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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Nichts ist alter­na­tiv­los – aber für man­ches gibt es bes­se­re Argu­men­te!

Bob der Bau­meis­ter als Meta­phern­spen­der

Die Rat­lo­sig­keit unter den oder zumin­dest eini­gen Qualitätsjournalist/inn/en ist groß, die AfD hat einen beacht­li­chen Wahl­er­folg errun­gen. Ganz rich­tig wird im „Pres­se­club“ dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die AfD kein Par­tei­pro­gramm habe. Aller­dings hat sie die jewei­li­gen Wahl­pro­gram­me ver­teilt bzw. die­se waren im Inter­net leicht zugäng­lich.

Natür­lich war das Flücht­lings­the­ma lei­tend – und die­ses ist kein Par­tei­the­ma, son­dern ein Men­schen­rechts­the­ma. So hat es die Bun­des­kanz­le­rin auch behan­delt. M. E. hät­te sie das häu­fi­ger expli­zit sagen sol­len – und ent­spre­chend ihre Hand­lun­gen expli­zit begrün­den müs­sen. Mit „Wir schaf­fen das!“ war zwar Bob dem Bau­meis­ter Genü­ge getan, aber es war stark angreif­bar und wur­de des­halb auch ange­grif­fen, z. T. hys­te­risch wie von der CSU, die den Macht­ver­lust fürch­tet. Inzwi­schen stellt sich die Fra­ge, ob das Men­schen­rechts­the­ma bei dem Arran­ge­ment mit der Tür­kei hin­rei­chend beach­tet wur­de.

Bei dem zwei­ten The­ma das wich­tig ist, hat­te Mer­kel sich schon in ihrer Sil­ves­ter­an­spra­che 2014 fest­ge­legt, gegen PEGI­DA wur­de klar, dass sie dem Grund­ge­setz fol­gen will – und zur Inte­gra­ti­on des Islam bereit ist. Der vor­ge­schla­ge­ne Weg, die Aner­ken­nung mus­li­mi­scher Gemein­schaf­ten als „Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts“ ist m. E. völ­lig ange­mes­sen, auch wenn das aktiv zu beglei­ten ist und es kei­nen Selbst­läu­fer dar­stellt.

Das Dilem­ma zeig­te sich eini­ge Tage spä­ter, nach den Anschlä­gen auf Char­lie Heb­do und einen Super­markt, in dem kosche­re Lebens­mit­tel ver­kauft wer­den. Sie for­der­te mus­li­mi­sche Geist­li­che auf zu erklä­ren, wie­so sol­ches nicht zum eigent­li­chen Islam gehö­re. Ihr wie gro­ßen Tei­len der Bevöl­ke­rung sei der Koran nicht geläu­fig. Wenn das stimmt, hat bei ihr das pro­tes­tan­ti­sche Pfarr­haus ver­sagt, das ja ein Ort der Bil­dung sein soll. Wer also Christ/in sein will, muss zumin­dest über Juden­tum und Islam eini­ger­ma­ßen ori­en­tiert sein, um das Eigen­tüm­li­che des Chris­ten­tums ver­ste­hen zu kön­nen. Das ist bei Tho­mas von Aquin, Mai­mo­ni­des und Avicen­na (Ibn Ruschd) im Mit­tel­al­ter gelöst wor­den, sodass klar war, in allen drei genann­ten Reli­gio­nen wird der eine Gott ver­ehrt, aber auf unter­schied­li­che Wei­se. Auch aus heu­ti­ger Sicht ist dem nichts hin­zu­fü­gen. Al Kai­da und der „Isla­mi­sche Staat“ bie­ten dem­ge­gen­über eine auf ein­zel­ne Stel­len des Koran ver­eng­te Sicht­wei­se, die von der über­gro­ßen Mehr­heit der Mus­li­me abge­lehnt wird.

Nach mei­ner Beob­ach­tung ist ein gewis­ser Unwil­le in man­chen Dis­kus­sio­nen zu spü­ren, wenn es um die­se The­se geht. Ein ähn­li­ches Schwei­gen kommt bei The­ma­ti­sie­run­gen des Juden­tums vor, Isla­mo­pho­bie und Anti­se­mi­tis­mus sind ver­wandt, man/frau kann es direkt auf Twit­ter beob­ach­ten.

Zu einer Stra­te­gie wie man/frau die AfD bekämp­fen kann, gehört also Auf­klä­rung über Juden­tum und Islam.

Eben­so müs­sen die nicht­re­li­giö­sen Men­schen ermu­tigt wer­den, die Aus­brei­tung von Mus­li­men zuzu­las­sen, was z. B. die Akzep­tanz des Schäch­tens und der Beschnei­dung des Penis erfor­der­lich macht. Letz­te­res muss medi­zi­nisch per­fekt sein, Ers­te­res soll­te mit Tier­schutz­vor­stel­lun­gen in Ein­klang zu brin­gen sein. Bei­des gilt genau­so für das Juden­tum als auch für den Islam.

Die Auf­ga­be ist es also, auch in die­sen Debat­ten kei­ne unter­kom­ple­xen Lösun­gen zuzu­las­sen, son­dern sie mit kom­ple­xen Lösun­gen zu kon­fron­tie­ren.

Es ist also mehr gefor­dert, als den Auf­stand oder Anstand der Anstän­di­gen zu beschwö­ren. Tat­säch­lich sind Argu­men­te gefor­dert, die empi­risch zumin­dest gestützt sein müs­sen.

Inso­fern ist der Wahl­er­folg der AfD ein Anstoß für mehr Dis­kurs in der Demo­kra­tie. Nichts ist alter­na­tiv­los – aber für man­ches gibt es bes­se­re Argu­men­te! Dass die AfD mehr Volks­ab­stim­mun­gen for­dert, ist rich­tig. Gren­ze sind die ers­ten 20 Arti­kel des Grund­ge­set­zes. Bei Streit­fra­gen wäre das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zustän­dig. Wenn dort Frau­ke Petry ihre Behaup­tung vor­ge­tra­gen hät­te, in der Flücht­lings­fra­ge sei Moral vor Recht gegan­gen, wäre sie sicher belehrt wor­den.

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Info:
Nichts ist alter­na­tiv­los – aber für man­ches gibt es bes­se­re Argu­men­te! ist Beitrag Nr. 4980
Autor:
Martin Pöttner am 21. März 2016 um 15:48
Category:
Menschenrechte
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