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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Griechische Lektüre usf. (Uni Hd)

Chris­tus als Pan­to­kra­tor

Die Sit­zung befass­te sich mit Tex­ten des Brot­ka­pi­tels Joh 6 und dem Beginn der Apo­ka­lyp­se des Johan­nes. Seg­men­tiert sieht das so aus:

Joh 6,30  Εἶπον οὖν αὐτῷ·
τί οὖν ποιεῖς σὺ σημεῖον,
ἵνα ἴδωμεν καὶ πιστεύσωμέν σοι;
τί ἐργάζῃ;
31οἱ πατέρες ἡμῶν τὸ μάννα ἔφαγον ἐν τῇ ἐρήμῳ,
καθώς ἐστιν γεγραμμένον·
• ἄρτον ἐκ τοῦ οὐρανοῦ*
• ἔδωκεν αὐτοῖς φαγεῖν.*
32εἶπεν οὖν αὐτοῖς ὁ Ἰησοῦς·
ἀμὴν ἀμὴν λέγω ὑμῖν,
οὐ Μωϋσῆς δέδωκεν ὑμῖν τὸν ἄρτον ἐκ τοῦ οὐρανοῦ,
ἀλλ’ ὁ πατήρ μου δίδωσιν ὑμῖν τὸν ἄρτον ἐκ τοῦ οὐρανοῦ τὸν ἀληθινόν·
33ὁ γὰρ ἄρτος τοῦ θεοῦ ἐστιν ὁ καταβαίνων ἐκ τοῦ οὐρανοῦ
καὶ ζωὴν διδοὺς τῷ κόσμῳ.
34εἶπον οὖν πρὸς αὐτόν·
κύριε,
πάντοτε δὸς ἡμῖν τὸν ἄρτον τοῦτον.
35εἶπεν αὐτοῖς ὁ Ἰησοῦς·
ἐγώ εἰμι ὁ ἄρτος τῆς ζωῆς·
ὁ ἐρχόμενος πρὸς ἐμὲ οὐ μὴ πεινάσῃ,
καὶ ὁ πιστεύων εἰς ἐμὲ οὐ μὴ διψήσει πώποτε.
36Ἀλλ’ εἶπον ὑμῖν
ὅτι καὶ ἑωράκατέ [με]
καὶ οὐ πιστεύετε.
37πᾶν ὃ δίδωσίν μοι
ὁ πατὴρ πρὸς ἐμὲ ἥξει,
καὶ τὸν ἐρχόμενον πρὸς ἐμὲ
οὐ μὴ ἐκβάλω ἔξω,
38ὅτι καταβέβηκα ἀπὸ τοῦ οὐρανοῦ
οὐχ ἵνα ποιῶ τὸ θέλημα τὸ ἐμὸν
ἀλλὰ τὸ θέλημα τοῦ πέμψαντός με.
39τοῦτο δέ ἐστιν τὸ θέλημα τοῦ πέμψαντός με,
ἵνα πᾶν ὃ δέδωκέν μοι μὴ ἀπολέσω ἐξ αὐτοῦ,
ἀλλ’ ἀναστήσω αὐτὸ [ἐν] τῇ ἐσχάτῃ ἡμέρᾳ.
40τοῦτο γάρ ἐστιν τὸ θέλημα τοῦ πατρός μου,
ἵνα πᾶς ὁ θεωρῶν τὸν υἱὸν καὶ πιστεύων εἰς αὐτὸν ἔχῃ ζωὴν αἰώνιον,
καὶ ἀναστήσω αὐτὸν ἐγὼ [ἐν] τῇ ἐσχάτῃ ἡμέρᾳ.

Apk­Joh 1,1 Ἀποκάλυψις Ἰησοῦ Χριστοῦ
ἣν ἔδωκεν αὐτῷ ὁ θεὸς
δεῖξαι τοῖς δούλοις αὐτοῦ
ἃ δεῖ γενέσθαι ἐν τάχει,
καὶ ἐσήμανεν ἀποστείλας διὰ τοῦ ἀγγέλου αὐτοῦ τῷ δούλῳ αὐτοῦ Ἰωάννῃ,

2ὃς ἐμαρτύρησεν τὸν λόγον τοῦ θεοῦ
καὶ τὴν μαρτυρίαν Ἰησοῦ Χριστοῦ
ὅσα εἶδεν.

