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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Veranstaltungen in Darmstadt 12. Januar

2. Thema der heutigen Stunde: Jakobus 2,18-24

Zu aller­erst wur­de fest­ge­hal­ten, dass die Geschich­ten aus Gene­sis im Bezug zu Jako­bus und Pau­lus ste­hen. Um die bei­den inter­pre­tie­ren zu kön­nen, soll­te man Gene­sis ver­stan­den haben. Da der vor­ge­le­se­ne Teil aus dem Buch des Jako­bus aus einer Luther­bi­bel stammt, füg­te Herr Pött­ner Fol­gen­des an. Im Neu­en Tes­ta­ment ist nicht alles nach Luther, so hat er es auch in der Vor­re­de zur Bibel geschrie­ben, sie ist nicht ein­heit­lich. Sie muss nach einem Ver­ständ­nis des Juden­tums ver­stan­den wer­den. Er mein­te damit die dyna­mi­sche Schrift­aus­le­gung. Hier­zu benann­te er den Jako­bus­brief als stro­her­ne Epis­tel. Er sieht hier einen Wider­spruch zu sei­ner Theo­lo­gie. Luther hat im Gegen­satz zur „Bibel in gerech­ter Spra­che“ rich­tig über­setzt, indem er schrieb, der Mensch wird nicht allei­ne durch den Glau­ben gerecht, auch wenn dies im Gegen­satz zu Pau­lus steht. Das Chris­ten­tum hat sich eher an Jako­bus ori­en­tiert, dies aber nicht auf­recht­erhal­ten. Nach­dem Luther kam, wur­de die The­se, dass der Mensch allei­ne durch sei­nen Glau­ben gerecht, wird popu­lär gemacht. Dies nann­te man Pro­tes­tan­tis­mus. Dies wirk­te zu Beginn kir­chen­spal­tend. Seit dem Jahr 2000 haben auch die katho­li­schen Theo­lo­gen die­se The­se aner­kannt. Es stell­te sich die Fra­ge, wel­che Aus­le­gung des Alten Tes­ta­men­tes für die­sen Streit ver­ant­wort­lich war, zwi­schen Katho­li­ken und Pro­tes­tan­ten. Es wur­de auf Abra­ham hin­ge­wie­sen. Er glaub­te an Gott. Er gehorch­te Gott und opfer­te sei­nen Sohn und erle­dig­te dadurch ein Werk. Beim Opfern geht es um die Dar­brin­gung eines Lebe­we­sen oder eines Gegen­stan­des. In Gene­sis 15 glaub­te Abra­ham an Gott, das wur­de ihm zur Gerech­tig­keit ange­rech­net, wie Luther tri­um­phie­rend über­setz­te. In Gene­sis 22 tes­te­te Gott Abra­ham, er soll­te sei­nen Sohn als Opfer dar­brin­gen. Abra­ham leg­te Isaak auf den Altar zum Opfern, dann aller­dings kam es zur Aus­lö­se durch ein Schaf.

Die nächs­te Fra­ge, die geklärt wer­den muss­te war, die, wor­an sich Jako­bus ori­en­tiert und wie wür­de Jako­bus den Aus­druck Glau­ben beschrei­ben. Er unter­schied zwi­schen rei­nem Glau­ben durch das Wort und die Schrift – oder den Inhalt. Rei­ner Glau­be wäre eine intel­lek­tu­el­le Hal­tung oder Geis­tes­hal­tung. Abra­ham soll­te ver­trau­en und Nach­kom­men haben, er star­te­te indem er sein Land ver­ließ. Hier zeig­te er sein Ver­trau­en zu Gott. Gott stell­te eine Her­aus­for­de­rung, Abra­ham wur­de Vater vie­ler Völ­ker. Es reich­te nicht aus, dass der Ara­ber gezeugt wur­de, in die­sem Fall muss­te Isaak geop­fert wer­den. Dass er dar­an geglaubt hat, wur­de ihm dann zur Gerech­tig­keit ange­rech­net. Hier zeig­te sich dann, dass jeder Glau­be auch einen Inhalt besitzt.

In Gene­sis 22 wur­de der Glau­be wei­ter getes­tet. Gott voll­zog eine para­do­xe Geschich­te mit Abra­ham, indem er ihn in eine unan­ge­neh­me Situa­ti­on brach­te. Die­ser Test konn­te als Wider­spruch gewer­tet wer­den, gegen­über dem, was Gott ihm ver­hei­ßen hat.

Die nächs­te Fra­ge war die, wie inter­pre­tiert Jako­bus die­sen Text? Jako­bus sprach vom Zusam­men­wir­ken des Glau­bens und der Wer­ke. In Gene­sis 15 gab es nicht nur den intel­lek­tu­el­len Wert, son­dern einen pra­xis­be­zo­ge­nen Bereich. Es ging um die Ver­hei­ßung, die Gott ihm gege­ben hat und zu was er ihn auf­ge­for­dert hat. Hier ent­steht eine Ambi­va­lenz zu Gene­sis 22. Die­se kann man als eine Opfer­ge­schich­te lesen, indem Gott getes­tet hat, ob Abra­ham gehor­sam ist. Gott als eine Art Mons­ter, wie er auch manch­mal in der Kunst dar­ge­stellt wird. Den­noch blieb immer noch die Fra­ge wie Jako­bus das Gan­ze inter­pre­tier­te.

