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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Ver­an­stal­tun­gen am 30.11. und 01.12. in Hei­del­berg und Darm­stadt

1. Zwei­te Sit­zung zum Johan­ne­s­pro­log (Uni Hd)

Es gab Rück­fra­gen zu dem Inter­pre­ta­ti­ons­an­satz des Dozen­ten zu sei­ner Lek­tü­re von bestimm­ten Zei­chen als Exis­tenz­me­ta­phern. Aus καὶ ἡ ζωὴ ἦν τὸ φῶς τῶν ἀνθρώπων (1,4b) dürf­te das fol­gen. Die ζωὴ … erleuch­tet die Men­schen. Zugleich zeigt der Rück­be­zug in 1,4a, dass der λόγος als gött­li­cher Aspekt des Kos­mos auf die­se Ket­te von Wort­spie­len bezo­gen ist. Die Rede von den „Exis­tenz­me­ta­phern“ folgt daher dem Grund­zug der Inter­pre­ta­ti­on Bult­manns im Johan­nes­kom­men­tar und dem Johan­nes­teil sei­ner „Theo­lo­gie des Neu­en Tes­ta­ments“. D. h., dass der Got­tes­be­zug der Men­schen meta­pho­risch aus­ge­drückt wird, eben­so aber auch die Ver­schlos­sen­heit gegen­über Gott in σκοτία und σάρξ.

Die Sit­zung war dann weit­hin der Bespre­chung des Über­set­zungs­vor­schlags von Hartenstein/Petersen in der „Bibel in gerech­ter Spra­che“ gewid­met.

Der Ver­such mit „im Mut­ter­schoß des Vaters“ (1,18) kann als sym­me­trie­be­ton­ter Ver­such gewer­tet wer­den, der auch durch 1,13 ange­sto­ßen sein könn­te (jeden­falls dadurch gerecht­fer­tigt wer­den kann), bei dem viel­leicht Geschmacks­fra­gen gestellt wer­den dürf­ten. Eben­so fällt das aus anti­ken Tex­ten, die Hartenstein/Petersen mut­maß­lich ken­nen, nicht her­aus.

Der Dozent bemüh­te sich, die Betei­li­gung mög­lichst vie­ler Teil­neh­me­rin­nen zu errei­chen. Dabei geht es vor allem um die unüber­setzt geblie­be­ne Pas­sa­ge: … ἐκεῖνος ἐξηγήσατο. Es wur­de zunächst ein wenig gera­ten, ob die Über­set­zung irgend­wie aus dem Grie­chi­schen erklär­bar sei: … jener ist uns vor­an­ge­gan­gen. Har­ten­stein und Peter­sen erläu­tern das nicht, der Hin­weis auf 20,17 zeigt, dass sie mei­nen, dass die Weis­heit wie­der zum „Vater“ zurück­kehrt. Wir sahen uns 14,2 an, wo Jesus schil­dert, dass er nach sei­ner Rück­kehr zum Vater, „Woh­nun­gen“ für sei­ne Schüler/innen schaf­fen wer­de.

Tat­säch­lich lau­tet der Text: Jener hat (ihn) (uns) aus­ge­legt. Das gilt m. E. auch für die Weis­heits­va­ri­an­te. Denn zumin­dest in Weis­heit 6-9 ist das so. Im Juden­tum ist es also mög­lich, zum einen die Betei­li­gung der Weis­heit an der Schöp­fung zu beto­nen, zum ande­ren aber den Sach­ver­halt her­vor­zu­he­ben, dass sich die Men­schen der in der Schöp­fung prä­sen­ten Weis­heit ver­schlie­ßen. Dar­auf reagiert die Weis­heit durch Offen­ba­rungs­in­itia­ti­ven.

In der Sit­zung wur­de erör­tert, ob es nötig und/oder berech­tigt sei, die­sen letzt­lich auf Jesus von Naza­reth bezo­ge­nen Aspekt zu eli­mi­nie­ren. Jede/r soll­te sich die­se Fra­ge vor­le­gen, ob durch die Juden­ver­fol­gung das Chris­ten­tum das Recht ver­lo­ren hat, eine eige­ne Stim­me zu erhe­ben. Denn das ist schon der Sinn des Johan­ne­s­pro­logs.

