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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Geschlechtergerechte Rede von Gott (Uni Hd)

Die Sit­zung befass­te sich mit den ein­lei­ten­den Bemer­kun­gen von Mag­da­le­ne L. Frett­löh (MLF).

Dabei ergab sich als Schwer­punkt der Ver­such, den Zusam­men­hang von „Kavo­do­lo­gie“ (Bezug auf: כבוד [kavod]), „geschlech­ter­ge­rech­ter Rede von Gott“, „Bil­der­ver­bot“ und dem frü­hen, „dia­lek­ti­schen“ Karl Barth zu ver­ste­hen.

Im Anschluss an Ger­hard von Rad schlägt MLF vor, kavod mit „Gewicht“ zu über­set­zen, was die exis­ten­zi­el­le Bedeu­tung, z. T. auch bedrän­gen­de Begeg­nung mit Gott bezeich­nen soll, eine Meta­pher aus dem Bereich der Schwer­kraft, was sich auch mit dem Vor­schlag deckt, vom „der Welt Raum geben“ zu spre­chen. Für MLF ist kavod ein exem­pla­ri­scher Fall, weil das Lexem sehr oft durch „Herrlich­keit“ andro­zen­trisch über­setzt wird, was sie spä­ter in aktu­el­len dog­ma­ti­schen Ent­wür­fen ver­folgt.

Geschlech­ter­ge­rech­te Rede von Gott“ und „Bil­der­ver­bot“ hän­gen biblisch stark zusam­men. In Ex 20,1-5 wird unter­sagt, dass die Israelit/inn/en sich ein Bild von Gott (mensch­lich, tie­risch usf.) machen, wobei auf die Pra­xis der umlie­gen­den Reli­gio­nen ange­spielt wird, die ent­spre­chen­de Sta­tu­en oder bild­li­che Dar­stel­lun­gen von Göt­tern und Göt­tin­nen ver­ehr­ten bzw. die ritu­el­le Iden­ti­fi­ka­ti­on sol­cher Sta­tu­en mit den ent­spre­chen­den Gestir­nen voll­zo­gen. Zugleich aber hat Gott tat­säch­lich Bil­der, näm­lich die ver­schie­den­ge­schlecht­li­chen Män­ner und Frau­en (Gen 1,26-28). Denn die Men­schen („der Mensch“) we/i/rd/en „im Bild“ (וּבְּצַלְמֵ֖נ [bezal­me­no (in unse­rem Bild]) bzw. bes­ser „nach“ dem Bild Got­tes (sc. dem Bild Got­tes ent­spre­chend wie die LXX über­setzt [κατ᾽ εἰκόνα ἡμετέραν [kat’ eiko­na heme­teran)“, das diese/r von sich selbst hat, geschaf­fen (vgl. auch Gen 5,1f). Es ist eine Stär­ke des Ent­wurfs von Frett­löh, dass sie dar­auf auf­merk­sam macht. Das Bil­der­ver­bot fin­det inso­weit Anwen­dung, dass andro- oder gyno­zen­tri­sche Bil­der für Gott nicht ver­wen­det wer­den dür­fen. Gleich­wohl erlaubt MLF Meta­phern.

Dass dies erlaubt ist, wird sei­tens MLF durch die Posi­ti­on Barths begrün­det, wir könn­ten nicht von Gott reden, aber müss­ten es den­noch tun. Das wird durch den Begriff der Ähn­lich­keit (דְמוּתֵ֑נוּ [demo­te­no]), genau­so in der LXX, gerecht­fer­tigt. Die Kom­bi­na­ti­on bzw. dif­fe­ren­zi­el­le Ein­heit von Män­nern und Frau­en ist dem Bild Got­tes ähn­lich, inso­fern dür­fen Men­schen meta­pho­risch von Gott spre­chen oder ihn bzw. sie in ande­ren Zei­chen­for­men dar­stel­len, aber die­se Zei­chen­for­men nicht als gött­lich ver­eh­ren, son­dern sie stets als unzu­rei­chen­de Bezeich­nun­gen ver­ste­hen.

Im Semi­nar wur­de pro­ble­ma­ti­siert, ob der Geschlech­ter­dis­kurs nicht reli­giö­se Dar­stel­lun­gen von Got­tes­er­fah­run­gen ver­stel­len könn­te, die eher kos­mo­morph bezeich­nen („Son­nen­auf­gang“). Der Dozent wies dar­auf­hin, dass z. B. in Act 17 und 1Kor 15,20-28 pan­the­is­ti­sche Got­tes­kon­zep­tio­nen zu sehen sind, wobei der Text aus der Apos­tel­ge­schich­te sicher trans­pa­ren­ter ist.

Wei­ter­hin wur­den the­ma­ti­sche Fest­le­gun­gen für das Semi­nar getrof­fen, nach denen ich den fol­gen­den Vor­schlag ent­wi­ckelt habe:

02.11.      Ver­ab­schie­dung des Semi­nar­plans, das Kon­zept der „Bibel in gerech­ter Spra­che“, 9-26

1               Christus als Mann?

09.11.      1Kor 11,3-10; Gal 3,26-28 vor dem Hin­ter­grund von Gen 1-3, Lit. von MLF (bit­te stets, Bibel­stel­len­re­gis­ter!). Ver­gleich der grie­chi­schen Tex­te mit den Über­set­zun­gen von Luther und der „Bibel in gerech­ter Spra­che“ (bit­te stets!)

16.11.      Joh 1,1-18 I

23.11.      Joh 1,1-18 II

 

 

2               Das Vaterbild

30.11.      Mk 10,17-31

07.12.      Mt 5,43-48

14.12.      Mt 5,13-16

3               Ein nichtpersonales Gottesverständnis

11.01.      Act 17,16-34

4               Liebespatriarchalismus

18.01.      Eph 5,21-6,9

5               Starke, wohlhabende Frauen

25.01.      Lk 8,2f; Act 16,14-16.40

6               Exemplarische philosophische Lektüre

01.02       Imma­nu­el Kant, Mut­maß­li­cher Anfang der Mensch­heits­ge­schich­te, Darm­stadt 1975, Bd. 9, 85ff ‚ Kopie hier!

08.02.      Schluss­dis­kus­si­on

 

Aufgaben zur nächsten Sitzung

  1. Befas­sen Sie sich kri­tisch mit mei­nem Vor­schlag zum Semi­nar­plan!
  2. Lesen Sie bit­te die Ein­lei­tung zur „Bibel in gerech­ter Spra­che“!

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Info:
Geschlechtergerechte Rede von Gott (Uni Hd) ist Beitrag Nr. 4539
Autor:
Martin Pöttner am 29. Oktober 2015 um 16:08
Category:
Geschlechtergerechte Rede von Gott,Religion und Mystik,Uni Heidelberg
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