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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Erkenntniseinstellungen (Vhs Neckargemünd)

1                Erin­ne­rung an die ers­te Sit­zung

Der Kurs­plan wur­de so ange­nom­men:

  1.      08.10.12: Bespre­chen des Kurs­plans, Ände­rungs­wün­sche der Teil­neh­men­den, ein ers­ter hin­füh­ren­der Text.
  2.      15.10.:      Mög­li­che Erkennt­nis­ein­stel­lun­gen der Erken­nen­den – das Feld der Erkennt­nis mit mög­li­chen Vor­ge­hens­wei­sen und all­ge­mei­nen Unter­stel­lun­gen
  3.      22.10.:      Erfah­rung und Erkennt­nis I
  4.      29.10.:      Erfah­rung und Erkennt­nis II
  5.      05.11.       All­tags­er­fah­rung und Erkennt­nis
  6.      12.11:       Die Erkennt­nis von Natur­ge­set­zen
  7.      19.11:       Die Erkennt­nis von sozia­len Regeln
  8.      26.11:       Die Erkennt­nis von Regeln, wel­che Indi­vi­du­en bestim­men.
  9.      03.12:       Die Erkennt­nis der Frei­heit
  10.   10.12:       Abschluss­erör­te­run­gen

Die Teilnehmer/innen wur­den gebe­ten, sich bis zum Mon­tag­abend The­men zu über­le­gen, die Gegen­stand des Som­mer­kur­ses sein könn­ten, sodass wir am 22.10. dar­über abstim­men kön­nen!

Wei­ter­hin haben wir ver­sucht, uns mit einem ers­ten Text an das The­ma her­an­zu­tas­ten:

Witt­gen­steins, Hei­deg­gers und Dew­eys gemein­sa­me Dia­gno­se lau­tet, dass die Vor­stel­lung, das Erken­nen sei ein akku­ra­tes Dar­stel­len – ermög­licht durch beson­de­re men­ta­le Vor­gän­ge und ver­steh­bar durch eine all­ge­mei­ne Theo­rie der Dar­stel­lung –, auf­ge­ge­ben wer­den muss. Die Rede von ‚Fun­da­men­ten der Erkennt­nis’ und der Gedan­ke, die Phi­lo­so­phie habe das car­te­sia­ni­sche Unter­neh­men der Wider­le­gung des erkennt­nis­theo­re­ti­schen Skep­ti­kers zu ihrer zen­tra­len Auf­ga­be, wer­den von die­sen glei­cher­ma­ßen für nich­tig erklärt. Wei­ter­hin abge­schafft wird die Des­car­tes, Locke und Kant gemein­sa­me Idee ‚des Bewusst­seins’ als eines beson­de­ren, in einem inne­ren Raum ange­sie­del­ten For­schungs­be­reichs, in dem sich die Bestand­tei­le und Pro­zes­se fin­den, die unser Erken­nen ermög­li­chen. Dies bedeu­tet nicht, dass sie über alter­na­ti­ve ‚Theo­ri­en der Erkennt­nis’ oder ‚Phi­lo­so­phi­en des Men­ta­len’ ver­fü­gen. Sie ver­ab­schie­den Erkennt­nis­theo­rie und Meta­phy­sik als mög­li­che Dis­zi­pli­nen. (Richard Ror­ty, Der Spie­gel der Natur, 1987, 16)

Es wur­de im Kurs wahr­ge­nom­men, dass die frü­her domi­nie­ren­den neu­kan­tia­ni­schen und posi­ti­vis­ti­schen Theo­ri­en aus der Sicht des Zitats 1987 nicht mehr so wohl­ge­lit­ten waren. D. h. u. a., dass man nicht eine fer­ti­ge Erkennt­nis­theo­rie haben kann, die man dann beim Erken­nen nur noch anwen­det … Wir wer­den im Kurs­ver­lauf vor allem an Dew­ey sehen, was das bedeu­tet. Auch das ästhe­ti­sche Pro­blem und die Emo­tio­nen wur­den ergän­zend als für das Phä­no­men des Erken­nens als wesent­lich ange­spro­chen.

