Zum Inhalt springen


Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Veranstaltungen am 15. Dezember in Darmstadt

2. Röm 3,21-4,3 (TUD)

Pro­to­kol­lan­tin: Miri­am Seipp

 

Der Dozent greift zu Beginn das Pro­to­koll der letz­ten Stun­de auf. Es gibt kei­ne Rück­fra­gen.

Das Haupt­the­ma der Semi­nar­ein­heit ist der Text Röm 3, 21 – 4,3, in dem von Pau­lus Bezug auf Gen 15 genom­men wird. Gen 15 wur­de in der letz­ten Sit­zung bespro­chen.

21 Jetzt! unab­hän­gig

von der Tora ist Got­tes *Gerech­tig­keit sicht­bar gewor­den, bezeugt von der

*Tora, den Pro­phe­tin­nen und Pro­phe­ten: 22 Got­tes Gerech­tig­keit durch Ver­trau­en

auf Jesus, den *Mes­si­as, für alle, die *ver­trau­en. Denn es besteht kein

Unter­schied. 23 Alle haben ja *Unrecht began­gen, allen fehlt die *Klar­heit

Got­tes. 24 Gerech­tig­keit wird ihnen als Geschenk zuge­spro­chen kraft der

*Zuwen­dung Got­tes als Frei­kauf, der im Mes­si­as Jesus voll­zo­gen wird. 25 Ihn

hat Gott als ein durch *Ver­trau­en wirk­sam und wirk­lich wer­den­des *Mit­tel

der Gegen­wart Got­tes, als Ort, an dem Unrecht gesühnt wird, in sei­nem Blut

öffent­lich hin­ge­stellt. Dies war der Erweis gött­li­cher Gerech­tig­keit, die zuvor

began­ge­nen *Ver­feh­lun­gen einen Auf­schub gewährt hat. 26Damit sich gött­li­che

Gerech­tig­keit jetzt! zum gegen­wär­ti­gen Zeit­punkt erwei­sen kann, hat

Gott das Gericht bis­her zurück­ge­hal­ten. So ist Gott selbst gerecht und macht

die gerecht, die durch *Ver­trau­en auf Jesus leben.

27Können wir dann noch auf etwas stolz sein? Das ist aus­ge­schlos­sen. Wel­ches

Ver­ständ­nis der *Tora ist gemeint? – eines, das allein auf Anstren­gun­gen

basiert? Nein, das ist es nicht, son­dern eines, das auf *Ver­trau­en grün­det.

28Nach reif­li­cher Über­le­gung kom­men wir zu dem Schluss, dass Men­schen

auf Grund von *Ver­trau­en gerecht gespro­chen wer­den – ohne dass schon

alles geschafft wur­de, was die *Tora for­dert. 29Oder ist *Gott allein Gott jüdi­scher

Men­schen? Und nicht auch Gott der *Völ­ker? Ja, gewiss: auch der

Völ­ker. 30So gewiss Gott die Eine ist! Sie spricht die Beschnit­ten­heit auf

Grund ihres Ver­trau­ens gerecht und auch die Unbe­schnit­ten­heit durch das

Ver­trau­en. 31Heißt das, dass wir die Tora durch das Ver­trau­en außer Kraft

set­zen? Ganz gewiss nicht! Viel­mehr bestä­ti­gen wir die Gel­tung der Tora.

4 1Was fol­gern wir dar­aus? Ver­ste­hen wir Abra­ham nur hin­sicht­lich unse­rer

*leib­li­chen Abstam­mung als Vor­fah­ren? 2Wenn Abra­ham auf

Grund von guten Taten gerecht gespro­chen wur­de, so kann er begrün­det

stolz dar­auf sein. Das gilt aber nicht im Blick auf sein Ver­hält­nis zu Gott.

3Was sagt denn die Schrift dazu? Abra­ham *ver­trau­te Gott. Das wur­de ihm

als Gerech­tig­keit ange­rech­net. (Bibel in
gerech­ter Spra­che, hier und in der Fol­ge)

 

Die Kern­aus­sa­ge des Tex­tes besagt, dass allein der Glau­be aus­reicht, egal ob beschnit­ten oder nicht.

Die „Bibel in gerech­ter Spra­che“ über­setzt „pis­tis“ mit „Ver­trau­en“, wäh­rend bei Luther an sel­ber Stel­le „Glau­be“ geschrie­ben steht. Dies macht jedoch kei­nen nen­nens­wer­ten Unter­schied aus.

