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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Jesus als Flücht­ling (Mt 2,8ff [EfG Gries­heim])

Jesus mit Josef und Maria auf der Flucht nach Ägyp­ten

[1]8Dann schick­te Hero­des (der Gro­ße) die wei­sen Astro­lo­gen nach Bet­le­hem und sag­te: »Geht! Stellt genaue Nach­for­schun­gen über das Kind an. Wenn ihr es gefun­den habt, gebt mir Bescheid, damit auch ich kom­men kann, um es zu ver­eh­ren.« 9 Als sie das vom König gehört hat­ten, bra­chen sie auf. Und seht, der Stern, des­sen Auf­gang sie beob­ach­tet hat­ten, zog vor ihnen her, bis er ankam und über dem Ort still­stand, an dem das Kind war.

10 Als sie den Stern dort sahen, waren sie über­wäl­tigt vor Freu­de. 11 Sie gin­gen in das Haus und sahen das Kind zusam­men mit Maria, sei­ner Mut­ter. Sie fie­len vor ihm nie­der, um es zu ver­eh­ren. Sie brei­te­ten ihre Schät­ze aus und über­reich­ten dem Kind Geschen­ke: Gold, Weih­rauch und Myr­rhe. 12Im Traum aber erhiel­ten sie die Wei­sung, nicht zu Hero­des zurück­zu­ge­hen. So kehr­ten sie auf einem ande­ren Weg in ihr Land zurück. 13Kaum waren sie auf­ge­bro­chen, seht, da erscheint ein Engel Got­tes dem Josef im Traum und sagt: »Steh auf, nimm das Kind und sei­ne Mut­ter, flieh nach Ägyp­ten und bleib dort, bis ich dir etwas ande­res sage. Denn Hero­des wird das Kind suchen, um es zu töten.« 14Da stand Josef auf, nahm noch in der Nacht das Kind und des­sen Mut­ter, und sie flo­hen nach Ägyp­ten. 15Dort blie­ben sie bis zum Tod des Hero­des, damit sich erfüll­te, was Gott durch den Pro­phe­ten gesagt hat: Aus Ägyp­ten habe ich mein Kind geru­fen.

16Nun wur­de Hero­des sehr wütend, als er begriff, dass er von den wei­sen Astro­lo­gen getäuscht wor­den war. Er schick­te Leu­te und ließ in Bet­le­hem und Umge­bung alle Kin­der töten, die zwei Jah­re alt oder jün­ger waren, der Zeit ent­spre­chend, die er von den wei­sen Astro­lo­gen erfragt hat­te. 17Da wur­de erfüllt, was vom Pro­phe­ten Jere­mia gesagt wor­den war: 18 Eine Stim­me ist in Rama gehört wor­den, Wei­nen und gro­ßes Kla­gen. Rachel wein­te um ihre Kin­der und woll­te sich nicht trös­ten las­sen, weil sie nicht mehr leb­ten.

19 Als Hero­des gestor­ben war, seht, da erscheint in Ägyp­ten ein Engel Got­tes dem Josef im Traum. 20 Er sagt: »Brich auf, nimm das Kind und sei­ne Mut­ter mit und gehe ins Land Isra­el. Die­je­ni­gen, die dem Kind nach dem Leben trach­te­ten, sind tot.« 21 Er brach auf und nahm das Kind und des­sen Mut­ter mit und ging ins Land Isra­el.[2] 2#

 

 

Lie­be Gemein­de!

 

Für Josef war die letz­te Zeit alles ande­re als ein­fach gewe­sen. In unse­rer Spra­che war es eine sehr aus­ge­dehn­te und über­aus von Stress und Hek­tik bestimm­te Advents- und Weih­nachts­zeit gewe­sen. Stän­dig pas­sier­te etwas, das sein Leben ver­än­der­te. Nach mei­nem Ein­druck wäre er kein andäch­ti­ger Sän­ger von „Stil­le Nacht, hei­li­ge Nacht“ …

Er hat­te mit Maria eine Freun­din gefun­den, die er hei­ra­ten woll­te. Aber es stell­te sich über­ra­schend her­aus, dass sie ein Kind von einem ande­ren erwar­te­te, dem Hei­li­gen Geist, wie Mat­thä­us betont (Mt 1,18, vgl. 1,20). Eigent­lich hat­te Josef jetzt genug und woll­te ver­schwin­den, er hat­te aber einen Traum, in dem der Engel Got­tes ihm mit­teil­te, er wer­de als Vater gebraucht, weil er von David abstam­me – und Jesus sol­le doch auch von David abstam­men, damit der Stamm­baum stimm­te  (1,1ff, ins­be­son­de­re 16).

