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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


§ 10 Erfolgsgeschichten

 

  1. Hin­füh­rung
  2.  Das luka­ni­sche Dop­pel­werk
  3. Die Edi­to­ren der Prä­ka­noi­ni­schen Edi­ti­on
  4. Das Abend­mahl in erfolgs­ge­schicht­li­cher Per­spek­ti­ve
  5. Rück­fra­gen

1. Hinführung

Für das Spre­chen von „Erfolg“ ist aus­schlag­ge­bend, dass in einem Pro­zess ein posi­ti­ves „Ziel“ erreicht wird, das den Erwar­tun­gen von uns oder an uns ent­spricht. Und wenn man die­ses „Ziel“ eini­ger­ma­ßen erreicht hat, kann man immer noch im Sin­ne Oli­ver Kahns sagen: „Wenn ich oben bin, ist nicht alles, was ich gemacht habe, rich­tig.“

In der Per­spek­ti­ve der Erlö­sung kann die­se als „Pro­blem“ erschei­nen, das erfolg­reich „gelöst“ wird. Dafür tritt in der Regel eine Hel­fer­fi­gur auf. Etwa die über­wie­gen­de Zahl der neu­tes­ta­ment­li­chen Wun­der­erzäh­lun­gen funk­tio­niert nach die­sem Mus­ter. Eine Beses­sen­heit oder eine Krank­heit wird von der Hel­fer­fi­gur besei­tigt, sodass das Anfangs­pro­blem, die nega­ti­ve Aus­gangs­si­tua­ti­on nicht mehr besteht.

Die nega­ti­ve Aus­gangs­si­tua­ti­on wird mit­hin von einer Erlö­ser­fi­gur oder Hel­fer­fi­gur gewen­det, sodass nun ein posi­ti­ver Zustand erreicht ist und die­ser sich auch als sta­bil erweist. Von den klei­nen Gat­tun­gen im Neu­en Tes­ta­ment muss die gro­ße Mehr­zahl der Wun­der­erzäh­lun­gen als Erfolgs­ge­schich­ten gel­ten.

Rhe­to­risch gehört die Gat­tung Wun­der­erzäh­lung zur Gat­tung der mu/qoi.

Aufs Gan­ze gese­hen wird man die Ver­wen­dung des Erzähl­mus­ters „Erfolgs­ge­schich­te“ frei­lich als vor­sich­tig selbst­kri­tisch ein­schät­zen dür­fen.

Auch die in der Fol­ge zu bespre­chen­den Tex­te ver­ges­sen nach mei­nem Ein­druck die­se Ein­schrän­kung nicht. Es ist auf jeden Fall mög­lich, dass ich bei einer Erfolgs­ori­en­tie­rung Feh­ler mache – oder in der Rück­schau ein­se­he, dass ich Feh­ler gemacht habe. Inso­fern muss ich auch nicht aus­schließ­lich auf mei­ner eige­nen Per­spek­ti­ve behar­ren. Vor allem das Letz­te­re ist für das Ver­ständ­nis der Prä­ka­no­ni­schen Edi­ti­on sehr wich­tig.

  1. Das lukanische Doppelwerk

Das luka­ni­sche Dop­pel­werk umfasst das Luka­sevan­ge­li­um (Lkev) und die Apos­tel­ge­schich­te (Act). In der jetzt vor­lie­gen­den Gestalt stammt sie zwei­fel­los von einem ein­zi­gen Autor. Viel­leicht war aber das Lkev zuvor selbst­stän­dig und ist dann von dem Autor der Apos­tel­ge­schich­te über­ar­bei­tet und mit ihr zusam­men her­aus­ge­ge­ben wor­den. Die Apos­tel­ge­schich­te ist schwer­lich vor 125 d. Z. anzu­set­zen. Sie stellt ein rela­ti­ves Spät­werk im NT dar. In der jetzt vor­lie­gen­den Ver­si­on bil­den Lkev und Act eine in sich kohä­ren­te Ein­heit. Der fik­ti­ve Autor des Dop­pel­werks heißt im Sin­ne der Prä­ka­no­ni­schen Edi­ti­on „Lukas“. Es han­delt sich offen­bar um Lukas, den Arzt (Kol 3,18).

Dabei wird aus einer Rei­he von Grün­den jeden­falls der unbe­kann­te tat­säch­li­che Autor des  oppel­werks durch­aus mit einer über­grei­fen­den Bil­dung ver­traut gewe­sen sein, die auch anti­ke medi­zi­ni­sche Kennt­nis­se umfasst. Vor allem aber ist der tat­säch­li­che Autor mit der anti­ken Rhe­to­rik ver­traut.

Das luka­ni­sche Dop­pel­werk ist noch aus einem ande­ren Grund

lite­ra­risch sehr auf­schluss­reich. Denn es über­greift zwei Bän­de der

neu­tes­ta­ment­li­chen Abtei­lung der Prä­ka­no­ni­schen Edi­ti­on.

Das Lkev gehört zur Evan­ge­li­en­samm­lung. Vgl. hier Abb. 7.

