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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


3. Die Bedeutung des AT für das NT (TUD)

Pro­to­koll zum 24.11.2015

Pro­to­kol­lan­tin: Hümey­ra Zor

 

The­men der Semi­nar­stun­de sind Gene­sis 12, 1-3 und Gene­sis 16, 8-12.

Zu Beginn der Stun­de gab Herr Pött­ner den Semi­nar­teil­neh­me­rIn­nen die Mög­lich­keit Rück­fra­gen in Bezug auf die letz­te Sit­zung und das Pro­to­koll zu stel­len.

Es wur­de auf die Fra­ge ein­ge­gan­gen, was im Pro­to­koll mit dem Able­gen des Gen­de­ras­pekts gemeint ist. Es wird erklärt, dass die Frau­en durch das Sche­ren ihrer Haa­re ihre Geschlecht­lich­keit in den Hin­ter­grund stel­len (sie­he dazu 1. Kor 11, 3-10). Es wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass für Chris­tus die Geschlech­ter unbe­deu­tend sind. Weder männ­lich noch weib­lich, weder Grie­che noch Jude, weder Skla­ve noch Frei­ge­bo­re­ner sind rele­vant. Alle sind gleich­be­rech­tigt (sie­he Gen 1, 26).

Anschlie­ßend stieg man in das The­ma der heu­ti­gen Sit­zung ein, das eine reli­gi­ons­über­grei­fen­de Bedeu­tung hat. Vor­ab wur­den Begrif­fe erklärt, die für das Ver­ständ­nis der Text­saus­zü­ge rele­vant sind. Ado­naj ist aus dem Juden­tum über­nom­men und bedeu­tet so viel wie „mein Herr“. Da die Juden die Auf­fas­sung ver­tra­ten, dass der Name des Herrn, also JHWH, nicht aus­ge­spro­chen wer­den durf­te, lasen sie bei jedem Auf­tre­ten des Namens Ado­naj ...

Fol­gen­de Text­stel­le wur­de genau­er erläu­tert.

Gene­sis 12, 1-3 („Bibel in gerech­ter Spra­che“):

1: Da sprach Ado­naj zu Abra­ham: ‚ Geh los! Weg aus dei­nem Land, aus dei­ner Ver­wandt­schaft, aus dei­nem Eltern­haus in das Land, das ich dich sehen las­se.

2: Ich wer­de dich zu einem gro­ßen Volk machen und dich seg­nen und dei­nen Namen groß machen. Wer­de so selbst ein Segen!

3: Ich will seg­nen, die dich seg­nen; wer dich ernied­rigt, den ver­fluch­te ich. In dir sol­len sich seg­nen las­sen alle Völ­ker der Erde.‘“

Abra­ham gilt als der Vater aller Völ­ker auf der Welt. Das Juden­tum, Chris­ten­tum und der Islam bezie­hen sich auf den Stam­mes­va­ter Abra­ham. Somit ist er für alle mono­the­is­ti­schen bzw. abra­ha­mi­ti­schen Reli­gio­nen von Bedeu­tung.

Abra­ham soll also sein Land und somit sein Eltern­haus ver­las­sen, um in einem ande­ren Land, dem Kana­an, der Stam­mes­va­ter zu wer­den. Abra­ham zieht, auf die­sen gött­li­chen Befehl hin, mit sei­ner Frau Sarai, die spä­ter Sarah hei­ßen soll­te, nach Kana­an aus. Und somit sol­len nicht nur Abra­hams Stamm, son­dern alle Völ­ker der Welt durch Abra­ham geseg­net wer­den.

Beim Betrach­ten der Völ­ker­ta­fel und Abstam­mung der ara­bi­schen Stäm­me wird noch­mal deut­lich, wie­so die Abra­ham-Figur so wich­tig ist für alle drei mono­the­is­ti­schen Reli­gio­nen.

Die Väter- und Müt­ter­ge­schich­te erzähltt von Jakobs Söh­nen und beschreibt die Ereig­nis­se in Ägyp­ten, bis Moses die Juden aus Ägyp­ten her­aus­führt. Bis dahin wird unge­fähr 400 Jah­re lang nicht über das Land Isra­el gespro­chen. Der Stamm­va­ter von Isra­el ist Jakob, aber der Stamm­va­ter der Mensch­heit ist Abra­ham. Dies bedeu­tet zwangs­läu­fig, dass die­ser Gott, der Gott aller Völ­ker ist. Ab dem Buch Exo­dus wur­de die Per­spek­ti­ve ver­mit­telt, dass der Gott nur Isra­els Gott sei, was natür­lich umstrit­ten ist. Herr Pött­ner kri­ti­sier­te an die­ser Stel­le den Ägyp­to­lo­gen Jan Ass­mann, der behaup­tet, dass das Juden­tum, Chris­ten­tum und der Islam unter­schied­li­che For­men des Mono­the­is­mus dar­stel­len. Doch an die­ser Text­stel­le mach­te Herr Pött­ner fest, dass dies nicht der Fall sein kann, da sich alle drei Reli­gio­nen auf Abra­ham bezie­hen und somit den­sel­ben Gott ver­eh­ren.

Der nächs­te Text­aus­zug wur­de bespro­chen.

