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FAZ (S), 15.09., 2f.14">Bünd­nis 90/Die Grü­nen als pädo­kri­mi­nel­le Grup­pe – FAZ (S), 15.09., 2f.14

Die Par­tei Bünd­nis 90/Die Grü­nen ist  von einer Debat­te erfasst wor­den, die auf die 1970er Jah­re zurück­geht und nicht zuletzt durch Dani­el Cohn-Ben­dit auch lite­ra­ri­schen Aus­druck fand.

Im kon­ser­va­ti­ven Spek­trum, nicht zuletzt bei der CSU, herrscht Auf­re­gung. Kann man doch so eine kla­re Abgren­zung kom­mu­ni­zie­ren und eine schwarz­grü­ne Koali­ti­on zunächst ein­mal völ­lig aus­schlie­ßen. Zudem ist es mög­lich, die katho­li­sche Kir­che etwas weni­ger unge­wöhn­lich dar­zu­stel­len. Bei die­ser gibt es unter Pries­tern nicht nur Homo­se­xu­el­le, was seit dem gnos­ti­schen Judas-Evan­ge­li­um (wohl drit­tes oder vier­tes Jahr­hun­dert d. Z.) behaup­tet wird, son­dern eben Pädo­phi­le, bei denen inzwi­schen unbe­strit­ten ist, dass es zu Kin­des­miss­brauch gekom­men ist, der unter die hier­zu­lan­de gül­ti­gen §§ 174/6 des Straf­ge­setz­bu­ches fällt.

Bünd­nis 90/Die Grü­nen hat den Poli­to­lo­gen Franz Wal­ter damit beauf­tragt, eine Auf­klä­rung des Sach­ver­halts zu leis­ten, die erst 2014 abge­schlos­sen wer­den soll. Da aber jetzt Wah­len sind, wird die Debat­te von der Welt, aber auch für Inti­mi­täts­be­zie­hun­gen offe­nen Orga­nen wie der FAZ, wo es seit Län­ge­rem kri­ti­sche Sit­ten­wäch­ter wie Vol­ker Zastrow gibt, eine Kam­pa­gne insze­niert. Die­ser hat bei­spiels­wei­se in einem Inter­view mit Roland Koch zum The­ma Kon­ser­va­ti­vis­mus im Okto­ber 2010 behaup­tet, dass Ole von Beust mit einem Min­der­jäh­ri­gen zusam­men­le­be – wor­auf aber kei­ne straf­recht­li­che Unter­su­chung erfolg­te, mit­hin auch kei­ne Ankla­ge usf. erfolg­te. Mut­maß­lich war die­se Behaup­tung falsch.

Es ist wohl kein Zufall, dass 14 Tage nach dem Arti­kel von Marie Katha­ri­na Wink­ler zur Ehe­un­treue der EKD nun die Ver­öf­fent­li­chung eines Arti­kels von Chris­ti­an Fül­ler erfolgt, der in der „taz“ nicht ver­öf­fent­licht wer­den durf­te (15.09., 2f; auf S. 14 kom­men­tiert das Zastrow).

Man muss bei die­sen Fra­gen ein biss­chen die Ruhe bewah­ren: Von den Frank­fur­ter Kin­dern, die Dani­el Cohn-Ben­dit betreu­te, und deren Eltern gibt es kei­ne kri­ti­schen Stim­men. Mit­hin hat es auch in den letz­ten 40 Jah­ren kei­ne juris­ti­sche Ver­fol­gung gege­ben. Gleich­wohl bezeich­net Chris­ti­an Fül­ler ihn in engem Kon­text zu angeb­lich „pädo­kri­mi­nel­len“ Mit­glie­dern grü­ner AGs oder Ver­ei­ni­gun­gen wie der „India­ner­kom­mu­ne“ als Schreib­tisch­tä­ter. Von die­sen Mit­glie­dern sind tat­säch­lich eini­ge ver­ur­teilt wor­den – aber bei Cohn-Ben­dit gibt es bis­lang kei­ne Opfer, die sich äußern.

Der gegen­über sei­ner Ursprungs­fas­sung über­ar­bei­te­te Arti­kel Fül­lers wen­det sich vor allem gegen die Auf­klä­rungs­ar­beit Franz Wal­ters. Was bis­lang davon bekannt ist, ent­spricht auch mei­nem eige­nen Wis­sen: Die Grü­nen hat­ten in ihrer Grün­dungs­pha­se bis in die zwei­te Hälf­te der 1980er stets die­ses The­ma, aber es gab nur weni­ge Beschlüs­se wie in Nord­rhein­west­fa­len, die dann aber bald wie­der kas­siert oder neu­tra­li­siert wur­den. Selbst­ver­ständ­lich hat auch Vol­ker Beck dabei eine ambi­va­len­te Rol­le gespielt, weil er für die männ­li­chen Homo­se­xu­el­len durch­aus auch zeit­wei­se eine Koali­ti­on mit den Pädo­phi­len befür­wor­te­te. Dies schätz­te er aber bald als Feh­ler ein. Mag sein, dass die­ses Urteil zu dif­fe­ren­zie­ren ist. Teil­wei­se galt das damals auch für die Sexu­al­wis­sen­schaft – was heu­te nicht mehr der Fall ist.

