellt: http://www.informationphilosophie.de/?a=1&t=8319&n=2&y=1&c=1&o=5 .

Der Daoismus stellt den mystischen Aspekt der chinesischen Kultur dar. Die Daoisten kommunizieren z. T. paradox, wie wir schon bei der Darstellung des Systems in der Vergangenheit sahen. Anders als die Kommunisten und auch die Konfuzianer lehnen sie Krieg und Gewalt ab. Sie bilden m. E. die Menschenrechtsposition in der chinesischen Kultur (ähnlich auch E. Tugendhat). Vielleicht lässt sich sagen, dass die paradoxe Kommunikation die Anpassung an das Gewöhnliche, die gesellschaftlichen Gewohnheiten irritieren oder gar unterbrechen soll.
Sicher unterstellen auch die Daoisten, dass starke Leidenschaften wie Gier und Zorn die Menschen bestimmen (so auch sowohl in buddhistischen Positionen als auch in der Bergpredigt). Aber solange man/frau das nur feststellt, bleiben er oder sie im ([neo-]positivistischen) naturwissenschaftlichen Diskurs. So ist es eben. Da lässt sich nichts machen. Krieg kann man nur durch die Macht der Gewehre beenden (Mao).
Die Daoisten setzen dagegen die meditative Praxis. Man/frau nimmt sich selbst zurück, entfernt sich damit aus der Welt der Sorge, welche uns kontinuierlich entlang unserer Gewohnheiten weitermachen lässt. In der Meditation ergeben sich daoistisch Ganzheitserfahrungen, was z. B. durch das Ineinander von Ying und Yang ausgedrückt wird. In der Meditation kann sich der/die Einzelne mit dem Ganzen, dem Kosmos verbunden fühlen. Bei Gehirnscans scheinen in derartigen Situationen Regionen inaktiv zu sein, die beim Raum- und Zeitbewusstsein aktiv sind.
Aber im Gehirn kann das nicht bleiben. Es soll ja die alltägliche Praxis bestimmen. Eine solche neue Haltung lässt sich nur durch Übung erreichen. D. h., häufiges Meditieren liegt nahe.
Dadurch lassen sich auch starke Leidenschaften verändern. Die daoistische Pointe besteht darin, dass so auch die Gewalt unterbrochen werden kann.

 

6. März 2017

Ein Kritiker der akademischen (evangelischen) Theologie

Die akademische Theologie verstolpere das 500-jährige Reformationsjubiläum: http://www.zeitzeichen.net/religion-kirche/kritiker-der-reformationsjubilaeums/.  So formuliert Thies Gundlach in „Zeitzeichen“ – und diskutiert das Beispiel eines Systematikers, ebenso von zwei Kirchenhistoriker/inne/n, die auch massenmedial präsent sind. Praktische Theolog/inn/en werden nicht erwähnt. Allein die Exeget/inn/en hätten etwas geliefert, die 2017er Variante der Lutherbibel.

Dazu ist aber anzumerken, dass die heute erkannten Übersetzungsprobleme nicht bearbeitet worden sind. So wird Eva immer noch von Gott, dem Herrn, aus einer Rippe Adams gebastelt, wo doch schon die Septuaginta (griechische jüdische Bibel) Seite vorschlug. (more…)

5. März 2017

Konfuzianismus im neueren China (VHS Bad Rappenau)

Da philosophische Konzepte nur verstanden werden können, wenn sie in dem gesellschaftlichen Zusammenhang betrachtet werden, zu dem sie gehören, skizziere ich die Entwicklung seit der letzten Phase des 18. Jahrhunderts d. Z. Das ist auch schon als Grundlage für den Dienstag in einer Woche gemeint. Am 07. März steht das Verhältnis von KP und Konfuzianismus im Vordergrund, am 14. März wird das Verhältnis von Daoisten und Menschenrechten aktuell stärker beleuchtet.
Wie schon Adam Smith 1776 im „Wohlstand der Nationen“ festgehalten hat, war China im asiatischen Großraum, der wirtschaftlich führend war, die stärkste Wirtschaftsnation in der Manufakturwirtschaftsform. Dieses Verhältnis beginnt sich erst unter den kolonialistischen Verhältnissen ab etwa 1850 allmählich umzukehren. Heute erleben wir offenbar eher eine Rückkehr zu den damaligen ökonomischen Verhältnissen, natürlich sind dadurch auch die philosophischen Fragen mitbestimmt.
China fehlte damals der Übergang von den Einsichten der klassischen physikalischen Mechanik sowie der Chemie zur technischen Umsetzung und den dann möglichen ökonomischen Innovationsschüben wie durch Dampfmaschine, Eisenbahn und Elektrizität, Chemie usf. In eins mit diesen Innovationsschüben entstand der kolonialistische Wille in den europäischen Staaten, die entsprechend versuchten, auch China zu kolonialisieren.
Diese kolonialistische Entwicklung hat dann die Tendenz bis heute bestimmt. Es kommt zu einer quasieuropäischen Selbstinterpretation gerade in intellektuell engagierten Gruppen. So findet 1911 und 1912 eine republikanisch orientierte Revolution gegen das marode Kaisertum statt. Die Kuomintang entstand als erste moderne chinesische Partei, die mit der Kommunistischen Partei zeitweise eine Allianz einging. Diese zerbrach 1927, was von der Kommunistischen Internationale nicht geschätzt wurde. Einer der wichtigsten Funktionäre der KP war Mao Tse-Tung (1893-1976), der sich in einer Reihe von Kämpfen schließlich durchsetzte, 1934 KP-Vorsitzender wurde und in erster Linie einen bäuerlich gestützten Guerillakampf gegen die Kuomintang, auch gegen die eingefallenen Japaner führte, wobei es wieder zu einer Allianz von Kuomintang und KP kam. Dabei wurde die Rote Armee zu einer schlagkräftigen Truppe und besiegte 1949 schließlich auch die Kuomintang, die noch Taiwan behielt. Innenpolitisch gründete sich Maos Diktatur auf Kampagnen im Stil permanenter Klassenkämpfe. (more…)

4. März 2017

Hochrüstungsdebatte

Donald Trump will die Rüstungsausgaben nochmals um etwa 10 % erhöhen.

Die anderen Nato-Mitglieder haben sich verpflichtet, je 2 % des BIP für Rüstung auszugeben. WikiLeaks zeigt an Zahlen von 2015 die unbedingte Erfordernis dessen nach.

 

Wikileaks