Josef ent­schließt sich zu blei­ben, nimmt Maria in sein Haus in Beth­le­hem, sie gebiert – und kei­ne Ruhe kehrt ein. Schon kom­men die drei wei­sen Astro­lo­gen aus dem Mor­gen­land, die bei Hero­des nach­ge­fragt hat­ten, wo der neue König der Juden gebo­ren sei. Hero­des wuss­te es nicht, aber die Ober­pries­ter und Schrift­ge­lehr­ten hat­ten eine star­ke Ver­mu­tung: in Beth­le­hem. Die wei­sen Astro­lo­gen hat­ten einen Stern gese­hen, der i. E. dar­auf hin­deu­te­te, dass etwas Ent­schei­den­des in Judäa pas­sie­ren wer­de. Und als sie in Rich­tung Beth­le­hem gin­gen, sahen sie die­sen Stern wie­der und er blieb über dem Haus ste­hen, wo Maria, Josef und das Kind waren.

Die wei­sen Astro­lo­gen ver­eh­ren den neu­en König der Juden, brin­gen ihm rei­che Geschen­ke – und erfah­ren im Traum, dass sie nicht zu Hero­des zurück­keh­ren sol­len und ihm mit­tei­len, wo das könig­li­che Kind Jesus sich genau befin­det. Hero­des will einen mög­li­chen Riva­len aus­schal­ten – und führt in Beth­le­hem einen flä­chen­de­cken­den Kin­der­mord durch. Doch der Engel Got­tes war zuvor dem Josef im Traum erschie­nen und hat­te ihn auf­ge­for­dert, mit dem könig­li­chen Kind, dem Sohn Davids, nach Ägyp­ten zu flie­hen, wo schon Abra­ham und die Söh­ne Jakobs hin geflo­hen waren. Durch die Flucht ent­kam Jesus der mör­de­ri­schen Absicht des Hero­des. Maria, Josef und Jesus blie­ben so lan­ge in Ägyp­ten bis Hero­des starb.[3] Dann kehr­ten sie zurück. Und bald begann die öffent­li­che Tätig­keit Jesu. Mög­li­cher­wei­se – wir erfah­ren es im Mat­thäu­sevan­ge­li­um nicht – konn­te Josef erst dann rich­tig beru­higt atmen und schla­fen. Jeden­falls wird er im Mat­thäu­sevan­ge­li­um dann nicht mehr direkt erwähnt.

Die Erzäh­lung hat seit dem ach­ten Jahr­hun­dert v. d. Z. lite­ra­ri­sche Vor­bil­der, bei dem berühm­ten König von Akkad Sar­gon ver­hielt es sich ähn­lich – und vor allem bei Mose, der vor der ägyp­ti­schen Tötung der männ­li­chen Neu­ge­bo­re­nen bewahrt wird, indem er im Nil in einem Körb­chen aus­ge­setzt und dann von einer ägyp­ti­schen Prin­zes­sin auf­ge­zo­gen wur­de. Schon bei Mose zeigt sich aber eine Ver­än­de­rung des lite­ra­ri­schen Mus­ters, dem­zu­fol­ge ein gesell­schaft­lich aus­ge­sto­ße­nes Kind König wird. Anders als Sar­gon wird Mose kein mäch­ti­ger König, son­dern der wich­tigs­te Ver­mitt­ler des gött­li­chen Geset­zes. Das stei­gert sich bei dem flüch­ti­gen Königs­kind Jesus noch. Sein Flücht­lings­sta­tus bleibt an ihm haf­ten. Er wird als Sohn Got­tes und Davids kei­nes­wegs König der Juden im Land Isra­el. Jeru­sa­le­mer Auto­ri­tä­ten, Volks­men­ge und die Römer sor­gen dafür, dass er gekreu­zigt wird. Nur auf die­se befremd­li­che Wei­se wird er „der König der Juden“, als vom römi­schen Reich Hin­ge­rich­te­ter  und aus der mensch­li­chen Gesell­schaft Aus­ge­schlos­se­ner.
Am Kreuz bete­te er mit Psalm 22 als Gott­ver­las­se­ner. Als das geschah, trat eine welt­wei­te Son­nen­fins­ter­nis ein (vgl. Mt 27,45) – ein Phä­no­men, das die wei­sen Astro­lo­gen aus dem Mor­gen­land sicher schon vor­aus­be­rech­net hat­ten und jeden­falls jetzt auch beob­ach­ten konn­ten.[2]

