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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


TUD">Ver­an­stal­tun­gen 11.06. Uni Hd und TUD

 

1               Uni Hd: Oster­ge­schich­ten

Der Plan für die letz­ten Sit­zun­gen bis zum 23.07. (Dop­pel­sit­zung) lau­tet:

18.06. Luk 24,1-35 auf Grie­chisch

25.06. Joh 19-21 auf Deutsch

02.07. Joh 20,1-31 auf Grie­chisch

09.07. Joh 21,1-25 auf Grie­chisch

16.07. Schrei­ben, Lie­be und Auf­ste­hen bei Johan­nes

23.07. 1Kor 15,1-11 auf Grie­chisch; 12-28 auf Deutsch

– das Rea­li­täts­ver­ständ­nis des Auf­ste­hens
nach Pau­lus

23.07. Im Anschluss Abschluss­dis­kus­si­on

Die Sit­zung hat­te Luk 24 zum The­ma. Dabei fiel auf, dass Luk nach der Erzäh­lung vom lee­ren Grab zuerst die Erschei­nung Jesu wäh­rend des Dis­kur­ses mit den Emma­us­jün­gern erzählt, dann die Erschei­nung vor Simon Petrus erwähnt. Wei­ter erscheint Jesus den Elf plus den Emma­us­jün­gern, die eben nach Jeru­sa­lem zurück­ge­kehrt waren.

Die­se Erschei­nung ist eine Erwei­te­rung und Ver­stär­kung der Emma­us­jün­gererzäh­lung. Deut­lich wird betont, dass Jesus als Auf­ge­stan­de­ner kein blo­ßer Geist sei, son­dern Fleisch und Kno­chen besit­ze. Zudem isst er, was ja nur nötig ist, wenn Fleisch und Kno­chen Nah­rung brau­chen. Die­se Ele­men­te fin­den sich alle in der Emma­us­jün­gererzäh­lung. Und dort fin­det sich auch das drit­te wesent­li­che Ele­ment von Luk 24: Alles das­je­ni­ge, was im Leben, Ster­ben, Auf­ste­hen Jesu geschah (und wei­ter in der Geschich­te der Kir­che geschieht), hat sich nach einem nar­ra­ti­ven Pro­gramm ereig­net, dass in der LXX als dem Alten Tes­ta­ment der frü­hen Christ/inn/en auf­ge­schrie­ben wur­de. Luk inter­pre­tiert die Hei­li­gen Schrif­ten der Juden als pro­phe­ti­sche Tex­te, wel­che die gram­ma­ti­schen Regeln krea­tiv vor­ge­ben, nach denen das luka­ni­sche Dop­pel­werk geschrie­ben ist.

Zum Brot­bre­chen vgl. Act 2,46.

Luk 24 ist auch als Über­gang zu Act kon­zi­piert, Him­mel­fahrt und Geist­wun­der wer­den erzählt bzw. ange­deu­tet.

Die Dis­kus­si­on dreh­te sich u. a. um das Ver­hält­nis von Juden­tum und Chris­ten­tum, Act 28 als Pro­blem­an­zei­ge wur­de dis­ku­tiert. Dort dis­ku­tiert Pau­lus mit der jüdi­schen Gemein­de in Rom, sei­ne Bot­schaft wird dort abge­lehnt. Es ist m. E. wich­tig, dass Luk so offen­legt, sei­ne Aus­le­gung der Hei­li­gen Schrif­ten der Juden fin­de im Kon­text der ([proto]rabbinischen) Theo­lo­gie kei­ne Zustim­mung. Die Kon­zep­ti­on des Luk ist eine der ver­söhn­ten und strei­ten­den Ver­schie­den­heit. So wer­den im Escha­ton Pes­sach und Abend­mahl gefei­ert. Viel­leicht nicht so enthu­si­as­tisch wie Pau­lus (Röm 11,25-32), aber doch ähn­lich, unter­stellt er, dass die Juden geret­tet wer­den. Die Umkehr steht im Zen­trum der Ver­kün­di­gung der Schü­ler – und die­ses The­ma hat die Jesus­tra­di­ti­on mit der dyna­mi­schen Schrift­aus­le­gung im Juden­tum gemein­sam. Es wird nach Luk auch zum Haupt­the­ma der Kir­chen­ge­schich­te, wel­che von Jeru­sa­lem aus­geht.