Die Act lei­te­te den Pra­x­a­pos­to­los ein, der außer ihr die

neu­tes­ta­ment­li­chen Brie­fe ent­hält, die nicht zur

Pau­lus­brief­samm­lung gehö­ren.

Aber auch zur Pau­lus­brief­samm­lung hat das luka­ni­sche Dop­pel­werk

eine deut­li­che Bezie­hung. Zwar bezieht sich der Autor des

Dop­pel­werks eher en pas­sant auf die ech­ten pau­li­ni­schen Brie­fe.

Gleich­wohl bestehen enge Bezie­hun­gen zu deu­ter­opau­li­ni­schen (Eph,

Kol) und tri­t­opau­li­ni­schen Brie­fen (Tit, 1.2Tim) der

Pau­lus­brief­samm­lung. So wird der fik­ti­ve Autor des luka­ni­schen

Dop­pel­werks nicht zufäl­lig in Kol 3,18 als „Lukas, der gelieb­te

Arzt“ bezeich­net.

Lite­ra­risch kommt man sehr nahe an die Edi­to­ren der

Prä­ka­no­ni­schen Edi­ti­on her­an, wenn man das luka­ni­sche

Dop­pel­werk auf­merk­sam liest. Hypo­the­tisch kann man in

Erwä­gung zie­hen, dass der tat­säch­li­che Autor sogar zu den

Edi­to­ren der Prä­ka­no­ni­schen Edi­ti­on gehör­te. Ob das zutrifft, ist

  1. E. bis­her nicht beweis­bar.

Gleich­wohl atmet die Edi­ti­on sehr viel vom Geist des Autors des

luka­ni­schen Dop­pel­werks. Dazu gehö­ren die gebil­de­te Huma­ni­tät

die­ser Text­welt, ihre ver­söh­nen­de Hal­tung zwi­schen

unter­schied­li­chen Posi­tio­nen, auch zwi­schen Juden und Chris­ten

und grie­chi­schen bzw. römi­schen Reli­giö­sen. Lk nimmt sicher­lich

sehr ernst, dass der eine von Juden und Chris­ten ver­ehr­te Gott in

irgend­ei­ner Wei­se auch der Gott der griechisch‐römischen Kul­tur

sein muss.

Das Chris­ten­tum ist dazu da, die Här­te in der Kul­tur der Welt­macht

abzu­mil­dern und zu huma­ni­sie­ren. Die Kon­flik­te zwi­schen Frau­en

und Män­nern, Skla­ven und Her­ren, Armen und Rei­chen sol­len

mög­lichst gerecht gere­gelt wer­den – unter­schied­li­che

gesell­schaft­li­che Per­spek­ti­ven sol­len sich aner­ken­nen und sich

zuguns­ten der Schwä­che­ren und Beherrsch­ten ver­bes­sern.

Ohne Über­trei­bung darf man wohl sagen, dass „Lukas“ der Erfin­der

der Nor­ma­li­tät des huma­nen, beson­ne­nen Chris­ten­tums ist. Ohne

Auf­ruhr und über­mä­ßi­ge Kämp­fe las­sen sich Kon­flik­te mode­rie­ren,

so unge­fähr lau­tet sein Cre­do. Das führt natür­lich dazu, dass er

radi­ka­le und sehr durch­dach­te Posi­tio­nen wie die des Pau­lus selbst,

stark abmil­dern muss. Er stellt ihr in sei­ner Act daher eine eige­ne

Pau­lus­dar­stel­lung ent­ge­gen, die im Übri­gen recht gut zu den

nicht­pau­li­ni­schen Brie­fen der Pau­lus­brief­samm­lung passt. Dabei

gibt sich der fik­ti­ve Autor als Rei­se­be­glei­ter des Pau­lus.

Der tat­säch­li­che Autor kennt auch ande­re pro­blem­ge­schicht­li­che

Model­le, ganz sicher jeden­falls das Mkev. Zumin­dest mit

dua­lis­ti­schen Ten­den­zen, wie sie dem Mtev zugrun­de lie­gen, war er

ver­traut – wenn er die­ses nicht auch gekannt haben soll­te.

Aber Lk wählt für sein Dop­pel­werk über­grei­fend ein ande­res

Erzähl­mo­dell, eben die Erfolgs­ge­schich­te. Und Erfolgs­ge­schich­ten

sind – wie der eine Typus der dua­lis­ti­schen Erzäh­lun­gen –

iden­ti­täts­zen­triert. Sie sind an der Iden­ti­tät der jewei­li­gen Grup­pe

ori­en­tiert, in unse­rem Fal­le des Chris­ten­tums in der römi­schen

Gesell­schaft.

Erfolgs­ge­schich­ten ver­fah­ren in einem erzäh­le­ri­schen Drei­schritt:

  1. Dar­stel­lung einer nega­ti­ven Aus­gangs­si­tua­ti­on;
  2. Erzäh­lung der Über­win­dung die­ser nega­ti­ven Aus­gangs­si­tua­ti­on;
  3. Dar­stel­lung der gewen­de­ten nega­ti­ven Aus­gangs­si­tua­ti­on.