Han­nah Arendt hat 1943 das Flücht­lings­schick­sal in ihrem berühm­ten Essay We Refu­gees („Wir als Flücht­lin­ge“) beschrie­ben – ein immer noch sehr wich­ti­ger Text. Bei dem Königs­kind Jesus ver­hält es sich so, dass er auch in sei­nem Hei­mat­land Isra­el oder in der römi­schen Pro­vinz Judäa, auch in Gali­läa ein Flücht­ling, ein Frem­der blieb, mit gro­ßen Reden, unter denen die Berg­pre­digt her­vor­ragt. Er erwähnt stets das Schick­sal der Armen, Aus­ge­grenz­ten, Aus­ge­schlos­se­nen, erhält dafür z. T. Bei­fall, bleibt aber letzt­lich selbst aus­ge­schlos­sen, weil die Volks­men­ge einen mut­maß­li­chen Zelo­ten, den Bar­ab­bas, ihm vor­zieht.

Jesus hat­te sich nicht so ange­passt, wie man/frau so ist bzw. zu sein hat, son­dern selbst Bei­trä­ge dazu gelie­fert, wie gutes Leben sein könn­te. Er fand eine klei­ne Anhän­ger­schaft – vor­über­ge­hend war sei­ne Popu­la­ri­tät grö­ßer. Das Land hat­te meh­re­re Kul­tu­ren und er sprach Ara­mä­isch, Hebrä­isch und Grie­chisch[4]. Aber in den bei­den wich­tigs­ten Kul­tu­ren wur­de er nicht hei­misch, son­dern er blieb mit sei­nen Auf­fas­sun­gen fremd. Popu­lär waren letzt­lich sei­ne Wun­der­ta­ten, aber Fein­des­lie­be? Nein, das erschien nur für weni­ge ange­sagt. Ob es dabei auch geblie­ben ist? So sahen die wei­sen Astro­lo­gen jene welt­wei­te Son­nen­fins­ter­nis, als er am Kreuz starb. Hat­te jener Komet bzw. jene Kon­junk­ti­on am Him­mel nichts bedeu­tet? Waren sie umsonst nach Beth­le­hem gereist – und hat­ten ihre Geschen­ke allen­falls die Zeit des könig­li­chen Kin­des in Ägyp­ten etwas erleich­tert?

Lie­be Gemein­de!

Wor­um es in der Erzäh­lung von der Flucht nach Ägyp­ten und von den Wei­sen aus dem Mor­gen­land geht, ist die Ein­sicht, dass die Zeit der Erzäh­lung durch die Inter­na­tio­na­li­sie­rung bzw. Glo­ba­li­sie­rung der Geschich­te bestimmt war, das Juden­tum ent­spre­chend schon als Welt­re­li­gi­on agier­te. Und die Erzäh­lung bezieht sich auf die domi­nan­ten Welt­mäch­te der Ver­gan­gen­heit, die Sume­rer, Assy­rer, Baby­lo­ni­er und die Ägyp­ter. Hero­des der Gro­ße ist ein Statt­hal­ter­kö­nig von römi­schen Gna­den – und Pila­tus ist römi­scher Statt­hal­ter, das ist die gegen­wär­ti­ge Welt­macht. Das Modell enger Natio­na­li­tät oder eth­ni­scher Beschrän­kung war zur­zeit der Erzäh­lung kein Ernst zu neh­men­des Modell mehr, falls es biblisch jemals eines war (vgl. die Urge­schich­te [Gen 1-11] und ins­ge­samt das Buch Gene­sis).

