Zum Inhalt springen


Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Griechische Lektüre und Exegese des Johannesevangeliums (Uni Hd)

Wir über­setz­ten Joh 2,1-12 und Joh 8,1-11, nach der alten form­ge­schicht­li­chen Betrach­tung eine Wun­der­erzäh­lung und ein Streit­ge­spräch. Heu­te bezieht man die seit der Rhe­to­rik des Aris­to­te­les übli­chen Gat­tungs­be­zeich­nun­gen für rhe­to­risch ver­wen­de­te Klein­g­at­tun­gen ein, dann han­delt es sich um einen Mythos und eine Chrie. Bei­de Tex­te führ­ten in der Übung zu ange­reg­ten Erör­te­run­gen.
Seg­men­tiert sieht das so aus:

 

21Καὶ τῇ ἡμέρᾳ τῇ τρίτῃ γάμος ἐγένετο ἐν Κανὰ τῆς Γαλιλαίας,

καὶ ἦν ἡ μήτηρ τοῦ Ἰησοῦ ἐκεῖ·
2 ἐκλήθη δὲ καὶ ὁ Ἰησοῦς καὶ οἱ μαθηταὶ αὐτοῦ εἰς τὸν γάμον.
3 καὶ ὑστερήσαντος οἴνου
λέγει ἡ μήτηρ τοῦ Ἰησοῦ πρὸς αὐτόν·
οἶνον οὐκ ἔχουσιν.
4 [καὶ] λέγει αὐτῇ ὁ Ἰησοῦς·
τί ἐμοὶ καὶ σοί,
γύναι;
οὔπω ἥκει ἡ ὥρα μου.
5 λέγει ἡ μήτηρ αὐτοῦ τοῖς διακόνοις·
ὅ τι ἂν λέγῃ ὑμῖν ποιήσατε.
6 ἦσαν δὲ ἐκεῖ λίθιναι ὑδρίαι ἓξ κατὰ τὸν καθαρισμὸν τῶν Ἰουδαίων κείμεναι, … χωροῦσαι ἀνὰ μετρητὰς δύο ἢ τρεῖς.
7 λέγει αὐτοῖς ὁ Ἰησοῦς·
γεμίσατε τὰς ὑδρίας ὕδατος.
καὶ ἐγέμισαν αὐτὰς ἕως ἄνω.
8 καὶ λέγει αὐτοῖς·
ἀντλήσατε νῦν
καὶ φέρετε τῷ ἀρχιτρικλίνῳ·
οἱ δὲ ἤνεγκαν.
9 ὡς δὲ ἐγεύσατο ὁ ἀρχιτρίκλινος τὸ ὕδωρ οἶνον γεγενημένον
καὶ οὐκ ᾔδει πόθεν ἐστίν,
οἱ δὲ διάκονοι ᾔδεισαν οἱ ἠντληκότες τὸ ὕδωρ,
φωνεῖ τὸν νυμφίον ὁ ἀρχιτρίκλινος
10 καὶ λέγει αὐτῷ·
πᾶς ἄνθρωπος πρῶτον τὸν καλὸν οἶνον τίθησιν
καὶ ὅταν μεθυσθῶσιν τὸν ἐλάσσω·
σὺ τετήρηκας τὸν καλὸν οἶνον ἕως ἄρτι.
11 Ταύτην ἐποίησεν ἀρχὴν τῶν σημείων ὁ Ἰησοῦς ἐν Κανὰ τῆς Γαλιλαίας
καὶ ἐφανέρωσεν τὴν δόξαν αὐτοῦ,
καὶ ἐπίστευσαν εἰς αὐτὸν οἱ μαθηταὶ αὐτοῦ.
12 Μετὰ τοῦτο κατέβη εἰς Καφαρναοὺμ αὐτὸς καὶ ἡ μήτηρ αὐτοῦ καὶ …