Es geht bei Pau­lus stets um das Pro­blem, was auch inner­halb des frü­hen Chris­ten­tums lan­ge umstrit­ten war. Näm­lich ob die Wei­ter­ent­wick­lung, die mit Jesus auf­ge­tre­ten ist wei­ter­hin die Beschnei­dung erfor­dert. In den Pau­lus­brie­fen wird ein­deu­tig klar, dass Pau­lus die Beschnei­dung ablehnt. Es ist somit laut Pau­lus uner­heb­lich, ob Män­ner (als [poten­zi­el­le] Haus­vä­ter) beschnit­ten sind oder nicht, son­dern es zählt allein der Glau­be bzw. das Ver­trau­en. Begrün­det wird dies in der Schrift durch Röm 3, 28 und 31 wie folgt:

… 28Nach reif­li­cher Über­le­gung kom­men wir zu dem Schluss, dass Men­schen

auf Grund von *Ver­trau­en gerecht gespro­chen wer­den – ohne dass schon

alles geschafft wur­de, was die *Tora for­dert.“…

 

…31Heißt das, dass wir die Tora durch das Ver­trau­en außer Kraft

set­zen? Ganz gewiss nicht! Viel­mehr bestä­ti­gen wir die Gel­tung der Tora.“

 

Pau­lus bezieht sich mit Röm 4,3 auf den Text Gen 15,6, denn Abra­ham ver­trau­te auf Gott, was ihm zur Gerech­tig­keit ange­rech­net wor­den ist.

Somit kann auch Gen 22 auf die­se Wei­se inter­pre­tiert wer­den, wel­cher sich auf die soge­nann­te „Opfe­rung“ bezieht. Das Ver­trau­en Abra­hams wur­de hier­bei auf die Pro­be gestellt.

Pau­lus behaup­tet, alle haben Feh­ler gemacht, die soge­nann­ten Hei­den sowie auch die Juden. Dem­nach kann sich kei­ner auf die eige­ne Leis­tung bezie­hen, denn alle haben gesün­digt. Gott erkennt an, dass das Lei­den und der Tod des gerech­ten Mär­ty­rers Jesus vor dem Hin­ter­grund des 4. Mak­ka­bä­er-Buchs (17,23), die bis­her gesche­he­nen Sün­den sühnt. Die nach­fol­gen­den Sün­den sind davon jedoch nicht betrof­fen. Pau­lus zwei­felt nicht an der Sinn­haf­tig­keit vie­ler Geset­ze der Tora, jedoch sind die Bezie­hung und das Ver­trau­en zu Gott ele­men­ta­rer und das macht es leich­ter vie­le Gebo­te zu erfül­len. Die zwang­haf­te Erfül­lungs­pflicht, um sich selbst zu recht­fer­ti­gen, wird dadurch auf­ge­ho­ben.

Die­se Posi­ti­on ist bis zum heu­ti­gen Tag der Haupt­as­pekt, der erken­nen lässt, dass schon bei Pau­lus die Tren­nung vom Juden­tum beginnt. Denn das Beschnei­dungs­ri­tu­al ist das zen­tra­le Initia­ti­ons­ri­tu­al des Juden­tums mit dem Nach­teil, dass es nur an Män­nern voll­zo­gen wird. Es ist somit ein patri­ar­cha­li­sches Ritu­al. Die christ­li­che Ent­spre­chung zu die­sem Ritu­al ist die Tau­fe. Für tief­sin­ni­ge Ver­tre­ter des Juden­tums wird das Ent­fer­nen der Vor­haut oder eines Tei­les der Vor­haut am männ­li­chen Penis als schmerz­haf­te Ver­let­zung anstel­le des ver­dien­ten Todes gese­hen. Dies wird in Ex 4, 24-26 fol­gen­der­ma­ßen the­ma­ti­siert:

… 24 Ein­mal, als sie unter­wegs über­nach­te­ten, über­fiel Er den Trupp und

woll­te Mose töten. 25Da nahm Zip­po­ra einen schar­fen Stein, schnitt damit

die Vor­haut ihres Soh­nes ab und berühr­te Moses Scham. Sie sag­te dabei: »Ja,

sei mir ein Blut­bräu­ti­gam!« 26Der Angrei­fer ließ von ihm ab, weil sie bei der

Beschnei­dung ›Blut­bräu­ti­gam‹ gesagt hat­te…

 

Mose soll die Israe­li­ten aus Ägyp­ten füh­ren, wird jedoch auf sei­nem Weg so zu sagen vom Herrn über­fal­len. Der Herr will ihn töten. Sei­ne Frau Zip­po­ra beschnei­det dar­auf­hin ihren Sohn und betupft mit dem Blut den Penis von Mose. Hier­bei wird die Funk­ti­on der Beschnei­dung beschrie­ben. Im Juden­tum tritt die­se Ver­let­zung an die Stel­le der eigent­lich ver­dien­ten Tötung des Men­schen.

