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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Mar­kus 14 (Uni Hei­del­berg)

In unse­rer Debat­te spiel­te die Fra­ge, wie­so es inner­halb der christ­li­chen Theo­lo­gie zu einem der­art dras­ti­schen Miss­ver­ständ­nis des tou­to estin gekom­men ist, eine gewis­se Rol­le. M. E. des­we­gen, weil – phi­lo­so­phisch geur­teilt – die Fra­ge von Ethik und Rhe­to­rik hin zur Sub­stanz­me­ta­phy­sik ver­scho­ben wur­de, was offen­bar dem Chris­ten­tum grö­ße­re Aner­ken­nungs­chan­cen zu sichern schien …

Der Mar­kus­text ent­hält wohl alle Züge des Ritu­als, nicht zuletzt aber auch mit der Sze­ne über das „Ein­tau­chen“ und das Aus­lie­fe­rungs­mo­tiv sehr erns­te Züge, weil der Kon­text, den Pau­lus andeu­tet, expli­zit gemacht wird. Es geht um den gewalt­sa­men Tod Jesu – und kei­ner der Schü­ler konn­te aus­schlie­ßen, dass er selbst Jesus aus­lie­fern wer­de. Die Sze­ne macht auch die Wor­te Jesu ver­ständ­li­cher:

(1)  Jesus nimmt das Brot,

(2)  spricht das Dank­ge­bet,

(3)  bricht das Brot,

(4)  gibt das Brot den Schü­lern,

(5)  for­dert sie auf, es zu neh­men und zu essen.

(6)  Jesus deu­tet den Vor­gang: „Dies ist mein Leib!“

(7)  Jesus nimmt den Kelch,

(8)  spricht das Dank­ge­bet,

(9)  gibt ihnen den Kelch,

(10)                    for­dert die Schü­ler auf, die­sen zu neh­men und alle dar­aus zu trin­ken.

(11)                    Sie trin­ken alle dar­aus.

(12)                    Jesus deu­tet den Vor­gang: „Dies ist mein Blut des Bun­des, das für vie­le ver­gos­sen wird!“

(13)                    Jesus teilt mit, er wer­de bis zum end­zeit­li­chen Mahl in der basi­leia vom „Gewächs des Wein­stocks“ nicht mehr trin­ken.

Punkt (10) ist ellip­tisch durch den Kon­text nahe­ge­legt. Punkt (13) spannt wie bei Pau­lus („Ver­kün­di­gung des Todes des Herrn solan­ge, bis er kommt“ den Zeit­ho­ri­zont auf. Man kann das neu­tral als „Bericht“ o. Ä. lesen, weil es kei­nen Wie­der­ho­lungs­be­fehl gibt. Die aus­führ­li­che Struk­tur macht das eher unwahr­schein­lich. Hier gilt wohl doch: Die Form ist durch das Ritu­al bestimmt. Die grie­chi­schen Tex­te kom­men nächs­te Woche!

Wir müs­sen all­mäh­lich begin­nen, die Deu­tun­gen zu ver­ste­hen! Wie­so kann Jesus im Kon­text der Sze­ne, die von sei­nem Aus­lie­fern han­delt, von sei­nem Leib im Blick auf das gebro­che­ne, geteil­te und geges­se­ne Brot spre­chen – und eben­so von sei­nem „Blut des Bun­des“ im Blick auf das „Gewächs des Wein­stocks“ spre­chen?

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Info:
Mar­kus 14 (Uni Hei­del­berg) ist Beitrag Nr. 2494
Autor:
Martin Pöttner am 3. Juni 2012 um 14:26
Category:
Allgemein
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