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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Mar­kus 4,35-41 (EfG Gries­heim)

35  Und er sagt zu ihnen an jenem Tag,

Lasst uns ans ande­re Ufer fah­ren!“

36  Und sie ent­lie­ßen das Volk,

neh­men ihn mit,

wie er in dem Boot war,

und ande­re Boo­te waren dabei.

Und ein gro­ßer Wir­bel­wind kam auf.

Und die Wel­len schlu­gen in das Boot,

sodass das Boot schon voll lief.

38  Und er selbst lag schla­fend im Heck

auf dem Kopf­kis­sen.

Und sie wecken ihn auf

und sagen zu ihm:

Leh­rer,

küm­mert es dich nicht,

dass wir unter­ge­hen?“

39  Und er stand auf,

bedroh­te den Sturm

und sag­te zu dem See:

Schweig!

Ver­stum­me!“

Und der Wind leg­te sich.

Und es trat eine gro­ße Stil­le ein.

40  Und er sag­te zu ihnen:

Was seid ihr [so] furcht­sam?

Habt ihr noch kein Ver­trau­en[, das euer Leben ganz bestimmt]?“

41  Und sie fürch­te­ten sich mit gro­ßer Furcht

und sag­ten zuein­an­der:

Wer ist die­ser,

dass sowohl der Wind

als auch der See ihm gehor­chen?“

 

Lie­be Gemein­de,

 

am vier­ten Sonn­tag nach Epi­pha­ni­as hat sich unser Leben mög­li­cher­wei­se noch nicht ent­spannt, sofern wir auf­merk­sam das Welt­ge­sche­hen ver­fol­gen. Es wäre schön, wenn wir die Vor­fas­ten­zeit schon dazu nut­zen könn­ten, uns selbst so zu fin­den, dass wir ent­spannt sein kön­nen. Dann hal­ten wir per­sön­li­che Kata­stro­phen und poli­ti­sche Desas­ter aus – und kön­nen dies ertra­gen – und viel­leicht sogar etwas dar­an ändern.

Heu­te Mor­gen hören wir eine berühm­te Geschich­te, wie man/frau mit einem sol­chen Desas­ter umge­hen könn­te.

Die Schü­ler Jesu sind lan­ge mit ihm unter­wegs. Er ist wegen des Andrangs des Vol­kes in ein Boot auf dem See Gene­za­reth gestie­gen, die Schü­ler sit­zen bei ihm im Boot – und er lehrt das Volk. Das gesam­te vier­te Kapi­tel erzählt davon, dass Jesus das Volk in Gleich­nis­sen leh­re, damit es nichts ver­ste­he, son­dern ver­stockt wer­de, wie Mar­kus im Blick auf Jes 6,9f sagt. Den Schü­lern legt er zwi­schen­durch die Gleich­nis­se aus. Sie sol­len ver­ste­hen, was es mit dem Nahe­ge­kom­men­sein der Got­tes­herr­schaft und dem Ver­trau­en auf sich hat, wel­ches das gesam­te Leben bestimmt. Und wor­in die Umkehr besteht, die eben­falls ange­sichts des Nahe­ge­kom­men­seins der Got­tes­herr­schaft erfor­der­lich ist.

»Und Jesus sag­te:

Die Zeit ist erfüllt und die Got­tes­herr­schaft ist nahe her­bei­ge­kom­men.

Kehrt um und ver­traut auf das Evan­ge­li­um!‹« (Mk 1,15)

So beginnt die öffent­li­che Tätig­keit Jesu. Und was das heißt, erläu­tert er in Kapi­tel vier, öffent­lich frei­lich unver­ständ­lich für das Volk am Ufer des See Gene­za­reth – und als ein­fühl­sa­mer Leh­rer für die Schü­ler mit Pri­vat­un­ter­richt auf dem Boot. Als es Abend wird, hat Jesus alles zum Volk und sei­nen Schü­lern gesagt – und er ist bereit, mit die­sen ans ande­re Ufer über­zu­set­zen. Er ist müde und ent­spannt sich im Heck des Boo­tes, er hat ja alles gesagt, was die Schü­ler brau­chen – und schläft see­len­ru­hig ein. Sein Kopf liegt bequem auf einem Kopf­kis­sen, alles scheint gut …

Wäh­rend er schläft, setzt ein gro­ßer Sturm ein – ein Wir­bel­wind. Jesus schläft see­len­ru­hig wei­ter. Die Schü­ler sind hilf­los, er merkt es nicht. Die Wel­len kom­men ins Boot – und Jesus schläft see­len­ru­hig wei­ter. Die Schü­ler wer­den ner­vös, war­um merkt er es nicht? Er muss uns doch hel­fen, ohne ihn kön­nen wir gar nichts machen, wir ertrin­ken!

Sie wecken ihn auf – er stillt den Sturm:

»›Schweig!

Ver­stum­me!‹«

Es tritt eine gro­ße Stil­le ein, nach­dem der gro­ße Wir­bel­sturm alles durch­ein­an­der­ge­wir­belt hat­te, auch die Schü­ler. Die­se hat­ten auf­ge­regt und erschro­cken geschrien:

»›Leh­rer,

küm­mert es dich nicht,

dass wir unter­ge­hen?‹«

Ihre Über­le­gun­gen gin­gen dabei schnell durch­ein­an­der:

Wie kann er so see­len­ru­hig schla­fen, wenn wir zu ertrin­ken dro­hen? Es scheint sehr ver­ständ­lich zu sein, was die Schü­ler sagen. Und den lei­sen Vor­wurf über­hört man als Leh­rer bes­ser, man hat ja Ver­ständ­nis, dass Lern­pro­zes­se dau­ern.