Wenn laut Pau­lus alle gesün­digt haben, müss­ten somit eigent­lich alle Men­schen getö­tet wer­den. Im Juden­tum wird dies durch die Beschnei­dung der Män­ner auf­ge­ho­ben. Für die christ­li­che Wei­ter­ent­wick­lung, laut Pau­lus in Röm 6, wur­den alle Men­schen in den Tod Jesus getauft. Dem­nach hat Pau­lus den Ritu­al­as­pekt des Töd­li­chen sehr genau über­tra­gen. Sowohl Män­ner wie Frau­en wer­den getauft und damit von den Sün­den frei gespro­chen und sind gleich­sam wie auf­er­weckt.

Ein wich­ti­ger Aspekt, den es hier zu beach­ten gibt, ist das laut Röm 3, 25 nur die ver­gan­ge­nen Sün­den gesühnt sind. Gott hat den Mär­ty­rer­tod Jesu für den Glau­ben aner­kannt, als Süh­ne in sei­nem Blut zum Erweis sei­ner Gerech­tig­keit, indem er die Sün­den ver­gibt, die frü­her in der Zeit Got­tes Geduld began­gen wur­den, um nun in die­ser Zeit sei­ne Gerech­tig­keit zu erwei­sen. Gerecht für den, der da lebt aus dem Glau­ben oder Ver­trau­en an den Chris­tus Jesus. Gott spricht die­je­ni­gen gerecht, die auf Jesus Chris­tus ver­trau­en.

Der Kreu­zes­tod, wie bei Pau­lus beschrie­ben wird, hat dem­nach nicht alle Sün­den gesühnt, was oft falsch ver­stan­den wird. Nur die Ver­gan­ge­nen Sün­den sind gesühnt.

Luther hat­te wäh­rend sei­ner Mönchs­pha­se im Erfur­ter Augus­ti­ner Klos­ter eine sehr enge Fröm­mig­keit. Er such­te dau­ernd nach sei­nen Feh­lern. Spä­ter kam er jedoch durch Pau­lus und den Abra­ham-Text in Gen 15 dazu, dass letzt­lich der Glau­be oder das Ver­trau­en des Men­schen aus­schlag­ge­bend sind. Nur dann kön­nen auch die ethisch rich­ti­gen Din­ge gesche­hen. Ins­ge­samt sind Pau­lus und Luther der Mei­nung, dass sich eine gute Ethik nicht ergibt wenn man unter Druck agiert. Denn man tut nicht Gutes um geret­tet zu wer­den, son­dern man tut Gutes um Gutes zu tun. So kommt man auf eine auto­no­me Ethik und unter­schei­det die ein­zel­nen Tex­te und Gesetzt anhand der Sinn­haf­tig­keit. Die­se Dis­kus­si­on fängt bereits im Juden­tum schon seit dem 3. Jh. vor der Zeit­rech­nung an. Pau­lus legt es hier jedoch ganz offen zu Tage.

Gen. 22, wel­ches die Ver­su­chungs­si­tua­ti­on ent­hält, kann man als Test­si­tua­ti­on für die­ses Ver­trau­en oder den Glau­ben inter­pre­tie­ren.

Der soge­nann­te Leit­text hier­für ist Gen 15, 6, weil er begrün­den kann wie­so ein gro­ßer Teil der Gebo­te nicht mehr gel­tend sein soll­ten.

Die Erb­sün­de ist ein Feh­ler in der dog­ma­ti­schen Ent­wick­lung seit Augus­tin. Geschicht­lich war Augus­tin, ein Phi­lo­soph und guter Red­ner, sehr durch sei­ne star­ke Sexua­li­tät geprägt. Beein­flusst durch sei­ne Mut­ter wur­de er schließ­lich zu Chris­ten­tum hin­be­wegt und kri­ti­sier­te sein bis­he­ri­ges Leben, bis hin zur Selbst­kas­tra­ti­on.