Jako­bus konn­te sich den Glau­ben nicht als voll­gül­ti­gen Aspekt vor­stel­len, er muss­te auch umge­setzt wer­den. Man­che Men­schen glau­ben, wenn ich glau­be, löst sich alles ande­re von selbst. Glau­be und Ver­trau­en sei­en rein men­ta­le Din­ge, aber es muss umge­setzt wer­den um voll­stän­dig zu wer­den. Jako­bus sag­te, der Glau­be wird voll­kom­men, wenn er sich in Wer­ken aus­drückt.

Was waren die Wer­ke?

Abra­ham opfer­te sei­nen Sohn. Jako­bus ver­wen­de­te den Begriff des Opfers, als ob er ihn wirk­lich geop­fert hät­te, was er aber nicht getan hat. Er war dazu bereit und allein die­se Hal­tung wur­de ihm zur Gerech­tig­keit ange­rech­net. Man könn­te den­ken, dass Abra­ham schon vor­her wuss­te, dass Gott sowas nicht zulas­sen wür­de und er sich sicher sein konn­te, dass sei­nem Sohn nichts pas­siert. Jako­bus inter­pre­tier­te dies aber ganz anders. Durch Gene­sis 15 ist es mög­lich den Glau­ben anders zu inter­pre­tie­ren, näm­lich, dass Abra­ham der Ver­hei­ßung ver­trau­te.

Die­ser Aspekt wur­de in Gene­sis 22 völ­lig in Fra­ge gestellt. Aus der Sicht aus Gene­sis 15 könn­te man sagen, wenn er wie­der ver­traut, wür­de er sehen, dass Gott Unsinn macht.

Der ande­re Aspekt betont, dass Abra­ham gehor­sam ist, weil Gott den Befehl gab. Dies scheint die Inter­pre­ta­ti­on von Jako­bus gewe­sen zu sein.

Es stell­te sich die Fra­ge was getes­tet wur­de. Wenn man den Glau­ben von Gene­sis 15 und Gene­sis 22 im Kon­text sieht, dann kommt man zu einer unter­schied­li­chen Inter­pre­ta­ti­on.

Jako­bus, der im Gegen­satz zu Pau­lus mein­te, dass der Glau­be eher eine Form der Umset­zung ist und erst durch sie sei­ne Voll­kom­men­heit sicht­bar wird. Was dazu führt, dass Isaak geop­fert wird. Die Hand­lung, dass er sei­nen Sohn auf den Altar legt, wur­de ihm zur Gerech­tig­keit ange­rech­net.

In Gene­sis 15 hat­te er sei­nen Glau­ben bewie­sen. Jako­bus sah Gene­sis 22 dann als Höhe­punkt des Glau­bens an. In Gene­sis 22 wur­de das Wort „Wer­ke“ nicht ver­wen­det, dar­aus kann man schlie­ßen, dass die­ser Begriff spä­ter hin­zu­ge­fügt wur­de. Sie müs­sen in einem ande­ren Kon­text dazu­ge­kom­men sein. Die katho­li­sche Kir­che ging lan­ge dar­auf ein, dass man als Mensch Wer­ke erbrin­gen muss. Wich­tig für uns war, zu ver­ste­hen, dass Jako­bus einen Begriff wählt, der nicht im ori­gi­na­len Text vor­kommt. Aller­dings kamen im Text Hand­lun­gen vor, in denen Abra­ham den Anord­nun­gen Got­tes gehor­sam war.

Eine Fra­ge eines Semi­nar­teil­neh­mers war aus den Jesus­ge­schich­ten, wo er sag­te: „Wir sind nicht für Geset­ze da.“ Anschlie­ßend brach er den Sab­bat. Herr Pött­ner sag­te dazu, dass der Sab­bat nicht um den Men­schen­wil­len da ist, son­dern anders her­um. Jesus sag­te nicht, dass der Sab­bat der in den Geset­zen ange­ord­net ist, gebro­chen wer­den soll­te. Er sag­te, der Sab­bat ist in Ord­nung, aber der Mensch geht vor. Man muss trotz­dem sei­nen Hun­ger stil­len oder hei­len am Sab­bat. Im Kon­text unse­rer Semi­nar­stun­de brach­te es uns aber nicht wei­ter.

Es ging dar­um, ob der Glau­be ein men­ta­les Phä­no­men ist.

Die Tex­te sind nicht ein­heit­lich, das lag auf der Hand. Die­se Wie­der­sprü­che gab es von Beginn der Bibel an. Die Bibel for­dert uns zu einer eige­nen Stel­lung­nah­me auf.

