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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Veranstaltungen am 08.12. in Darmstadt

2               Gen 15,1-6 und Gen 22,1-13 (Theologie des Neuen Testaments)

Wie schon an Gen 1,26ff und Gen 2f bemerkt, sind die Hei­li­gen Schrif­ten der Juden nicht ein­heit­lich, was sich in unter­schied­li­chen Rezep­tio­nen die­ser Tex­te nie­der­schlägt  – und  sich dann auch im Ver­hält­nis des AT zum Neu­en Tes­ta­ment zeigt.

Anhand der mög­li­chen Span­nung von Gen 15,1-6 und Gen 22,1-13 wur­de das prä­sent. Die Teilnehmer/innen erar­bei­te­ten und erör­ter­ten Lösungs­vor­schlä­ge.

Wir wuss­ten schon aus Gen 12,1-3, dass Abra­ham der Stamm­va­ter vie­ler Men­schen und Völ­ker­grup­pen sein soll, so die Ver­hei­ßung. Nun zeigt sich das Pro­blem, dass Sara kei­nen Sohn gebiert, als drän­gend. Offen­bar reicht der Sohn der Skla­vin Isma­el nicht aus. Daher scheint alles an einen Skla­ven zu fal­len.

Doch der Herr erneu­ert sei­ne Ver­hei­ßung ange­sichts der Kla­ge Abra­hams. Und die berühm­te For­mu­lie­rung lau­tet dann, dass Abra­ham dem Herrn ver­trau­te – und ihm das zur Gerech­tig­keit ange­rech­net wur­de (Luther, eine rich­ti­ge Über­set­zung der Stel­le). „Glau­ben“ ist hier tat­säch­lich am bes­ten als „ver­trau­en“ wie­der­zu­ge­ben.

Erwo­gen wur­de, ob auch in Gen 15,1ff eine Test­si­tua­ti­on vor­liegt, die Abra­ham mit sei­nem Ver­trau­en dann bestand.

Jeden­falls ist das in Gen 22,1ff der Fall, wie der aukt­oria­le Erzäh­ler mit­teilt. Der Herr woll­te Abra­ham ver­su­chen. Zu den Erzähl­mo­del­len vgl. hier. Eine der­ar­ti­ge lite­ra­ri­sche Inter­pre­ta­ti­on von bibli­schen Tex­ten führt sehr oft wei­ter. Zu der frü­he­ren reli­gi­ons­ge­schicht­li­chen Inter­pre­ta­ti­on des Tex­tes vgl. hier. Folgt man frei­lich dem Hin­weis des Erzäh­lers, dann ist die Fra­ge: Vor wel­chem Hin­ter­grund ver­sucht JHWH Abra­ham? Die ein­fachs­te Lösung wäre: ob das Ver­trau­en Abra­hams auch dann anhält, wenn er die Opfe­rung des ver­hei­ße­nen Sohns von ihm ver­langt? Dafür sprä­che, dass Abra­ham Isaak beru­higt, der Herr wer­de sich ein Opfer­tier aus­wäh­len. Und so ist ja auch der Aus­gang der Erzäh­lung: Glück­li­cher­wei­se ist ein sol­ches Opfer­tier da.

Eine ande­re Mög­lich­keit besteht dar­in, der Herr wol­le den (blin­den) Gehor­sam Abra­hams tes­ten. Und erst als er den Arm erhebt, um Isaak zu töten, ist die­ser Gehor­sam bewie­sen.

Eine ein­deu­ti­ge Lösung lässt sich kaum erbrin­gen. Man/frau muss sich mit den Tex­ten aus­ein­an­der­set­zen und argu­men­tie­ren. Das führt zu der Fra­ge: Was hat die prä­ka­no­ni­sche Edi­ti­on für ein Leser/in­nen-Modell? Dabei geht es um die Fra­ge, was set­zen die Edi­ti­on und schon die Tex­te der Hei­li­gen Schrif­ten der Juden für eine/n implizite/n Leser/in vor­aus? Offen­bar nie­man­den, der die Schwie­rig­kei­ten bei einer schlich­ten logi­schen Betrach­tung der Tex­te igno­riert. Son­dern es wird von den Leser/innen erwar­tet, dass sie sich ein eige­nes Urteil bil­den – und die­ses mit ande­ren Men­schen dis­ku­tie­ren.

M. E. hat die his­to­risch-kri­ti­sche Erfor­schung der Bibel die­sen Aspekt völ­lig aus­ge­blen­det und die Schwie­rig­kei­ten und Inko­hä­ren­zen der Tex­te zumeist quel­len­kri­tisch zu lösen ver­sucht. Erst in den letz­ten drei­ßig Jah­ren hat sich hier etwas geän­dert.

Aufgaben zur nächsten Sitzung

  1. Lesen Sie Röm 3,23 bis 4,3 und ver­su­chen Sie den Text vor dem Hin­ter­grund der bereits dis­ku­tier­ten Tex­te aus Gen 12ff zu ver­ste­hen!

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Info:
Veranstaltungen am 08.12. in Darmstadt ist Beitrag Nr. 4695
Autor:
Martin Pöttner am 9. Dezember 2015 um 17:07
Category:
Die Bedeutung des Alten Testaments für das Neue Testament
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