In der Emma­u­s­er­zäh­lung wird auf jüdi­sche Mes­si­as­hoff­nun­gen Bezug genom­men, die im Schü­ler­kreis prä­sent waren. Sie fin­den sich in PsSal 17f, dar­aus ein Aus­schnitt:

Dar­in ist also eine Aus­ein­an­der­set­zung mit fol­gen­der im Juden­tum vor­han­de­nen Mes­si­as- (grie­chisch: chris­tos, latei­nisch: Chris­tus-) Vor­stel­lung zu fin­den:

Sieh zu, Herr, und lass ihnen ihren König erste­hen, den Sohn Davids,

…, dass er über dei­nen Skla­ven Isra­el regie­re.

Und gür­te ihn mit Kraft, dass er unge­rech­te Hei­den zer­schmet­te­re,

Jeru­sa­lem rei­ni­ge von den Hei­den, die es erbar­mungs­wür­dig zer­tre­ten …

Dann wird er sein hei­li­ges Volk zusam­men­füh­ren, das er mit Gerech­tig­keit regiert …

Er lässt nicht zu, dass wei­ter Unrecht in ihrer Mit­te statt­fin­det …,

Und er ver­teilt sie nach ihren Stäm­men über das Land,

und weder Bei­sas­se noch Frem­der darf künf­tig unter ihnen woh­nen.

Er rich­tet [alle] Völ­ker nach sei­ner gerech­ten Weis­heit.

(Psal­men Salo­mos 17,21-29)

Da Jesus aber ein gekreu­zig­ter Mes­si­as war, ist das kei­ne 1:1-Übernahme – und die Schrift­aus­le­gung muss u. a. aus Jes 53 Ergän­zun­gen lie­fern.

2               TUD: Ver­ständ­nis­vol­les Lesen der Bibel (1. Mose 9)

Die Debat­te über 1. Mose 9 schloss den Abschnitt des Semi­nars ab, der sich mit dem Pro­blem der Glie­de­rung und Bestim­mung der The­men eines Tex­tes (Seman­tik) befasst. Ab dem nächs­ten, vor allem ab dem über­nächs­ten Mal ist dann die Prag­ma­tik der Tex­te The­ma. Was wol­len die­se Tex­te kom­mu­ni­ka­tiv errei­chen? Ver­mu­tun­gen dar­über haben wir immer schon ange­stellt, aber min­des­tens ab dem über­nächs­ten Mal wer­den wir das expli­zit in den Vor­der­grund stel­len, wenn auch die Exkursionsteilnehmer/innen wie­der dabei sind.

In 1. Mose 9 wird das The­ma des Noah­bun­des in den Vor­der­grund gestellt, wir mach­ten uns auch Signa­le wie den Regen­bo­gen klar. Die The­men des Vor­tex­tes waren stark prä­sent. Gott lässt kei­ne Sint­flut mehr kom­men, obgleich „das Trach­ten der Men­schen böse von Jugend auf“ ist.

Der „Bund“ ist eine Ver­trags­kon­zep­ti­on. Gott schließt mit die­sen Men­schen einen Ver­trag und ver­pflich­tet sich, kei­ne Sint­flut mehr kom­men zu las­sen. Man kann mit Kant sagen: Gott erkennt die Men­schen­rech­te an, zu die­sen gehört auch das Recht zu sün­di­gen. Kant sprach davon, dass der Mensch aus „krum­mem Holz“ geschnitzt sei.

Dazu gehört auch die Erzäh­lung von Noah, dem ers­ten Wein­bau­ern, bei der Ham das Nackt­heits­ta­bu ver­letzt.