Er inter­pre­tier­te Gen 2 und 3 so, dass die Ursün­de dar­in bestehe, dass der Mensch sein will wie Gott usw. Die­se Ursün­de sei ver­erb­bar und kön­ne durch den Geschlechts­akt wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Die katho­li­sche Kir­che ist bis heu­te noch nicht von die­ser Theo­rie kom­plett befreit.

Luther ver­tritt eine ande­re Mei­nung. Laut Luther ist die Sexua­li­tät etwas Gutes. Folg­lich kann die Sün­de auch nicht auf die­sem Wege über­tra­gen wer­den.

Die 4 fälsch­lich soge­nann­ten „Erb­sün­den“ (und/oder Fol­gen) sind:

  1. Der Mensch will sein wie Gott. (Tat­säch­lich kann er nach 3,22 genau­so gut über „Gut“ und „Böse“ urtei­len wie Gott.
  2. Die Schmer­zen bei der Geburt.
  3. Der Tod.
  4. Der Mann muss im Schwei­ße sei­nes Ange­sichts arbei­ten.

Unter ande­rem ist der eigent­li­che Sinn die­ser Geschich­te, wie der Mensch zum Kul­tur­we­sen wird und plötz­lich Gut und Böse unter­schei­den kann. Dadurch ist jedoch nicht alles nur Gut gewor­den. Ein gro­ßer Nach­teil ist bei­spiels­wei­se, dass das Geschlech­ter­ver­hält­nis bis heu­te noch nicht voll­stän­dig geklärt ist. Des Wei­te­ren soll die Frau eine stär­ke­re Libi­do besit­zen und den Mann begeh­ren, wobei die­ser ihr Herr ist: der klas­si­sche patri­ar­cha­li­sche Satz.

Die Geschich­te ist ein Ver­such die Pro­ble­me der Kul­tur zu the­ma­ti­sie­ren.

Das Tauf­be­kennt­nis von Pau­lus in Gal 3, 26-28 zitiert jedoch ein neu­es Ver­ständ­nis, wo auch das Ver­hält­nis von Män­nern und Frau­en anders inter­pre­tiert wird.

26 Ihr alle näm­lich seid Got­tes *Kin­der im

Mes­si­as Jesus durch das Ver­trau­en. 27Denn alle, die ihr in den Mes­si­as hin­ein­ge­tauft seid, habt den Mes­si­as ange­zo­gen wie ein Kleid. 28Da ist nicht

jüdisch noch grie­chisch, da ist nicht ver­sklavt noch frei, da ist nicht männ­lich

und weib­lich: denn alle seid ihr ein­zig-einig im *Mes­si­as Jesus.

 

Dem­nach ist die Beschnei­dung des Man­nes, als ein patri­ar­cha­li­sches Ritu­al, laut Chris­tus nicht not­wen­dig. Die Tau­fe wird bei bei­den Geschlech­tern voll­zo­gen, da es laut dem Text kei­nen rele­van­ten Unter­schied in Chris­tus gibt, was schon in Gen 1 beschrie­ben wird. Die Beschnei­dung wird somit durch die Tau­fe ersetzt. Dabei wird kein Unter­schied gemacht. Es bezieht sich auf alle, denn sowohl die Juden als auch die Hei­den haben stän­dig gesün­digt.

 

Der Dozent macht am Ende auf einen Vor­trag über die Flücht­lings­the­ma­tik auf­merk­sam, der am 19.01.2016 um 13:30-14:30 Uhr in S4 22/4 statt­fin­den wird. Eben­so pre­digt er am 27.12. zu die­sem The­ma in der EfG Gries­heim.

 

Auf­ga­ben zur nächs­ten Sit­zung

  1. Lesen Sie Jako­bus 2,18-24 und vgl. sie das mit Pau­lus!
  2. Wor­auf bezieht sich Jako­bus mut­maß­lich in sei­ner Abra­ha­min­ter­pre­ta­ti­on?

« Veranstaltungen am 14. und 15. Dezember in Heidelberg und Darmstadt – Veranstaltungen am 15.12. in Darmstadt »

Info:
Veranstaltungen am 15. Dezember in Darmstadt ist Beitrag Nr. 4724
Autor:
Martin Pöttner am 19. Dezember 2015 um 11:39
Category:
Die Bedeutung des Alten Testaments für das Neue Testament
Tags:
 
Trackback:
Trackback URI

Keine Kommentare »

No comments yet.

Kommentar-RSS: RSS feed for comments on this post.

Leave a comment