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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


TUD)">Ver­an­stal­tun­gen am 06.05. (TUD)

 

2               Witt­gen­stein und Peirce

Die Sit­zung zu Witt­gen­stein muss­te fort­ge­setzt wer­den. Witt­gen­stein bestimmt den Bild­be­griff in der Pra­xis von Lebens­for­men. Dadurch wer­den Bil­der ver­mit­telt und kön­nen das Leben von reli­giö­sen Men­schen bestim­men. Wir erwo­gen, ob das Gerichts­bild durch Ängs­te zur Lebens­än­de­rung führt oder ob es ein Ein­druck ist, der uns immer wie­der ein­fällt und unser Leben beglei­tet. Immer aber geht es dar­um, dass wir für unser Leben ver­ant­wort­lich sind. Auch wenn die Angst­auf­fas­sung ange­sichts der christ­li­chen Erlö­sungs­vor­stel­lung etwas vage ist, ist doch klar, dass etwa Pau­lus ein Gericht nach den Wer­ken unter­stellt. Unse­re Per­son ist zwar gerecht­fer­tigt, doch die Qua­li­tät unse­rer Hand­lun­gen wird beur­teilt (vgl. 1. Kor 3). Das Gerichts­bild regelt mit­hin die Ernst­haf­tig­keit unse­rer Hand­lun­gen.

Peirce setzt etwas anders an (vgl. § 1 mei­ner Vor­le­sung, 1.2.1). Zwar will er eben­falls wis­sen­schaft­li­che und reli­giö­se Äuße­run­gen unter­schei­den – auf lan­ge Sicht aber sol­len bei­de über­ein­stim­men. Das setzt in bei­den Sys­te­men Dyna­mik vor­aus. Peirce zufol­ge ist die­se im Wis­sen­schafts­sys­tem groß, wäh­rend die Reli­gi­on eher abge­dro­schen und kon­ser­va­tiv wirkt. Doch das wider­spricht den Prin­zi­pi­en reli­giö­ser Äuße­run­gen. Die­se sind Gefühls­äu­ße­run­gen, die auf das Abso­lu­te bezo­gen sind. Die­se sind flüch­tig und kaum sta­bil. Vor allem betont er den Cha­rak­ter der Extra­va­ganz. Dies bedeu­tet, dass gewöhn­li­che Zei­chen­fol­gen in den Kon­text des Abso­lu­ten gestellt wer­den. Wir müs­sen also mit­hil­fe des uns all­täg­lich Ver­trau­ten das Ande­re bezeich­nen. Wir mach­ten uns das anhand der Rede vom Schla­fen, Auf­ste­hen und Auf­ge­weckt­wer­den klar. In die­sem Kon­text wur­den die Vor­stel­lun­gen von der Unsterb­lich­keit der See­le, ihre pla­to­nisch post­mor­ta­le Schau der Ide­en und die wesent­li­che Struk­tur der bibli­schen Auf­er­ste­hungs­hoff­nung bespro­chen. Vgl. zu man­chen Ein­zel­hei­ten die Sei­ten 301ff mei­ner Habi­li­ta­ti­ons­schrift, dort wird das Extra­va­ganz­kon­zept durch­ge­führt.

Sowohl Witt­gen­stein als auch Peirce waren davon über­zeugt, dass die posi­ti­vis­ti­sche Welt­sicht nicht der Weis­heit letz­ter Schluss ist. Peirce erwar­tet dabei stär­ker als Witt­gen­stein, dass sich der Wis­sen­schafts­po­si­ti­vis­mus phi­lo­so­phisch abschwä­chen las­se. Bei­de stim­men aber dar­in über­ein, dass reli­giö­se Pra­xis gerecht­fer­tigt ist, wobei Peirce ihre stän­di­ge dyna­mi­sche Form ein­for­dert.

Am 18.05. pre­di­ge ich um 10.30 Uhr in Gries­heim, Nord­ring 51-53.

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Info:
Ver­an­stal­tun­gen am 06.05. (TUD) ist Beitrag Nr. 3268
Autor:
Martin Pöttner am 7. Mai 2014 um 14:13
Category:
Allgemein
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