1948 erklär­ten die Ver­ein­ten Natio­nen die Men­schen­rech­te, die Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on ent­stand. Die krea­ti­ve und unab­hän­gi­ge Den­ke­rin Arendt woll­te aber mehr. Natür­lich ist es uner­läss­lich, dass man/frau die Spra­che des Lan­des erlernt, in das man/frau flieht. Arendt besteht aber dar­auf, dass man/frau ein selbst­be­stimm­tes Indi­vi­du­um bleibt – und einen eige­nen Bei­trag zur Kul­tur des auf­neh­men­den Lan­des leis­ten kann.

Was wir im letz­ten hal­ben Jahr erlebt haben, war der Streit dar­über, was dann pas­siert, wenn die Fik­ti­on nicht mehr auf­recht­zu­er­hal­ten ist, dass die Welt­pro­ble­me bit­te drau­ßen blei­ben sol­len. Von viel­leicht unfrei­wil­li­ger Iro­nie war die For­de­rung geprägt, dass die Flücht­lin­ge eine Ver­pflich­tungs­er­klä­rung auf das Grund­ge­setz unter­schrei­ben soll­ten, wozu nicht zuletzt die Aner­ken­nung der Gleich­be­rech­ti­gung der Geschlech­ter und die Akzep­tanz von Homo­se­xua­li­tät gehö­ren soll­ten. Bei­des ist durch das Grund­ge­setz tat­säch­lich gedeckt, aber ob die Flücht­lin­ge das eher unter­zeich­nen müs­sen als vie­le Bürger/innen in Baden-Würt­tem­berg und Rhein­land-Pfalz ist mir ganz unver­ständ­lich geblie­ben. Denn bei­des wird von bestimm­ten Grup­pen dort infra­ge gestellt. Zah­len­mä­ßig sind das mut­maß­lich mehr Men­schen als die Flücht­lin­ge, die das eben­falls nicht tei­len.

Aber ich fin­de es gut, dass die UNO-Men­schen­rechts­er­klä­rung von 1948 und das Grund­ge­setz Aus­gangs­punkt sein sol­len. Dann ist auch klar, dass Reli­gi­ons­frei­heit gilt – und für alle reli­giö­sen Grup­pen das Modell der Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts offen steht. Denn die Gesell­schaft des Grund­ge­set­zes ist eine plu­ra­le Gesell­schaft – und es gibt meh­re­re Reli­gio­nen.

Mit der im Vor­der­grund ste­hen­den Reli­gi­on des Islam ist das Pro­blem seit dem Mit­tel­al­ter gelöst, Tho­mas von Aquin, Mai­mo­ni­des und Aver­roes bzw. Ibn Rushd sahen das schon so. Juden­tum, Chris­ten­tum und Islam ver­eh­ren den­sel­ben Gott, aber auf unter­schied­li­che Wei­se. Eini­ge mei­ner Mar­bur­ger Leh­rer haben die­ses Kon­zept so inter­pre­tiert, dass sich Gott auch unter­schied­lich zei­ge. Dass es der­sel­be Gott ist, geht ein­fach aus einer ruhi­gen Lek­tü­re von Koran und Bibel her­vor. Wah­ha­bi­ti­sche Extre­mis­ten, christ­li­che und jüdi­sche Fundamentalist/inn/en sowie Isla­mo­pho­be kön­nen dar­an nichts ändern und müs­sen sich auf  ihre man­geln­de Bil­dung, vor allem ihre Unkennt­nis von Bibel und Koran anspre­chen las­sen.

Noch kom­pli­zier­ter ist das Ver­hält­nis zu den asia­ti­schen Reli­gio­nen, die kein zen­tra­les Got­tes­kon­zept ken­nen.

Die­sen auch exis­ten­zi­ell ent­schei­den­den Fra­gen müs­sen wir uns nach die­sem auf­re­gen­den Jahr stel­len. Denn die kom­ple­xe Wirk­lich­keit in der Welt ist bei uns in Deutsch­land, Hei­del­berg und Gries­heim ange­kom­men. Und wir hören es ger­ne, wenn Sach­sen und Bay­ern, das gilt auch für man­che Schwa­ben, den Gebrauch der deut­schen Spra­che ein­for­dern. Wie unser Pre­digt­text aber heu­te deut­lich macht, reicht eine und sei es die schö­ne deut­sche Spra­che für das Ver­ständ­nis der welt­wei­ten Wirk­lich­keit nicht aus. Selbst Jesus sprach wohl meh­re­re Spra­chen. Sein frü­hes Flücht­lings­schick­sal wur­de für sein Leben bedeut­sam. Der­je­ni­ge, der sich in meh­re­re Kul­tu­ren hin­ein­ver­set­zen konn­te und einen eige­nen Bei­trag zu die­sen Kul­tu­ren leis­ten woll­te, starb am Kreuz und wur­de von die­sen Kul­tu­ren aus­ge­schlos­sen. Da er für Gewalt­lo­sig­keit ein­trat, muss­te er das hin­neh­men. Und dem Mat­thäu­sevan­ge­li­um nach setzt sich nur auf die­se Wei­se sein König­reich durch – bzw. Got­tes neue Welt, wie Lui­se Schott­roff sagt.