81Ἰησοῦς δὲ ἐπορεύθη εἰς τὸ ὄρος τῶν ἐλαιῶν.
2 aὌρθρου δὲ πάλιν παρεγένετο εἰς τὸ ἱερὸν
καὶ πᾶς ὁ λαὸς ἤρχετο πρὸς αὐτόν,
καὶ καθίσας ἐδίδασκεν αὐτούς.
3 Ἄγουσιν δὲ οἱ γραμματεῖς καὶ οἱ Φαρισαῖοι γυναῖκα ἐπὶ μοιχείᾳ κατειλημμένην … καὶ στήσαντες αὐτὴν ἐν μέσῳ
4 λέγουσιν αὐτῷ·
διδάσκαλε,
αὕτη ἡ γυνὴ κατείληπται ἐπ’ αὐτοφώρῳ μοιχευομένη·
5 ἐν δὲ τῷ νόμῳ ἡμῖν Μωϋσῆς ἐνετείλατο τὰς τοιαύτας λιθάζειν.
σὺ οὖν τί λέγεις;
6 τοῦτο δὲ ἔλεγον πειράζοντες αὐτόν,
ἵνα ἔχωσιν κατηγορεῖν αὐτοῦ.
ὁ δὲ Ἰησοῦς κάτω κύψας τῷ δακτύλῳ κατέγραφεν εἰς τὴν γῆν.
7 ὡς δὲ ἐπέμενον ἐρωτῶντες αὐτόν,
ἀνέκυψεν
καὶ εἶπεν αὐτοῖς·
ὁ ἀναμάρτητος ὑμῶν πρῶτος ἐπ’ αὐτὴν βαλέτω λίθον.
8 καὶ πάλιν κατακύψας
ἔγραφεν εἰς τὴν γῆν.
9 οἱ δὲ ἀκούσαντες ἐξήρχοντο εἷς καθ’ εἷς
ἀρξάμενοι ἀπὸ τῶν πρεσβυτέρων
καὶ κατελείφθη μόνος καὶ ἡ γυνὴ ἐν μέσῳ οὖσα.
10 ἀνακύψας δὲ ὁ Ἰησοῦς εἶπεν αὐτῇ·
γύναι,
ποῦ εἰσιν;
οὐδείς σε κατέκρινεν;
11 ἡ δὲ εἶπεν·
οὐδείς,
κύριε.
εἶπεν δὲ ὁ Ἰησοῦς·
οὐδὲ ἐγώ σε κατακρίνω·
πορεύου,
[καὶ] ἀπὸ τοῦ νῦν μηκέτι ἁμάρτανε.

 

Zu Joh 2,1ff

Fra­gen warf die For­mu­lie­rung τί ἐμοὶ καὶ σοί … (2,4) auf, die mit der ein­ge­bür­ger­ten Über­set­zung: „… Was habe ich mit Dir zu schaf­fen? …“ in der deut­schen Gram­ma­tik nicht reprä­sen­tiert erscheint. Seit der Aka­de­mie­re­de Schlei­er­ma­chers zum Über­set­zungs­pro­blem (in der neu­en Gesamt­aus­ga­be) wird das prin­zi­pi­ell erör­tert. Da er rich­tig sah, dass die Spra­chen in heu­ti­ger Spra­che seman­tisch und syn­tak­tisch gegen­ein­an­der „irra­tio­nal“ sei­en bzw. auch tat­säch­lich sind, kann Über­set­zen kein Pro­zess sein, der sozu­sa­gen ein 1:1-Abbild des über­setz­ten Tex­tes in der Ziel­spra­che bie­tet. Mit der For­mu­lie­rung „… was habe ich …“ wird der Ver­such unter­nom­men, die grie­chi­sche For­mu­lie­rung in eine in der deut­schen Spra­che übli­che Wen­dung zu über­tra­gen. Das ist nach Schlei­er­ma­cher legi­tim, man/frau trans­por­tiert den grie­chi­schen Text in eine übli­che deut­sche Wen­dung, so etwas muss stets kri­tisch über­prüft wer­den. Alter­na­tiv ist es mög­lich, die grie­chi­sche Gram­ma­tik in der deut­schen Spra­che nach­zu­ah­men, etwa: „Was [ist] mit mir und Dir?“ Luthers Metho­de war über­wie­gend die Trans­port­me­tho­de, dem „Volk aufs Maul [zu] schau­en“. Das Pro­blem begeg­ne­te uns schon bei der Über­set­zung syn­tak­tisch ver­wen­de­ter Par­ti­zi­pi­en.
Womög­lich spie­gelt sich in der nar­ra­ti­ven Notiz 2,6 der Sach­ver­halt, dass pries­ter­lich bestimm­te reli­giö­se Prak­ti­ken von den Schrift­ge­lehr­ten in den All­tag inte­griert wur­den (Agus). Nar­ra­tiv haben die Krü­ge aber die Funk­ti­on, eine gute Mög­lich­keit zu bie­ten, wie die­ses Fest des Lebens wei­ter­ge­hen kann. Und das ist reli­gi­ös und theo­lo­gisch aus­schlag­ge­bend.
Beim ἀρχιτρίκλινος kann nach einem moder­ne­ren Aus­druck als Luthers „Spei­se­meis­ter“ gesucht wer­den. Die „Die­ner“ sind der anti­ken Wahr­schein­lich­keit nach Skla­ven; vgl. etwa Mk 10,42ff. Schich­ten­be­zo­gen gibt es zwi­schen δοῦλος und διάκονος kei­nen Unter­schied.

