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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Nicht nur die Füße, son­dern auch den Kopf! (Joh 13 [Uni Hei­del­berg])

Joh 13 ist einer der wich­tigs­ten Tex­te im Johan­nes­evan­ge­li­um, über die Figur des Schü­lers, den Jesus lieb­te, ist der Text – auf die reli­giö­sen Bil­der der Lie­be bezo­gen – mit Joh 1,18 ver­bun­den.

Die Rol­le, die das „Abend­mahl“ bzw. „Her­ren­mahl“ für das Johan­nes­evan­ge­li­um spielt, erör­tern wir abschlie­ßend anhand der Pas­sa­ge von 6,51-58 im Kon­text der Brot­re­de in Joh 6. Klar ist, dass die Fuß­wa­schung an der­je­ni­gen Stel­le in der nar­ra­ti­ven Syn­tax der Jesus­er­zäh­lung steht, wo bei den Syn­op­ti­kern und bei Pau­lus das „Her­ren­mahl“ oder „Abend­mahl“ folgt. Den Ritual­cha­rak­ter mach­ten wir uns an der Wie­der­ho­lungs­auf­for­de­rung an die Schü­ler (V. 15) deut­lich. Es geht um einen Vor­gang, der sich als Waschung der Füße voll­zieht, wel­cher in der Abwe­sen­heit Jesu, wenn er zum Vater gegan­gen ist, wie­der­holt wer­den soll.

Damit ist ein Erlö­sungs­vor­gang ver­bun­den, der hier über­wie­gend über die „Herr“-„Sklave“-Semantik geleis­tet wird. Die Schü­ler bezeich­nen Jesus als „Herrn“ und „Leh­rer“ – und das sei gut so, wie Jesus bemerkt. Er über­nimmt aber als „Herr“ die Skla­ven­rol­le bei der Fuß­wa­schung – und dies ist nach der Mythos-Gram­ma­tik von Levi-Strauss und mei­nem Pro­blem­ge­schich­ten­mo­dell (vgl. aus­führ­lich § 3 mei­ner Vor­le­sung und notie­ren Sie sich dazu even­tu­el­le Fra­gen!) eine ein­schlä­gi­ge Erlö­sungs­kon­zep­ti­on. Die Erlö­sungs­fi­gur kann nur des­halb erlö­sen, weil sie bei­de Aspek­te des fun­da­men­ta­len Gegen­sat­zes an sich trägt, der „Herr“ wird „Skla­ve“, um die „Skla­ven“ zu erlö­sen. Es ist in der Zeit nicht unbe­dingt irre­sis­ti­bel, sodass die Petrus­fi­gur die Pro­blem­kon­stel­la­ti­on anzeigt: Mög­li­cher­wei­se tre­ten in der Gemein­de der Lie­be durch­aus Hier­ar­chie­pro­ble­me auf, aber das Ritu­al soll u. a. die­se bear­bei­ten. Jede/r ist mal Herr/in bzw. Sklav/e/in. Anders als das Abend­mahl ent­hält die Fuß­wa­schung kei­nen expli­zi­ten Ver­weis auf das Escha­ton, die­ser wird aber wohl kaum zufäl­lig im Kon­text in 14,2, wo Jesus dar­auf ver­weist, er gehe zum Vater, um Woh­nun­gen für die Schü­ler zu berei­ten, in denen sie ihr „ewi­ges Leben“ ver­brin­gen kön­nen, rela­tiv text­nah plat­ziert. Man kann sagen, die Span­nung, wegen derer die Erlö­sung geschieht und im Ritu­al voll­zo­gen wird, wird erst ganz im Escha­ton ver­schwin­den, so die Tie­fen­gram­ma­tik der Pro­blem­ge­schich­te. Auf jeden Fall ist die Fuß­wa­schung eben­falls ein Über­gangs­ri­tu­al. Es ist rich­tig, die­sen Tex­ten ethi­sche Bedeu­tung zuzu­schrei­ben, was im unmit­tel­ba­ren Kon­text nicht zuletzt durch V. 34f expli­zit geschieht. Dabei ist aber die gesam­te Struk­tur rele­vant, sodass die Besei­ti­gung der Hier­ar­chie im Ritu­al auch zur Besei­ti­gung im rea­len Gemein­de­le­ben füh­ren kann und soll, aber das Pro­blem wird rea­lis­tisch als Dau­er­pro­blem bis zum Escha­ton ver­stan­den.

Dass es sich hier um einen qua­li­ta­ti­ven Vor­gang han­delt, wird dadurch deut­lich, dass es sich selbst­ver­ständ­lich um einen Wasch­vor­gang han­delt, der frei­lich einer­seits zur Sau­ber­keit der Füße, ande­rer­seits aber zur Rein­heit (10f) führt. Hier ist der sym­bo­li­sche Cha­rak­ter, den Paul Ricœur in sei­nem Ver­such über Freud als dop­pel­te Bezeich­nung mit­tels einer Hand­lung defi­niert hat, gut und leicht erkenn­bar. Vgl. zu die­sen Sach­ver­hal­ten ins­ge­samt den Über­blick bei Mar­tin Pött­ner, Meta­phern der uni­ver­sa­len Lie­be (Mt 5,13a.14a): ThLZ 122 (1997) 105-122, wo sich Lit­ver­wei­se fin­den, die Sie zur Ver­tie­fung der auch für das „Abend­mahl“ rele­van­ten Fra­ge­stel­lun­gen füh­ren kön­nen.

Zum Dio­nysos­kult emp­feh­le ich den Wiki­pe­dia-Arti­kel: Die dor­ti­ge recht aus­führ­li­che Lite­ra­tur­lis­te soll­te metho­disch noch durch W. Bur­kert, Wil­der Usprung. Opfer­ri­tu­al und Mythos bei den Grie­chen, 1999, ergänzt wer­den.

Die Tex­te zum über­nächs­ten Mal aus der Dida­che befin­den sich hier: 8; 9; 10. Mög­li­cher­wei­se müs­sen Sie die­se zum Druck anpas­sen.

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Info:
Nicht nur die Füße, son­dern auch den Kopf! (Joh 13 [Uni Hei­del­berg]) ist Beitrag Nr. 2520
Autor:
Martin Pöttner am 20. Juni 2012 um 10:24
Category:
Religion und Mystik,Zeichen und Philosophie
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