Die Grund­idee ist stark, dass an der Schöp­fung etwas betei­ligt ist, das dann erlö­send tätig wird, sofern jenes Etwas ver­kannt wird, in der Fins­ter­nis oder im Fleisch. Sicher­lich bie­tet das Johan­nes­evan­ge­li­um durch­aus auch Anre­gun­gen zu einem tri­ni­ta­ri­schen Zugang, da in den Abschieds­re­den der Geist the­ma­ti­siert wird.

Für die Fra­ge, ob der Logos männ­lich ist – und Chris­tus als männ­li­che Erlö­sungs­fi­gur ver­stan­den wird, der durch die Weis­heit ersetzt wer­den muss, ist dar­auf zu ver­wei­sen, dass der Pro­log zeigt, dass gram­ma­ti­sches Geschlecht nicht not­wen­dig auch sexu­el­les Geschlecht oder eine Gen­der­kon­no­ta­ti­on bedeu­ten muss. Das Spiel mit dem Leben bzw. der Leben­dig­keit, die das Licht der Men­schen sei, zeigt das m. E. Die­se Urtei­le sind ohne­hin stark sprach­re­la­tiv.

Wich­tig ist, dass es nicht not­wen­dig erscheint, stets mas­ku­li­ne Zei­chen zu ver­wen­den, son­dern dies z. B. sym­me­tri­scher zu gestal­ten.

Für die Fra­ge, ob die Weis­heit wirk­lich Mate­rie wer­den muss, um die Mate­rie zu erlö­sen, reicht mein Ver­ständ­nis nicht. M. E. steckt ein stark spi­ri­tua­lis­ti­sches Ver­ständ­nis der Weis­heit dahin­ter, wel­ches kei­ne sinn­li­chen oder mate­ri­el­len Aspek­te ent­hält. Z. B. Sprü­che 8,22ff sagt das Gegen­teil. Bezieht man/frau das nur aufs Den­ken, so ist klar, dass heu­te nie­mand mehr leug­net, dass bestimm­te intel­lek­tu­el­le Pro­zes­se jeden­falls auch bestimm­te che­mi­sche oder elek­tri­sche Vor­gän­ge ein­schlie­ßen. D. h., selbst bei einer gnos­ti­schen Visi­on der Weis­heit fin­den sol­che Pro­zes­se statt. Aus semio­ti­scher Per­spek­ti­ve muss das auch sein, weil jedes Zei­chen einen mate­ri­el­len Aspekt hat (Laut, Bild, Geruch usf.). M. E. sind Mate­rie und Weis­heit immer schon zusam­men. Die Hypo­the­se von Hartenstein/Petersen besteht dar­in, dass es Spi­ri­tua­li­tät ohne mate­ri­el­le Aspek­te gäbe.

Bezieht man die Gefüh­le ein, dann spü­ren wir die­se jeden­falls auch kör­per­lich, z. B. dass die Gesichts­far­be sich ändert, der Herz­rhyth­mus spür­ba­rer wird oder im Abdo­men bestimm­te Vor­gän­ge spür­bar wer­den.

Auf­ga­ben zur nächs­ten Sit­zung

  1. Über­set­zen Sie Mk 10,17-31!
  2. Vgl. Sie die Luther­über­set­zung und die­je­ni­ge in der „Bibel in gerech­ter Spra­che“! Sehen Sie auch nach, ob Mag­da­le­ne Frett­löh etwas dazu hat!
  3. War­um ver­läuft der Text über die Reich­tums­pro­ble­ma­tik zum „Haus“? Vgl. Sie dazu auch Mk 10,1-16!
  4. Wie sehen die „Häu­ser“ aus, wel­che die Jesus Nach­fol­gen­den erhal­ten, wenn sie ihr bis­he­ri­ges Haus ver­las­sen haben?
  5. Welch eine Spra­che wird gewählt, um die „Häu­ser“ der Nach­fol­gen­den zu beschrei­ben?

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Info:
Ver­an­stal­tun­gen am 30.11. und 01.12. in Hei­del­berg und Darm­stadt ist Beitrag Nr. 4673
Autor:
Martin Pöttner am 4. Dezember 2015 um 13:23
Category:
Geschlechtergerechte Rede von Gott
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