Inhalt­lich wich­tig ist der Hin­weis auf die Stun­de, die noch nicht gekom­men sei, und die Bemer­kung, dass sei­ne Schü­ler den Glanz sahen – und glaub­ten. Der Grund besteht dar­in, dass ein Sujet des Dio­nysos­kul­tes ver­wen­det wird und auch die rausch­haf­ten Züge der Bac­chan­tin­nen oder Mäna­den stets Sym­bo­li­sie­run­gen des Lei­dens ent­hal­ten wie das Ver­zeh­ren rohen Flei­sches. Daher wer­den hier dio­ny­si­sche Ele­men­te chris­to­lo­gisch inter­pre­tiert.

 

Zu 8,1ff

Der strit­ti­ge Fall ist der­je­ni­ge einer beim Sex mit einem ande­ren Mann in fla­gran­ti erwisch­ten Ehe­frau (vgl. Lev 20,10ff; Dtn 22,20ff). Der Text taucht an ver­schie­de­nen Stel­len auf: hier, nach 7,36 und 21,25; dazu Lk 21,38 bzw. Lk 24,53 (vgl. ggf. den Appa­rat zu den jewei­li­gen St.n). Stets wird er durch älte­re Hand­schrif­ten reprä­sen­tiert. Die­je­ni­gen Kodi­zes, wel­che die Prä­ka­no­ni­sche Edi­ti­on reprä­sen­tie­ren, haben ihn nicht.

Gleich­wohl hat er eine bedeu­ten­de Wir­kungs­ge­schich­te und ist m. E. so unjo­han­n­eisch nicht.

Wir erkann­ten, dass das seit Mk 1,14f die syn­op­ti­sche Tra­di­ti­on durch­zie­hen­de Umkehr­mo­tiv im Vor­der­grund steht (u. a. Lk 15), was schon im Juden­tum wich­tig war: Sün­di­ge hin­fort nicht mehr!

Wei­ter­hin aktua­li­siert er das bei Rab­bi­nen vor­kom­men­de Motiv, dass die Tora zur Über­heb­lich­keit füh­ren kann, vor allem dann radi­ka­li­siert Röm 7,7ff; vgl. auch Joh 8,12ff. Nie­mand kann Jesus ent­geg­nen, er/sie sei feh­ler­frei, habe nie­mals ein Gebot über­tre­ten oder sei ohne Sün­de. Dar­an anschlie­ßend wur­de die rich­ti­ge Erwä­gung erör­tert, ob Jesus mög­li­cher­wei­se des­halb nach den Evan­ge­li­en getauft wor­den sei, weil die Sünd­lo­sig­keits­chris­to­lo­gie (bei Pau­lus [2Kor 5,21] und im Hebrä­er­brief [4,15]) nicht über­all so pro­mi­nent sei.

 

Aufgaben zum 23.01.

1. Über­set­zen und seg­men­tie­ren Sie Joh 6,30-40!
2. Lesen Sie dazu das gesam­te sechs­te Kapi­tel!
3. Über­set­zen und seg­men­tie­ren Sie Apk­Joh 1,1-11!
4. Was besagt Apk 1,1? Vgl. dazu auch 1,11!
5. Wel­che Sprach­ele­men­te kom­men Ihnen bekannt vor, was scheint anders zu sein?

« Geschlechtergerechte Rede von Gott (TUD) – Eine wichtige Nebenbemerkung »

Info:
Griechische Lektüre und Exegese des Johannesevangeliums (Uni Hd) ist Beitrag Nr. 5870
Autor:
Martin Pöttner am 16. Januar 2017 um 18:11
Category:
Allgemein,Griechische Lektüre
Tags:
 
Trackback:
Trackback URI

Keine Kommentare »

No comments yet.

Kommentar-RSS: RSS feed for comments on this post.

Leave a comment