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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


TUD)">Ver­an­stal­tun­gen in Darm­stadt (TUD)

 

2               Berg­pre­digt (Mt 5,21-26)

Wir befin­den uns jetzt im Bereich des Semi­nars, in dem wir ler­nen, wie man/frau den Inhalt eines Tex­tes bestim­men kann (Seman­tik). 5,21-48 wer­den seit Lan­gem unter der Über­schrift „Die Anti­the­sen“. Zunächst befass­ten wir uns also damit, ob die­se Über­schrift über­haupt berech­tigt ist.

Dazu such­ten wir eine tat­säch­li­che Anti­the­se auf, die nach der Beschrei­bung in der anti­ken Rhe­to­rik eine Anti­the­se dar­stellt. So lau­tet Mt 5,17b: „Ich bin nicht gekom­men, [das Gesetz und die Pro­phe­ten] auf­zu­lö­sen, son­dern zu erfül­len.

Die for­ma­le syn­tak­ti­sche Struk­tur einer Anti­the­se lau­tet also:

Nicht a,

son­dern b.

Dabei sind „a“ und „b“ Gegen­sät­ze, wobei „a“ immer „b“ ver­nei­nen muss und umge­kehrt. Unse­re Auf­ga­be in den fol­gen­den drei Wochen wird es also sein, das genau für jeden Text zu unter­su­chen.

In 5,21-26 liegt zunächst die syn­tak­ti­sche Regel nicht vor.

Dann wird ein Ver­bot des Deka­logs zitiert: „Du sollst nicht mor­den“. Wer mor­de, sei dem Gericht ver­fal­len, wobei es sich nicht um ein wört­li­ches Zitat han­delt, son­dern um eine Inter­pre­ta­ti­on, die durch ande­re Tex­te des Geset­zes gedeckt ist. Z. B. in Ex 21,12 ist die Todes­stra­fe für Mör­der gefor­dert. Die Rede vom „Gericht“ fasst das zusam­men.

Die Über­set­zung der fol­gen­den Wen­dung ist umstrit­ten. Vie­le über­set­zen: „Ich aber sage euch …“. Lui­se Schott­roff schlägt in der „Bibel in gerech­ter Spra­che“ vor: „Ich lege euch das heu­te so aus …“ Sie erkennt den Kon­text der kon­tro­ver­sen Schrift­aus­le­gung, der uns auch schon auf­ge­fal­len war. Dann bleibt für 5,21ff nur noch zu bestim­men, ob das­je­ni­ge, was in 5,22-26 dar­ge­legt ist, in einem Gegen­satz zu zu 5,21 steht. Das Ver­bot zu mor­den, wird an kei­ner Stel­le ver­neint. 5,22 beschäf­tigt sich aber mit dem „Gericht“ und hält den Zorn gegen­über dem Bru­der (Mit­mensch) für gerichts­re­le­vant, die ver­ächt­li­che Belei­di­gung „Idi­ot“ ist syn­he­d­ri­ums­reif – und „Narr“ führt direkt in die Höl­le. Wenn also ein Gegen­satz gemeint ist, dann bezö­ge er sich auf die Gerichts­stra­fen.

All­mäh­lich fiel uns auf, dass offen­bar das The­ma gewech­selt hat, Jesus redet von Gefüh­len, Her­ab­set­zun­gen und Belei­di­gun­gen, wobei die Stra­fen dazu in einem unge­wöhn­li­chen Ver­hält­nis zu ste­hen schei­nen.

5,23f füh­ren noch wei­ter vom Mord weg in den Opfer­kon­text. Soll­te einem beim Opfern ein­fal­len, dass ein Bru­der was gegen einen hat, sol­le man/frau zuerst die­ses Pro­blem bear­bei­ten – und dann opfern. Ethik geht wie bei Amos und Jesa­ja vor reli­giö­ser Pflicht o. Ä. (z. B. Am 5,22).

Und bei Finanz­strei­tig­kei­ten sol­le man zuerst sich mit dem Geg­ner eini­gen, bevor man ins Schuld­ge­fäng­nis kom­me …

Tat­säch­lich steckt hier eine ande­re Kon­flikt­lö­sungs­stra­te­gie hin­ter den Aus­füh­run­gen Jesu. Wer den Zorn beherr­schen kann, wird nicht zum Mör­der. In den ande­ren Fäl­len ist es genau­so. Kon­flikt­re­gu­lie­rung und Ver­söh­nung bzw. Aus­gleich ste­hen im Vor­der­grund des Inter­es­ses. Es geht also um die ver­schie­de­nen Grün­de, wie­so es letzt­lich zum Mor­den kommt.

Damit wird das Tötungs­ver­bot nicht ver­neint, son­dern eine ande­re Gesell­schaft ange­strebt, in der das Tötungs­ver­bot uner­heb­lich ist, jeden­falls ein ande­res Ver­hal­ten ein­zel­ner oder vie­ler Per­so­nen.

Das Zorn­the­ma zeigt eine Berüh­rung mit bud­dhis­ti­schen Erwä­gun­gen, wes­halb uns das Medi­tie­ren beim Zorn ein­fiel.

 

 

 

 

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Info:
Ver­an­stal­tun­gen in Darm­stadt (TUD) ist Beitrag Nr. 5139
Autor:
Martin Pöttner am 18. Mai 2016 um 16:13
Category:
Bergpredigt
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