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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Ver­an­stal­tun­gen am 20. und 21.10.

1               Ent­my­tho­lo­gi­sie­rungs­ar­ti­kel („NT und Mythos“ [Uni Hd])

Mein WiBiLex-Arti­kel war Gegen­stand der Sit­zung. Es erga­ben sich Fra­gen zum Neu­kan­tia­nis­mus und zum kar­te­si­schen Dua­lis­mus. Des­car­tes hat­te Geist und Kör­per sub­stan­zon­to­lo­gisch unter­schie­den, es gibt eine den­ken­de (, füh­len­de, wol­len­de) Sub­stanz, die ist nicht aus­ge­dehnt (res cogi­tans). Zwei­tens gibt es eine aus­ge­dehn­te Sub­stanz (res exten­sa), die Des­car­tes maschi­nell inter­pre­tier­te (vgl. René Des­car­tes, Die Prin­zi­pi­en der Phi­lo­so­phie, Ham­burg (PhB 38). Ver­mit­telt wer­den bei­de Sub­stan­zen durch eine Struk­tur des Gehirns, die Epi­phy­se (Zir­bel­drü­se), eine Hypo­the­se, die sich nicht bewährt hat. Erhal­ten geblie­ben ist aber die dua­lis­ti­sche Grund­idee, wonach der Geist aus­deh­nungs­los ist und z. B. im Bewusst­sein erfasst wird. Für die Neu­kan­tia­ner war dies ein Argu­ment, war­um die Natur­wis­sen­schaf­ten den Geist nicht mecha­nis­tisch erfas­sen konn­ten. Denn zum Betrei­ben von Natur­wis­sen­schaft ist Bewusst­sein eine Bedin­gung der Mög­lich­keit. Aller­dings ist das Bewusst­sein eben­falls in der Evo­lu­ti­on ent­stan­den, so ein mög­li­ches Gegen­ar­gu­ment.

Dar­an schlos­sen sich Fra­gen zur Defi­ni­ti­on der Aus­drü­cke „Geist“ und „See­le“ an. Je nach Ent­wurf wer­den die­se Aus­drü­cke ver­schie­den ver­wen­det, z. B. bei Aris­to­te­les ist die See­le sterb­lich und bestimm­te men­ta­le Funk­tio­nen bezeich­net er als Geist – und die­se sind ein (viel­leicht unsterb­li­cher) Teil der See­le (Περὶ τῆς ψυχῆς). Bei Pla­ton ver­lässt die See­le den Ker­ker des Lei­bes beim Tod (Kri­ton). Die­se Idee stimmt nicht mit der biblisch über­wie­gen­den Vor­stel­lung von der Auf­er­ste­hung des Lei­bes über­ein, die beim pau­li­ni­schen σῶμα πνευατικόν einen bestimm­ten Höhe­punkt erreicht. Bult­mann hat den σῶμα-Begriff rela­tio­nal inter­pre­tiert – und das muss auch für das σῶμα πνευατικόν gel­ten, das in Bezie­hung zu dem Gott steht, der alles in allem zu wer­den im Begriff ist (1Kor 15,20-28). Die hete­ro­ge­nen Über­zeu­gun­gen von Theo­lo­gie­stu­die­ren­den wur­den the­ma­ti­siert, z. B. kom­men die Mus­li­me in die Höl­le. Die­se Stu­die­ren­den sind noch im Vor­feld des Pro­blems. Es gibt bis­lang kei­ne Kon­stel­la­tio­nen der expe­ri­men­tel­len Metho­de, die zei­gen könn­ten, dass die Höl­le ein raum­zeit­li­cher Ort sein könn­te. Die Äuße­run­gen über die Mus­li­me zeigt eine Ver­un­si­che­rung dar­über, wie das Chris­ten­tum in einer plu­ra­len Welt zu leben ist. So kom­men in der Völ­ker­ta­fel in Gen 11 auch kei­ne Chi­ne­sen vor.

Eben­so sind die Hypo­the­sen zu wel­cher Zeit, wel­cher Text ent­stan­den ist, nicht so beson­ders wich­tig. Offen­bar ver­tre­ten die­se Stu­die­ren­den die Annah­me, Gott habe die Tex­te selbst geschrie­ben, eine sehr unwahr­schein­li­che Annah­me, die sich über­haupt nicht über­prü­fen lässt. Nach mei­ner Wahr­neh­mung wird das ver­tre­ten, um eine inter­pre­tie­ren­de Eigen­ak­ti­vi­tät bei der Lek­tü­re der Bibel zu ver­mei­den – eine auto­ri­tä­re Posi­ti­on.

Wir kamen dann beim Wet­ter auf einen wich­ti­gen Punkt. Natür­lich ver­tritt auch Bult­mann die Annah­me, Gott sei die alles bestim­men­de Wirk­lich­keit. Aber die Lösung ist, dass eine sor­gen­freie Exis­tenz mit dem chao­ti­schen Wet­ter zurecht­kom­men kann. Ich will das noch ergän­zen. Bult­mann ver­tritt wie Barth und Til­lich eine Auf­fas­sung, dass wir an der Wirk­lich­keit Got­tes par­ti­zi­pie­ren kön­nen, wir sind Mit­spie­ler in der Rea­li­tät. Das heißt, wir gehö­ren zur Rea­li­tät – und sind nicht blo­ße Beob­ach­ter. Das wur­de im Anschluss an eine Äuße­rung Kants von James, Peirce und Hei­deg­ger sowie Whitehead genutzt, um den irre­füh­ren­den Sub­jekt-Objekt-Dual zu über­wei­nen. Für Bult­mann ist die sor­gen­freie Exis­tenz das Medi­um, in dem wir Gott begeg­nen.

 

 

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Info:
Ver­an­stal­tun­gen am 20. und 21.10. ist Beitrag Nr. 3579
Autor:
Martin Pöttner am 22. Oktober 2014 um 15:01
Category:
Religion und Mystik,Uni Heidelberg
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