Die nega­ti­ve Aus­gangs­si­tua­ti­on besteht in der uner­freu­li­chen Lage der Juden im Römi­schen Reich. Ihre Hoff­nun­gen wer­den jetzt erfüllt. Das Dop­pel­werk stellt die­se Erfül­lung so dar, dass sie sich auf Jesus von Naza­reth und die Kir­che bezie­hen las­sen. Denn das luka­ni­sche Dop­pel­werk ent­fal­tet den gött­lich geplan­ten und in den Hei­li­gen Schrif­ten der Juden und Jüdin­nen pro­phe­tisch vor­aus­ge­sag­ten Weg von einem pro­vin­zi­el­len Win­kel in das Zen­trum der durch sozia­le Schich­tung bestimm­ten Gesell­schaft und so den Sie­ges­zug des Evan­ge­li­ums im

Glau­ben der Hei­den (Act 28,28). In die­ser Pro­gno­se ist der ursprüng­li­che Grund­ge­gen­satz bzw. das Pro­blem ver­schwun­den:

… Das Herz die­ses Vol­kes ist ver­stockt, und ihre Ohren sind

schwer­hö­rig gewor­den, und ihre Augen haben sie geschlos­sen,

damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und den Ohren hören

und mit den Her­zen ver­ste­hen und sich bekeh­ren und ich sie

hei­le.“ So sei euch nun kund, dass den Hei­den die­se Erlö­sung

Got­tes gesandt wor­den ist. Sie wer­den ihr auch Gehör schen­ken

(Act 28,27f).

Die Sze­ne am Ende der Apos­tel­ge­schich­te fin­det in Rom statt. Das

Evan­ge­li­um ist in der Gestalt des Pau­lus nach Rom gekom­men. Dort

setzt er sich mit den Ältes­ten der jüdi­schen Gemein­de strei­tig

aus­ein­an­der. Die meis­ten von ihnen mögen ihm nicht fol­gen.

Dar­auf­hin zitiert er Jesa­ja und pro­gnos­ti­ziert, dass bei den Hei­den

die­se Erlö­sung Got­tes“ Gehör fin­den wird. Wenn die Juden selbst

nicht die Erfül­lung ihrer Hoff­nun­gen in Jesus von Naza­reth und der

Geschich­te der Kir­che sehen wer­den, dann doch die Hei­den.

Die luka­ni­sche Pro­gno­se hat sich als rich­tig erwie­sen. Vie­le

Men­schen im Römi­schen Reich nah­men den christ­li­chen

Glau­ben an. Und dar­auf ist sei­ne Gestal­tung der

Erfolgs­ge­schich­te auch zuge­schnit­ten. Man muss frei­lich

beto­nen, dass er kei­ne Idee der kom­men­den Pries­ter­re­li­gi­on

ent­wi­ckel­te. Vor allem aber hat­te er schwer­lich eine Rol­le des

Chris­ten­tums als Staats­re­li­gi­on bzw. Reichs­re­li­gi­on im Sinn. Auch die Juden sind

kei­nes­wegs von der Erlö­sung aus­ge­schlos­sen. Frei­lich müs­sen

sie dazu den Chris­tus aner­ken­nen.

Lk ist der Haupt­ver­tre­ter einer reflek­tier­ten Posi­ti­on der Akzep­tanz

der „Geset­ze der Väter“ als den Hei­li­gen Schrif­ten der Juden.

Die­se sind frei­lich pro­phe­tisch zu ver­ste­hen, sie ver­wei­sen auf

etwas ande­res: auf Jesus von Naza­reth, die Geschich­te der Kir­che

und die dar­in statt­fin­den­de Erfül­lung der Hoff­nun­gen der Juden.

Lk ist ent­spre­chend auch der reflek­tier­tes­te Ver­tre­ter der Posi­ti­on,

dass die christ­li­che Reli­gi­on bzw. ihre Schrif­ten die ange­mes­se­ne

Inter­pre­ta­ti­on der Hei­li­gen Schrif­ten der Juden dar­stel­len.

Frei­lich war Lk kein reli­giö­ser oder theo­lo­gi­scher Narr. Sei­ne

Schluss­sze­ne in Act sieht im Dis­sens mit den Ältes­ten der

jüdi­schen Gemein­de in Rom, dass die rab­bi­ni­sche

Schrift­aus­le­gung eher nicht den Schritt in die christ­li­che

Rich­tung gehen konn­te.

Wahr­schein­lich über­ließ er dies dem einen Gott, der grö­ßer

ist als sei­ne dif­fe­ren­zier­ten kul­tu­rel­len Reprä­sen­ta­tio­nen.

Dar­aus lebt der luka­ni­sche sozi­al enga­gier­te Libe­ra­lis­mus,

der eben auch gegen­über Römern und Grie­chen gilt:

Da wir … Got­tes Geschlecht sind, dür­fen wir nicht mei­nen,

die Gott­heit sei gleich Gold oder Sil­ber oder Stein, einem

Gebil­de mensch­li­cher Über­le­gung. Über die Zei­ten der

Unwis­sen­heit … hat Gott hin­weg gese­hen. Jetzt aber lässt er

den Men­schen ver­kün­di­gen, dass sie alle an jedem Ort Buße

tun sol­len (Act 17,29f).