Die Reak­ti­on Jesu ist aber anders:

»›Was seid ihr [so] furcht­sam?

Habt ihr noch kein Ver­trau­en[, das euer Leben ganz bestimmt]?‹«

Ja, das ist ja eine Hal­tung des Leh­rers, die sie nicht erwar­tet haben. Wie­so stellt er eine Fra­ge, auf die er die Ant­wort schon weiß? Natür­lich haben sie sich wegen des gro­ßen Wir­bel­winds gefürch­tet. Und er hat see­len­ru­hig geschla­fen, als gin­ge es ihn gar nichts an! Und die Fra­ge, was es damit auf sich habe, dass sie noch kein Ver­trau­en hät­ten, das ihr gan­zes Leben bestim­men soll? Was soll das? In den Schü­lern bläst ein neu­er gro­ßer Wir­bel­wind – und sie fürch­ten sich mit gro­ßer Furcht. Sie bestehen nur noch aus Furcht. Rat­los und gedan­ken­ver­lo­ren sagen sie:

»›Wer ist die­ser,

dass sowohl der Wind

als auch der See ihm gehor­chen?‹«

Die­se furcht­er­füll­te Rat­lo­sig­keit passt gar nicht zu ihrer Reak­ti­on. Jesus hat ja den Sturm nur gestillt, weil sie so auf­ge­regt waren. Ein „Dan­ke, Leh­rer!“ wäre eigent­lich ange­mes­sen gewe­sen. Aber nun die­se furcht­er­füll­te Rat­lo­sig­keit. Was mein­te er bloß mit dem feh­len­den Ver­trau­en, das ihr gan­zes Leben bestim­me? Soll­ten Sie etwas über­hört haben, als er ihnen die Gleich­nis­se im Boot aus­leg­te?

Sie waren ver­un­si­chert – und blie­ben es lan­ge. Erst spä­ter bei der Geschich­te mit dem ver­dorr­ten Fei­gen­baum fiel es ihnen wie­der ein. Da sag­te er etwas davon, dass man zu einem Berg, er mein­te den Ölberg, sagen kön­ne: »›Wirf dich ins Meer!‹«, da däm­mer­te es ihnen, dass er im Lau­fe des Tages auf dem Boot davon gespro­chen hat­te, dass der­je­ni­ge, der ver­traut, an der Schöp­fer­kraft Got­tes teil­hat, aber das war ihnen genau­so ein böh­mi­sches Dorf gewe­sen wie das Gleich­nis von dem Mann, der schläft und auf­steht, nach­dem er den Samen auf die Erde gewor­fen hat – und dann plötz­lich ern­tet, obgleich er nicht ein­mal gejä­tet hat. Die Erde bringt alles selbst her­vor. Kein Wun­der, dass das Volk am Ufer nichts ver­stan­den hat, aber sie haben dann auch nicht rich­tig zuge­hört, als er das mit dem Ver­trau­en und der Schöp­fer­kraft Got­tes erwähnt hat, die dem Ver­trau­en inne­wohnt.

 

Lie­be Gemein­de,

 

die Schü­ler sind auf dem See Gene­za­reth hilf­los – und Jesus schläft see­len­ru­hig. Also ist er sicher, dass die Schü­ler, sofern sie ihm zuge­hört haben, das Ver­trau­en besit­zen, das ihr gan­zes Leben bestimmt – und dann kön­nen sie auch einen Wir­bel­wind auf dem See Gene­za­reth stil­len. Die­ses Ver­trau­en hat eine schöp­fe­ri­sche Kraft – und dazu muss man/frau so gelas­sen sein, wie der Mann, der den Samen aufs Land wirft, auf­steht und schläft, schläft und auf­steht und dann ganz plötz­lich ern­tet. Die­se Gelas­sen­heit zu haben, ist unver­füg­bar, ein biss­chen üben kann man es, z. B. durch Medi­ta­ti­on und Gebet. Aber ohne die­se Gelas­sen­heit gibt es kein Ver­trau­en – und dann ändert sich auch nichts. Aber umge­kehrt geht es eben doch, wie ich in den letz­ten drei Mona­ten wie­der erfah­ren habe.

Es sind oft klei­ne Sachen, Pro­ble­me in der Fami­lie, in der Bezie­hung, im Beruf, beim Wech­sel des Anbie­ters von Kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­leis­tun­gen bei denen wir ein Lüft­chen stil­len müs­sen. Aber immer soll­ten wir Gelas­sen­heit üben, dann stellt sich das Ver­trau­en, das unser gan­zes Leben bestimmt, ein. Las­sen wir und dar­auf ein, dann kön­nen wir gele­gent­lich erfah­ren, dass wir an der Schöp­fer­kraft Got­tes teil­ha­ben.

 

Amen

 

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Info:
Mar­kus 4,35-41 (EfG Gries­heim) ist Beitrag Nr. 3829
Autor:
Martin Pöttner am 9. Februar 2015 um 17:55
Category:
Allgemein
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