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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Geis­tes­kraft

Am ers­ten Pfingst­sonn­tag 2011 befand ich mich in den Schmie­der-Kli­ni­ken Hei­del­berg zur Reha­bi­li­ta­ti­on nach mei­nem Schlag­an­fall, der gut zwei Mona­te vor­her wäh­rend eines Semi­nars im Öku­me­ni­schen Insti­tut statt­ge­fun­den hat­te. Mein Zim­mer befand sich fast gegen­über der Kli­nik-Kapel­le, in der auch Hel­mut Kohl sei­ne jun­ge Frau gehei­ra­tet hat­te. Nor­mal benutz­te ich für wei­te­re Gän­ge, die län­ger als 50 m waren, mei­nen Rol­la­tor. In die ruhi­ge und eher dunk­le Kapel­le, die ich wegen ihres Lichts, das durch die far­bi­gen Fens­ter fiel, sehr moch­te, ging ich wirk­lich zu Fuß. Evan­ge­li­sche und katho­li­sche Got­tes­diens­te wech­sel­ten sich ab, dies­mal war ein mir sym­pa­thi­scher Pries­ter an der Rei­he.

Es war der zwei­te Sonn­tag im Juni – und die Son­ne strahl­te durch die Fens­ter, far­big gebro­chen, her­ein. Der Pries­ter sprach über den Geist, der in Bewe­gung bringt und setzt. Sei­ne Bot­schaft sprach mich direkt an. Ich erin­ner­te mich dar­an, dass ich mei­nem rech­ten Bein den Auf­trag gege­ben hat­te, sich nach rechts und nicht mehr atak­tisch nach links in die Mit­te zu bewe­gen, sodass ich in Gefahr stand zu stol­pern. Das war vor etwa vier Wochen gewe­sen. Nach einer Woche gehorch­te mir das Bein. Es war ein gewal­ti­ger Schritt nach vorn gewe­sen. Nun stan­den viel­leicht noch schwie­ri­ge­re Pha­sen vor mir. Mir war deut­lich, dass mei­ne Frau sich von mir schei­den las­sen woll­te. Den­noch hoff­te ich, dass dies nicht der Fall sein wer­de – eine Ver­söh­nung mög­lich sei.

Sie war über Pfings­ten nach Treucht­lin­gen gefah­ren, wo mein Sohn Adri­an ent­spre­chend Feri­en machen konn­te. Mei­ne Schwes­ter und mein Schwa­ger waren empört und besuch­ten mich von Freu­den­berg aus in Hei­del­berg. So war es ein ganz schö­ner Pfingst­sonn­tag, den wir nach­mit­tags in Klos­ter Neu­burg bei öko­lo­gisch erzeug­ter Nah­rung ver­brach­ten. Der Nach­mit­tag mach­te mir mei­ne Gren­zen deut­lich. Mei­ne Schwes­ter sprach viel, auch mein Schwa­ger, aber nach zwei Stun­den war ich erschöpft – und woll­te in die Kli­nik zurück­ge­bracht wer­den.

Ich ließ den Tag Revue pas­sie­ren – und erkann­te, dass der Got­tes­dienst am Mor­gen eine für mich wich­ti­ge Bot­schaft ent­hal­ten hat­te. Ich beschloss, ab dem zwei­ten Pfingst­tag, den Rol­la­tor nicht mehr zu benut­zen. Der ers­te Pfingst­tag im letz­ten Jahr war für mich also wirk­lich bewe­gend gewor­den. Der Got­tes­dienst gehört zu den wich­ti­ge­ren Erleb­nis­sen mei­nes Lebens.

Fast ein Jahr danach erin­ne­re ich mich dar­an – und spü­re die Kraft des Geis­tes, der mich in Bewe­gung gesetzt hat.

Ich hof­fe, dass ab Diens­tag eine wesent­li­che Ursa­che des Schlag­an­falls, mei­ne schwe­re obstruk­ti­ve Schlaf­apnoe, the­ra­piert wer­den kann. Dann wer­de ich wohl wie­der ganz beweg­lich.

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Info:
Geis­tes­kraft ist Beitrag Nr. 2489
Autor:
Martin Pöttner am 27. Mai 2012 um 09:35
Category:
Religion und Mystik
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