Ich fin­de, dass in den letz­ten Tagen doch öfter die Son­ne durch­ge­bro­chen ist, sodass wir das als gutes Zei­chen neh­men dür­fen, dass sich Got­tes neue Welt durch­setzt – und kei­ne andau­ern­de Son­nen­fins­ter­nis herrscht.

 

Amen

[2] Ich fol­ge teil­wei­se der Über­set­zung von Lui­se Schott­roff in der „Bibel in gerech­ter Spra­che“.

[3] Zu den his­to­ri­schen Ver­mu­tun­gen vgl. hier. Die Vor­ge­schich­te des Lk erzählt eine ande­re Geschich­te, die sich um die Hir­ten und und das Sym­bol der Krip­pe orga­ni­siert, auch die his­to­ri­schen Zei­ten sind um Jah­re anders loka­li­siert. Z. B. in den Krip­pen­spie­len wer­den bei­de Vor­ge­schich­ten addiert, was sehr oft zur Ver­ken­nung der mat­thäi­schen Poin­te führt. Hier sind die Wei­sen aus dem Mor­gen­land, die Stern­deu­ter sind, mit dem Flucht­mo­tiv ver­bun­den. Sym­bol ist der Stern von Beth­le­hem. Es gibt auch kei­ne Krip­pe, son­dern die wei­sen Astro­lo­gen ver­eh­ren Jesus im Haus, das dann flucht­ar­tig ver­las­sen wer­den muss. Zu einem eher jugend­ori­en­tier­ten Ansatz vgl. den Bochu­mer katho­li­schen Kol­le­gen Tho­mas Söding. M. E. ist das Flucht­mo­tiv zumin­dest für die mat­thäi­sche Chris­to­lo­gie basal.

[4] In die­ser Hin­sicht geben die Evan­ge­li­en m. E. einen his­to­ri­schen Sach­ver­halt wie­der. Vor allem die Sze­nen mit Pila­tus legen das nahe. Es ist wich­tig zu erken­nen, dass die Gegend seit dem fünf­ten Jahr­hun­dert v. d. Z. immer von ande­ren Mäch­ten besetzt war, die Mak­ka­bä­er­pha­se bil­det eine Aus­nah­me. Lin­gua fran­ca war seit dem drit­ten Jahr­hun­dert v. d. Z. Grie­chisch, auch in Ägyp­ten.

[1] Ich habe mich ent­schlos­sen, mei­ne Ver­si­on der geschlech­ter­ge­rech­ten Rede anzu­wen­den.

[2] Wahr­schein­lich liegt im Mat­thäu­sevan­ge­li­um ein geschicht­li­ches Wis­sen dar­über vor, dass die baby­lo­ni­schen Hof­wei­sen Son­nen­fins­ter­nis­se vor­aus­sa­gen konn­ten und dies in der Regel als Pro­blem des jewei­li­gen Königs Baby­lons deu­te­ten. Soweit ich sehe, ist noch nicht klar, inwie­weit sich dar­in schon eine (kla­re) natur­wis­sen­schaft­li­che Ratio­na­li­tät zeig­te. Immer­hin dürf­te den Astro­lo­gen bewusst gewe­sen sein, dass eine Span­nung zwi­schen Bere­chen­bar­keit und numi­no­ser Funk­ti­on lie­gen könn­te.

 

« Schö­ne und geseg­ne­te Fei­er­ta­ge! – Der Ungeist von Char­lie Heb­do (ohne Wor­te) »

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Jesus als Flücht­ling (Mt 2,8ff [EfG Gries­heim]) ist Beitrag Nr. 4730
Autor:
Martin Pöttner am 23. Dezember 2015 um 17:01
Category:
Religiöse Rede
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