Auf dem Areo­pag in Athen lässt Lk sei­nen Pau­lus dies sagen. Die

Göt­ter­ver­eh­rung soll nicht wei­ter so fort­ge­setzt wer­den wie

bis­her. Aber dar­um ging es auch in der grie­chi­schen Kul­tur gar

nicht:

… Als ich umher­ging und eure Hei­lig­tü­mer besich­tig­te, fand

ich auch einen Altar, an dem die Auf­schrift stand: „Dem

unbe­kann­ten Gott“. Was ihr nun, ohne es zu ken­nen ver­ehrt,

das ver­kün­di­ge ich euch (Act 17,23).

Mit dem Hei­den­mis­sio­nar Pau­lus ist das Evan­ge­li­um also nicht

nur in Rom als dem Zen­trum der Welt­macht ange­kom­men. Es

kann sich durch­aus auch mit den Ide­en des geis­ti­gen Zen­trums

der anti­ken Phi­lo­so­phie mes­sen:

In ihm leben, weben und sind wir, wie auch eini­ge von euren

Dich­tern gesagt haben: Wir sind ja auch sei­nes Geschlechts

(Act 17,28).

Dabei knüpft Lk frei­lich nicht an die Ver­su­che der anti­ken

phi­lo­so­phi­schen Meta­phy­sik an. Er hält sich im Medi­um der

phi­lo­so­phi­schen Ethik und Rhe­to­rik, auch im Kon­text der Medi­zin

und der alles über­grei­fen­den anti­ken Semio­tik. Hier ist nicht alles

not­wen­dig, son­dern es kann immer auch anders sein, wie

Aris­to­te­les in sei­ner Rhe­to­rik for­mu­liert hat. Daher hat das

luka­ni­sche Dop­pel­werk Sinn für die geschicht­li­che Viel­falt und die

Welt der kon­kre­ten Lebens­er­fah­rung.

/ Die sozia­le Dif­fe­ren­zie­rung nimmt Lk in sei­ner Akzep­tanz einer sozi­al

sen­si­blen römi­schen Ober­schicht wahr. Dabei denkt er vor allem an

die „wohl­an­ge­se­he­nen Frau­en“ (z. B. Act 16,14: Lydia, die

Pur­pur­händ­le­rin, die ein „Haus“ hat­te), wel­che dem Chris­ten­tum

auch Zugang zur Ober­schicht ver­schaf­fen könn­ten.

Das hat­te natür­lich schon eine Vor­ge­schich­te in sei­ner

Jesus­dar­stel­lung. Schon Jesus und sei­ne Schü­ler wur­den von

wohl­ha­ben­den Frau­en, auch Schü­le­rin­nen, beglei­tet, die als

Mäze­na­tin­nen deren unor­dent­li­ches geist­li­ches Wan­der­le­ben

finan­zier­ten (Lk 8,2f).

Und auf die­se und man­che ande­re Wei­se stellt Lk sei­ne Hoff­nung auf

eine huma­ne, sozi­al gerech­te­re, fried­li­che­re und aus­ge­gli­che­ne­re

römi­sche Gesell­schaft dar.

Lk ent­fal­tet mit gro­ßer erzäh­le­ri­scher Kraft das Mus­ter der

iden­ti­täts­zen­trier­ten Erfolgs­ge­schich­te. Zwei­fel­los hat sei­ne Text­welt

in der Chris­ten­tums­ge­schich­te den Typus des ver­mit­teln­den, sozi­al

enga­gier­ten Chris­ten­tums beför­dert. Und auf die­se Wei­se wird auch

in gewis­ser Wei­se „alles gut“.

3.   Die Editoren der Präkanonischen Edition

Im Unter­schied zum Juden­tum haben die Hei­li­gen Schrif­ten des

Chris­ten­tums wohl schon sehr früh ein ande­res Design. Wäh­rend die

jüdi­schen Hei­li­gen Schrif­ten als Buch­rol­le ediert wur­den und wer­den,

wähl­te man in der christ­li­chen Buch­erstel­lung den Kodex.

So gab man ein mehr­bän­di­ges Werk her­aus, das die LXX und die

Schrif­ten des Neu­en Tes­ta­ments umfass­te.

Eine Eigen­art der Prä­ka­no­ni­schen Edi­ti­on besteht dar­in, dass ihr

Edi­to­ri­al, die Äuße­run­gen der Her­aus­ge­ber über die Edi­ti­on in

fik­ti­ven Tex­ten ver­steckt sind. Es han­delt sich um die Tes­ta­men­te

des Pau­lus in 2Tim und des Petrus im 2Pet, die der Bri­ef­fik­ti­on

zufol­ge in Rom geschrie­ben sind.

So erin­nern die Her­aus­ge­ber mit der Wahl die­ser Gat­tung an ihre

Grund­sät­ze und wie sie ihre Vari­an­te des Chris­ten­tums ver­stan­den

wis­sen wol­len.