Gene­sis 16, 8-12 („Bibel in gerech­ter Spra­che“):

Ado­na­js Bote fand an einer Was­ser­quel­le in der Wüs­te, an der Quel­le auf dem Weg nach Schur,

8 und sprach sie an ‚Hagar! Du Skla­vin Sarais, woher kommst du und wohin willst du?‘ Sie sag­te: ‚Ich bin auf der Flucht vor mei­ner Her­rin Sarai.‘

9 Da sprach Ado­na­js Bote zu ihr: ‚Kehr um zu dei­ner Her­rin und lass dich von ihrer Hand demü­ti­gen.‘

10 Wei­ter sprach Ado­na­js Bote zu ihr: ‚Unge­heu­er ver­meh­ren will ich dei­ne Nach­kom­men, so dass man sie vor Men­ge nicht zäh­len kann.‘“

Ado­na­js Bote ist der gesand­te Engel Got­tes und spricht mit der Skla­vin Hagar. Es ent­steht der Ein­druck, dass Abra­ham und sei­ne bei­den Frau­en sehr mensch­lich han­del­ten, was im Fol­gen­den dar­ge­stellt wer­den soll.

Sarah erlaubt Abra­ham mit sei­ner Skla­vin Hagar ein Kind zu zeu­gen, da ihr eige­ner Leib ver­schlos­sen ist. Den­noch ist Sarah auf die Skla­vin eifer­süch­tig und Hagar möch­te flie­hen. Doch Gott befiehlt ihr zurück­zu­keh­ren, nicht undank­bar zu sein und sich demü­tig zu ver­hal­ten.

Die Ambi­va­lenz zwi­schen den bei­den Text­stel­len wur­de erläu­tert. Einer­seits soll Abra­ham ein gro­ßer, hel­den­haf­ter Stam­mes­va­ter sein und ande­rer­seits scheint er im Streit zwi­schen bei­den Frau­en kei­ne Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men. Die ambi­va­len­te Dar­stel­lun­gen der Cha­rak­te­re wird oft­mals in der Bibel nicht ver­schwie­gen, was aber kei­nes­wegs eine Schwä­che sein muss.

Hier­zu gab Herr Pött­ner Bei­spie­le von König David, der mit der Ehe­frau sei­nes hethi­ti­schen Vasal­len Bei­schlaf hat­te, wor­aus ein Kind zustan­de kam (1. Sam 11). Und Adam und Eva, die von der ver­bo­te­nen Frucht der Erkennt­nis aßen und somit die Fähig­kei­ten erlang­ten zwi­schen Gut und Böse zu unter­schei­den. Die­se Kom­pe­ten­zen erlang­ten somit alle Men­schen.

Die Bibel erzählt kei­ne Geschich­ten, die kon­stant posi­tiv und gut sind, sie erzählt Geschich­ten, die auch nicht so gute Din­ge ent­hal­ten. Es wird ver­mit­telt, dass durch die­se Hür­den und Pro­ble­me letzt­lich alles gut wird.

Der Haupt­zug der bei­den Tex­te wur­de noch­mal reflek­tiert und auf heu­te bezo­gen. Wären die­se Tex­te damals rich­tig gedeu­tet wor­den, so gäbe es heu­te kei­nen Anti­se­mi­tis­mus, da die Reli­gio­nen nicht von­ein­an­der trenn­bar sind. Die ein­zel­nen Reli­gio­nen gel­ten dem­nach nicht als Gan­zes son­dern sie stel­len die Mög­lich­keit dar, Gott auf vie­le ver­schie­de­ne Wei­sen zu ver­eh­ren. Tho­mas von Aquin hat eben­falls die Ansicht ver­tre­ten, dass die Tho­ra, die Bibel und der Koran Offen­ba­run­gen Got­tes sind, was an die­sen Tex­ten fest­zu­ma­chen ist.

Aktu­el­le poli­ti­sche The­men wur­den mit die­ser Ansicht beur­teilt. Poli­ti­ker fürch­ten zu vie­le Flücht­lin­ge aus Syri­en, wo Anti­se­mi­tis­mus üblich ist, und möch­ten eine Ober­gren­ze für die Anzahl der Flücht­lin­ge setz­ten. Vor einem Jahr sag­te die PEGIDA, es fin­de eine Isla­mi­sie­rung in Deutschlang statt. Wenn man sich aber die Anzahl der Mus­li­me von ca. 5% in Dres­den, wo Pegi­da gegrün­det wur­de, anschaut, merkt man, dass die­se Angst auf Fik­ti­on basiert. Deutsch­land ist geprägt vom Juden­tum und Chris­ten­tum, also soll­te der Islam nicht aus­ge­schlos­sen wer­den.

Aufgaben zur nächsten Sitzung

  1. Über­le­gen Sie, was offen und unklar geblie­ben ist.
  2. Lesen Sie bis zur nächs­ten Sit­zung Lukas 2, 1.11- 14; Lukas 4, 1-5
  3. Ver­su­chen Sie den Text vor dem Hin­ter­grund der Tex­te aus der Gene­sis in der letz­ten Sit­zung zu ver­ste­hen!

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ist Beitrag Nr. 4668
Autor:
Martin Pöttner am 29. November 2015 um 14:16
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