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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Eine wich­ti­ge Neben­be­mer­kung

Natür­lich ist das Denk­mal für die Ermor­dung der euro­päi­schen Juden in Ber­lin ein „Denk­mal der Schan­de“, weil die­se Ermor­dung eine Schan­de ist – und die­se Ermor­dung neben vie­len wei­te­ren Ver­bre­chen von dem aller­größ­ten Teil der Bevöl­ke­rung hin­ge­nom­men wur­de. Erst seit den 1968er Jah­ren fand eine brei­te­re inten­si­ve Debat­te statt. Dage­gen gab es auch intel­lek­tu­el­le Bewe­gun­gen, sodass es in den 1980er Jah­ren zu einem „His­to­ri­ker­streit“ kam, in des­sen Ver­lauf ein ange­se­he­ner Alter­tums­wis­sen­schaft­ler im „Evan­ge­li­schen Stu­di­en­werk“ sag­te, wer Deut­scher sein wol­le, müs­se die Geschich­te von 1933-1945 als Teil sei­ner Iden­ti­tät anneh­men. Ich als Sohn eines Geg­ners der Natio­nal­so­zia­lis­ten war scho­ckiert.
Richard von Weiz­sä­cker rück­te das 1985 zurecht. Er war Sohn eines Teils der Reichs­re­gie­rung – und ver­tei­dig­te sei­nen Vater als Anwalt in den Nürn­ber­ger Kriegs­ver­bre­cher­pro­zes­sen. 1985 hielt er fest, dass der Sieg der Alli­ier­ten eine Befrei­ung war, von dra­ma­ti­schen Irr­tü­mern, die zu gewal­ti­gen Ver­bre­chen geführt hat­ten, wor­an jenes Mahn­mal erin­nert.
Man konn­te seit eini­ger Zeit z. B. auf Twit­ter lesen, dass unter neu­rech­ten Den­kern die­ser Aus­gang der Debat­te in den 1980er Jah­ren als revi­si­ons­be­dürf­tig galt. Und der frü­he­re Geschichts­leh­rer Höcke hat das vor­ges­tern expli­zit aus­ge­spro­chen. Es han­de­le sich um eine „däm­li­che Erin­ne­rungs­po­li­tik“. Nicht der ermor­de­ten Juden sol­le gedacht wer­den, son­dern der Dresd­ner Opfer des alli­ier­ten Bom­bar­de­ments.
Die euro­päi­sche Ver­stän­di­gung ermög­licht es heu­te, dass bei­des geschieht. Was „Bernd“ Höcke so auf­regt, ist die­ser Sach­ver­halt: „Deutsch­land“ hat sich in der Euro­päi­schen Uni­on mit einer euro­päi­schen Iden­ti­tät neu kon­sti­tu­iert, es ist kein Natio­nal­staat mehr. Und m. E. ist das auch gut so.
Das war schon in den 1980er Jah­ren abseh­bar – und schon damals m. E. einer der Hin­ter­grün­de des „His­to­ri­ker­streits“. Dass die deut­sche Ver­ei­ni­gung und die Ost­erwei­te­rung der EU lei­der wie­der natio­na­le Rück­schrit­te aus­ge­löst haben, ist auch klar. PEGI­DA und die AfD sind dar­auf Reak­tio­nen, die das seit den Bie­le­fel­der Stu­di­en von Heit­mey­er recht gut erfass­te rechts­ex­tre­me Spek­trum in unse­rer Bevöl­ke­rung anzie­hen kann. Schlecht für die­se Grup­pie­run­gen ist es, dass sogar in der Fuß­ball­na­tio­nal­mann­schaft Tür­ken und Schwar­ze spie­len, was die Leis­tungs­kraft der Mann­schaft gestärkt hat.
Die Visio­nen Höckes vom „voll­stän­di­gen Sieg“ wer­den sich zwei­fel­los nicht erfül­len. Aber die Demo­kra­ten sind nun gewarnt.

Wit­zig an der Rede Höckes ist, dass er wie­der auf deut­sche Tra­di­tio­nen zurück will, die gar nicht mehr ver­mit­telt wür­den. Da ich auch in NRW zur Schu­le gegan­gen bin, kann ich das nicht bestä­ti­gen. Z. B. Goe­the war Stan­dard. Sarah Wagen­knecht wür­de dem offen­bar zu kurz gekom­me­nen Höcke sicher­lich des­sen Lie­bes­ge­dich­te emp­feh­len. Ich ergän­ze, der „West-öst­li­che Diwan“ könn­te ein hilf­rei­ches Bil­dungs­er­leb­nis sein. Sogar Phi­lo­so­phen waren Höcke zufol­ge für Deutsch­land vor 1933 bedeu­tend. Hier ist für AfDler „Zum ewi­gen Frie­den“ von dem Königs­ber­ger Kant ein­schlä­gig. Es gehört zur Tra­gik jener Schan­de, dass vie­le Kenner/innen die­ser gro­ßen Tra­di­ti­on ermor­det wur­den. Nur eini­ge, wie Han­nah Arendt, über­leb­ten.
Höcke ist jeden­falls ein viel schlech­te­rer Red­ner als der dia­bo­li­sche Goeb­bels. Das könn­te viel­leicht ein Trost sein.

Hier ist das Video zu sehen, wel­ches zeigt, dass Tei­le der AfD neo­na­zis­ti­sche Züge  tra­gen:

 

Dresd­ner Rede von Björn Höcke im Video

« Grie­chi­sche Lek­tü­re und Exege­se des Johan­nes­evan­ge­li­ums (Uni Hd) – Trump? »

Info:
Eine wich­ti­ge Neben­be­mer­kung ist Beitrag Nr. 5875
Autor:
Martin Pöttner am 18. Januar 2017 um 11:18
Category:
Menschenrechte
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