In der Fol­ge sol­len zwei The­men in den Vor­der­grund gestellt

wer­den, die den Cha­rak­ter der Betrach­tungs­wei­se der

tat­säch­li­chen Auto­ren als Erfolgs­ge­schich­te beleuch­ten.

Zum einen geht es um ihre Auf­fas­sung von den , den

Mythen der Ande­ren“– also um das­je­ni­ge, was ande­re

mei­nen oder mei­nen könn­ten, die sich der Per­spek­ti­ve der

tat­säch­li­chen Auto­ren nicht anschlie­ßen.

Zum ande­ren muss die sozia­le Ver­or­tung des Chris­ten­tums in

der römi­schen Gesell­schaft beleuch­tet wer­den, wel­che die

Auto­ren vor­neh­men.

Zu den gro­ßen kul­tur­wis­sen­schaft­li­chen Leis­tun­gen der

letz­ten drei Jahr­zehn­te gehört ein Auf­satz des

Alter­tums­wis­sen­schaft­lers Mar­cel Deti­en­ne. Unter dem Titel

Mytho­lo­gie ohne Illu­si­on“ führ­te er eine gründ­li­che

Dekon­struk­ti­on des abend­län­di­schen Dis­kur­ses über

Mythos“ durch – von sei­nen Anfän­gen in Grie­chen­land bis

hin zu Ernst Cas­si­rer und Deti­en­nes Leh­rer Clau­de Lévi‐

Strauss. Deti­en­ne zufol­ge ist der „Mythos“‐Diskurs von

sei­ner in Grie­chen­land ent­wi­ckel­ten Grund­re­gel bestimmt.

Es han­delt sich um die Leit­un­ter­schei­dung von μῦθος vs. λόγος (mythos vs. logos)

– Mythos vs. Logos.

Mar­cel Deti­en­ne, Mytho­lo­gie ohne Illu­si­on, in: Clau­de Lévi‐

Strauss u. a., Mythos ohne Illu­si­on, 1984 (es 1220), 12‐46.

Damit ist gemeint, dass „Mythos“ in der Regel etwas ist, was

ande­re Men­schen sagen und erzäh­len.

Wer von Mythos spricht, bezeich­net durch die­sen Aus­druck

nicht das eige­ne Spre­chen, son­dern das der Ande­ren. Das

eige­ne Spre­chen dage­gen ist durch Logosaus­ge­zeich­net.

Mythos vs. Logos stellt eine Leit­un­ter­schei­dung dar, die das

eige­ne Spre­chen, den Logos, posi­tiv vom Spre­chen der Ande­ren,

dem Mythos, absetzt.

Deti­en­ne hat recht, dass sich die­se Leit­un­ter­schei­dung als

Grund­re­gel des abend­län­di­schen Dis­kur­ses über „Mythos“

eta­bliert hat. Sie lässt sich auch heu­te noch beob­ach­ten, gleich

was jeweils unter Mythos oder Logos ver­stan­den wird. „Mythos“

  1. Geschich­te“; „Mythos“ vs .„Ver­nunft“ sind bekann­te Bei­spie­le.

Oder der „Mythos Mar­le­ne Diet­rich“ lässt sich unter­schei­den von

dem „Leben der Mar­le­ne Diet­rich, wie es wirk­lich war“.

Deti­en­ne glaub­te, dass die­ser „Mythos“‐Diskurs nur dann

ent­ste­hen kann, wenn es unter­schied­li­che Ratio­na­li­tä­ten in einer

Gesell­schaft oder zwi­schen Gesell­schaf­ten bzw. Grup­pen gibt.

Zugleich han­delt es sich immer um ein refle­xi­ves Ver­hält­nis. Die

Grup­pe muss sich von ande­ren unter­schei­den kön­nen und sie

muss deren Selbst­ver­stän­di­gungs­pro­zes­se in irgend­ei­ner Wei­se

wahr­neh­men und reprä­sen­tie­ren kön­nen.

  1. Die Bezeich­nung „Mythos“ setzt häu­fig eine Unter­schei­dung der

eige­nen Sprech­wei­se von der Sprech­wei­se ande­rer Men­schen

vor­aus.

  1. Mythos“ wird in der Regel als abwer­ten­de Bezeich­nung der

Sprech­wei­se ande­rer Men­schen ver­stan­den.

  1. Posi­tiv wird dem­ge­gen­über die eige­ne Sprech­wei­se bewer­tet. Es

han­delt sich bei ihr um „Logos“.

  1. Was unter „Logos“ und „Mythos“ ver­stan­den wird, ist extrem

varia­bel und auch nicht an irgend­wel­che Gat­tungs­gren­zen gebun­den.

  1. Schließ­lich setzt die bewer­ten­de Leit­un­ter­schei­dung Mythos vs.

Logos ein Medi­um vor­aus, in dem aus der Per­spek­ti­ve des Logos der

Mythos reprä­sen­tiert und nega­tiv bewer­tet wer­den kann. Das ist in der

für uns zugäng­li­chen Form natür­lich pri­mär die Schrift. Dies ist für

unse­ren Fall der Prä­ka­no­ni­schen Edi­ti­on m. E. beson­ders

auf­schluss­reich.