2               Erkenntniseinstellungen

Spä­tes­tens bei Kant wird das Pro­blem auf­ge­wor­fen, dass es kei­nes­wegs selbst­ver­ständ­lich ist, wel­che Ein­stel­lung man zum Erken­nen ein­nimmt. Dies stellt er auf den ers­ten Sei­ten der „Anthro­po­lo­gie in prag­ma­ti­scher Absicht“ dar (Kant Wer­ke, Bd. 10, Darm­stadt 1975, in der Fol­ge immer: Kant 1975). Aus der phi­lo­so­phi­schen Lite­ra­tur ist dazu hilf­reich: Micha­el Ham­pe, Eine klei­ne Geschich­te des Natur­ge­setz­be­griffs, 2007 (stw 1864), 131-134 (in der Fol­ge immer: Ham­pe 2007).

Die­ser Text Kants ist des­halb wich­tig, weil er 1902 von Charles San­ders Peirce in einem Arti­kel in Bald­wins Dic­tiona­ry of Pycho­lo­gy and Phi­lo­so­phy, 321f, auf­ge­grif­fen wur­de. Danach gibt es drei Ein­stel­lun­gen:

(1)  Die­je­ni­ge, nach wel­cher der Mensch als Natur­we­sen vor­kommt (Kant spricht davon, was die Natur aus dem Men­schen macht).

(2)  Die­je­ni­ge, nach wel­cher der Mensch als frei han­deln­des Wesen auf­tritt. Man könn­te sagen: was der Mensch aus sich macht. Kant drückt hier alter­na­ti­ve Mög­lich­kei­ten aus, er kön­ne an einem Spiel als Zuschau­er sozu­sa­gen pas­siv teil­neh­men – oder mit­spie­len.

(3)  Die von Peirce und Ham­pe the­ma­ti­sier­te drit­te Mög­lich­keit fin­det sich im kur­zen Text von Kant nicht, aber in einem bedeu­ten­den Teil von Kants Schrif­ten. Es han­delt sich um die tran­szen­den­tal­phi­lo­so­phi­sche Ein­stel­lung, der­zu­fol­ge der Mensch auf­grund sei­ner Anschau­ungs­for­men und kate­go­ria­len Ver­stan­des­leis­tun­gen die zu erken­nen­de Welt kon­sti­tu­iert.

Für Peirce und wohl noch stär­ker für sei­nen Schü­ler John Dew­ey wird die Per­spek­ti­ve des akti­ven Mit­spie­len­den dann aus­schlag­ge­bend, ich zitie­re einen wich­ti­gen Text aus Dew­eys berühm­ten Auf­satz „Besitzt die Rea­li­tät einen prak­ti­schen Cha­rak­ter?“ (in der Fol­ge Dew­ey 1908):

Sofern sich jemand schon auf die Über­zeu­gung ver­pflich­tet hat, dass die Rea­li­tät sau­ber und abschlie­ßend in einem Paket mit einem Band ver­packt ist, das nicht mehr auf­ge­schnürt wer­den kann, es mit­hin kei­ne unvoll­ende­ten The­men oder neue Aben­teu­er gibt, wird er der Auf­fas­sung wider­spre­chen, dass Wis­sen eine Dif­fe­renz erzeugt, wie man auch sonst jedem unver­schäm­ten auf­dring­li­chen Men­schen wider­spricht. Doch sofern man davon über­zeugt ist, dass sich die Welt selbst im Über­gangs­pro­zess befin­det, war­um soll­te dann die Über­zeu­gung, dass das Wis­sen der bedeu­tends­te Modus ihrer Modi­fi­ka­ti­on und das ein­zi­ge Organ ihrer Lei­tung sei, a prio­ri schäd­lich sein?“ (Does Rea­li­ty Pos­sess a Prac­tical Cha­rac­ter?, The Essen­ti­al Dew­ey I, 124ff, 125).

Dew­ey führt aus, dass die Dar­win­sche Evo­lu­ti­ons­theo­rie u. a. Ver­su­che gezeigt hät­ten, dass das Uni­ver­sum nicht sta­tisch sei, zudem zei­ge die Varia­ti­on der Erkennt­nis­se in den Ein­zel­wis­sen­schaf­ten, dass sich alles im Pro­zess befin­de.

Das bespre­chen wir am Mon­tag­abend anhand des Kant­tex­tes genau­er.

« Güglingen – Röm 8,17-25 (EfG Griesheim) »

Info:
Erkenntniseinstellungen (Vhs Neckargemünd) ist Beitrag Nr. 2570
Autor:
Martin Pöttner am 12. Oktober 2012 um 11:23
Category:
Erfahrung,VHs Neckargemünd
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