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TUD)">Geschlech­ter­ge­rech­te Rede (TUD)

Pro­to­koll von Eli­sa Schnei­der

Theo­lo­gie des Neu­en Tes­ta­ments –

Geschlech­ter­ge­rech­te Rede von Gott in der neu­tes­ta­ment­li­chen Exege­se

 

In der let­zen Sit­zung vom 07.11. haben wir das Kapi­tel „Kavo­do­lo­gisch und geschlech­ter­ge­recht von Gott reden im Hori­zont des Bil­der­ver­bots“, aus dem Buch von Mag­da­le­ne F. Frett­löh behan­delt. Dabei ging es um die geschlech­ter­ge­rech­te Bezeich­nung von Gott.

Frau Frett­löh ori­en­tiert sich an dem Begriff Herr und Herr­lich­keit und dar­an dis­ku­tiert sie die geschlech­ter­ge­rech­te Dabat­te. Die Über­set­zung der Sep­tuagin­ta des hebräi­schen Tetra­gramms lau­tet kyri­os = Herr. Das ist eine andro­zen­tri­sche Form von Got­tes­re­de. Sie beschreibt in die­sem Kapi­tel, dass Gott jen­seits die­ser Geschlech­ter­dif­fe­renz steht. Sie spricht daher in einer weib­li­chen Form von Gott im Sin­ne von Sie-Gott oder in der männ­li­chen Form von Er-Gott, dadurch ver­sucht sie bei­des zu erwäh­nen und ein­zu­brin­gen.

In der Bibel ist es sprach­lich ein­deu­tig, wenn es um das Zuschrei­ben der Geschlech­ter geht. Dabei gilt es zu erwäh­nen, dass die For­schung des theo­lo­gi­schen Femi­nis­mus sich seit den 1970 Jah­ren im Lau­fe der Jahr­zehn­te wei­ter­ent­wi­ckelt hat.

Wie bereits erwähnt, ist das hebräi­sche Tetra­gramm – JHWH in der Sep­tuagin­ta mit kyri­os = der Herr über­setzt wor­den. Dar­aus ist im Deut­schen die Über­set­zung kavod und doxa gewor­den, das  oft mit Herr­lich­keit über­setzt wur­de.

Daher heißt das Buch „Gott Gewicht geben“, da das Wort kavod im Alten Tes­ta­ment sehr wich­tig ist. Es bezeich­net Gott so,  wie er ist.

In die­sem Kapi­tel geht es dar­über hin­aus um einen neu­en Ansatz in der femi­nis­ti­schen Debat­te,  näm­lich wie man die Rede von Gott gene­rie­ren kann. Das heißt, dass man mehr weib­li­che Bil­der oder Meta­phern von Gott fin­den könn­te. Fret­töh sagt wei­ter, es sei wich­tig, dass die weib­li­chen Lebens­wel­ten genau­so ein­be­zo­gen wer­den wie die männ­li­che Lebens­welt. Nach dem Ers­ten Welt­krieg kam es zu einer neu­en theo­lo­gi­schen Ent­wick­lung – dia­lek­ti­sche Theo­lo­gie genannt. Man nahm an, dass die übli­che Anpas­sung der Theo­lo­gie an die Kul­tur geschei­tert war und danach ver­such­te man einen Neu­be­ginn zu fin­den. Dabei ist die Rede über Gott schwer, es liegt sozu­sa­gen ein Unver­mö­gen dar­in, über ihn zu spre­chen. Doch wird man aber auf­ge­for­dert über ihn zu spre­chen, was einen Wider­spruch dar­stellt – man soll über ihn spre­chen, kann es aber nicht. Die­ser dia­lek­ti­sche  Wider­spruch lässt sich eben auch auf den Bezug der geschlech­ter­ge­rech­ten Rede von Gott anwen­den. Frett­löh lehnt daher sowohl ein­sei­ti­ge gyno­zen­tri­sche als auch ent­spre­chend andro­zen­tri­sche Rede­wei­sen ab. Die bibli­schen Tex­te soll­te man daher aus die­sem Aspekt ver­ste­hen. Ihre Idee ist es, dass die vor­han­de­ne Spra­che nicht unkri­tisch hin­ge­nom­men wer­den soll­te, bei­de Lebens­wel­ten, ob männ­lich oder weib­lich soll­ten berück­sich­tigt zu wer­den.

In Gene­sis 1, 26-27 ist eine Sym­me­trie von männ­li­chen und weib­li­chen  Ele­men­ten gedacht. Frett­löh sieht aber eine Ver­schieb­bar­keit der Geschlech­ter. Die Bedeu­tung des Wor­tes kavod erläu­tert Herr Pött­ner genau­er. Er sagt, dass kavod sehr oft mit doxa über­setzt wor­den ist. Für Frett­löh liegt der wesent­lichi­che Aspekt in dem Begriff kavod in der Bezeich­nung der Schwe­re, die Mann oder Frau mit Gott haben kann.