Wir fin­den die Edi­to­ren der Prä­ka­no­ni­schen Edi­ti­on mit

über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit im 2Tim und 2Petr. Zu die­sen

bei­den gat­tungs­mä­ßig über­ein­stim­men­den Tex­ten – es han­delt

sich um (fik­ti­ve) Tes­ta­men­te der bei­den Apos­tel Pau­lus und Petrus

vor ihrem bevor­ste­hen­den Tod in Rom – gehö­ren der 1Tim und

Titus sowie der 1Pet hin­zu. Nur zusam­men lässt sich aus ihnen das

Pro­fil der Edi­to­ren ent­fal­ten.

Was zunächst ins Auge fällt, ist die Ver­wen­dung des „Mythos“‐

Begrif­fes im Sin­ne der anti­ken Regel. Das Zei­chen „Mythos“

ver­weist jeweils auf das irre­füh­ren­de Spre­chen der Ande­ren. Aber

die Ande­ren sagen etwas recht Ver­schie­de­nes. Gleich­wohl han­delt

es sich aus Sicht der Edi­to­ren jeweils um „Mythen“. Und die

wesent­li­chen Grund­zü­ge der Edi­to­ren gel­ten als „Logos“.

Die nicht erlö­sen­den und für alte Frau­en geeig­ne­ten Mythen aber

wei­se zurück. Übe dich hin­ge­gen in Fröm­mig­keit. Denn die

leib­li­che Übung in der Aske­se ist zu wenig nüt­ze. Die

Fröm­mig­keit ist zu allem nüt­ze und besitzt die Ver­hei­ßung des

künf­ti­gen Lebens (1Tim 4,7).

Bei den „Mythen“ des 1Tim geht es offen­bar um gnos­ti­sche

Strö­mun­gen im Chris­ten­tum:

O Timo­theus, bewah­re das anver­trau­te Gut und gehe den nicht

erlö­sen­den, nich­ti­gen Geschwät­zen der fälsch­lich so genann­ten

Erkennt­nis [Gno­sis]“ aus dem Wege, durch deren wil­li­ge

Aner­ken­nung gewis­se Leu­te vom Wege abge­irrt sind (1Tim 6,20)!

Die­se Strö­mun­gen schei­nen auf eine reli­giö­se Inner­lich­keit zu set­zen,

die eine tie­fe­re Welt­sicht ermög­licht. Das wird durch aske­ti­sche

Pra­xis, ins­be­son­de­re sexu­el­le Ent­halt­sam­keit dar­ge­stellt. Dann aber

gerät die christ­li­che Ehe und die Akzep­tanz des „Hau­ses“ als anti­ke

Sozi­al­form in Gefahr.

Titus lebt auf Kre­ta und wird ermahnt:

Einer von den Kre­tern, ihr eige­ner Pro­phet, hat gesagt: „Die

Kre­ter sind immer Lüg­ner, böse Tie­re, fau­le Bäu­che.“ Die­ses

Zeug­nis ist wahr. Und aus die­sem Grun­de wider­le­ge sie mit

Stren­ge, damit sie gesund im Glau­ben wer­den und nicht auf

jüdi­sche Mythen und auf Gebo­te von Men­schen ach­ten, die sich

von der Wahr­heit abwen­den (Tit 2,12f).

Hier sind die irren­den Mytho­lo­gen offen­bar Juden, wel­che die

christ­li­che Inter­pre­ta­ti­on der Hei­li­gen Schrif­ten der Juden nicht

akzep­tie­ren. Wir kön­nen durch­aus an das rab­bi­ni­sche Juden­tum

(irgend­ei­ner Art) den­ken.

1Tim und Titus unter­schei­den das Chris­ten­tum der Prä­ka­no­ni­schen

Edi­ti­on, den „gesun­den Glau­ben“, „die gesun­de Leh­re“, „die

Fröm­mig­keit“ als „Logos“ von den „Mythen“ der Gnos­ti­ker und

rab­bi­ni­schen Juden.

Dass es sich frei­lich hier um eine Oli­ver Kahn‐Erfolgsgeschichte

han­deln dürf­te, zeigt die Pas­sa­ge im Tit, in wel­cher der tat­säch­li­che

Autor sei­nen fik­ti­ven Autor Pau­lus am Kre­ter­pa­ra­do­xon schreck­lich

schei­tern lässt. Wenn es wahr ist, dass ein Kre­ter sagt, alle Kre­ter

lügen – und er dar­in recht hat… Wir machen doch nicht alles

rich­tig…

Wäh­rend die Tex­te um das pau­li­ni­sche Tes­ta­ment die Prä­ka­no­ni­sche

Edi­ti­on nach außen abgren­zen, zeigt das Spre­chen von „Mythen“ im

2Pet, wie man sich gegen fal­sche Auf­as­sun­gen nach innen zu

schüt­zen ver­sucht:

Denn wir sind nicht klug erson­ne­nen Mythen gefolgt, als wir

euch die Macht und Wie­der­kunft uns­res Herrn Jesus Chris­tus

offen­bart haben, son­dern weil wir Augen­zeu­gen sei­ner Majes­tät

gewor­den sind (2Pet 1,16).

