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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Die Bilder des Elia (1Kön 19,1-18 [EfG Griesheim])

Die baptistische Gemeinde in Griesheim veröffentlicht seit einiger Zeit Tonaufnahmen von Predigten, darunter auch von meinen. Bei den Gemeindegliedern handelt es sich um christlich engagierte Menschen, die religiös und theologisch offen sind.

 

Altarbild der Entrückung des Elia

»1 Und Ahab sagte Isebel alles, was Elia getan hatte und wie er alle Propheten Baals mit dem Schwert umgebracht hatte.[1]

2 Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: Ich habe bei Strafe der Götter geschworen, dass ich dich morgen um diese Zeit so behandele, wie du mit diesen umgegangen bist!

3 Da fürchtete Elia sich, machte sich auf und lief um sein Leben und kam nach Beerscheba in Juda und ließ seinen Diener dort.

4 Er aber ging eine Tagesreise weit in die Wüste und kam und setzte sich unter einen Wacholder und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, Herr, mein Leben; ich bin nicht besser als meine Väter.

5 Und er legte sich hin und schlief unter dem Wacholder. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss!

6 Und er sah sich um, und siehe, bei seinem Kopf lagen ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen.

7 Und der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.

8 Und er stand auf und aß und trank und ging aufgrund der Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb.

9 Und er kam dort in eine Höhle und blieb dort über Nacht. Und siehe, das Wort des Herrn kam zu ihm: Was machst du hier, Elia?

10 Er sprach: Ich habe geeifert für den Herrn, den Gott der Heerschaaren; denn Israel hat deinen Bund verlassen und deine Altäre zerbrochen und deine Propheten mit dem Schwert getötet und ich bin allein übrig geblieben, und sie trachten danach, dass sie mir mein Leben nehmen.

11 Der Herr sprach: Geh heraus und tritt auf den Berg vor den Herrn! Und siehe, der Herr wird vorübergehen.

Und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, kam vor dem Herrn her; der Herr aber war nicht im Winde. Nach dem Wind aber kam ein Erdbeben;

aber der Herr war nicht im Erdbeben.

12 Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer;

aber der Herr war nicht im Feuer.

Und nach dem Feuer kam ein sanftes Wehen.

13 Als das Elia hörte, verhüllte er sein Antlitz mit seinem Mantel und ging hinaus und trat in den Eingang der Höhle. Und siehe, da kam eine Stimme zu ihm und sprach: Was hast du hier zu tun, Elia?

14 Er sprach: Ich habe für den Herrn, den Gott der Heerscharen, geeifert; denn Israel hat deinen Bund verlassen, deine Altäre zerbrochen, deine Propheten mit dem Schwert getötet und ich bin allein übrig geblieben, und sie trachten danach, dass sie mir das Leben nehmen.

15 Aber der Herr sprach zu ihm: Geh wieder deines Weges durch die Wüste nach Damaskus und geh hinein und salbe Hasaël zum König über Syrien

16 und Jehu, den Sohn Nimschis, zum König über Israel und Elisa, den Sohn Schafats, von Abel-Mehola zum Propheten an deiner statt.

17 Und es soll geschehen: Wer dem Schwert Hasaëls entrinnt, den soll Jehu töten, und wer dem Schwert Jehus entrinnt, den soll Elisa töten.

18 Und ich will übrig lassen siebentausend in Israel, alle Knie, die sich nicht gebeugt haben vor Baal, und jeden Mund, der ihn nicht geküsst hat.«

 

Liebe Gemeinde,

 

zwischen unserem Predigttext sund der Schriftlesung scheinen Welten zu liegen. Zwischen dem Gott, der die Baalspriester durch seinen Propheten Elia und andere willige Helfer schlachten lässt – und dem Gott, der seine Feinde liebt, muss man einen Widerspruch feststellen.

