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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Ver­an­stal­tun­gen am 10.06.

1               Gen 5,1-6,4 (Ver­ständ­nis­vol­les Lesen der Bibel [TUD])

Die Sit­zung begann mit einer Erör­te­rung der Fra­ge nach vega­ner oder Fleisch essen­der Ori­en­tie­rung, das hing mit den Opfer­ga­ben Kains und Abels zusam­men. Zuvor war das Pro­blem nur durch den Herrn ange­sto­ßen wor­den, der Adam und Eva Klei­der aus Fel­len mach­te (Gen 3,21), was Kant zu der legen­dä­ren Inter­pre­ta­ti­on im Mut­maß­li­chen Anfang der Mensch­heits­ge­schich­te ver­an­lass­te: „Der Pelz, den Du trägst, hat Dir die Natur nicht für Dich, son­dern für mich gege­ben“ (Aka­de­mie Aus­ga­be, 11). Kant sieht rich­tig, dass der Mensch als selbst­zweck­li­ches Wesen in Gen 3 ver­stan­den wird, die Tie­re aber sei­nem Zweck unter­ge­ord­net wer­den. So ver­lief auch unse­re Dis­kus­si­on, Mas­sen­tier­hal­tung nein, bewusst Fleisch essen, ja. Gen 1 hält die Fra­ge jeden­falls offen, in mes­sia­ni­schen Tex­ten ist aber der Tier­frie­de (z. B. Jes 11,6-10) prä­sent (vgl. Art. Tier auch mit neu­tes­ta­ment­li­chen Stel­len), sodass klar zu sagen ist, dass das unan­ge­neh­me Gefühl, das man bei der Tötung von Tie­ren haben kann, auch eine bibli­sche Reprä­sen­ta­ti­on fin­det.

Die seman­ti­sche Inter­pre­ta­ti­on von Gen 5 zeig­te, dass der patri­li­nea­re Zug von Kapi­tel 4 zwar fort­ge­setzt wird, sich aber den­noch eine Modi­fi­ka­ti­on ergibt, weil Töch­ter und Söh­ne erwähnt wer­den. Dies hängt jeden­falls auch mit dem Sach­ver­halt zusam­men, dass erneut erwähnt wird, die Men­schen sei­en zwei­ge­schlecht­lich erschaf­fen wor­den – nach dem Bild Got­tes (5,1). Dies setzt sich im Fort­pflan­zungs­vor­gang fort, sodass sich ein seman­ti­scher Gegen­satz ergibt: zwi­schen Henoch, der gott­ge­fäl­lig lebt (und sei­nem Bild­cha­rak­ter gerecht wird) – und den ande­ren, die nicht direkt zu Gott genom­men wer­den. Das kön­nen wir beim nächs­ten Mal noch ver­tie­fen.

6,1-4 bie­tet ein neu­es The­ma. In der gött­li­chen Welt geschieht Auf­re­gen­des. Die „Söh­ne Got­tes (האלהים

בני   [bene ha’elohim]) sind auf schö­ne mensch­li­che Frau­en aus – und dies löst eine Kri­se aus. Die Lebens­zeit der Men­schen wird auf 120 Jah­re begrenzt. Vgl. den Art. Göt­ter­söh­ne. Man kann das so über­set­zen, wie ich es getan habe, aber eben auch durch Göt­ter­söh­ne, weil ’elo­him ein Plu­ral­wort ist. Gleich­wohl spricht die Deter­mi­nie­rung durch den bestimm­ten Arti­kel ha m. E. eher dafür, dass es heißt: Söh­ne des Got­tes – und zwar ver­weist der bestimm­te Arti­kel auf die vor­he­ri­gen Ver­wen­dun­gen von ’elo­him seit 1,1. Auf jeden Fall ver­weist der Text auf 1Hen 6-16 – die Fra­ge ist nur, was frü­her ist, die­ser Text (Kai­ser, Wit­te) oder Gen 6,1-4. Auf­fäl­lig ist jeden­falls, dass der weg­ge­nom­me­ne Henoch als fik­ti­ver Autor des 1Hen fun­giert, was vor­aus­setzt, dass die Leser/innen des 1Hen Gen 5,21-6,4 ken­nen müs­sen, so die Ana­ly­se von Pött­ner. Der 1Hen ist für das Ver­ständ­nis des Ent­ste­hens des Chris­ten­tums wesent­lich (vgl. mei­nen Frei­heits­auf­satz, 2ff). Wir müs­sen uns aber auch damit befas­sen, was dies für das Ver­ständ­nis von Gen 6,1-4 bedeu­tet. Jeden­falls Gen 6,3 besagt, dass der (ein­ge­hauch­te) Geist nicht län­ger als 120 Jah­re im Men­schen sein soll.

Da müs­sen wir wei­ter dis­ku­tie­ren, lesen Sie bit­te das gesam­te Kapi­tel 6 zu Ende – und fra­gen Sie sich, wel­cher Gegen­satz in 6,1-4 auf­ge­baut wird.

Ich bie­te am 12.07. einen Ersatz­ter­min an. Falls von Ihnen also vie­le auf die Exkur­si­on nach Bens­heim müs­sen, kön­nen wir den über­nächs­ten Ter­min aus­fal­len las­sen. Das müs­sen wir beim nächs­ten Mal ent­schei­den.

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Info:
Ver­an­stal­tun­gen am 10.06. ist Beitrag Nr. 3365
Autor:
Martin Pöttner am 11. Juni 2014 um 16:16
Category:
Allgemein
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