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Alltag und Philosophie - Im Alltag liegen Weisheit und Liebe verborgen …


Gal 3,26-29

Die Teilnehmer/innen hat­ten noch etli­che Nach­fra­gen zu 1Kor 15. Dabei stand der Ver­wand­lungs- und Pro­zess­ge­dan­ke im Vor­der­grund, von dem man­che kirch­lich noch nichts gehört haben. Mög­lich ist, dass auch Pau­lus durch­aus „nega­tiv“ von Gott und der Auf­er­we­ckung spricht. Gleich­wohl ist posi­tiv zu erken­nen, dass der „Leib“ für ihn ein Bezie­hungs­be­griff ist, der ein Selbst­ver­hält­nis, Welt­ver­hält­nis­se und das durch Chris­tus ver­mit­tel­te Got­tes­ver­hält­nis bezeich­net. Als „Leib Chris­ti“ kann das Wort meta­pho­risch sogar die Gemein­de bezeich­nen. Zwar erfährt man wenig dar­über, wie die­ser „geist­li­che“ Leib nun genau aus­sieht, aber klar ist, dass auch der Leib im „Glanz“ auf ande­re, ande­res, sich selbst und Gott bezo­gen ist.

Mit der aus­führ­li­chen Erör­te­rung von Gal 3,26-29 schlos­sen wir den Pau­lus­teil zur Anthro­po­lo­gie ab, bevor wir zu Mt 6,19ff über­ge­hen. Man­chen erschien der Text vor dem Hin­ter­grund ihrer kirch­li­chen Erfah­rung eher revo­lu­tio­när. Natür­lich gibt es bei Pau­lus auch gegen­tei­li­ge Tex­te, es ist unsi­cher, ob die­se nach­pau­li­nisch sind – oder Pau­lus einen schwa­chen Tag hat­te. Jeden­falls ist Gal 3,26-29 wohl ein altes Tauf­be­kennt­nis o. Ä., das Pau­lus hier zustim­mend zitiert. Danach wird der „Chris­tus“ bzw. Mes­si­as „ange­zo­gen“, die Beklei­dungs­me­ta­pho­rik ist in der Anti­ke ver­brei­tet. Die Fol­ge ist, dass weder „Männ­li­ches noch Weib­li­ches, weder Jude noch Grie­che bzw. Skla­ve noch Frei­er“ in Chris­tus etwas gel­ten. Domi­nanz­be­stre­bun­gen usf. sol­len daher nicht sein. Für unser Grenz­the­ma ist das wich­tig: Anthro­po­lo­gisch wer­den gesell­schaft­li­che und bio­ti­sche Gren­zen über­schrit­ten – ähn­lich wie beim „natür­li­chen“ und „geist­li­chen“ Leib. Alle erfah­ren sich „in Chris­tus“, sind also auf ihn bezo­gen. Das Chris­ten­tum hat über­wie­gend in sei­ner Geschich­te das Poten­zi­al die­ses Tex­tes nicht hin­rei­chend genutzt.

Inter­es­sant ist auch der Bezug auf „Abra­ham“, den „Vater des Glau­bens“ usf. (vgl. Röm 4). In ihm sind nach 1. Mose 12 alle Völ­ker geseg­net – eine durch­aus aan­ge­mes­se­ne schrift­ge­lehr­te Inter­pre­ta­ti­on, die die­sem Text gegen­über ande­ren Tex­ten den Vor­zug gibt.

Pau­li­nisch ist wie­der klar: Der Mensch kommt aus dem „Glanz“. Die­ser ist ver­lus­tig gegan­gen („Adam“) – und wird durch Kreuz und Auf­er­we­ckung Jesu wie­der für die Men­schen ver­mit­telt. Hier wer­den für die Gegen­wart dann die domi­nan­ten gesell­schaft­li­chen Gegen­sät­ze als vor­über­ge­hend ver­stan­den.

Die Getauf­ten ste­hen exem­pla­risch für alle Men­schen, die die­ser Pro­zess betrifft.

 

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Info:
Gal 3,26-29 ist Beitrag Nr. 2281
Autor:
Martin Pöttner am 6. Dezember 2011 um 18:30
Category:
Mann/Frau,Mensch und Universum,Religion und Mystik,Was ist der Mensch?
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