Fül­ler argu­men­tiert daher weni­ger mit Fak­ten, son­dern unter­stellt eine Men­ta­li­tät bei den Grü­nen. Zwar sei die Bun­des­tags­frak­ti­on bald ohne sol­che pädo­phi­len Ele­men­te gewe­sen, aber die­se hät­ten sich in der Par­tei wei­ter ver­brei­tet – und jene pädo­phi­le Men­ta­li­tät wei­ter ver­brei­tet. Über den Erfolg der pädo­phi­len Ele­men­te schweigt er sich aus, die Men­ta­li­tät steckt in den „Köp­fen“, wie er behaup­tet. Das ist phi­lo­so­phisch betrach­tet Unsinn. Wenn die­se Men­ta­li­tät ver­brei­tet war, müss­ten sich erheb­lich mehr Opfer zei­gen. Vor allem in die­sem Milieu, in dem die­se Ten­denz schon von Anfang an von Femi­nis­tin­nen und Sexu­al­wis­sen­schaft­lern kri­ti­siert wur­de. Wäh­rend die katho­li­sche Kir­che das The­ma doch wohl jahr­hun­der­te­lang ver­schwie­gen hat, bear­bei­tet es die Grü­ne Par­tei ver­hält­nis­mä­ßig schnell. Dass der „Bischof Trit­tin“ sich gegen die Auf­klä­rung stel­le, ist eine irgend­wie wit­zi­ge, aber auch sach­lich schwie­ri­ge Behaup­tung. Es gibt sicher­lich Opfer der India­ner­kom­mu­ne oder auch des Emma­us-Zen­trums Dachs­berg. Doch Fül­ler behaup­tet impli­zit, dass jene Men­ta­li­tät erheb­lich mehr Opfer geschaf­fen haben müs­se. Und im Unter­schied zu katho­li­schen Bischö­fen habe der grü­ne Bischof Trit­tin kei­ne Anlauf­stel­le für sol­che Opfer geschaf­fen. Auf mich wirkt die­se Argu­men­ta­ti­on unse­ri­ös.

Wor­um geht es eigent­lich? Der Arti­kel von Fül­ler, aber auch der Kom­men­tar von Zastrow lässt kaum Zwei­fel. Nicht nur in der kru­den Sexu­al­mo­ral der römi­schen Kir­che, son­dern auch in der sexu­el­len Revol­te steckt eine mög­li­che Gefähr­dung der Men­schen­rech­te. Die römi­sche Kir­che ver­letzt die­se offen, aber in der sexu­el­len Revol­te steckt das Pro­blem der Pädo­phi­lie.

… die sexu­el­le Befrei­ung des Kin­des führ­te gera­de­wegs auf den Schoß von Pädo­sexu­el­len und ihren Mit­läu­fern.“ (3)

Fül­ler bringt ein Name­drop­ping von Wil­helm Reich und Theo­dor Adorno/Max Hork­hei­mer zustan­de, aber er klärt nur wenig über das Pro­blem auf.

Die freie Ent­fal­tung der Sexua­li­tät war ein wich­ti­ges The­ma in den 1960er und 1970er Jah­ren – und dies hat sich in der bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Gesell­schaft über­wie­gend posi­tiv aus­ge­wirkt. Auch die meis­ten Kon­ser­va­ti­ven haben davon pro­fi­tiert. Wenn in der Uni­on ganz ruhig mit dem Sach­ver­halt umge­gan­gen wird, dass Minis­te­rin­nen Les­ben sind, ver­dankt sich das die­ser Zeit. Wor­über heu­te dis­ku­tiert wird, ist die Fra­ge, war­um es bei den Grü­nen, aber auch bei eini­gen Jungdemokrat/inn/en etwa 10 Jah­re gedau­ert hat, bis erkannt wur­de, dass die sexu­el­le Kom­mu­ni­ka­ti­on von Erwach­se­nen und Kin­dern bzw. Jugend­li­chen asym­me­trisch ist, die Alters­gren­zen von 14 bzw. 16 Jah­ren ent­wick­lungs­psy­cho­lo­gisch durch­aus gerecht­fer­tigt sind. Das war wis­sen­schaft­lich damals gar nicht so sicher. M. E. waren die­se wis­sen­schaft­li­chen Behaup­tun­gen immer sehr zwei­fel­haft – und dies ist seit gut 20 Jah­ren bestä­tigt.

Aus mei­ner Sicht sind die Bestre­bun­gen von Zastrow und Wink­ler in der FAZ sehr merk­wür­dig – und sie sind auch unter kon­ser­va­ti­ven Men­schen nicht beson­ders trif­tig, weil das der eige­nen Lebens­er­fah­rung wider­spricht.

Par­al­le­le Links: http://www.katholikenkreis.de/

http://charismatismus.wordpress.com/2013/09/12/kindersex-das-ungeistige-erbe-der-68er-und-die-grune-vertuschung/

 

« Lukas 7,1-10 (EfG Gries­heim) – Mon­tai­gne, Von den Men­schen­fres­sern (Über die Kan­ni­ba­len [Phi­lo­so­phie­kreis Hei­del­berg, 19.09.]) »

Info:
Bünd­nis 90/Die Grü­nen als pädo­kri­mi­nel­le Grup­pe – FAZ (S), 15.09., 2f.14 ist Beitrag Nr. 2879
Autor:
Martin Pöttner am 16. September 2013 um 11:57
Category:
Allgemein,Körper,Mann/Frau,Menschenrechte,Psyche,Vegetatives Nervensystem
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