Pau­lus bezog sich im Gene­sis 15 dar­auf, das Glau­ben allei­ne reicht, um voll­kom­men zu wer­den. Jako­bus bestritt dies und ent­wi­ckel­te eine Gegen­po­si­ti­on. Nach ihm wur­de der Glau­be erst voll­kom­men, wenn er sich in Wer­ken mate­ria­li­siert. In die­sem Werk als Isaak als Sohn Abra­hams geop­fert wur­de. Die römi­sche Kir­che bestrei­tet nicht, dass es meh­re­re Aus­le­gun­gen der Bibel gibt, aber sie bestim­men, wel­che man anneh­men soll. Es muss alles nach einem Mus­ter gehen, die­se Ansicht war in der Bibel nicht gege­ben. Des­halb ist es kein Wun­der, dass im Buch Gene­sis Kapi­tel 15 und 22 genau­so, wie im neu­en Tes­ta­ment in Jako­bus 2 und Römer 3 zu unter­schied­li­chen Ansichts­wei­sen kam. Es kann ange­nom­men wer­den, dass sich Jako­bus 2 auf Römer 3 bezieht. Neu­tes­ta­ment­ler sagen, Jako­bus bekämp­fe einen falsch ver­stan­de­nen Pau­li­nis­mus.

Es stell­te sich die Fra­ge, wer den Pau­li­nis­mus falsch ver­stan­den hat. Pau­lus sag­te nie­mals, dass der Glau­be ohne Fol­ge ist. Der Glau­be ist in der Lie­be wirk­sam, aber sicher­lich nicht, indem man sei­nen Sohn opfer­te. Jako­bus mein­te, dass die­ser Gott vor dem die Dämo­nen zit­tern, ein schwie­ri­ger Cha­rak­ter ist, wel­cher schon mal dazu neigt, dass jemand sei­nen Sohn opfern soll­te. Wenn man das akzep­tiert, voll­endet man den Glau­ben durch Wer­ke.

Die anschlie­ßen­de Fra­ge war die, wer war Jako­bus über­haupt? Um die­se Fra­ge beant­wor­ten zu kön­nen, müs­sen wir zuerst das Neue Tes­ta­ment gele­sen haben. Es ist wahr­schein­lich, dass er ein Jün­ger und Bru­der Jesu war, der für eine gewis­se Zeit die christ­li­che Gemein­de in der Stadt Jeru­sa­lem geführt hat. So zumin­dest sagt es die prä­ka­no­ni­sche Edi­ti­on. Jako­bus war ein fik­ti­ver Autor. Mehr weiß man nicht wirk­lich. Selbst die his­to­risch-kri­ti­sche Metho­de hat nicht mehr her­aus­ge­fun­den. Man ver­mu­tet, dass er eine beson­ders stren­ge, am Juden­tum ori­en­tier­te Posi­ti­on beses­sen haben soll und des­halb die Jeru­sa­le­mer Urge­meind geführt hat. Des Wei­te­ren kann man sagen, dass er schon mal mit Pau­lus anein­an­der gera­ten war. In Römer 3 sag­te Pau­lus, dass der Mensch allei­ne aus Glau­ben gerecht wird, braucht eine Prä­zi­sie­rung, ansons­ten kommt es nicht zu Wer­ken. Die Fra­ge ob die Bei­den sich viel­leicht näher sind, als es hier scheint, da bei Bei­den am Anfang der Glau­be steht, wur­de fol­gend beant­wor­tet. Luther sag­te, Jako­bus will zei­gen, dass der Mensch gera­de nicht aus Glau­ben allei­ne gerecht wer­den kann. Das bedeu­tet also, dass er nur durch die Wer­ke voll­kom­men wer­den kann. Des­halb gibt es kei­nen Weg dar­an vor­bei, die Unter­schie­de anzu­er­ken­nen. Nach Pau­lus steht nicht im Vor­der­grund, was man selbst macht, son­dern wie man in das Erzie­hungs­sys­tem ein­ge­las­sen ist, auf das man ver­traut. Dazu gehö­ren auch Hand­lun­gen der Lie­be.

Eine Posi­ti­on ist, dass Gott exis­tiert und man ihn den guten Mann sein lässt, bzw. wenn man Dämon ist, man Angst vor ihm hat. Abra­ham hin­ge­gen, hat es rich­tig gemacht und sei­nen Sohn geop­fert. Hier sieht man, dass Gene­sis 22 ein schwie­ri­ger Text ist. Man kann den Aspekt in Gene­sis 22 nur mit einer etwas per­ver­sen Logik als einen Akt der Lie­be bezeich­nen.

Pau­lus sag­te im Gala­ter­brief, dass der Glau­be in der Lie­be wirk­sam wird, aber Lie­be kann genau hin­se­hen, was sinn­voll ist und was nicht. Bei Jako­bus wird das nicht reflek­tiert. Bei ihm gab es eine ganz kla­re Gebots­struk­tur, die zu erfül­len ist. Der Glau­be ist am Anfang, aber wehe man ist nicht bereit dazu sei­nen Sohn zu opfern. Hier ist zusätz­lich blin­der Gehor­sam gefor­dert.

 

 

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Info:
Veranstaltungen in Darmstadt 12. Januar ist Beitrag Nr. 4825
Autor:
Martin Pöttner am 18. Januar 2016 um 10:41
Category:
Die Bedeutung des Alten Testaments für das Neue Testament
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