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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Jan Ass­mann, Exo­dus

 

Ass­mann legt 2015 eine Revi­si­on sei­ner frü­he­ren The­sen vor, dass die Mono­the­is­mus­the­se, die er ver­tre­ten hat, für das gesam­te Alte Tes­ta­ment bzw. die gesam­ten Hei­li­gen Schrif­ten der Juden gilt.

Jetzt kon­zen­triert sich die Ana­ly­se auf das Buch Exo­dus, das eine Sto­ry erzählt, wel­che eine welt­be­we­gen­de Rezep­ti­ons- und Wir­kungs­ge­schich­te hat.

Da es sich dabei um einen Mythos han­de­le, lie­ße sich die Sto­ry leicht sym­bo­lisch ver­dich­ten.

Ass­mann geht seit Lan­gem einen dop­pel­ten Kon­flikt ein:

  1. wird der Aus­druck „Mono­the­is­mus“ reli­gi­ons­wis­sen­schaft­lich“ anders defi­niert (vgl. 3.3).
  2. ver­sucht er inten­siv zu zei­gen, dass unse­re Kul­tur und eini­ge ihrer Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten durch jenen Mythos geprägt sei­en.

Als dann nicht mehr sehr aktu­el­le Alter­na­ti­ve fun­giert stets „Ägyp­ten“, wor­aus der Aus­zug erfolgt.

Der zwei­te Punkt mag der anstö­ßigs­te sein. Aber ähn­lich wie Bloch, den wir zuvor bespro­chen haben, sieht er nicht nur die „Revo­lu­ti­on der Alten Welt“ in der Exo­dus-Sto­ry ver­kör­pert, son­dern jede Aus­zugs­ge­schich­te scheint von ihr affi­ziert zu sein. Dies läuft über das Kon­zept Jan und Alei­da Ass­manns vom „kul­tu­rel­len Gedächt­nis“. Vie­le Bemü­hun­gen sind dar­auf kon­zen­triert, das Kon­zept sozu­sa­gen in der Erin­ne­rungs­funk­ti­on des Haupt­the­mas des Buches Exo­dus zu ver­an­kern, eben den ver­schie­de­nen Offen­ba­run­gen, deren neu grün­den­der Cha­rak­ter stets erin­nert wer­den müs­se – was für das zen­tra­le Ritu­al des Juden­tums, das Pes­sach­mahl leicht gezeigt wer­den kann.

Die Ana­ly­se des Buchs ori­en­tiert sich am Mythos-Ver­ständ­nis der „Pries­ter­schrift“, dem­zu­fol­ge aus einer nega­ti­ven und insta­bi­len Aus­gangs­si­tua­ti­on (z. B. das Cha­os der Öde und Lee­re [Gen 1,1ff] bzw. der Situa­ti­on Isra­els im Skla­ven­haus Ägyp­ten ein sta­bi­ler Zustand wird: die Schöp­fung bzw. das Woh­nen Got­tes bei sei­nem Volk). Die­sen Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess im Buch Exo­dus auf­ge­zeigt zu haben, ist sicher ein Ver­dienst von Ass­manns Buch.

Dies alles steht aber in offen­sicht­li­cher Span­nung zu Punkt 1. Denn reli­gi­ons­wis­sen­schaft­lich wird bestrit­ten, dass ein Kon­zept, in dem es auch ande­re Gött/er/innen gibt, als „Mono­the­is­mus“ bezeich­net wer­den darf. Ass­mann wählt des­halb für sein Kon­zept die Bezeich­nung „Mono­the­is­mus der Treue“, weil die Lie­bes-, Eifer­suchts- und Bun­des­se­man­tik das erfor­de­re. In die­sem Kon­zept kann er nach­wei­sen:

  • Abso­lu­tis­mus von JHWH;
  • Grau­sam­keit und Into­le­ranz;
  • Ver­fe­mung ande­rer Kul­tu­ren: „Ägyp­ten“.

Das alles sol­len Chris­ten­tum und Islam geerbt haben, womit wir in der Gegen­wart und beim isla­mis­ti­schen Ter­ro­ris­mus ange­kom­men wären.

Frei­lich steht das – wie Ass­mann ein­räumt – inner­halb einer fried­lie­ben­den Klam­mer. Die Gene­sis zeigt gera­de nicht die Züge, die Ass­mann von Exo­dus bis Deu­te­ro­no­mi­um (5. Mose) her­vor­hebt.

Und Ass­mann gesteht zu, dass die spä­te­ren Pro­phe­ten eben exakt mono­the­is­tisch im Sin­ne der Reli­gi­ons­wis­sen­schaft sind und ein pazi­fis­ti­sches Got­tes­kon­zept auf­wei­sen.

M. E. ist der Haupt­punkt des Bestehens Ass­manns auf den nega­ti­ven und krie­ge­ri­schen Zügen des „Mono­the­is­mus der Treue“ wohl dar­in zu sehen, dass sich in ihr eine Umkeh­rung des Schick­sals Isra­els in Ägyp­ten und des Schick­sals des euro­päi­schen Juden­tums im Natio­nal­so­zia­lis­mus zeigt: Aus der vom Geno­zid bedroh­ten Eth­nie in Ägyp­ten wird eine aggres­si­ve, into­le­ran­te und grau­sa­me Trup­pe, die selbst dann in Kana­an im Auf­trag JHWHs bzw. unter sei­ne Anfüh­rung Geno­zi­de aus­führt. Ass­mann ist bemüht, Kurz­schlüs­se zu ver­mei­den. Aber hier kämpft wohl doch ein Alt-68er mit Phi­lo- und Anti­se­mi­tis­mus. Oder irre ich mich?

 

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Info:
Jan Ass­mann, Exo­dus ist Beitrag Nr. 4072
Autor:
Martin Pöttner am 26. Mai 2015 um 19:42
Category:
Kultur
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