Dabei erläu­tert Herr Pött­ner ein Bei­spiel aus der Bibel, dem 1. Buch Mose, bei dem Jakob sich als sei­nen Bru­der Esau aus­gab und sich den Segen sei­nes Vaters erschlich. Er geht wei­ter auf den Kampf Jakobs mit einem Unbe­kann­ten am Ufer eines Flus­ses ein, bei dem der Satz „ich las­se dich nicht, außer du seg­nest mich“ von wich­ti­ger Bedeu­tung ist. Somit hat Jakob einen wei­te­ren Segen im Ring­kampf erwor­ben. Der Herr, mit ihm er rang, schlug ihn auf die Hüf­te und somit war Jakob kör­per­lich ange­schla­gen. Die­ses Hin­ken ist eine Bedeu­tung theo­lo­gi­scher Exis­tenz.

Frett­löh ver­sucht mit die­ser Geschich­te auf­zu­zei­gen, dass die gött­li­chen Sei­te als nicht nur lieb dar­ge­stellt wird. Sie spricht in dem Kapi­tel das Bil­der­ver­bot an und erwähnt, dass es das wich­tigs­te über­haupt ist. Man soll­te nicht das eige­ne Bild, das man von Gott selbst hat, direkt mit Gott iden­ti­fi­zie­ren. Die­ses Ele­ment wen­det sie auf die weib­li­che oder männ­li­che Rede von Gott an, wenn wir Meta­phern bil­den, muss man die­se Bezeich­nungwei­sen immer kri­tisch beden­ken. Man kann in Bil­dern von Gott spre­chen. Aus der femi­nis­ti­schen Sicht aber haben die männ­li­chen Beschrei­bun­gen über Gott domi­niert.

Frett­löh beschreibt, dass auf­grund des hebräi­schen Wor­tes rächäm = Mut­ter­leib bzw. -schoß und das Wort rach­a­mim = Erbar­men, das gött­li­che Erbar­men als müt­ter­li­cher Affekt gese­hen wer­den kann. Wei­ter kann es als ein Wort­spiel der Mut­ter­schö­ßig­keit ver­stan­den wer­den.

 

Dar­auf­hin kam eine Fra­ge aus dem Ple­num, ob es eine Grup­pie­rung gibt, die aus­schließ­lich sagt, dass Gott männ­lich ist?

Herr Pött­ner erläu­tert dar­auf­hin: Tho­mas von Aquin sag­te, es gäbe die Mög­lich­keit, dass unse­re Bezeich­nung von Gott die­se Vor­stel­lung nur berüh­ren wür­de. Gott kann man mit Wor­ten nicht beschrei­ben. Das kann nega­ti­ve Kon­se­quen­zen mit sich brin­gen, da Gott durch als unsinn­li­ches Wesen ver­stan­den wer­den kann.

Wei­te­re Dis­kus­sio­nen und Nach­den­ken über das The­ma Geschlech­ter­rol­len in der Reli­gi­on brach­ten die Erkennt­nis, dass zum Bei­spiel die hei­li­ge Maria im Ver­gleich zu Josef viel häu­fi­ger erwähnt wird und eine bedeu­ten­de­re Rol­le zuge­schrie­ben bekommt. Es wird eine gewis­se Gött­lich­keit auf sie pro­ji­ziert. Sie gilt sozu­sa­gen als Got­tes­mut­ter. Auch Maria-Mag­da­le­na kommt eine wich­ti­ge Posi­ti­on zu. Sie war ers­te Zeu­gin von der Auf­er­ste­hung Jesu und ihrer Aus­sa­ge wur­de gro­ßes Gewicht gege­ben. Herr Pött­ner erwähn­te wei­ter, dass in Mar­kus 7 Jesus ein Streit­ge­spräch mit einer Frau ver­lor. Die Unter­hal­tun­gen führ­ten uns bis in die 1960 Jah­re. Zu die­ser Zeit soll­ten Frau­en, die das Amt einer Pfar­re­rin aus­üb­ten, im Zöli­bat leben. Das zeigt eine deut­li­che Benach­tei­li­gung der Frau­en in die­sem Beruf. In den 1970 Jah­ren herrsch­te dann ein Umbruch. Nach der Stu­den­ten­re­vol­te wur­den ele­men­ta­re Bestim­mun­gen abge­schafft. Die Vor­ur­tei­le gegen Frau­en wur­den den­noch nur lang­sam abge­baut. In der heu­ti­gen Zeit herrscht ein Ungleich­ge­wicht von Frau­en, die Theo­lo­gie stu­die­ren, im Ver­gleich zu Män­nern. Laut Herr Pött­ner haben dem­entspre­chend ver­mehrt Frau­en das Pfarr­amt inne, was ein sehr inter­es­san­ter Aspekt ist, betrach­tet man die geschlech­ter­ge­rech­te Rede von Gott in der Reli­gi­on.

Am Diens­tag, S. 173-87 in Frett­löh, Gewicht.

 

 

 

 

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Geschlech­ter­ge­rech­te Rede (TUD) ist Beitrag Nr. 5696
Autor:
Martin Pöttner am 12. November 2016 um 10:49
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Geschlechtergerechte Rede von Gott
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