Vielleicht hat der Gott Israels eine Geschichte durchgemacht wie ich selbst, der die Geschichten des Richterbuchs, der Samuel- und Königsbücher als Junge abends vor dem Schlafengehen gelesen hat und sie sehr spannend fand. Heute neige ich dazu, Gott so zu betrachten, wie es im Schriftlesungstext dargestellt ist. Dazwischen liegen in meinem Leben deutlich über vierzig Jahre. Wenn die konservativer urteilenden alttestamentlichen Kollegen recht haben sollten, dann liegen zwischen dem Gottesverständnis von 1Kön 19 und demjenigen von Mat 5 gut 900 Jahre. Ich war von Leuten wie Elia begeistert – und habe erst später verstanden, dass er im Namen des Herrn und mit dessen ausdrücklicher Anerkennung Baalspriester umgebracht hat – und dabei in die Nähe dessen gekommen ist, wie es Osama bin Laden mit Amerikanern, Asiaten und Europäern gelungen ist. Und zur Zeit, als ich von Elia begeistert war, war ich Fan des FC Bayern und war auch von einem Spieler begeistert, der nun als sehr erfolgreicher Präsident des FC Bayern mit dem deutschen Steuerrecht ganz arg in Konflikt geraten ist. So verändert sich vieles im Leben – und natürlich fragen wir uns, warum das so ist, vor allem, weshalb in der Bibel derart unterschiedliche Perspektiven veröffentlicht sind. Wenn doch Gott so ist, wie es uns Mat 5,43-48 erkennen lässt, warum dann in derselben Bibel ein Text wie 1Kön 19? Nach meiner Überzeugung gibt es kaum Fragen, die in der Bibel selbst nicht schon gestellt sind – und man findet auch Antworten darauf, man muss nur lesen – und nachdenken.

So natürlich auch auf die eben von mir gestellte Frage der offensichtlichen Widersprüche. Die Antwort steht zu Beginn der Bibel, in 1. Mose 1,26 und 27. In gewisser Weise als Einleitung zu dem, was auf den folgenden Hunderten  von Seiten folgt, steht dort, dass wir nach dem Bild Gottes geschaffen sind, wie die Septuaginta, die griechische Übersetzung m. E. richtig übersetzt. Und wer nach dem Bild Gottes geschaffen ist, der ist wohl selbst ein bildliches Wesen – und entwirft ständig angesichts seiner Lebenserfahrungen immer neue Bilder, eben auch von seinen Gotteserfahrungen. Und auch die christliche Ikonografie besitzt eine Reihe von Bildern des Elia. Die grafische Darstellung seiner Geschichten ist bis heute nicht abgerissen.

Im Nordreich Israels herrschte eine längere Dürre – und es gab Streit darüber, wie man das lösen könnte. Natürlich stellte sich die Frage, wer der bessere Wettergott sei, der kanaanäische Wettergott Baal – oder eben der „Herr“, der Gott Elias. Die im Text genannten Ahab und Isebel als Königspaar waren für Baal – Isebel stärker als Ahab. Und die Mehrheit des Volkes war ihrer Ansicht. Nur der Prophet Elia war seinem Herrn treu. Es kam zu einer Art Gottesurteilszene auf dem Karmel, wo sich die Baalspriester und Elia gegenüber standen. Und der Herr siegte über Baal.

 

Das hatte die Folge, dass Elia die Baals­priester tötete. Ahab lässt sich vom beginnenden Regen beeindrucken, Isebel aber nicht. Und Elia muss fliehen.

»3 Da fürchtete Elia sich, machte sich auf und lief um sein Leben und kam nach Beerscheba in Juda und ließ seinen Diener dort.

4 Er aber ging eine Tagereise weit in die Wüste und kam und setzte sich unter einen Wacholder und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, Herr, mein Leben; ich bin nicht besser als meine Väter.«

Elia hat also eine Art Depression und will sterben.