3               TUD: 1. Kor 15,20-28

Mit die­sem Text wur­de der ers­te pan­the­is­ti­sche Text prä­sen­tiert. Dabei ist Gott im Begriff, alles in allem zu wer­den. Dies ist ein Pro­zess­ge­dan­ke. Gott ist am Anfang des Pro­zes­ses noch nicht alles, son­dern am Ende des Pro­zes­ses wird er dazu.

Das ist mit der Sün­de Adams ver­bun­den, bei wel­cher der Glanz in der Welt ver­lo­ren geht – und der Tod in die Welt kommt. Mit der Auf­er­we­ckung des gekreu­zig­ten Chris­tus beginnt die Gegen­be­we­gung, in der alle Gegen­mäch­te und zuletzt der Tod unter­wor­fen wer­den. Der Glanz kehrt dann zurück, Gott wird alles in allem sein.

Die Posi­ti­on ist ein pro­zessphi­lo­so­phi­scher Pan­the­is­mus, der unter Auf­nah­me von Gedan­ken Spi­no­zas seit der Roman­tik sowohl bei Schel­ling als auch bei Schlei­er­ma­cher ver­tre­ten wur­de. Beson­ders deut­lich ist dies bei Charles Peirce am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts (Reli­gi­ons­phi­lo­so­phi­sche Schrif­ten, 1995) der Fall. Die­se Posi­ti­on liegt auch bei Alfred North Whitehead vor. Unter den evan­ge­li­schen Theo­lo­gen wird die­se Posi­ti­on am ehes­ten von Eber­hard Jün­gel ver­tre­ten. Dabei ist gedacht, dass im ewi­gen Leben, in dem Gott alles in allem ist, unse­re Indi­vi­dua­li­tät durch nicht geleb­te Mög­lich­kei­ten ergänzt wird. Aber es ist auch klar, dass die schar­fen Gren­zen zu Ande­ren, die wir oft zie­hen, kei­nen Bestand haben.

Nach mei­nem Urteil war Pau­lus der bedeu­tends­te Theo­lo­ge des Chris­ten­tums. Denn er hat nicht die Über­le­gen­heit des christ­li­chen Lebens, über ande­re Wei­sen zu leben, gelehrt. Das wäre Selbst­ruhm. Nüch­tern ist die Welt, wie wir sie erle­ben, durch den Tod und die Ver­gäng­lich­keit bestimmt. Die Lebens­zei­chen, die auf den kom­men­den Glanz ver­wei­sen, sind Glau­be, Hoff­nung und Lie­be. Wenn alle Men­schen so leb­ten, wäre alles gut. Aber so ist es nicht. Der Tod muss unter­wor­fen wer­den, er fin­det sich auch in gesell­schaft­li­chen For­men wie dem Kapi­ta­lis­mus, um ein Bei­spiel aus der Semi­nar­grup­pe zu neh­men. Nach Pau­lus leben wir rich­tig, wenn wir glau­ben, hof­fen und lie­ben. Und so ver­zwei­feln wir s. E. nicht, wenn wir dar­auf har­ren, dass Gott alles in allem wird – und Glanz und Zau­ber uni­ver­sal sind.

Es wur­de kon­tro­vers dis­ku­tiert, ob die­ser Got­tes­ge­dan­ke nicht dem Vater­un­ser wider­spre­che. Eher nicht. Man darf das Gebet Jesu nicht mit den eige­nen Wün­schen ver­wech­seln, so Schlei­er­ma­cher. Gera­de die Gebets­fröm­mig­keit, die bei Mk und Mt durch­scheint, setzt vor­aus, dass das Ver­trau­en an der Schöp­fer­macht Got­tes par­ti­zi­piert. Und man wird fest­hal­ten müs­sen, dass die­se sich ent­wi­ckelt und im Wer­den begrif­fen ist. In die­se Lebens­hal­tung üben, auf unter­schied­li­che Wei­se, Mar­kus und Mat­thä­us ein.

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Info:
Ver­an­stal­tun­gen 11.06. Uni Hd und TUD ist Beitrag Nr. 2763
Autor:
Martin Pöttner am 12. Juni 2013 um 19:32
Category:
TU Darmstadt,Uni Heidelberg,Wirtschaft und Philosophie,Zeichen und Philosophie
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