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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Ver­an­stal­tun­gen am 24. und 25.11.

Ver­an­stal­tun­gen am 24. und 25.11.

1               Die struk­tu­ra­le Mythos-Gram­ma­tik (NT und Mythos [Uni Hd])

Das Modell wur­de anhand Pött­ner, Rea­li­tät als Kom­mu­ni­ka­ti­on, 1995 wahr­ge­nom­men. Dort fin­den sich zusätz­lich alle Lite­ra­tur­an­ga­ben bis zur dama­li­gen Zeit und auch eine Beschrei­bung der Weis­heits­tra­di­ti­on, die vor allem auf Sprü­che 8 und Weis­heit Salo­mos 6-9 rekur­riert. Das ist der mut­maß­li­che reli­gi­ons­ge­schicht­li­che Hin­ter­grund von 1Kor 1-4, der beson­ders durch Apol­los in Korinth breit the­ma­ti­siert wur­de.

Ich bemü­he mich, beson­ders 1Kor 1,21 als wesent­li­ches Ele­ment einer Erzäh­lung zu ver­ste­hen, die sich dann mit­tels der Mythos­gram­ma­tik ana­ly­sie­ren lässt:

1,21a   ἐπειδὴ  γὰρ    ἐν τῇ σοφίᾳ τοῦ θεοῦ οὐκ ἔγνω ὁ κόσμος

διὰ τῆς σοφίας τὸν θεόν,

1,21b   εὐδόκησεν ὁ θεὸς διὰ τῆς μωρίας τοῦ κηρύγματος σῶσαι τοὺς πιστεύοντας.[1]

Danach gelang es dem Kos­mos (der Welt) nicht, Gott zu erken­nen. Der Kern­satz oder die wesent­li­che Pro­po­si­ti­on lau­tet also:

οὐκ ἔγνω ὁ κόσμος … τὸν θεόν

Das wird näher bestimmt:

  • ἐν τῇ σοφίᾳ τοῦ θεοῦ
  • διὰ τῆς σοφίας (sc. αὐτοῦ); vgl. Pött­ner, 205-212.

Dabei ist vor dem Hin­ter­grund der Weis­heits­tra­di­ti­on zu unter­stel­len, dass „die Weis­heit“ der Schöp­fung „ein­ge­senkt“ ist (v. Rad) und damit das Medi­um der Erkennt­nis Got­tes dar­stellt (=ἐν τῇ σοφίᾳ τοῦ θεοῦ). D. h., Pau­lus unter­stellt mit der Weis­heits­tra­di­ti­on, dass die Schöp­fung für die Erkennt­nis Got­tes sei­tens der Men­schen trans­pa­rent war. Den­noch erkann­ten die Men­schen Gott nicht διὰ τῆς σοφίας (sc. αὐτοῦ). Die Men­schen haben also eine eige­ne Weis­heit ent­wi­ckelt und das hebt die Trans­pa­renz des Medi­ums der σοφία τοῦ θεοῦ auf. Der Ver­such, Gott zu erken­nen, kann nur in die­sem Medi­um gelin­gen. Da die Men­schen aber ihre eige­ne Weis­heit auf­rich­ten, ver­su­chen sie eine eige­ne Erkennt­nis­wei­se, ein eige­nes Medi­um zu instal­lie­ren und ihre eige­ne Kom­pe­tenz gegen Gott gel­tend zu machen. Gott ent­schließt sich dann mit­tels der μωρία τοῦ κηρύγματος (der Tor­heit der Ver­kün­di­gung) die Glau­ben­den zu ret­ten bzw. zu erlö­sen (σῶσαι).

1.1 Auf­ga­ben zur nächs­ten Sit­zung

In der nächs­ten Sit­zung wer­den wir am Text ele­men­tar nach­voll­zie­hen, wie das geht.

  • Dazu ist es not­wen­dig bzw. sehr hilf­reich, wenn Sie das Spiel mit
  • δύναμις θεοῦ
  • σοφία τοῦ θεοῦ
  • ἀσθενὲς τοῦ θεοῦ
  • τὸ μωρὸν τοῦ θεοῦ

und den ent­spre­chen­den auf die Men­schen (die Welt bzw. den Kos­mos) bezo­ge­nen gegen­sätz­li­chen Bezeich­nun­gen erfas­sen. Am leich­tes­ten geht es m. E., wenn Sie den grie­chi­schen Text geglie­dert abschrei­ben bzw. seg­men­tiert kopie­ren, wie das hier mit 1,21a und b gesche­hen ist. Die Klang­fi­gu­ren kön­nen Sie noch leich­ter iden­ti­fi­zie­ren bzw. ent­de­cken, wenn Sie den Text laut vor­le­sen.

  • Lesen Sie zum bes­se­ren Ver­ständ­nis auch 1,26-31 genau. 1,18-25 soll über­setzt wer­den!
  • Eine neue­re Fas­sung mei­nes Modells ist hier prä­sent. Lesen Sie die ein­lei­ten­den Bemer­kun­gen zu den drei Model­len, dann die Dar­stel­lung des Pro­blem­ge­schich­ten-Modells und den Pau­lus-Teil.
  • Stel­len Sie sich kri­tisch die Fra­ge, ob Sie ver­ste­hen, war­um Gott als Medi­um der Erlö­sung die Tor­heit des Kreu­zes bzw. die Tor­heit sei­ner Ver­kün­di­gung wählt!
  • Bezie­hen Sie das auf die Rede Bult­manns von Ver­fü­gung und Unver­füg­bar­keit!

[1] Der grie­chi­sche Text ist z. B. auf WiBiLex oder in Bibel­Works digi­tal zugäng­lich.

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Info:
Ver­an­stal­tun­gen am 24. und 25.11. ist Beitrag Nr. 3643
Autor:
Martin Pöttner am 26. November 2014 um 14:43
Category:
Religion und Mystik,Uni Heidelberg,Zeichen und Philosophie
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