3Μακάριος ὁ ἀναγινώσκων
καὶ οἱ ἀκούοντες τοὺς λόγους τῆς προφητείας
καὶ τηροῦντες τὰ ἐν αὐτῇ γεγραμμένα,
ὁ γὰρ καιρὸς ἐγγύς.

4Ἰωάννης ταῖς ἑπτὰ ἐκκλησίαις ταῖς ἐν τῇ Ἀσίᾳ·
χάρις ὑμῖν καὶ εἰρήνη
ἀπὸ ὁ ὢν
καὶ ὁ ἦν
καὶ ὁ ἐρχόμενος
καὶ ἀπὸ τῶν ἑπτὰ πνευμάτων ἃ ἐνώπιον τοῦ θρόνου αὐτοῦ

5καὶ ἀπὸ Ἰησοῦ Χριστοῦ,
ὁ μάρτυς,
ὁ πιστός,
ὁ πρωτότοκος τῶν νεκρῶν
καὶ ὁ ἄρχων τῶν βασιλέων τῆς γῆς.
Τῷ ἀγαπῶντι ἡμᾶς
καὶ λύσαντι ἡμᾶς ἐκ τῶν ἁμαρτιῶν ἡμῶν ἐν τῷ αἵματι αὐτοῦ,

6καὶ ἐποίησεν ἡμᾶς βασιλείαν,
ἱερεῖς τῷ θεῷ καὶ πατρὶ αὐτοῦ,
αὐτῷ ἡ δόξα καὶ τὸ κράτος εἰς τοὺς αἰῶνας [τῶν αἰώνων]·
ἀμήν.

7 Ἰδοὺ ἔρχεται

μετὰ τῶν νεφελῶν,*

καὶ*

ὄψεται* αὐτὸν πᾶς ὀφθαλμὸς
καὶ οἵτινες αὐτὸν
ἐξεκέντησαν,*

καὶ κόψονται*

ἐπ’ αὐτὸν*
πᾶσαι αἱ φυλαὶ τῆς γῆς.*

ναί,
ἀμήν.

8Ἐγώ εἰμι τὸ ἄλφα καὶ τὸ ὦ,
λέγει κύριος ὁ θεός,
ὁ ὢν
καὶ ὁ ἦν
καὶ ὁ ἐρχόμενος,

ὁ παντοκράτωρ.

9Ἐγὼ Ἰωάννης,
ὁ ἀδελφὸς ὑμῶν
καὶ συγκοινωνὸς ἐν τῇ θλίψει
καὶ βασιλείᾳ
καὶ ὑπομονῇ ἐν Ἰησοῦ,
ἐγενόμην ἐν τῇ νήσῳ τῇ καλουμένῃ Πάτμῳ διὰ τὸν λόγον τοῦ θεοῦ
καὶ τὴν μαρτυρίαν Ἰησοῦ

10ἐγενόμην ἐν πνεύματι ἐν τῇ κυριακῇ ἡμέρᾳ
καὶ ἤκουσα ὀπίσω μου φωνὴν μεγάλην ὡς σάλπιγγος

11λεγούσης·
ὃ βλέπεις
γράψον εἰς βιβλίον
καὶ πέμψον ταῖς ἑπτὰ ἐκκλησίαις,
εἰς Ἔφεσον
καὶ εἰς Σμύρναν
καὶ εἰς Πέργαμον
καὶ εἰς Θυάτειρα
καὶ εἰς Σάρδεις
καὶ εἰς Φιλαδέλφειαν
καὶ εἰς Λαοδίκειαν.