Wer ist hier „wir“? Natür­lich der Apos­tel Petrus! Tat­säch­lich? Wo

doch „die Väter ent­schla­fen sind“(2Pet 3,4)? Und ist der Apos­tel

Petrus kei­ner der „Väter“?

Eine auf­merk­sa­me Lese­rin und ein auf­merk­sa­mer Leser wer­den

auch hier das Kahn­sche Augen­zwin­kern bemer­ken…

Sowohl der 2Pet als auch der 2Tim zei­gen an reli­giö­sen The­men im

enge­ren Sinn wenig Inter­es­se. eher Ihr Inter­es­se ist von etwas

ande­rem ange­zo­gen, das zusam­men mit den ande­ren Tex­ten (1Pet, Tit,

1Tim) geleis­tet wird. Sie ver­tei­di­gen impli­zit die dyna­mi­sche

Schrift­re­li­gi­on des Chris­ten­tums, indem sie die­se erfolgs­ge­schicht­lich

absi­chern und kon­so­li­die­ren wol­len.

Das ist durch einen Dop­pel­schritt mög­lich:

  1. beto­nen die bei­den fik­ti­ven Tes­ta­men­te des Pau­lus und Petrus, dass

das Chris­ten­tum nicht nur auf die spe­zi­el­len christ­li­chen Schrif­ten

bezo­gen ist, son­dern auch auf die (neu inter­pre­tier­ten) Hei­li­gen

Schrif­ten der Juden. Das Chris­ten­tum der Edi­to­ren bekennt sich

mit­hin zum Modell der Aus­le­gung der „Geset­ze der Väter“.

  1. wird dies durch die ein­ge­for­der­te sozia­le Ord­nung der

christ­li­chen Gemein­den für das Römi­sche Reich dar­ge­stellt.

Hier sind in allen Tex­ten drei Ele­men­te grund­le­gend:

  • Es gibt ver­ant­wort­li­che Auf­sichts­gre­mi­en in den Gemein­den. Für die

pau­li­ni­sche“ Text­welt wird hier vor allem das Amt des Bischofs

eta­bliert. Dabei bezeich­net der grie­chi­sche Begriff epis­ko­pos, den wir

mit Bischof wie­der­ge­ben, den Auf­se­her, der in der Gemein­de für

Ord­nung sorgt. Für die „petri­ni­sche“ Text­welt gilt dem­ge­gen­über, dass es

Ältes­te“ gibt, wel­che die­se Funk­ti­on aus­üben.

  • Die inne­re Ord­nung der Gemein­den ist ins­ge­samt patri­ar­chal

aus­ge­rich­tet. Der 1Tim bezeich­net die Gemein­de sogar als „Haus“

Got­tes. Die patri­ar­cha­le Sozi­al­form des anti­ken Hau­ses gilt hier als

Gemein­de­mo­dell. Ent­spre­chend fun­giert der Bischof als „Haus­va­ter“.

Ihm bzw. den „Ältes­ten“ im „petri­ni­schen“ Bereich ist ent­spre­chend

Ach­tung und Gehor­sam ent­ge­gen­zu­brin­gen. Skla­ven, Frau­en und Kin­der

müs­sen sich ent­spre­chend unter­ord­nen.

  • Dem römi­schen Staat wird Loya­li­tät zuge­sagt. Das gilt etwa durch die

Auf­for­de­rung zum Gebet für die Regie­ren­den, Auf­for­de­rung zum

Steu­ern­zah­len und zur Beach­tung des römi­schen Rechts.

Umge­kehrt for­dern die Edi­to­ren für die­ses sozia­le

Wohl­ver­hal­ten wie schon die jüdi­sche Gemein­de eine

ent­spre­chen­de Tole­ranz des römi­schen Staa­tes und die

Gewäh­rung rela­ti­ver reli­giö­ser Auto­no­mie.

Der Staat schützt ent­spre­chend die Fröm­mig­keit des

Chris­ten­tums der Edi­to­ren, so die Erwar­tung. Dann kann

man auch guten Gewis­sens für die Herr­schen­den beten.

4. Das Abendmahl in erfolgsgeschichtlicher Perspektive

Lk weicht in den wesent­li­chen Punk­ten nicht von den Sequen­zen

bei Mk und Mt ab. Wie Pau­lus in 1Kor 11 for­mu­liert er frei­lich

deut­lich, dass das Mahl als Erin­ne­rungs­mahl zu ver­ste­hen sei:

Das tut zu mei­nem Gedächt­nis! (Lk 22,19)

Wie Mk und Mt betont Lk die Rol­le des gewalt­sa­men

Todes Jesu bei die­ser Erin­ne­rung. Wie Mk und anders

als Mt kennt Lk kei­ne sün­den­ver­ge­ben­de Funk­ti­on des

Todes Jesu (und mit­hin des Mah­les):

Die­ser Becher ist das neue Tes­ta­ment in mei­nem Blut,

das für euch ver­gos­sen wird (Lk 22,20).

