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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Gewalt­tä­ti­ger Wider­stand?

Wir hat­ten Joh 18 zum The­ma der Sit­zung, ein Text, in dem Petrus mit einem Schwert, dem Skla­ven Mal­chus des Ober­pries­ters ein Ohr abhaut. Jesus aber will sich ver­haf­ten las­sen, er ist bereit, den „Kelch“ zu trin­ken. Ohne Zwei­fel wird an der Figur des Petrus erzäh­le­risch ein Kon­flikt durch­ge­spielt, der im frü­hen Chris­ten­tum bestan­den hat: Wäre nicht ein bewaff­ne­ter Auf­stand gegen die römi­sche Besat­zungs­macht und die­je­ni­gen Juden, die mit ihr sym­pa­thi­sier­ten bzw. zusam­men­ar­bei­te­ten, berech­tigt? Die Ant­wort auf die­se Fra­ge lau­tet hier wie in der Berg­pre­digt: Nein! Dabei ist in der Berg­pre­digt gewalt­lo­ser Wider­stand gegen offen­sicht­li­ches Unrecht ange­zielt.

Im Semi­nar wur­den kon­tro­vers die­se Fra­gen auch mit aktu­el­len Bezü­gen dis­ku­tiert.

Wesent­lich sind hier Bestand­tei­le der UNO-Char­ta:

Arti­kel 1

Die Ver­ein­ten Natio­nen set­zen sich fol­gen­de Zie­le:

1. den Welt­frie­den und die inter­na­tio­na­le Sicher­heit zu wah­ren und zu die­sem Zweck wirk­sa­me

Kol­lek­tiv­maß­nah­men zu tref­fen, um Bedro­hun­gen des Frie­dens zu ver­hü­ten und zu besei­ti­gen,

Angriffs­hand­lun­gen und ande­re Frie­dens­brü­che zu unter­drü­cken und inter­na­tio­na­le Strei­tig­kei­ten oder Situa­tio­nen, die zu einem Frie­dens­bruch füh­ren könn­ten, durch fried­li­che Mit­tel nach den Grund­sät­zen der Gerech­tig­keit und des Völ­ker­rechts zu berei­ni­gen oder bei­zu­le­gen;

2. freund­schaft­li­che, auf der Ach­tung vor dem Grund­satz der Gleich­be­rech­ti­gung und Selbst­be­stim­mung der Völ­ker beru­hen­de Bezie­hun­gen zwi­schen den Natio­nen zu ent­wi­ckeln und ande­re geeig­ne­te Maß­nah­men zur Fes­ti­gung des Welt­frie­dens zu tref­fen;

(3) eine inter­na­tio­na­le Zusam­men­ar­beit her­bei­zu­füh­ren, um inter­na­tio­na­le Pro­ble­me wirt­schaft­li­cher,

sozia­ler, kul­tu­rel­ler und huma­ni­tä­rer Art zu lösen und die Ach­tung vor den Men­schen­rech­ten und

Grund­frei­hei­ten für alle ohne Unter­schied der Ras­se, des Geschlechts, der Spra­che oder der Reli­gi­on zu för­dern und zu fes­ti­gen;

4. ein Mit­tel­punkt zu sein, in dem die Bemü­hun­gen der Natio­nen zur Ver­wirk­li­chung die­ser gemein­sa­men Zie­le auf­ein­an­der abge­stimmt wer­den.

 

Arti­kel 51

Die­se Char­ta beein­träch­tigt im Fal­le eines bewaff­ne­ten Angriffs gegen ein Mit­glied der Ver­ein­ten Natio­nen kei­nes­wegs das natur­ge­ge­be­ne Recht zur indi­vi­du­el­len oder kol­lek­ti­ven Selbst­ver­tei­di­gung, bis der Sicher­heits­rat die zur Wah­rung des Welt­frie­dens und der inter­na­tio­na­len Sicher­heit erfor­der­li­chen Maß­nah­men getrof­fen hat. Maß­nah­men, die ein Mit­glied in Aus­übung die­ses Selbst­ver­tei­di­gungs­rechts trifft, sind dem Sicher­heits­rat sofort anzu­zei­gen; sie berüh­ren in kei­ner Wei­se des­sen auf die­ser Char­ta beru­hen­de Befug­nis und Pflicht, jeder­zeit die Maß­nah­men zu tref­fen, die er zur Wah­rung oder Wie­der­her­stel­lung des Welt­frie­dens und der inter­na­tio­na­len Sicher­heit für erfor­der­lich hält.

 

Dies ist nach dem Zwei­ten Welt­krieg ein Fort­schritt in der Mensch­heits­ge­schich­te gesche­hen. Auch wenn das öffent­lich zu sel­ten betont wird: Der klas­si­sche Krieg ist völ­ker­recht­lich ver­bo­ten. Die EKD hat sich 2007 zu die­sen Fra­gen m. E. sehr beson­nen geäu­ßert: http://www.ekd.de/download/ekd_friedensdenkschrift.pdf . Das ist auch der Hin­ter­grund der rhe­to­risch zuge­spitz­ten Äuße­rung Mar­got Käß­manns „Nichts ist gut in Afgha­ni­stan!“ Damit war gemeint – was inzwi­schen offen zuta­ge liegt –, dass weder der „Frie­den“ durch Waf­fen­ge­walt gegen die „Tali­ban“ gesi­chert wer­den konn­te noch die Bekämp­fung von Armut und Hun­ger ernst­haft in die Wege gelei­tet wur­de. Es hat eini­ge Vor­zei­ge­pro­jek­te wie Schu­len für Mäd­chen usf. gege­ben. Prin­zi­pi­ell geht die Hal­tung der evan­ge­li­schen Kir­chen mit der Rol­le der UNO kon­form. Aber die Denk­schrift erfasst klar die mög­li­chen Schwä­chen sol­cher Ein­sät­ze. Dar­über könn­ten wir im Juli eine Ein­heit machen, so ein mög­li­cher Vor­schlag. Gegen­über­stel­len könn­te man das zu Joa­chim Gaucks Rede vor der Füh­rungs­aka­de­mie der Bun­des­wehr.

« Die „Völ­ker­ta­fel“ (1. Mose 10 [TUD]) – Pes­sach- und Abend­mahl bei Lk (Uni Hei­del­berg) »

Info:
Gewalt­tä­ti­ger Wider­stand? ist Beitrag Nr. 2515
Autor:
Martin Pöttner am 14. Juni 2012 um 11:35
Category:
Religion und Mystik
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