Joh 6

Joh 6 bie­tet eine Vari­an­te der Brot­ver­meh­rungs­sto­ry (Mk 8 u. ö.), die sicher­lich Vor­läu­fer in ähn­lich gela­ger­ten Erzäh­lun­gen im Kon­text des Pro­phe­ten Elia hat. Hier wird aber der Bezug zur Aus­zugstra­di­ti­on (Man­na, vor allem Ex 16) offen gelegt. Johan­n­eisch gilt, dass Jesus das „Brot des (ewi­gen) Lebens“ ist, wobei ich eher dazu nei­ge anzu­neh­men, dass Johan­nes das eben­falls in den Hei­li­gen Schrif­ten der Juden so ver­steht, wie bei der Erhö­hung der Schlan­ge in Joh 3. Her­me­neu­tisch ist das wahr­schein­lich, weil der Logos/die Weis­heit an der Schöp­fung betei­ligt war – und inso­fern die Schrif­ten von ihr/ihm zeu­gen (Joh 5,39). Die­se Erzäh­lun­gen fol­gen – wie wir schon an Joh 2,1ff sahen – einer Logik des Über­flus­ses und nicht der­je­ni­gen der Knapp­heit.
Wenn es um das ewi­ge Leben geht, taucht nahe­zu unwei­ger­lich die Fra­ge auf, ob dar­an alle teil­ha­ben. Nach mei­ner Auf­fas­sung schon, denn 6 kon­kre­ti­siert den Pro­log, der in 3,16 genau ver­stan­den wird, wenn gesagt wird, Gott habe mit der Sen­dung des ein­zig gebo­re­nen Soh­nes den Kos­mos geliebt, wel­cher sich gegen­über Gott abge­schlos­sen hat­te. M. E. gilt das auch für die­je­ni­gen, die vor der Flei­sch­wer­dung des Logos leb­ten. Her­me­neu­ti­scher Grund ist, dass Joh den Lie­bes­be­griff nicht exklu­siv ver­wen­det – und vom Hass schweigt.
17,20ff zeigt, wie der Pro­zess der Uni­ver­sa­li­sie­rung der Lie­be von­stat­ten gehen soll. Die­ser Pro­zess erscheint nicht auf den mensch­li­chen Bereich ein­ge­schränkt, wie ich anders als Bult­mann ver­mu­te.
Joh 6 zeigt, dass man/frau nicht von sich selbst her zu Gott kom­men kann, weil sie sich in einer von Gott abge­wand­ten und ihm gegen­über ver­schlos­se­nen Situa­ti­on befin­den. Wenn das von der Lie­be her ver­stan­den wird, ist das m. E. unpro­ble­ma­tisch.
Das Erlö­sungs­mo­dell der Pro­blem­ge­schich­te habe ich im Para­gra­fen 8 mei­ner Her­me­neu­tik­vor­le­sung auch gra­fisch illus­triert an Pau­lus, Mar­kus und Johan­nes dar­ge­stellt: http://alltagundphilosophie.com.www256.your-server.de/2016/06/26/einfuehrung-in-die-hermeneutik-des-neuen-testaments-viii/ .