Doch der Herr schickt einen Engel, der bringt ihm etwas zu essen:

»5 Und er legte sich hin und schlief unter dem Wacholder. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss!«

Er isst und trinkt, gewinnt wieder etwas Lebensmut und hat eine der bedeutendsten Offenbarungen Gottes, die in der Bibel erzählt wird.

»11 Der Herr sprach: Geh heraus und tritt auf den Berg vor den Herrn! Und siehe, der Herr wird vorübergehen. Und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, kam vor dem Herrn her; der Herr aber war nicht im Winde. Nach dem Wind aber kam ein Erdbeben; aber der Herr war nicht im Erdbeben.

12 Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der Herr war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam ein  sanftes Wehen.«

Dasjenige, was Elia erlebt, eine Vision, hat etwas überschießendes, prophetisches.

Der Herr ist nicht im starken, Felsen brechenden Wind, dem Erdbeben und dem Feuer. Dann kommt ein sanftes Wehen, Elia vermeidet das Sehen und tritt in die Höhle des Gottesberges zurück – und der Herr spricht mit ihm und gibt Anweisungen, wie das Strafgericht weitergehen soll.

Doch die visionäre Bilderwelt des Elia sieht die Zukunft des Berg-, Wetter- und Kriegsgottes, eben des Herrn. Er ist im „sanften Wehen“. Auch Elia hat Teil an dieser Zukunft, denn er muss nicht sterben, sondern wird mit einem feurigen Wagen mit feurigen Pferden direkt zu Gott geholt.

Das „sanfte Wehen“ verweist auf die Zeit voraus, in welcher der Herr der einzige Gott ist, der seine Feinde liebt. Da wird Elia dabei sein, er war ja Johannes der Täufer, wie im Christentum geglaubt wird.

Elia sieht also, dass Gott eine Geschichte haben wird und sich verändern wird. Und wir können diese kriegerischen Storys annehmen, wie der vorpubertäre Junge Martin Pöttner immer noch zu dem vor Ihnen stehenden Martin Pöttner gehört – und integriert ist.

Lassen wir uns von dem sanften Wehen ansprechen, das Elia wahrnahm. Es ist das sanfte Wehen der Liebe. Aber die wilden Storys des Wetter-, Berg- und Kriegsgottes, des Herrn, können wir auch integrieren, wenn wir sie als Bilder sehen, wie es uns als Wesen angeraten ist, die nach dem Bilde Gottes geschaffen sind. Der Gott der Feindesliebe hat eine gewisse Zeit dazu gebraucht, um genau dazu zu werden. Elia konnte es schon sehen. Und wir müssen damit umgehen.  Leichter wäre es, wenn Gott die Felsen bräche oder ein verschlingendes Feuer wäre. Aber Gott hat eingesehen, dass die Wirklichkeit komplexer ist. So sind wir auch dann angenommen, wenn wir nicht so eindeutig auf der richtigen Seite stehen, wie es bei Elia der Fall war. Und auch Uli Hoeneß hat eine Chance vom aggressiven Poltern zum achtsamen Wahrnehmen der Anderen zu kommen.

Die Vision des Elia auf dem Horeb ist also tief gehend. Lassen wir uns vom sanften Wehen in unserem Alltag inspirieren.

 

 



[1] Die Übersetzung lehnt sich an diejenige Martin Luthers an, korrigiert sie aber an einigen Stellen. Auch die der Septuaginta und der Vokalisierung des hebräischen Tetragramms (יהוה [JHWH]), die eine Lektüre als Adonaj („Herr“) vorsieht, folgende Rede vom „Herrn“ bleibt so.

« Die arme Sünderin Annette Schavan – Die europäische Freiheit besteht noch! »

Info:
Die Bilder des Elia (1Kön 19,1-18 [EfG Griesheim]) ist Beitrag Nr. 3188
Autor:
Martin Pöttner am 22. März 2014 um 17:00
Category:
Allgemein
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