Der Tod ist beson­ders des­halb erlö­send, weil er im pro­phe­ti­schen

Spre­chen der Hei­li­gen Schrif­ten der Juden vor­aus­ge­sagt wird:

Alles müs­se, habe ich euch gesagt, erfüllt wer­den, was im

Gesetz des Mose und in den Pro­phe­ten und Psal­men über mich

geschrie­ben steht.“

Da öff­ne­te Jesus ihnen den Sinn, damit sie die Schrif­ten

ver­stän­den und sprach zu ihnen:

Es steht geschrie­ben, dass der Chris­tus auf die­se Wei­se lei­den

und am drit­ten Tage von den Toten auf­er­ste­hen wer­de und dass

auf sei­nen Namen hin Buße zur Ver­ge­bung der Sün­den

ver­kün­digt wer­den sol­le unter allen Völ­kern (bzw. Hei­den), von

Jeru­sa­lem aus­ge­hend“ (Lk 24,44-46).

Nicht der gewalt­sa­me Tod Jesu selbst ist sün­den­ver­ge­bend, son­dern

wie im pries­ter­kri­ti­schen Juden­tum die Buße, die Umkehr des

Lebens­wegs, die frei­lich jetzt auf die Pre­digt des Evan­ge­li­ums fol­gen

soll.

5. Rückfragen

  1. Das Dop­pel­werk muss zusam­men gele­sen wer­den, dann wer­den auch die Bezie­hun­gen bezüg­lich der (wohl­an­ge­se­he­nen) Frau­en klar, die es seit Jesus gibt (8,2f). Die Vor­ge­schich­te spielt auf wich­ti­ge Frau­en der LXX an. Zugleich wird es plau­si­bel, dass es eine Umver­tei­lung zuguns­ten der Armen geben soll. Kirch­lich stark rezi­piert.
  2. Zur Prä­ka­no­ni­schen Edi­ti­on vgl. hier. Für die Her­me­neu­tik des Neu­en Tes­ta­ments ist wich­tig, dass die Edi­ti­on kein Werk der Reichs­kir­che des vier­ten Jahr­hun­derts d. Z. ist, es gibt kei­ne Syn­oden­be­schlüs­se. Daher hat Tro­bisch recht, dass sie im Buch­han­del erschie­nen ist und spä­ter im reichs­rö­mi­schen Kon­text als kano­nisch bezeich­net wor­den ist. Die Edi­ti­on stammt aber aus dem letz­ten Drit­tel des 2. Jhdts. d. Z. Das Modell ist ein­deu­tig an der Aus­le­gung der „Geset­ze der Väter“ ori­en­tiert, also kei­ne Reichs­re­li­gi­on.
  3. Die Idee mit den Tes­ta­men­ten ist lite­ra­risch geni­al und ist auch kein Betrug, son­dern erfor­dert die Mit­ar­beit der Lesen­den, also wie­der eine Bestä­ti­gung des impli­zi­ten Leser/in­nen-Kon­zepts der Edi­ti­on.
  4. Das Μῦθος(Mythos)-Problem kann nach der Unter­su­chung Deti­en­nes nicht so fort­ge­setzt wer­den, wie die Alt­vor­de­ren woll­ten, selbst Thei­ßen und Ass­mann haben das igno­riert. Gen 1-3 ent­hält zwei Erzähl­ty­pen – und damit muss man/frau all­mäh­lich ernst machen. Nach mei­ner Mei­nung gibt es noch einen drit­ten Erzähl­ty­pus, der in der Urge­schich­te durch Gen 6,1-4 zumin­dest ange­deu­tet ist und sich im Dani­el­buch auch zeigt, sodass die von mir vor­ge­schla­ge­nen drei Erzähl­for­men sowohl in der Hebräi­schen Bibel als auch In der LXX und im Neu­en Tes­ta­ment vor­kom­men.
  5. Die Wun­der­erzäh­lun­gen sind nach der rhe­to­ri­schen Klas­si­fi­zie­rung der Gat­tun­gen μῦθοι. D. h., die Fra­gen sind alle schon in der Anti­ke klar. Daher habe ich eine Bild­lich­keits­auf­fas­sung gewählt, die biblisch begrün­det ist (Gen 1,26f LXX und mit dem pla­to­ni­schen Dis­kurs kom­pa­ti­bel ist, wir sahen am Hebr, dass das auch im Neu­en Tes­ta­ment vor­kommt.
  6. Das Wich­ti­ge ist, dass man/frau mit den Erzähl­for­men umge­hen kann – und sich davon exis­ten­zi­ell. inspi­rie­ren lässt. Die Ver­wen­dung des Μῦθος(Mythos)-Begriffs bei den Edi­to­ren der Prä­ka­no­ni­schen Edi­ti­on bestä­tigt die The­se Deti­en­nes.

 

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Info:
§ 10 Erfolgsgeschichten ist Beitrag Nr. 5300
Autor:
Martin Pöttner am 10. Juli 2016 um 15:25
Category:
Das Freiheitsverständnis im Neuen Testament,Hermeneutik des Neuen Testaments
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