ApkJoh 1,1ff

Ἀποκάλυψις bezeich­net in 1,1 die Gat­tung des Tex­tes; vgl. auch die Rede vom βιβλίον in 1,11. Danach wer­den heu­te alle bibli­schen, früh­jü­di­schen, grie­chi­schen Tex­te die­ser Art bezeich­net. Expli­zi­ter Autor ist stets ein From­mer der klas­si­schen Zeit wie Hen­och (Gen 5), hier eben Johan­nes, den wir im Johan­nes­evan­ge­li­um als den Schü­ler, den Jesus lieb­te, ken­nen­lern­ten, so die Bot­schaft der Über­schrift: ΑΠΟΚΑΛΥΨΙΣ ΙΩΑΝΝΟΥ.
Die Wen­dung λέγει κύριος ὁ θεός (1,8) nimmt auf die (pro­phe­ti­sche) Boten-For­mel Bezug. Die Apo­ka­lyp­se gibt sich als pro­phe­ti­scher Text, was seit Jes 24-27 und Dani­el schon biblisch mög­lich war. Wei­ter bezieht sich die Apk­Joh auf Ez, aber auch Apo­ka­lyp­sen wie 1Hen. Ent­spre­chend wer­den vie­le bibli­sche Tex­te apo­ka­lyp­tisch gedeu­tet, sie zei­gen bzw. ent­hül­len, ἃ δεῖ γενέσθαι ἐν τάχει (1,1). Das Rate­spiel geht dann pro­fes­sio­nell stets dar­um, was der Text dar­über erken­nen lässt, in wel­cher Gegen­wart dies geschrie­ben ist, hier am Ende des 1. Jahr­hun­derts in der Pro­vinz Klein­asi­en (Asia minor). Danach sind die Städ­te­na­men und die Insel Pat­mos aus­ge­wählt. Mög­li­cher­wei­se han­delt es sich um ech­te Pro­phe­tie, denn die gewalt­sa­men Ver­fol­gun­gen fan­den erst (nen­nens­wert) im 3. und 4. Jhdt. statt (Thei­ßen).
Die For­mu­lie­rung … καιρὸς ἐγγύς (1,3) ver­weist wie­der auf ein qua­li­ta­ti­ves Zeit­ver­ständ­nis, im Deut­schen kann z. B. „Augen­blick“ o. Ä. gewählt wer­den.
Wir erkann­ten, dass sich die Apo­ka­lyp­se eben­falls auf Ex 3,14 bezieht (1,8) – und somit mit dem Johan­nes­evan­ge­li­um über­ein­zu­stim­men scheint. Aller­dings expli­ziert die Apo­ka­lyp­se das nicht am umfas­sen­den Ver­ständ­nis der Lie­be, son­dern die­se gilt ein­zig der Bin­nen­grup­pe der Ver­folg­ten, wer nicht in der Ver­fol­gung bestän­dig bleibt, lan­det wie Rom, die Hure Baby­lon, im Feu­er­see (vgl. Para­graf 9 mei­ner Her­me­neu­tik­vor­le­sung: http://alltagundphilosophie.com.www256.your-server.de/hermeneutikvorlesung/).
D. h., die Apo­ka­lyp­se ver­folgt ein dua­lis­ti­sches Erzähl­kon­zept, wie es in unter­schied­li­cher Wei­se bei Mt, aber auch im Hebr vor­liegt. Mit Letz­te­rem ist sie dadurch ver­bun­den, dass das Kon­zept iden­ti­täts­zen­triert aus­ge­legt ist, mit­hin an der Iden­ti­tät der Ver­folg­ten ori­en­tiert ist. (Vgl. den gra­fisch unter­stütz­ten § 9!)
Im Deut­schen kann die For­mu­lie­rung: Ἐγώ εἰμι τὸ ἄλφα καὶ τὸ ὦ etwa mit: „Ich bin das A und das Z“ über­setzt wer­den. Im Epi­log der Apo­ka­lyp­se wird das noch ein­mal auf­ge­nom­men – und rhe­to­risch gestei­gert:
22,13 … ἐγὼ τὸ ἄλφα καὶ τὸ ὦ, ὁ πρῶτος καὶ ὁ ἔσχατος, ἡ ἀρχὴ καὶ τὸ τέλος  – mit­hin eine auf Gott als Schöp­fer und Erlö­ser im Kon­text Jesu bezo­ge­ne kos­mo­lo­gi­sche und sote­rio­lo­gi­sche Aus­sa­ge. Das grie­chi­sche Alpha­bet dient als Anre­ger, um vor dem Hin­ter­grund des Schrift­be­zugs eine uni­ver­sa­le Meta­pher zu bil­den. Wahr­schein­lich ist nur das Alpha aus­ge­schrie­ben, um die Ein­deu­tig­keit der For­mu­lie­rung sicher­zu­stel­len.
Nach mei­ner Mei­nung ist der expli­zi­te Autor von Johan­nes­evan­ge­li­um, Johan­nes­brie­fen und der Johan­ne­s­apo­ka­lyp­se iden­tisch. Es legt sich nahe zu unter­stel­len, dass πρεσβύτερος in 2Joh 1 und 3Joh 1 jeden­falls auch den älter gewor­de­nen Schü­ler, den Jesus lieb­te, bezeich­net. Die offen­sicht­li­che inhalt­li­che Dif­fe­renz von Evan­ge­li­um der uni­ver­sa­len Lie­be, die mit Gott äqui­va­lent ist, und dem Gott, der sich ange­sichts des Lei­dens Jesu und sei­ner Schüler/innen neben der Lie­be doch zum Hass ent­schließt, wird mit­hin mit­tels zeit­li­cher Dif­fe­ren­zie­rung zu ent­pa­ra­do­xie­ren ver­sucht. Die his­to­ri­sche Kri­tik ver­sucht dem­ge­gen­über ver­schie­de­ne tatsächliche/reale Auto­ren zu unter­stel­len. Aber auch die­se Metho­de muss erklä­ren, war­um der expli­zi­te Autor den­sel­ben Namen trägt.

Aufgaben zur letzten Sitzung

1. Über­set­zen und seg­men­tie­ren Sie Joh 8,37-59!
2. Bit­te ver­fol­gen Sie das Kapi­tel ab 8,12!
3. Was machen die Juden falsch?
4. Ken­nen Sie aus dem NT ähn­li­che Gedan­ken?
5. Machen das nur die Juden falsch?
6. Haben Sie noch Fra­gen zum Semi­nar?

 

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Info:
Griechische Lektüre usf. (Uni Hd) ist Beitrag Nr. 5915
Autor:
Martin Pöttner am 26. Januar 2017 um 16:53
Category:
Griechische Lektüre
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